Tag: Monster

Notizen #10

Posted by – 24. April 2016

Neuer Job, wieder weniger Zeit, deswegen nur ganz kurz:

Captain America: The Winter Soldier (Anthony Russo, Joe Russo, USA 2014)

Zweitsichtung. Schon das erste Mal mochte ich ihn sehr.Vermutlich bisher mein Lieblingsfilm aus dem Marvel Cinematic Universe. Und das, obwohl ich mit Captain America eigentlich gar nichts anfangen kann. Aber die Russo-Brüder haben da einen echt feinen Film hinbekommen, der sich sowohl gut in die bisherige Reihe einfügt als auch eigene Akzente setzt. Das Superhelden-Genre ist noch nicht ausgelutscht, da ist noch was drin! Habe übrigens vor ein paar Tagen „Captain America: Civil War“ gesehen, ebenfalls von Anthony Russo & Joe Russo. Ein längerer Text, in dem ich vermutlich so was schreiben werde, wie, dass der Film gut, aber eben doch nicht ganz so gut wie „Winter Soldier“ ist, folgt.

The Bling Ring (Sophia Coppola, USA 2013)

„The Virgin Suicides“ und „Lost in Translation“ finde ich toll und auch die allgemein nicht mehr ganz so gut aufgenommenen Folgefilme haben mir gefallen. „The Bling Ring“, eine von wahren Ereignissen inspirierte Geschichte über Jugendliche, die in die Villen von Prominenten einbrechen und Luxusartikel stehlen, ist der erste Film von Sophia Coppola“ mit dem ich nicht so viel anfangen konnte. Oberflächlichkeit hat sie mit „Marie Antoinette“ schon einmal wesentlich interessanter in Szene gesetzt.

The Visit (M. Night Shyamalan, USA 2015)

Wenn man hinterher mal ein wenig genauer darüber nachdenkt, macht die Geschichte von M. Night Shyamalan über zwei Kinder, die zum ersten Mal ihre Großeltern treffen und in deren Haus Zeuge allerlei gruseliger Geschehnisse werden, nicht besonders viel Sinn. Währenddessen ist „The Visit“ aber äußerst spannend und mit angenehmer Ironie erzählt. Und die beiden Kinderdarsteller Olivia DeJonge und Ed Oxenbould machen ihre Sache wunderbar. Ich bleibe dabei: Shyamalan ist ein einfallsreicher, fähiger und ungeheuer vielseitiger Regisseur, dem der Ruf als One-Hit-Wonder absolut zu Unrecht angehängt wird.

10 Cloverfield Lane (Dan Trachtenberg, USA 2016)

Weil „The Witch“ auf den Fantasy Filmfest Nights ausverkauft war, habe ich kurzerhand umdisponiert und mir „10 Cloverflied Lane“ angesehen. Zwar hatte mir „Cloverfield“ damals gar nicht gefallen, aber über den Nachfolger habe ich viel Gutes gehört. Leider ist mir so wieder bewusst geworden, wie wenig man sich doch auf den Geschmack anderer verlassen kann. Nicht, dass ich Trachtenbergs Debüt schlecht fand, aber für mich war das wieder ein Fall von einem zum Langfilm aufgeblasenen Kurzfilm, der außer seiner Grundidee nicht viel zu bieten hat. Ja, John Goodman spielt – wie immer gut – prima, aber dass seine Figur jetzt besonders vielschichtig angelegt und ihr Verhalten überraschend wäre, habe ich nicht gesehen. Insofern war ich von „10 Cloverfield Lane“ milde gelangweilt.

Midnight Special (Jeff Nichols, USA 2016)

Ups, den neuen Film von Jeff Nichols habe ich schon Mitte Februar gesehen und eigentlich wollte ich dazu etwas aufschreiben. Aber die damals frischen Gedanken sind im Licht der letzten Tage zu Staub zerfallen. Wie alle Filme von Nichols ist auch „Midnight Special“ wieder ein subtil eigenartiger Film, aber diesmal einer, zu dem ich nicht so richtig Zugang gefunden habe. Nur als Science-Fiction-Beitrag gesehen, ist das alles in der Tat etwas mager. Wenn man die Geschichte allerdings als Metapher auf das Sterben und den Tod eines Kindes und der Trauer seiner Eltern sieht, gewinnt sie an Bedeutungsreichtum und Intensität. Was mich möglicherweise von der großen Liebe zu diesem Film abhält, ist einfach die Tatsache, dass man zu viel denken muss, um genügend zu fühlen.

