Tag: Morgan Freeman

Now You See Me (Louis Leterrier, USA / Frankreich 2013)

Posted by – 6. September 2015

now you see meDie vier Zauberer Atlas (Jesse Eisenberg), Henley (Isla Fisher), Merritt (Woody Harrelson) und Jack (Dave Franco) werden von einem Unbekannten ausgewählt. Sechs Jahre sind sie als „ The Four Horsemen“ weltberühmt und geben, finanziert von dem Millionär Arthur Tressler (Michael Caine), riesige Shows. Doch die vier und der Unbekannte im Hintergrund verfolgen ein ganz anderes Ziel. Bald schon sind ihnen Detective Dylan Rhodes (Mark Ruffalo), die Interpol-Agentin Alma Dray (Mélanie Laurent) und der Spezialist für Trickbetrüger Thaddeus Bradley (Morgan Freeman) auf den Fersen.

Das perfekte Verbrechen hat ohne Frage viel mit Täuschung zu tun. Und so ist es auch eine reizvolle Idee, dass Zauberer ihre Kunst nutzen, um den Superheist durchzuführen. Was auf dem Papier interessant klingt, ist in fertiger Form nach einem Drehbuch von Ed Solomon, Boaz Yakin und Edward Ricourt allerdings unerwartet öde. Da kann auch die flotte Regie von Louis Leterrier nichts retten. Doch woran scheitert „Now You See Me“ genau? Meiner Ansicht nach liegt das vor allem an drei Dingen. Erstens: Der Haltung des Films bzw. seiner Autoren. Boaz Yakin, Edward Ricourt und Ed Solomon kommen sich selbst so schlau vor, dabei ist ihr Werk im Detail alles andere als das. Der große Plan, der am Ende dem staunenden Zuschauer offenbart wird, ist in Wirklichkeit so löchrig wie ein Schweizer Käse. Man darf staunen, dass er überhaupt funktioniert hat. So lange der Film unterhält, ist es vielleicht nicht ganz so wichtig, ob das alles Sinn macht, was mich zum zweiten Kritikpunkt bringt. Nach der Exposition und spätestens nach der ersten großen Show, in der die Zauberer eine Bank ausrauben, geht dem Film merklich die Luft aus. Keine der kommenden Shows erreicht den Unterhaltungswert der ersten, und das Finale ist dann der absolute Tiefpunkt an Entertainment. Doch selbst dieser dramaturgische Sinkflug des Films wäre vielleicht bei (dritter Kritikpunkt) weniger farblosen Figuren noch zu verschmerzen gewesen. Das was Steven Soderbergh bei den „Oceans“-Filmen geschafft hat, gelingt Leterrier hier nicht im Ansatz. Eisenberg, Fisher, Harrelson und Franco hinterlassen keinen bleibenden Eindruck und auch Altstars wie Freeman oder Cain können viel retten.

Die drei genannten Punkte waren für mich die Hauptgründe, dass der „Now You See Me“ für mich nicht funktioniert hat. Da muss ich gar nicht erst erwähnen, dass die Auflösung sehr unglaubwürdig war. Aber ich kann zumindest nachvollziehen, dass man den Film auch mögen kann. Er ist wie gesagt flott inszeniert und er hat das Potenzial das zu schaffen, was ein guter Zaubertrick schaffen sollte, nämlich die Aufmerksamkeit der Zuschauer vom Eigentlichen abzulenken. Wem es reicht, dass er nach etwas mehr als 100 leidlich unterhaltsamen Minuten erfolgreich getäuscht wurde, darf sich freuen. Nur wer sich wie ich hinterher darüber ärgert, dass hier nichts Substanz hatte, dass 99 Prozent des Films Täuschung für das letzte Aha-Prozent sind, sollte einen Bogen um diesen „Zaubertrick“ machen und es vielleicht doch lieber noch einmal mit „The Prestige“ oder „The Incredible Burt Wonderstone“ (meine Rezension dazu gibt’s hier) versuchen.

Bild © Concorde

Oblivion (Joseph Kosinski, USA 2013)

Posted by – 17. April 2013

oblivionDie Erde wurde angegriffen. Die Menschheit hat gegen die Aliens gewonnen – doch  ihre Heimat liegt nun in Schutt und Asche. Während sich ein Großteil der überlebenden Menschheit auf den Weg zum Mond Titan gemacht hat, halten der Techniker Jack (Tom Cruise) und seine Frau Victoria (Andrea Riseborough) die Stellung auf der Erde. Sie überwachen den Abbau wertvoller Ressourcen,  halten die Maschinen in Gang und verteidigen diese gegen Plünderer. Dann fällt plötzlich eine Frau vom Himmel (Olga Kurylenko), die Jack aus seinen Träumen zu kennen glaubt…

Diebstahl von Ideen, Unoriginalität, Logiklöcher & Plotholes, Tom Cruise, Style Over Substance… – „Oblivion“ Joseph Kosinski hat sich schon so einiges vorwerfen lassen müssen. Hinzu kam noch die peinliche Sache mit der Graphic Novel, auf der die Story angeblich beruhte, bei der es sich dann aber doch nur um ein paar-seitiges Werbematerial handelte. Ich will jetzt gar nicht einzeln auf alle Punkte eingehen und auch nicht meine eigenen Kritikpunkte an den Film ausführen (die Action-Szene mit den drei Drohnen, Morgan Freeman). Ich möchte nur sagen, dass es mir manchmal recht willkürlich zu sein scheint, ob man das Werk eines Filmemachers als cleveres Zitatkino, liebevolle Hommage oder eben als Plagiat einstuft. In diesem Falle finde ich es jedenfalls nicht schlimm, dass Kosinski vor vielen Science-Fiction-Klassikern würdevoll seinen Hut zieht. Mir hat das Wiedererkennen der Vorlagen jedenfalls Spaß gemacht.

