Tag: #MonsterMay

Tarantula (Jack Arnold, USA 1955)

Posted by – 21. Juni 2014

TarantulaMit „Tarantula“ schließe ich – 3 Wochen verspätet – den #Monstermay. Film Nummer 7 war „Dainipponjin“ von Hitoshi Matsumoto, zu dem mir aber nicht so recht etwas eingefallen ist. Aber zumindest zum 8. und letzten Film, dem einzigen aus der Liste, den ich bereits kannte, möchte ein paar Sätze schreiben. Dazu muss ich aber etwas ausholen.

Meine erste Begegnung mit Monsterfilmen hatte ich als Kind in der NDR-Spielfilmreihe „Das Gruselkabinett“ (wer kennt das noch?). Es lief „Tarantula“ von Jack Arnold, ein Film über eine mutierte Riesenspinne. Ich erinnere mich, dass meine Eltern, die abends ausgingen, mich unvernünftiger Weise vor dem Film warnten, so dass ich selbstverständlich nicht widerstehen konnte. Hätte ich auf meine Eltern gehört, wäre ich wahrscheinlich von einigen schlaflosen Nächten verschont geblieben. Aber dann hätte meine filmische Sozialisation auch einen anderen Weg eingeschlagen. Jedenfalls hat mich in „Tarantula“ gar nicht so sehr die riesige Spinne geängstigt, sondern die Mutation, die einer der Wissenschaftler erleiden musste –hervorgerufen durch den Selbstversuch mit einem Wachstumsserum. Die Bilder haben sich festgebrannt.

Vieles, was mich in den folgenden Jahren an Monsterfilmen faszinieren sollte, war bereits in Arnolds Film angelegt. Zum einen – und das ist wahrscheinlich für die meisten Menschen der Grund, Monsterfilme zu mögen – ist es die Angst vor diesen unschönen Kreaturen und die wohlige Gänsehaut, sie aus der sicheren Entfernung des Fernsehsessels beobachten zu können. Hier spiegelt sich die Angst des Menschen vor dem Anderen wider, hier erklärt sich, warum das Monster immer schon ein ausgegrenztes Wesen war, das in unserer Gesellschaft keinen Platz findet und deshalb Monsterfilme oft auch traurige Filme sind. Zum anderen fasziniert mich schon immer, dass die meisten Monster von uns selbst erschaffen oder zumindest irgendwie durch menschliches Verhalten hervorgerufen werden. Das prominenteste Beispiel ist wohl der König aller Monster, „Godzilla“, der als Teil der emotionalen Verarbeitung der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki  gesehen werden kann – das Monster als unsanfter Mahner, unsere Seele nicht der Technik zu verschreiben. Es gibt noch einen dritten Punkt, den ich spannend finde – und auch der ist bei Arnold präsent: Das Monster zielt nicht allein auf die Angstlust der Zuschauer. Es ist ein Wesen, das zwar außerhalb der menschlichen Gesellschaft steht, diese aber gleichzeitig (be)stärkt, weil es ein Symptom des Wunsches nach Verwandlung sind. So unwahrscheinlich das klingt: Im Monster drückt sich die menschliche Sehnsucht anders zu sein, ja nach Transzendenz aus.

Nachdem ich „Tarantula“ nun endlich noch einmal gesehen habe, bin ich sehr erfreut, dass der Film – obwohl ich dem schreckhaften Alter mittlerweile entwachsen bin – seine Wirkung immer noch nicht verfehlt. Das liegt, wie gesagt, weniger an der Spinne und an den für Mitte der 1950er Jahre guten Spezial-Effekten, sondern an den Figuren. Prof. Deemer gespielt von Leo G. Carroll und seine Kollegen sind ein ganz wunderbarer mad scientists, schon allein deswegen, weil sie eigentlich kein Stück verrückt ist. Sie tuen das, was man als Wissenschaftler auch heute eben so tut. Der Wunsch, mehr über die Welt zu wissen und ein größeres Maß an Kontrolle über sie zu haben, reicht völlig aus, um seine Handlungen plausibel zu erklären. Dem Thema „Größe“ eine tiefere Bedeutung oder auch philosophische Qualität abzuringen, wie es ihm dann zwei Jahre später mit„The Incredible Shrinking Man“ glücken sollte, ist ihm hier noch nicht gelungen. In „Tarantula“ ist das große Tier zunächst und vor allem eine Bedrohung für den Menschen – und Sprengstoff das Mittel der Wahl, dieses Problem zu lösen. Was mich zum traurigen aber gleichwohl dann wieder äußerst geglückten Ende des Films bringt: Wer groß ist, bietet auch viel Angriffsfläche. Bye bye Tarantula!