The Babadook (Jennifer Kent, Australien 2014)

Posted by – 11. April 2015

babadookStephen King sagt: „Deeply disturbing and highly recommended“. William Friedkin sagt: „I’ve never seen a more terrifying film“. Ich hab dann gesagt: Das klingt ja vielversprechend!

In „The Babadook“, dem Debütfilm der Australierin Jennifer Kent, geht es um die alleinerziehende Mutter Amelia (Essie Davis), die mit ihrem Sohn Samuel (Noah Wiseman) zusammenlebt. Seit dem Unfall-Tod ihres Ehemanns und Sams Vaters haben es die beiden nicht leicht, der Sohn hat Albträume, und Amelia weiß sich kaum noch zu helfen. Als sie in der Wohnung ein Kinderbuch über die Gruselgestalt Babadook findet, verschlimmert sich die Situation. Sams Albträume werden schlimmer, manchmal scheint er wie besessen. Als sich die seltsamen Vorfälle häufen, zieht sich die überforderte Frau mit ihrem Sohn immer mehr zurück.

„Angst! Wut! Zorn! Aggressive Gefühle! Die dunkle Seite der Macht sind sie!“ hat Yoda mal gesagt. Aber nicht nur das, diese Gefühle sind auch die Essenz, aus denen Horrorfilme gemacht sind – und das mindestens in dreifacher Hinsicht. Natürlich sollen solche Filme dem Zuschauer erstens ganz einfach Angst machen. Doch zweitens ist sie oft auch das Gefühl, das dem Bösen seine Macht gibt. Drittens und wichtigstens manifestieren sich in Horrorfilmen Gefühle oft zu fleischlichen Wesen. Dieser psychogenetischer Horror ist mal mehr (z.B. in „Honeymoon“ oder „Mama“), mal weniger offensichtlich (z.B. „Child’s Play“). „The Babadook“ darf hier aber, denke ich, zu den eindeutigen Vertretern gezählt werden, auch wenn Jennifer Kents geschickte Metapher über Verdrängung ihre Spannung eine Zeitlang vor allem daraus generiert, indem sie den Zuschauer über ihre Eigentlichkeit im Unklaren lässt. Die Stärke von Kents Debüt ist meiner Ansicht nach ohnehin weniger, dass es hier um eine Manifestation psychischer Zustände geht, sondern welcher Art diese sind. So könnte man den ganzen Film wahrscheinlich als düster gezeichnetes Bild über eine Depression und der Entfremdung zum eigenen Kind als Resultat von missglückter Trauerarbeit deuten. Schöne Idee. Aber.

So ganz verstehe ich die überwiegend positiven, teilweise jubelnden Reviews und zahlreichen Auszeichnungen nicht. Denn ich komme nicht darüber hinweg, dass „The Babadook“ unterm Strich doch ein recht konventionell inszenierter Horrorfilm ist, der darüber hinaus für meinen Geschmack seitens der Hauptdarstellern overacted und zusätzlich noch zäh im Mittelteil und langgezogen am Ende ist. Auch auf die Gefahr hin, dass sich das jetzt vielleicht schlimmer anhört als es gemeint ist, sage ich: „The Babadook“ ist seinem Wesen nach auf jeden Fall kein 08/15-Horrorfilm, seinem Erscheinungsbild aber eben leider schon! Frischer Wein in alten Schläuchen, sozusagen. Ich bin somit ein wenig hin und her gerissen. Ich mochte den Film, aber ich bin zugegeben auch ein kleines bisschen enttäuscht, weil ich denke, dass man die Stärken des Films besser hätte herausarbeiten können.

Bild ©  capelight pictures

Tarantula (Jack Arnold, USA 1955)

Posted by – 21. Juni 2014

TarantulaMit „Tarantula“ schließe ich – 3 Wochen verspätet – den #Monstermay. Film Nummer 7 war „Dainipponjin“ von Hitoshi Matsumoto, zu dem mir aber nicht so recht etwas eingefallen ist. Aber zumindest zum 8. und letzten Film, dem einzigen aus der Liste, den ich bereits kannte, möchte ein paar Sätze schreiben. Dazu muss ich aber etwas ausholen.