Im Zusammenhang mit dem „Das haben wir doch alles schon gesehen“-Vorwurf möchte ich auch noch meine Verwunderung zum Ausdruck bringen, dass damit allem Anschein nach auch die Grundidee des Films gemeint ist. Meiner Meinung nach ist sie weder aus einem anderen Film „geklaut“ noch kann man ihr eine gewisse Cleverness absprechen. Jetzt muss ich mal spoilern: Es geht ja im Wesentlichen darum, dass sich außerirdische Invasoren der Menschen selbst bedienen, um die Erde zu erobern bzw. auszubeuten. Sie nutzen genau das, was sie beim Erstkontakt vorfinden: Ein Spaceshuttle und die darauf befindlichen Informationen – inklusive Besatzung. Sehr treffend lässt sich ein großer Teil des Films, verstärkt durch die kühlen, technisch-glatten Bilder, deswegen auch als Metapher der Entfremdung des Menschen von sich selbst interpretieren. Der Mensch wird als Instrument einer fremden Macht zu seinem eigenen Feind. Ohne es zu wissen. Schon dieser Teil des Plots ist meiner Meinung nach gute Science Fiction. Kosinski hebt seine Geschichte allerdings noch auf eine höhere Ebene. Denn: Warum merkt der Mensch eigentlich nicht, dass er manipuliert wird? Warum schöpft er keinen Verdacht? Ganz einfach: weil er vergisst.

Er vergisst und zwar alle fünf Jahre. Und hier kommen wir zum Titel – „Oblivion“. Im Film sind die Aliens dafür verantwortlich, weil sie ihre menschlichen Werkzeuge alle fünf Jahre einer Gedächtnislöschung unterziehen. So wird aufkeimender Verdacht im Keim erstickt. In der Zwischenzeit reicht eine gute Geschichte aus den Bestandteilen Mann, Frau, wichtiger Job, Zukunftsplan und Hoffnungen, um die Protagonisten auf Spur zu halten. Im Film sind es Aliens, die Menschen vergessen lassen, aber in Wirklichkeit vergisst die Menschheit auch ganz gut allein, oder? Und auf einmal ist „Oblivion“ nicht einfach nur gute Science Fiction, sondern ein tiefenpsychologischer Ökothriller und eine drastische Gesellschaftskritik, die man hinter den spiegelnden Oberflächen des Films nicht so leicht erkennt. Dort sieht man nur sein eigenes Gesicht.

Bild © Universal Pictures 
 

The Dark Knight Rises (Christopher Nolan, USA / UK 2012)

Posted by – 20. Juli 2012

„Memento“ hat mich damals auf dem Fantasy Filmfest wirklich umgehauen. Einen so originell erzählen und trotzdem derart spannenden Film hatte ich bis dahin noch nicht gesehen. Mit allen weiteren Filmen von Christopher Nolan – „Inception“ mal ausgenommen, den fand ich von Anfang an gut – hatte ich aber immer erst meine Probleme. Nach einigem Nachdenken haben sie mir dann aber stets doch ganz gut gefallen. Ich fürchte, „The Dark Knight Rises“ wird hier eine Ausnahme bilden. Wie ich auch bei Kino-Zeit ausführen durfte, unterscheidet sich der Film gar nicht wesentlich von den beiden Vorgängern. Im Gegensatz zum ersten Teil ist natürlich der Reiz des Neuen verschwunden; und verglichen mit dem zweiten fehlt „The Dark Knight Rises“ eine so starke Figur, wie Heath Ledger sie im Joker verkörperte. Auch wenn die Zutaten im Grunde die gleichen sind, hat mir der Abschluss der Trilogie einfach keine rechte Freude gemacht. Zwar setzt sich Nolan wieder über alle Konventionen hinweg und schüttelt etliche gute Szenen aus dem Ärmel, trotzdem hat bei mir der Frust über die zerfahrene Geschichte und die Geschwätzigkeit der Figuren überwogen. Das soll aber nur als vorläufige Meinung verstanden werden. Auch die anderen Nolans sind mit der Zeit gereift. Bei Nolan sind die Bilder sehr oft Metaphern für die psychischen Dispositionen seiner Helden. Bei Bruce Wayne, seinem Alter Ego Batman und der Stadt Gotham scheint mir dies besonders deutlich zu werden. Unter diesem Aspekt möchte ich mir die drei Teile in absehbarer Zeit gerne noch einmal ansehen.