Tag: Michael Shannon

Notizen #10

Posted by – 24. April 2016

Neuer Job, wieder weniger Zeit, deswegen nur ganz kurz:

Captain America: The Winter Soldier (Anthony Russo, Joe Russo, USA 2014)

Zweitsichtung. Schon das erste Mal mochte ich ihn sehr.Vermutlich bisher mein Lieblingsfilm aus dem Marvel Cinematic Universe. Und das, obwohl ich mit Captain America eigentlich gar nichts anfangen kann. Aber die Russo-Brüder haben da einen echt feinen Film hinbekommen, der sich sowohl gut in die bisherige Reihe einfügt als auch eigene Akzente setzt. Das Superhelden-Genre ist noch nicht ausgelutscht, da ist noch was drin! Habe übrigens vor ein paar Tagen „Captain America: Civil War“ gesehen, ebenfalls von Anthony Russo & Joe Russo. Ein längerer Text, in dem ich vermutlich so was schreiben werde, wie, dass der Film gut, aber eben doch nicht ganz so gut wie „Winter Soldier“ ist, folgt.

The Bling Ring (Sophia Coppola, USA 2013)

„The Virgin Suicides“ und „Lost in Translation“ finde ich toll und auch die allgemein nicht mehr ganz so gut aufgenommenen Folgefilme haben mir gefallen. „The Bling Ring“, eine von wahren Ereignissen inspirierte Geschichte über Jugendliche, die in die Villen von Prominenten einbrechen und Luxusartikel stehlen, ist der erste Film von Sophia Coppola“ mit dem ich nicht so viel anfangen konnte. Oberflächlichkeit hat sie mit „Marie Antoinette“ schon einmal wesentlich interessanter in Szene gesetzt.

The Visit (M. Night Shyamalan, USA 2015)

Wenn man hinterher mal ein wenig genauer darüber nachdenkt, macht die Geschichte von M. Night Shyamalan über zwei Kinder, die zum ersten Mal ihre Großeltern treffen und in deren Haus Zeuge allerlei gruseliger Geschehnisse werden, nicht besonders viel Sinn. Währenddessen ist „The Visit“ aber äußerst spannend und mit angenehmer Ironie erzählt. Und die beiden Kinderdarsteller Olivia DeJonge und Ed Oxenbould machen ihre Sache wunderbar. Ich bleibe dabei: Shyamalan ist ein einfallsreicher, fähiger und ungeheuer vielseitiger Regisseur, dem der Ruf als One-Hit-Wonder absolut zu Unrecht angehängt wird.

10 Cloverfield Lane (Dan Trachtenberg, USA 2016)

Weil „The Witch“ auf den Fantasy Filmfest Nights ausverkauft war, habe ich kurzerhand umdisponiert und mir „10 Cloverflied Lane“ angesehen. Zwar hatte mir „Cloverfield“ damals gar nicht gefallen, aber über den Nachfolger habe ich viel Gutes gehört. Leider ist mir so wieder bewusst geworden, wie wenig man sich doch auf den Geschmack anderer verlassen kann. Nicht, dass ich Trachtenbergs Debüt schlecht fand, aber für mich war das wieder ein Fall von einem zum Langfilm aufgeblasenen Kurzfilm, der außer seiner Grundidee nicht viel zu bieten hat. Ja, John Goodman spielt – wie immer gut – prima, aber dass seine Figur jetzt besonders vielschichtig angelegt und ihr Verhalten überraschend wäre, habe ich nicht gesehen. Insofern war ich von „10 Cloverfield Lane“ milde gelangweilt.

Midnight Special (Jeff Nichols, USA 2016)

Ups, den neuen Film von Jeff Nichols habe ich schon Mitte Februar gesehen und eigentlich wollte ich dazu etwas aufschreiben. Aber die damals frischen Gedanken sind im Licht der letzten Tage zu Staub zerfallen. Wie alle Filme von Nichols ist auch „Midnight Special“ wieder ein subtil eigenartiger Film, aber diesmal einer, zu dem ich nicht so richtig Zugang gefunden habe. Nur als Science-Fiction-Beitrag gesehen, ist das alles in der Tat etwas mager. Wenn man die Geschichte allerdings als Metapher auf das Sterben und den Tod eines Kindes und der Trauer seiner Eltern sieht, gewinnt sie an Bedeutungsreichtum und Intensität. Was mich möglicherweise von der großen Liebe zu diesem Film abhält, ist einfach die Tatsache, dass man zu viel denken muss, um genügend zu fühlen.