Meine erste Begegnung mit Monsterfilmen hatte ich als Kind in der NDR-Spielfilmreihe „Das Gruselkabinett“ (wer kennt das noch?). Es lief „Tarantula“ von Jack Arnold, ein Film über eine mutierte Riesenspinne. Ich erinnere mich, dass meine Eltern, die abends ausgingen, mich unvernünftiger Weise vor dem Film warnten, so dass ich selbstverständlich nicht widerstehen konnte. Hätte ich auf meine Eltern gehört, wäre ich wahrscheinlich von einigen schlaflosen Nächten verschont geblieben. Aber dann hätte meine filmische Sozialisation auch einen anderen Weg eingeschlagen. Jedenfalls hat mich in „Tarantula“ gar nicht so sehr die riesige Spinne geängstigt, sondern die Mutation, die einer der Wissenschaftler erleiden musste –hervorgerufen durch den Selbstversuch mit einem Wachstumsserum. Die Bilder haben sich festgebrannt.

Vieles, was mich in den folgenden Jahren an Monsterfilmen faszinieren sollte, war bereits in Arnolds Film angelegt. Zum einen – und das ist wahrscheinlich für die meisten Menschen der Grund, Monsterfilme zu mögen – ist es die Angst vor diesen unschönen Kreaturen und die wohlige Gänsehaut, sie aus der sicheren Entfernung des Fernsehsessels beobachten zu können. Hier spiegelt sich die Angst des Menschen vor dem Anderen wider, hier erklärt sich, warum das Monster immer schon ein ausgegrenztes Wesen war, das in unserer Gesellschaft keinen Platz findet und deshalb Monsterfilme oft auch traurige Filme sind. Zum anderen fasziniert mich schon immer, dass die meisten Monster von uns selbst erschaffen oder zumindest irgendwie durch menschliches Verhalten hervorgerufen werden. Das prominenteste Beispiel ist wohl der König aller Monster, „Godzilla“, der als Teil der emotionalen Verarbeitung der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki  gesehen werden kann – das Monster als unsanfter Mahner, unsere Seele nicht der Technik zu verschreiben. Es gibt noch einen dritten Punkt, den ich spannend finde – und auch der ist bei Arnold präsent: Das Monster zielt nicht allein auf die Angstlust der Zuschauer. Es ist ein Wesen, das zwar außerhalb der menschlichen Gesellschaft steht, diese aber gleichzeitig (be)stärkt, weil es ein Symptom des Wunsches nach Verwandlung sind. So unwahrscheinlich das klingt: Im Monster drückt sich die menschliche Sehnsucht anders zu sein, ja nach Transzendenz aus.

Nachdem ich „Tarantula“ nun endlich noch einmal gesehen habe, bin ich sehr erfreut, dass der Film – obwohl ich dem schreckhaften Alter mittlerweile entwachsen bin – seine Wirkung immer noch nicht verfehlt. Das liegt, wie gesagt, weniger an der Spinne und an den für Mitte der 1950er Jahre guten Spezial-Effekten, sondern an den Figuren. Prof. Deemer gespielt von Leo G. Carroll und seine Kollegen sind ein ganz wunderbarer mad scientists, schon allein deswegen, weil sie eigentlich kein Stück verrückt ist. Sie tuen das, was man als Wissenschaftler auch heute eben so tut. Der Wunsch, mehr über die Welt zu wissen und ein größeres Maß an Kontrolle über sie zu haben, reicht völlig aus, um seine Handlungen plausibel zu erklären. Dem Thema „Größe“ eine tiefere Bedeutung oder auch philosophische Qualität abzuringen, wie es ihm dann zwei Jahre später mit„The Incredible Shrinking Man“ glücken sollte, ist ihm hier noch nicht gelungen. In „Tarantula“ ist das große Tier zunächst und vor allem eine Bedrohung für den Menschen – und Sprengstoff das Mittel der Wahl, dieses Problem zu lösen. Was mich zum traurigen aber gleichwohl dann wieder äußerst geglückten Ende des Films bringt: Wer groß ist, bietet auch viel Angriffsfläche. Bye bye Tarantula!