Bild © Koch Media

Howling II: Stirba – Werewolf Bitch (Phillipe Mora, USA 1985)

Posted by – 23. Mai 2014

#MonsterMay 6

„The Howling“ von Joe Dante gilt als Klassiker des modernen Horrorfilms. Der Fortsetzung von Phillipe Mora ist dieses Glück nicht beschieden – und das obwohl sein Film ebenfalls auf der Romanvorlage von Gary Brandner beruht, der die Story aus dem ersten Teil einfallsreich fortführt: Nachdem die Journalistin Karen (im ersten Teil gespielt von Dee Wallace, im zweiten von Hana Ludvikova) zum Werwolf mutiert und daraufhin erschossen wird, machen sich ihr Bruder Ben (Reb Brown) und ihre Freundin Jenny (Annie McEnroe) zusammen mit Werwolfjäger Stefan (Christopher Lee) daran, die Hintergründe von Karens Verwandlung aufzuklären. Als Grund allen Übels wird schnell Werwolfkönigin Stirba ausgemacht. Auf geht’s nach Transsylvanien, um die Königin und ihre haarige Sippe auszumerzen.

Es gibt Filme, da zweifelt man schon kurze Zeit später daran, sie wirklich gesehen zu haben. War das vielleicht nur ein Fiebertraum und man hat gar keine Werwölfe beim Kopulieren beobachtet, geschweigedenn explodierende Zwerge gesehen? Von den versöhnlichen Tönen des nächsten Teils ist im hier noch nicht viel zu merken. Mora interessiert sich eher dafür, das Verhältnis von Menschen und Werwölfen auszuloten oder anderes gesagt: den Graben, der sie trennt, noch ein paar Meter und damit scheinbar unüberwindlich zu vertiefen!

„Howling II: Stirba – Werewolf Bitch“ hat auf IMDB derzeit gerade mal 3,2 von 10 Punkten (Tendenz immerhin steigend), was zeigt, dass der reine Massengeschmack ein schlechter Indikator für die Qualität eines Films darstellt. Warum man „The Howling“ feiert, die beiden Fortsetzungen aber als miese B-Movies verurteilt, obwohl sie doch aus der Feder des gleichen Autors stammen, der offenkundig eine große Geschichte zu erzählen hat, die aus dem Werwolf-Mythos etwas Neues, Ungewöhnliches macht, ist mir ein Rätsel. Ich vermute, dass sich viele Zuschauer von Aspekten des Films abschrecken lassen, die dem geringen Budget (Effekte) oder der unbekümmerten Schauspielführung Moras geschuldet sind und deswegen kein Auge mehr für die inhaltliche Entwicklung des Themas haben. Aber wie das in der Kunst so ist – nicht nur das makellose Stillleben oder fotorealistische Bild, auch ein expressionistisches Gemälde oder Werke der naiven Kunst haben ihre Daseinsberechtigung und lassen sich nicht anhand objektiver Merkmale bewerten.

Beim Blogpost zu „Howling III“ habe ich drei Gründe angeführt, warum ich ihn so mag, erstens, weil er Fantasy im allerbesten Sinne ist, die keine Genregrenzen kennt, zweitens weil er die Erwartungen des Zuschauers immer wieder unterläuft und drittens weil er eine so positive, fast schon humanistische Botschaft enthält, die man in dieser Form und Absolutheit in dem Genre selten bekommt. Zumindest die ersten beiden Gründe gelten unumschränkt auch für den Vorgänger. Was die positive Grundhaltung betrifft, muss man allerdings Abstriche machen. „Howling II“ ist roh und blutig, ungestüm, zeigefreudig und voll auf die Zwölf – alles im Namen der Kunst. Der Konflikt zwischen Mensch und Wolf wird nicht hinterfragt, sondern als schrille Performance geradezu zelebriert. Aber gerade aus diesem Grund ist der Sprung von Teil II zu Teil III so interessant. Ich habe das Gefühl, dass die Radikalisierung des Konflikts, der zumindest von Seiten der Menschen mit gnaden- aber auch gedankenloser Härte ausgetragen wird, ein notweniger Schritt für die Ereignisse von „Howling III: The Marsupials“ ist, den ich, wie diesen Teil auch, nicht nur Trashfreuden und Arthäuslern sehr ans Herz legen möchte. Er wirkt bewusstseinserweiternd.