Mud (Jeff Nichols, USA 2012)

Posted by – 20. Mai 2014

„Shotgun Stories“ war für mich einer der schönsten Entdeckungen auf der Berlinale 2007 und auch die Freude über „Take Shelter“ vor 2 Jahren war groß! „Mud“, eine  Mischung aus Abenteuer-, Jugend- und „Coming-of Age“-Film, aus Thriller und Familiengeschichte, hat einige Parallelen zum Nichols Debüt. Nicht nur ihren Handlungsschauplatz – den unwirklichen Süden der USA – haben beide Filme gemein. Die Landschaft spielt für Nicols immer eine wichtige Rolle, es ist als würden sich das Land und die auf ihm lebenden Leute gegenseitig bedingen. Doch interessanter als die Gemeinsamkeiten, sind die Unterschiede. „Mud“ ist nicht nur der Name des von Matthew McConaughey grandios gespielten Outlaws, es ist auch Farbe des Films, seiner sumpfigen Landschaften und heruntergekommenen Siedlungen wie auch sein warmer, fast herzlicher (Erzähl-)Ton. Aber Schlamm ist eben auch ein Stoff, der Dinge verbindet und sie zusammenhält. Und auch insofern ist der Titel gut gewählt, funktioniert McConaugheys Figur für den Film und vor allem für den Protagonisten, den Jungen Ellis, wie ein Katalysator, der seine Lebensgeschwindigkeit erhöht, ihn mit der Welt in Kontakt bringt und ihn auf ein neues Seins-Niveau hievt, der seine Lebensform transzendiert. Es um Beziehungen, es geht um Freundschaften. Aber vor allem geht es um die Liebe! Ich etwas ausführlicher dazu: hier.

Man Of Steel (Zach Snyder, USA 2013)

Posted by – 16. Juni 2013

Man Of SteelSuperman hat eine Schwäche: Er ist zu stark. Denn ohne die zumindest hypothetische Chance, dass Superman scheitert, kein Drama. Um ihn verwundbar zu machen, wurde tonnenweise Kryptonit herangeschafft oder ihm eine Frau an die Seite gestellt, die er zu beschützen hatte. So richtig funktionieren wollte das alles nicht. Supermans Schwächen wirkten stets konstruiert und gekünstelt. Jetzt hat sich Zach Snyder („Watchmen“, „Sucker Punch“) dem bekanntesten Superhelden angenommen und das Problem mit der Unbesiegbarkeit auf Snyder-typische Art und Weise gelöst.

Der Planet Krypton ist dem Untergang geweiht. Über die Frage, wie man der drohenden Vernichtung begegnet, kommt es zum Putschversuch durch den Krieger General Zod (Michael Shannon). Der Wissenschaftler Jor-El (Russell Crowe) schafft es gerade noch rechtzeitig, seinen neugeborenen Sohn Kal-El in Sicherheit zu bringen. Er schickt ihn in einer Raumkapsel zur Erde. 30 Jahre später ist aus dem Neugeborenen ein junger Mann geworden. Unter dem Namen Clark Kent (Henry Cavill) lebt er bei seinen Pflegeeltern (Diane Lane und Kevin Costner) auf einer Ranch. Doch Clark ist anders als andere Kinder. Auf der Erde verfügt der Abkömmling von Krypton über Superkräfte. Doch er ist nicht der einzig Überlebende. Auch General Zod und seine Schergen haben überlebt. Und sie wollen die Erde zu einem neuen Krypton machen…