Bild © Koch Media

Howling II: Stirba – Werewolf Bitch (Phillipe Mora, USA 1985)

Posted by – 23. Mai 2014

#MonsterMay 6

„The Howling“ von Joe Dante gilt als Klassiker des modernen Horrorfilms. Der Fortsetzung von Phillipe Mora ist dieses Glück nicht beschieden – und das obwohl sein Film ebenfalls auf der Romanvorlage von Gary Brandner beruht, der die Story aus dem ersten Teil einfallsreich fortführt: Nachdem die Journalistin Karen (im ersten Teil gespielt von Dee Wallace, im zweiten von Hana Ludvikova) zum Werwolf mutiert und daraufhin erschossen wird, machen sich ihr Bruder Ben (Reb Brown) und ihre Freundin Jenny (Annie McEnroe) zusammen mit Werwolfjäger Stefan (Christopher Lee) daran, die Hintergründe von Karens Verwandlung aufzuklären. Als Grund allen Übels wird schnell Werwolfkönigin Stirba ausgemacht. Auf geht’s nach Transsylvanien, um die Königin und ihre haarige Sippe auszumerzen.

Es gibt Filme, da zweifelt man schon kurze Zeit später daran, sie wirklich gesehen zu haben. War das vielleicht nur ein Fiebertraum und man hat gar keine Werwölfe beim Kopulieren beobachtet, geschweigedenn explodierende Zwerge gesehen? Von den versöhnlichen Tönen des nächsten Teils ist im hier noch nicht viel zu merken. Mora interessiert sich eher dafür, das Verhältnis von Menschen und Werwölfen auszuloten oder anderes gesagt: den Graben, der sie trennt, noch ein paar Meter und damit scheinbar unüberwindlich zu vertiefen!

„Howling II: Stirba – Werewolf Bitch“ hat auf IMDB derzeit gerade mal 3,2 von 10 Punkten (Tendenz immerhin steigend), was zeigt, dass der reine Massengeschmack ein schlechter Indikator für die Qualität eines Films darstellt. Warum man „The Howling“ feiert, die beiden Fortsetzungen aber als miese B-Movies verurteilt, obwohl sie doch aus der Feder des gleichen Autors stammen, der offenkundig eine große Geschichte zu erzählen hat, die aus dem Werwolf-Mythos etwas Neues, Ungewöhnliches macht, ist mir ein Rätsel. Ich vermute, dass sich viele Zuschauer von Aspekten des Films abschrecken lassen, die dem geringen Budget (Effekte) oder der unbekümmerten Schauspielführung Moras geschuldet sind und deswegen kein Auge mehr für die inhaltliche Entwicklung des Themas haben. Aber wie das in der Kunst so ist – nicht nur das makellose Stillleben oder fotorealistische Bild, auch ein expressionistisches Gemälde oder Werke der naiven Kunst haben ihre Daseinsberechtigung und lassen sich nicht anhand objektiver Merkmale bewerten.

Beim Blogpost zu „Howling III“ habe ich drei Gründe angeführt, warum ich ihn so mag, erstens, weil er Fantasy im allerbesten Sinne ist, die keine Genregrenzen kennt, zweitens weil er die Erwartungen des Zuschauers immer wieder unterläuft und drittens weil er eine so positive, fast schon humanistische Botschaft enthält, die man in dieser Form und Absolutheit in dem Genre selten bekommt. Zumindest die ersten beiden Gründe gelten unumschränkt auch für den Vorgänger. Was die positive Grundhaltung betrifft, muss man allerdings Abstriche machen. „Howling II“ ist roh und blutig, ungestüm, zeigefreudig und voll auf die Zwölf – alles im Namen der Kunst. Der Konflikt zwischen Mensch und Wolf wird nicht hinterfragt, sondern als schrille Performance geradezu zelebriert. Aber gerade aus diesem Grund ist der Sprung von Teil II zu Teil III so interessant. Ich habe das Gefühl, dass die Radikalisierung des Konflikts, der zumindest von Seiten der Menschen mit gnaden- aber auch gedankenloser Härte ausgetragen wird, ein notweniger Schritt für die Ereignisse von „Howling III: The Marsupials“ ist, den ich, wie diesen Teil auch, nicht nur Trashfreuden und Arthäuslern sehr ans Herz legen möchte. Er wirkt bewusstseinserweiternd.