Bild © Studiocanal
 

Basket Case 2 (Frank Henenlotter, USA 1990)

Posted by – 21. Mai 2014

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Einer meiner Lieblingsmonsterfilme ist „Nightbreed“ (etwas mehr dazu: hier). Dass mich nun „Basket Case 2“ an Clive Barkers Romanverfilmung erinnert, ist kein Wunder, schließlich geht es auch in Frank Henenlotters Film um ein Refugium für Monster. Die Geschichte des zweiten Teils schließt direkt an die Ereignisse des ersten an. Duane Bradley (Kevin Van Hentenryck) und sein monsterhafter Zwillingsbruder Belial haben den Sturz überlebt und werden in ein Krankenhaus gebracht. Sobald Duane allerdings das Bewusstsein wiedererlangt, fliehen er und Bruder. Sie werden von Granny Ruth (Annie Ross) aufgelesen, die in ihrem Haus Wesen wie Belial Unterschlupf gewährt. Doch die Presse ist den mörderischen Zwillingen schon auf den Fersen…

„Haarsträubender Unfug, der auf den Brechreiz des Zuschauers spekuliert“ befand das Lexikon des Internationalen Films über den ersten Teil von Henenlotters Monsterreihe und auch wenn ich für den zweiten gerade kein Zitat vorliegen habe, vermute ich, dass das Urteil ähnlich ausgefallen wäre. Denn dieser ist ebenfalls „haarsträubender Unfug“ oder in anderen Worten: ziemlich gut! Auch wenn er im Vergleich zum ersten Teil weniger roh anmutet und anfangs deutliche Startschwierigkeiten hat, finde ich ihn inhaltlich sogar etwas besser. Im ersten Teil stand die Beziehung von Duane und Belial im Zentrum, nun geht Henenlotter einen Schritt weiter und beschäftig sich damit, was Monster eigentlich wollen. Nicht überraschend: Sie wollen in Würde leben und lieben. Und nur, wenn man sie nicht lässt, kann es auch mal blutig werden. Apropos „blutig“: Mir war gar nicht bewusst, dass meine Fassung gekürzt ist. Das ist mir leider erst mittendrin aufgefallen. Normalerweise hätte ich wohl abgeschaltet, aber da der Film nach dem etwas drögen Anfang stärker und stärker wird,  habe ich es einfach nicht über mich gebracht. „Basket Case“ bezeichnet im englischen eine Person mit massiven (psychischen) Problemen. Henenlotter arbeitet in diesem Film besser noch als im Vorgänger heraus, wie das Äußere eines Menschen mit seinem Inneren zusammenhängen kann. Das ist bestimmt nicht in dem Sinne gemeint, dass nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnen kann, sondern sehr(!) frei nach Simone de Beauvoir: Als Monster wird man nicht geboren, zu einem Monster wird man gemacht.

Abzüge in der B-Note gibt es für die etwas zu farblose Figur Granny Ruth, deren Motivation, die Kreaturen bei sich aufzunehmen, nie so richtig nachfühlbar wird. Apropos Kreaturen: Auch über das Monsterdesign lässt sich wahrscheinlich streiten. Die einen halten es für extrem originell, die anderen für albern. Ich sortiere mich da irgendwo in der Mitte ein und denke: auch wenn manch Kreatur eher komisch aussieht, erfüllt dies doch seinen Zweck, schon allein weil so das Wahrnehmungsspektrum des Zuschauers geschult und erweitert wird. Die mir liebste Idee des Films ist übrigens Susan (Heather Rattray), die schwanger ist – seit sechs Jahren! Sie und die direkt auf ihre „Enthüllung“ folgenden Ereignisse versehen das Finale des ohnehin großartig durchgeknallten letzten Drittels noch einmal mit ein paar besonders schrillen Tönen.

„Basket Case 2“ erreicht weder den visuellen Ideenreichtum noch die thematische Breite und Tiefe von „Nightbreed“– von Tod Brownings „Freaks“ ganz zu schweigen –, sehenswert weil charmant, zum Schluss ziemlich wild und sogar etwas weise („ripping the faces off people may not be in your best interest“) ist er aber trotzdem.