Schon der Anfang des Films, der Militärputsch auf Krypton und die anschließende Zerstörung des Planeten sind bombastisch. Aber das ist angesichts der entfesselten letzten Stunde des Films rein gar nichts. Snyder unterläuft alle Erwartungen und schafft einen Superman der Superlative, einen, der seinen Namen endlich einmal verdient. Clarks Kindheit, die Entdeckung seiner Kräfte, der Versuch, diese verborgen zu halten und die quälende Frage ‚Wo komme ich her?’ sind nur die Ruhe vor dem Sturm. Doch sobald Clark in einem auf der Erde versteckten Raumschiff Hinweise auf seine Abstammung erhält, aktiviert er damit gleichzeitig einen Sender, der Zod über seinen Aufenthaltsort informiert und die Invasion der Erde einläutet.

Die Story von „Man Of Steel“ stammt aus der Feder von Christopher Nolan und David S. Goyer. Dementsprechend düster ist der Stoff geraten. Und natürlich darf man bei Nolan erwarten, dass die Geschichte mehr Tiefe hat als beim Durschnitts-Superhelden-Film. Interessant an „Man Of Steel“ ist in diesem Zusammenhang, dass der Film nicht nur dem Superhelden-Genre, sondern gleichermaßen der Science Fiction verpflichtet ist. Und das nicht nur, weil es viel um Raumschiffe, Technik, Terraforming usw. geht. Auch der Auftakt um Krypton, der Grund warum Jor-El seinen Sohn zur Erde schickt, ebenso wie die Motivation von Zod, nach dem Jungen zu suchen, sind um Grunde Elemente der Science Fiction. Denn immer geht es auch um die Frage der Entstehung, Entwicklung und des Überlebens von Zivilisationen. Die Bewohner Kryptons haben es nicht geschafft, doch zumindest die Waisen unter ihnen unternehmen den Versuch, nicht nur das eigene Volk zu retten, sondern auch anderen Lebewesen im Universum dabei zu helfen, eine nachhaltige Lebensgrundlage zu schaffen. Einer Samenzelle gleich fliegt das Raumschiff mit dem Baby Kal-El durchs Weltall – und es sieht in einer der folgenden Szenen fast so aus, als würde sie die Erde befruchten.

Zum Schluss ist die Saat gesät. Clark Kent hat als Superman auf der Erde Fuß gefasst und die erste Bedrohung abgewendet. Die Menschheit hat einen neuen Helden, einen, der fast schon göttliches Vorbild ist, der sie liebt, aber auch selbst geliebt werden will. Und vielleicht werden sich die Bewohner der Erde durch den Mann in ihrer Mitte bald sogar selbst verändern. Snyder sucht mit „Man Of Steel“ nicht nach dem Kleinen im Großen, dem Menschlichen im Göttlichen. Ihn interessiert vielmehr, wie groß Größe sein kann. Folgerichtig ist er der erste Regisseur, der Superman tatsächlich von der Leine lässt. Superman unchained sozusagen. Zumindest die letzten 40 Minuten des Films, dieses unglaubliche (CGI-)Inferno, ist dann auch wirklich ziemlich dick aufgetragen, manche würden vielleicht sagen, zu „super“, auch weil der Showdown an und für sich gute Schauspieler wie Amy Adams als Reporterin Lois Lane an die Grenzen ihrer Mimik führen. Aber trotzdem ist „Man Of Steel“ vielleicht der beste, auf jeden Fall aber der in sich stimmigste Superman-Film, den es bis dato gibt.

Bild © Warner Bros.
 

Take Shelter (Jeff Nichols, USA 2011)

Posted by – 22. März 2012

Curtis (Michael Shannon) führt ein gutes Leben. Eigentlich hat er wenig Grund zum Klagen. Er und seine Frau Samantha (Jessica Chastain) sind glücklich verheiratet. Zusammen haben sie eine Tochter (Tova Stewart). Doch dann beginnen Curtis’ Albträume zu  quälen: er träumt von einem aufkommenden Sturm, öligem Regen und tot vom Himmel fallenden Vögeln. Obwohl Curtis Mutter unter Schizophrenie leidet und der junge Familienvater deswegen auch bei sich psychische Probleme vermutet, kann er nicht anders, als seine Visionen ernst zu nehmen. Sein Ziel ist es von da an, einen Schutzbunker im Garten zu bauen. Seine Umgebung beobachtet ihn argwöhnisch und  seine Ehe wird durch sein Tun auf eine harte Probe gestellt.