Bild © Studiocanal
 

Basket Case 2 (Frank Henenlotter, USA 1990)

Posted by – 21. Mai 2014

basket case 1-3#MonsterMay 5

Einer meiner Lieblingsmonsterfilme ist „Nightbreed“ (etwas mehr dazu: hier). Dass mich nun „Basket Case 2“ an Clive Barkers Romanverfilmung erinnert, ist kein Wunder, schließlich geht es auch in Frank Henenlotters Film um ein Refugium für Monster. Die Geschichte des zweiten Teils schließt direkt an die Ereignisse des ersten an. Duane Bradley (Kevin Van Hentenryck) und sein monsterhafter Zwillingsbruder Belial haben den Sturz überlebt und werden in ein Krankenhaus gebracht. Sobald Duane allerdings das Bewusstsein wiedererlangt, fliehen er und Bruder. Sie werden von Granny Ruth (Annie Ross) aufgelesen, die in ihrem Haus Wesen wie Belial Unterschlupf gewährt. Doch die Presse ist den mörderischen Zwillingen schon auf den Fersen…

„Haarsträubender Unfug, der auf den Brechreiz des Zuschauers spekuliert“ befand das Lexikon des Internationalen Films über den ersten Teil von Henenlotters Monsterreihe und auch wenn ich für den zweiten gerade kein Zitat vorliegen habe, vermute ich, dass das Urteil ähnlich ausgefallen wäre. Denn dieser ist ebenfalls „haarsträubender Unfug“ oder in anderen Worten: ziemlich gut! Auch wenn er im Vergleich zum ersten Teil weniger roh anmutet und anfangs deutliche Startschwierigkeiten hat, finde ich ihn inhaltlich sogar etwas besser. Im ersten Teil stand die Beziehung von Duane und Belial im Zentrum, nun geht Henenlotter einen Schritt weiter und beschäftig sich damit, was Monster eigentlich wollen. Nicht überraschend: Sie wollen in Würde leben und lieben. Und nur, wenn man sie nicht lässt, kann es auch mal blutig werden. Apropos „blutig“: Mir war gar nicht bewusst, dass meine Fassung gekürzt ist. Das ist mir leider erst mittendrin aufgefallen. Normalerweise hätte ich wohl abgeschaltet, aber da der Film nach dem etwas drögen Anfang stärker und stärker wird,  habe ich es einfach nicht über mich gebracht. „Basket Case“ bezeichnet im englischen eine Person mit massiven (psychischen) Problemen. Henenlotter arbeitet in diesem Film besser noch als im Vorgänger heraus, wie das Äußere eines Menschen mit seinem Inneren zusammenhängen kann. Das ist bestimmt nicht in dem Sinne gemeint, dass nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnen kann, sondern sehr(!) frei nach Simone de Beauvoir: Als Monster wird man nicht geboren, zu einem Monster wird man gemacht.

Abzüge in der B-Note gibt es für die etwas zu farblose Figur Granny Ruth, deren Motivation, die Kreaturen bei sich aufzunehmen, nie so richtig nachfühlbar wird. Apropos Kreaturen: Auch über das Monsterdesign lässt sich wahrscheinlich streiten. Die einen halten es für extrem originell, die anderen für albern. Ich sortiere mich da irgendwo in der Mitte ein und denke: auch wenn manch Kreatur eher komisch aussieht, erfüllt dies doch seinen Zweck, schon allein weil so das Wahrnehmungsspektrum des Zuschauers geschult und erweitert wird. Die mir liebste Idee des Films ist übrigens Susan (Heather Rattray), die schwanger ist – seit sechs Jahren! Sie und die direkt auf ihre „Enthüllung“ folgenden Ereignisse versehen das Finale des ohnehin großartig durchgeknallten letzten Drittels noch einmal mit ein paar besonders schrillen Tönen.

„Basket Case 2“ erreicht weder den visuellen Ideenreichtum noch die thematische Breite und Tiefe von „Nightbreed“– von Tod Brownings „Freaks“ ganz zu schweigen –, sehenswert weil charmant, zum Schluss ziemlich wild und sogar etwas weise („ripping the faces off people may not be in your best interest“) ist er aber trotzdem.

Bild © ASTRO / Best Entertainment
 

Godzilla (Gareth Edwards, USA 2014)