Bild © ASTRO / Best Entertainment
 

Godzilla (Gareth Edwards, USA 2014)

Posted by – 12. Mai 2014

#MonsterMay zum Vierten oder: Lange Zeit war ich im Glauben, der neue „Godzilla“-Film würde von Gareth „The RaidEvans gedreht. Als mein Irrtum dann aufgeklärt wurde und ich erfahren habe, dass Gareth Edwards der Regisseur ist, war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Sicherlich, durch seinen Debütfilm „Monsters“ hat sich Edwards in Stellung gebracht. Aber so richtig hat mir dieser schon nicht gefallen. Während es dem Allroundtalent dort aber wenigstens noch gelang, einen originellen Blick auf das Thema zu werfen, fällt er bei „Godzilla“ nicht nur hinter sein eigenes Werk zurück – sein neuer Monsterfilm wirkt auch als Genre-Vertreter blass. Ja, er ist bestimmt gut gemeint, man merkt ihm an, dass er die japanischen Vorlagen in Ehren hält, für gut gemacht halte ich ihn allerdings. Ohne ein echtes Zentrum, ohne Figuren, mit denen man mitfiebern kann, ohne ein Ziel und ohne erkennbares intellektuelles Interesse am Thema, hat Edwards Film auf mich seltsam leer gewirkt. Mehr zum dazu in meinem Text auf Kino-Zeit. Ich hätte „Godzilla“ wirklich wirklich gerne vom anderen Gareth gesehen.

Blutgletscher (Marvin Kren, Österreich 2014)

Posted by – 5. Mai 2014

Der Text zu meinem dritten #MonsterMay-Film findet sich ausnahmsweise nicht hier, sondern drüben im Blog des AGM Magazins. Ich war zugegeben ziemlich neugierig auf den Film, der als Österreichs Antwort auf John Carpenters „The Thing“ angepriesen wurde. Die Parallelen sind tatsächlich unverkennbar – und doch misslingt es Regisseur Marvin Kren und Autor Benjamin Hessler meiner Ansicht nach fast komplett, die Stärken ihrer Inspirationsquelle in den eigenen Film hinüberzuretten. Weder das klaustrophobische Potenzial der Forschungsstation noch das agoraphobische der weiten, einsamen Berglandschaft wollen sich entfalten. Und auch das schwer zu fassende, fast schon abstrakte Monster aus Carpenters Film, gibt’s hier lediglich als Schmalspurversion. Nur das Ende dann mit seiner bösartigen Pointe, das hat einiges gerettet. Menschen machen die gleichen Fehler immer wieder. Das ist sowohl das Schlusswort von „Blutgletscher“, kann aber auch als tiefe, dem Horrorfilm inhärente Wahrheit schlechthin verstanden werden.

Godzilla, Mothra And King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack (Shûsuke Kaneko, Japan 2001)

Posted by – 2. Mai 2014

Godzilla, Mothra And King Ghidorah#MonsterMay 2

50 Jahre nach Godzillas Angriff auf Tokyo taucht das riesige Monster plötzlich  wieder in Japan auf. Angetrieben durch die Geister der im 2. Weltkrieg gefallenen Soldaten beginnt es eine riesige Zerstörungsorgie. Niemand kann es aufhalten. Oder können die heiligen drei Schutztiere Baragon, Mothra und Ghidorah helfen?

Nach dem ersten springe ich gleich zu dem dritten Beitrag der Millennium-Reihe und damit dem 25. Godzilla-Film. Ist „Godzilla, Mothra and King Ghidorah – Giant Monsters All-out Attack“ (OT: Gojira, Mosura, Kingu Gidora: Daikaijū Sōkōgeki) der erhoffte Jubiläumsfilm? Ich mache es kurz und antworte: Ja! Shûsuke Kaneko nimmt sich Zeit für die Exposition. Aber im Gegensatz zu „Godzilla 2000: Millennium“ funktioniert der kontinuierliche Anzug der Spannungsschraube hier. Und auch die anfängliche Absenz der Monster wirkt nicht wie eine Leerstelle, sondern steigert schlicht die Vorfreude. Was an dem Film neben seinem dramaturgisch soliden Aufbau und dem exquisiten, ausufernden Finale, in dem Godzilla gegen Mothra, Ghidorah und Baragon (der es nicht einmal in den Titel geschafft hat) antritt , erfreut, ist die Neu-Interpretation des Godzilla-Mythos. Das Monster ist hier nicht mehr der mächtige Naturgott, der uns unsanft ermahnt, unsere Seele nicht der Technik zu verschreiben, der aber, wenn es drauf ankommt, für die Menschen gegen andere Monster eintritt, sondern ein Ungetüm mit einer Stinkwut, das vor allem zerstören will. Find ich gut!