Ein Sturm zieht auf. Ein gewaltiger, doch lautloser Sturm, einer, der alles vernichten wird und von dem noch niemand etwas ahnt. Niemand, außer Curtis. Michael Shannon spielt Curtis mit malenden Kiefern, so als hätte der Sturm in ihm schon sein vernichtendes Werk begonnen. Seiner Präsenz und seiner Fähigkeit, diesem stillen Wahnsinn, eine Gestalt zu geben (dieses hat er auch schon in Filmen wie „Bug“ oder „My Son, My Son, What Have You Done“ gezeigt), ist es zu verdanken, dass „Take Shalter“ der Film geworden ist, der er ist. Dem Zuschauer fällt es immer schwerer die Bedrohung zu lokalisieren. Speist sie sich direkt aus dem Wahnsinn, den Visionen oder geht sie nachher vielleicht von Curtis selbst aus? Ein Sturm zieht auf. Vielleicht. Aber zunächst ist da ein Mann, der sich immer mehr von seiner Umwelt, seinen Freunden, seiner Familie entfernt.

Ein weiteres Mal ist Jeff Nichols ein Ausnahmefilm gelungen. Schon in „Shotgut Stories“ (2007) hat sich Regisseur und Autor Nichols als  genauer Beobachter US-amerikanischer Befindlichkeiten hervorgetan. War sein Debüt noch im einsamen Arkansas angesiedelt, spielt „Take Shelter“ irgendwo im nicht wesentlich belebteren Ohio. Die ländlichen Gegenden scheinen für Nichols Geschichten eine besondere Rolle zu spielen. Auf dem Land ist jeder irgendwie mit jedem verbunden. Hier darf man noch wortkarg sein und sein Ding machen, trotzdem steht man, vielleicht weil so wenig passiert, unter strenger Beobachtung der Mitmenschen. Jedes Handeln hat Folgen und lässt den empfindlichen Mikrokosmos der Gemeinschaft vibrieren. Dies ist es auch, was Curtis immer mehr zu schaffen macht. Sein Umfeld reagiert auf sein seltsames Verhalten wie die Antikörper, die einen Virus entdeckt haben.

„Take Shelter“ ist ein sehr eigener Film, einer, der es dem Zuschauer nicht leicht macht. Die Offenbarungs-Thematik und der starke christliche Bezug haben das Potenzial anzuecken. Außerdem dürfte weder das typische Thriller-Publikum – dazu entwickelt sich Nichols Film zu bedächtig – noch jenes, das auf einen raffinierten Mystery-Plot aus ist, sich in dem Film so richtig zu Hause fühlen. Auch, wenn man am Ende immer noch nicht mit Sicherheit weiß, was dran ist an Curtis Visionen, fügen sich die verschiedenen Puzzleteile doch recht passend zusammen.  Und trotzdem: „Take Shelter“ hinterlässt so ein Gefühl, dass da mehr gewesen sein muss, als man gesehen hat. Vielleicht ist es das existenzielle Grundstimmung des Films, das unsere tiefsten Gefühle, unseren Glauben und das, was wir für Wissen halten, so unangenehm berührt; oder vielleicht ist es die politische Dimension, die im Film zu jeder Zeit spürbar aber doch so wenig greifbar ist, wie der unsichtbare Sturm, der durch Curtis Kopf braust.

Am Ende bricht die Katastrophe über alle herein. Das ist beruhigend, weil man nun endlich weiß, woran man ist. Aber gleichzeitig ist man über alle Maßen verstörend, weil man das Gefühl hat, etwas Wichtiges übersehen zu haben. Etwas, das aus dem Film etwas ganz Anderes machen könnte.

Bild © Ascot Elite