Posted by – 12. Mai 2014

#MonsterMay zum Vierten oder: Lange Zeit war ich im Glauben, der neue „Godzilla“-Film würde von Gareth „The RaidEvans gedreht. Als mein Irrtum dann aufgeklärt wurde und ich erfahren habe, dass Gareth Edwards der Regisseur ist, war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Sicherlich, durch seinen Debütfilm „Monsters“ hat sich Edwards in Stellung gebracht. Aber so richtig hat mir dieser schon nicht gefallen. Während es dem Allroundtalent dort aber wenigstens noch gelang, einen originellen Blick auf das Thema zu werfen, fällt er bei „Godzilla“ nicht nur hinter sein eigenes Werk zurück – sein neuer Monsterfilm wirkt auch als Genre-Vertreter blass. Ja, er ist bestimmt gut gemeint, man merkt ihm an, dass er die japanischen Vorlagen in Ehren hält, für gut gemacht halte ich ihn allerdings. Ohne ein echtes Zentrum, ohne Figuren, mit denen man mitfiebern kann, ohne ein Ziel und ohne erkennbares intellektuelles Interesse am Thema, hat Edwards Film auf mich seltsam leer gewirkt. Mehr zum dazu in meinem Text auf Kino-Zeit. Ich hätte „Godzilla“ wirklich wirklich gerne vom anderen Gareth gesehen.

Blutgletscher (Marvin Kren, Österreich 2014)

Posted by – 5. Mai 2014

Der Text zu meinem dritten #MonsterMay-Film findet sich ausnahmsweise nicht hier, sondern drüben im Blog des AGM Magazins. Ich war zugegeben ziemlich neugierig auf den Film, der als Österreichs Antwort auf John Carpenters „The Thing“ angepriesen wurde. Die Parallelen sind tatsächlich unverkennbar – und doch misslingt es Regisseur Marvin Kren und Autor Benjamin Hessler meiner Ansicht nach fast komplett, die Stärken ihrer Inspirationsquelle in den eigenen Film hinüberzuretten. Weder das klaustrophobische Potenzial der Forschungsstation noch das agoraphobische der weiten, einsamen Berglandschaft wollen sich entfalten. Und auch das schwer zu fassende, fast schon abstrakte Monster aus Carpenters Film, gibt’s hier lediglich als Schmalspurversion. Nur das Ende dann mit seiner bösartigen Pointe, das hat einiges gerettet. Menschen machen die gleichen Fehler immer wieder. Das ist sowohl das Schlusswort von „Blutgletscher“, kann aber auch als tiefe, dem Horrorfilm inhärente Wahrheit schlechthin verstanden werden.

Godzilla, Mothra And King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack (Shûsuke Kaneko, Japan 2001)

Posted by – 2. Mai 2014

Godzilla, Mothra And King Ghidorah#MonsterMay 2

50 Jahre nach Godzillas Angriff auf Tokyo taucht das riesige Monster plötzlich  wieder in Japan auf. Angetrieben durch die Geister der im 2. Weltkrieg gefallenen Soldaten beginnt es eine riesige Zerstörungsorgie. Niemand kann es aufhalten. Oder können die heiligen drei Schutztiere Baragon, Mothra und Ghidorah helfen?

Nach dem ersten springe ich gleich zu dem dritten Beitrag der Millennium-Reihe und damit dem 25. Godzilla-Film. Ist „Godzilla, Mothra and King Ghidorah – Giant Monsters All-out Attack“ (OT: Gojira, Mosura, Kingu Gidora: Daikaijū Sōkōgeki) der erhoffte Jubiläumsfilm? Ich mache es kurz und antworte: Ja! Shûsuke Kaneko nimmt sich Zeit für die Exposition. Aber im Gegensatz zu „Godzilla 2000: Millennium“ funktioniert der kontinuierliche Anzug der Spannungsschraube hier. Und auch die anfängliche Absenz der Monster wirkt nicht wie eine Leerstelle, sondern steigert schlicht die Vorfreude. Was an dem Film neben seinem dramaturgisch soliden Aufbau und dem exquisiten, ausufernden Finale, in dem Godzilla gegen Mothra, Ghidorah und Baragon (der es nicht einmal in den Titel geschafft hat) antritt , erfreut, ist die Neu-Interpretation des Godzilla-Mythos. Das Monster ist hier nicht mehr der mächtige Naturgott, der uns unsanft ermahnt, unsere Seele nicht der Technik zu verschreiben, der aber, wenn es drauf ankommt, für die Menschen gegen andere Monster eintritt, sondern ein Ungetüm mit einer Stinkwut, das vor allem zerstören will. Find ich gut!