Bild © Splendid

Godzilla 2000: Millennium (Takao Okawara, Japan 1999)

Posted by – 2. Mai 2014

Es ist #MonsterMay! Und da guckt man natürlich Monster-Filme. Aber was ist das eigentlich – ein Monster-Film? Die Antwort finde ich nicht leicht. Im Groben folge ich gerne der Definition von Berndt Schulz aus „Monster machen mobil: die Schrecken der Kinoleinwand“ (Bergisch Gladbach 1988), die besagt, dass Monster vor allem im Science Fiction- und Horrorfilm auftreten, oft Kreuzungen aus Tier und Mensch sind, es sich dabei um urzeitliche oder mutierten Wesen oder auch Aliens handelt und sich entsprechende Filme an die Angstlust der Zuschauer richten.  Für mich sind Monster abnorme Wesen, die zwar außerhalb der menschlichen Gesellschaft stehen, diese aber gleichzeitig (be)stärken, weil sie ein Symptom des menschlichen Wunsches nach Verwandlung und Transzendenz sind.

Bei der Zusammenstellung meiner #MonsterMay-Liste half mir dieser Gedanke allerdings kaum weiter. Eine Frage, die sich mir bei der Auswahl mehrmals gestellt hat: Müssen sich Monster optisch von „normalen“ Menschen unterscheiden? Wie steht es mit menschlichen Monstern wie Norman Bates, Patrick Bateman oder Aileen Wuornos? Um eine Antwort zu umgehen, habe ich erst einmal klassische Monsterfilme gewählt, deren Zugehörigkeit zum Genre relativ unstrittig sein dürfte. Zwei weitere Auswahlkriterien waren: Der Film sollte mir unbekannt sein, musste sich aber schon in meinem Besitz befinden.

Die Godzila-Millennium-Staffel steht seit fast 10 Jahren ungesehen im Regal. Den Anfang meines #MonsterMay machte deswegen der Auftakt der Reihe: „Godzilla 2000: Millennium“. Darin geht es um ein Team von Godzilla-Wissenschaftlern, Godzilla selbst und ein sonderbaren Kometen, der sich als bösartiges Ufo herausstellt.

Die Faszination der „Godzilla“-Filme konnte ich immer nur zum Teil nachvollziehen. Einerseits mochte ich das Monster selbst, das stets wie eine Naturgewalt oder ein prähistorischer Gott über Japan hereinbrach und darüber das Verhältnis vom Mensch zur Natur thematisierte; auf der anderen Seite waren mir die Filme immer etwas zu monoton: Godzilla kommt, macht alles Mögliche kaputt. Versuche, es aufzuhalten, scheitern. Und dann gibt’s noch ein oder mehrere andere Monster, die von Godzilla im Finale zu Pappmaché verarbeitet werden. Was an den „Godzilla“-Filmen insgesamt dennoch vereinnahmt, ist ihr „Spirit“, der sich gerade in der Wiederholung des immer gleichen offenbart. Kennst du einen, kennst du alle. Aber kennst du alle, verstehst du immer noch nicht den einen, den einzig wahren, den König aller Monster. Denn dass Godzilla immer schon mehr sein sollte, als ein Monster, bekommt man auch in „Godzilla 2000: Millennium“ mittgeteilt – man könnte fast sagen mit dem Echsenschweif eingeprügelt: „Godzilla ist in uns. Er steckt in jedem von uns“, heißt es dort wahlweise viel oder nichts sagend an einer Stelle.

Meine Meinung zum Film insgesamt: Wie ein „Godzilla“-Film fühlt er sich zwar an, und rein tricktechnisch ist der Start der Millennium-Reihe gerade noch so okay, aber die Geschichte bietet wenig Neues und ist, was schwerer ins Gesicht fällt, äußerst langatmig angelegt. So richtig los geht der Film eigentlich erst zum Schluss, wenn Godzilla und sein Endgegner Orga (ein Godzilla-ähnliches Wesen, das sich aus dem Ufo manifestiert hat) gegeneinander antreten – und auch diese Auseinandersetzung fällt nicht durch besonderen Einfallsreichtum auf. Dazwischen: Viele, recht blass geratene menschliche Figuren, Faseleinen von Organizer G1 Zellen, aber wenig Godzilla. So ist es in diesem Godzilla-Film nicht das Immergleiche, das ermüdet, sondern vielmehr das Warten darauf.

Fazit: Ein schwacher Auftakt der Millenium-Staffel.

Bild © Splendid