Bild © Splendid

Godzilla 2000: Millennium (Takao Okawara, Japan 1999)

Posted by – 2. Mai 2014

Es ist #MonsterMay! Und da guckt man natürlich Monster-Filme. Aber was ist das eigentlich – ein Monster-Film? Die Antwort finde ich nicht leicht. Im Groben folge ich gerne der Definition von Berndt Schulz aus „Monster machen mobil: die Schrecken der Kinoleinwand“ (Bergisch Gladbach 1988), die besagt, dass Monster vor allem im Science Fiction- und Horrorfilm auftreten, oft Kreuzungen aus Tier und Mensch sind, es sich dabei um urzeitliche oder mutierten Wesen oder auch Aliens handelt und sich entsprechende Filme an die Angstlust der Zuschauer richten.  Für mich sind Monster abnorme Wesen, die zwar außerhalb der menschlichen Gesellschaft stehen, diese aber gleichzeitig (be)stärken, weil sie ein Symptom des menschlichen Wunsches nach Verwandlung und Transzendenz sind.

Bei der Zusammenstellung meiner #MonsterMay-Liste half mir dieser Gedanke allerdings kaum weiter. Eine Frage, die sich mir bei der Auswahl mehrmals gestellt hat: Müssen sich Monster optisch von „normalen“ Menschen unterscheiden? Wie steht es mit menschlichen Monstern wie Norman Bates, Patrick Bateman oder Aileen Wuornos? Um eine Antwort zu umgehen, habe ich erst einmal klassische Monsterfilme gewählt, deren Zugehörigkeit zum Genre relativ unstrittig sein dürfte. Zwei weitere Auswahlkriterien waren: Der Film sollte mir unbekannt sein, musste sich aber schon in meinem Besitz befinden.

Die Godzila-Millennium-Staffel steht seit fast 10 Jahren ungesehen im Regal. Den Anfang meines #MonsterMay machte deswegen der Auftakt der Reihe: „Godzilla 2000: Millennium“. Darin geht es um ein Team von Godzilla-Wissenschaftlern, Godzilla selbst und ein sonderbaren Kometen, der sich als bösartiges Ufo herausstellt.

Die Faszination der „Godzilla“-Filme konnte ich immer nur zum Teil nachvollziehen. Einerseits mochte ich das Monster selbst, das stets wie eine Naturgewalt oder ein prähistorischer Gott über Japan hereinbrach und darüber das Verhältnis vom Mensch zur Natur thematisierte; auf der anderen Seite waren mir die Filme immer etwas zu monoton: Godzilla kommt, macht alles Mögliche kaputt. Versuche, es aufzuhalten, scheitern. Und dann gibt’s noch ein oder mehrere andere Monster, die von Godzilla im Finale zu Pappmaché verarbeitet werden. Was an den „Godzilla“-Filmen insgesamt dennoch vereinnahmt, ist ihr „Spirit“, der sich gerade in der Wiederholung des immer gleichen offenbart. Kennst du einen, kennst du alle. Aber kennst du alle, verstehst du immer noch nicht den einen, den einzig wahren, den König aller Monster. Denn dass Godzilla immer schon mehr sein sollte, als ein Monster, bekommt man auch in „Godzilla 2000: Millennium“ mittgeteilt – man könnte fast sagen mit dem Echsenschweif eingeprügelt: „Godzilla ist in uns. Er steckt in jedem von uns“, heißt es dort wahlweise viel oder nichts sagend an einer Stelle.

Meine Meinung zum Film insgesamt: Wie ein „Godzilla“-Film fühlt er sich zwar an, und rein tricktechnisch ist der Start der Millennium-Reihe gerade noch so okay, aber die Geschichte bietet wenig Neues und ist, was schwerer ins Gesicht fällt, äußerst langatmig angelegt. So richtig los geht der Film eigentlich erst zum Schluss, wenn Godzilla und sein Endgegner Orga (ein Godzilla-ähnliches Wesen, das sich aus dem Ufo manifestiert hat) gegeneinander antreten – und auch diese Auseinandersetzung fällt nicht durch besonderen Einfallsreichtum auf. Dazwischen: Viele, recht blass geratene menschliche Figuren, Faseleinen von Organizer G1 Zellen, aber wenig Godzilla. So ist es in diesem Godzilla-Film nicht das Immergleiche, das ermüdet, sondern vielmehr das Warten darauf.

Fazit: Ein schwacher Auftakt der Millenium-Staffel.

Bild © Splendid

 

Splice (Vincenzo Natali, Kanada, Frankreich, USA 2009)

Posted by – 16. November 2013

spliceNormalerweise schreibe ich die Texte hier im Blog kurz nach dem Sehen der Filme. Im Falle von Vincenzo Natalis „Splice“ sind nach der zweiten Sichtung nun schon mehr als drei Jahre vergangen. Angeregt durch eine Diskussion über den Regisseur und vor allem diesen Film, möchte ich jetzt doch noch einmal ein paar Sätze aufschreiben. Vielleicht führt das dazu, dass der eine oder andere „Splice“ noch einmal eine Chance gibt. Obwohl  Natali 1997 mit „Cube“ einen künstlerisch bemerkenswerten und an den Kinokassen durchaus erfolgreichen Film abgeliefert hat, ist er immer noch kaum mehr als ein Geheimtipp. Daran haben auch die folgenden Spielfilme – der clevere Sci-Fi-Thriller „Cypher“ und die philosophische Komödie „Nothing“ – wenig geändert. Und auch mit dem doppelbödigen Monsterfilm „Splice“ ist Natali weder der kommerzielle Durchbruch noch der Einzug ins Herz der meisten Cineasten gelungen – was mir damals wie heute ein Rätsel ist.

„Splice“ handelt von den Biowissenschaftlern Clive (Adrian Brody) und Elsa (Sarah Polly), die für ein Pharmaunternehmen arbeiten. Dem Paar ist es nicht nur gelungen, ein geklontes Lebewesen zu erschaffen, das für die Produktion von Medikamenten dient, sondern heimlich auch Tier- und Pflanzengenen mit menschlichen Genen zu kreuzen. Das Ergebnis: Ein humanoides Hybridwesen. Da das Wesen, das die beiden Forscher Dren nennen, im Forschungslabor nicht sicher ist, entführen die Wissenschaftler ihre Schöpfung kurzerhand und verstecken es in Elsas Geburtshaus, einer abgelegenen Hütte im Wald. Doch Dren ist nicht nur ein Forschungsobjekt, sondern hat ganz eigene Wünsche und Bedürfnisse.

Die Nähe zu Mary Shellys „Frankenstein“ ist unübersehbar, aber es ließen sich noch eine ganze Reihe anderer Filme nennen, auf die Natali – mal mehr, mal weniger explizit – Bezug nimmt. Man kann „Splice“ also mit Recht als eine Art Best Of des Monsterfilms bezeichnen, und das Finale ist dann auch eine ganz deutliche Verbeugung an die Filme der Hammer Studios der 1950er Jahre. Doch Natali will mehr als das. Aus den Versatzstücken des Genres kreiert er eine Groteske über eine dysfunktionale Familie, die ihre Wünsche auf ihr Kind projiziert (in gewisser Weise ist „Frankenstein“ das ja auch schon) und damit ein Monster erschafft: Elsa selbst stammt aus problematischen Verhältnissen und hat deswegen Angst, ein eigenes Kind zu bekommen. In Dren sieht sie nun die Chance, sich als Mutter auszuprobieren. Clive hingegen hätte das Wesen anfangs am liebsten getötet, doch je mehr das Experiment die Gestalt einer jungen, exotischen Frau annimmt, desto mehr fühlt er sich zu ihr hingezogen. Und irgendwann ist es eigentlich gar nicht mehr so klar, wer hier eigentlich das Monster ist. Die weniger bekannte französische Darstellerin Delphine Chaéac macht ihre Sache als Dren nebenbei bemerkt sehr überzeugend. Wie die postmodernen Eltern des Films erlebt auch der Zuschauer durch sie ein Wechselbad der Gefühle. Nicht nur den ausgeklügelten Special Effects, sondern auch Chaéac hat Natali es zu verdanken, dass er mit Dren (rückwärts für „Nerd“) ein Filmmonster erschaffen konnte, das seinesgleichen sucht.

Mein einziger Kritikpunkt am Film wäre, dass er etwas zu sehr auf das Ziel, weniger auf den Weg dahin ausgerichtet ist. Deswegen macht er vielleicht auch besonders beim ersten Sehen Spaß. Ein starker Film, bei dem es auch bei mehrmaligem Sehen etwas zu entdecken gibt, ist „Splice“ nichtsdestotrotz. Natali untermauert mit ihm seinen Ruf als intelligenter, vielseitiger und meiner Meinung nach sträflich unterschätzter Filmemacher, der nicht nur spannende, sondern auch tiefgründige Geschichten erzählen kann und darüber hinaus alle Register des Genre-Kinos beherrscht. Seltsamer Weise scheinen das andere Menschen anders zu sehen.

P.S. Das erste Mal habe ich „Splice“ auf Fantasy Filmfest Nights 2010 gesehen. Text von damals gibt’s hier.

Bild © Universum