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Wolf Creek (Greg McLean, Australien / Kanada 2005)


Wolf CreekZu den cineastischen (Horror-)Sensationen der letzten 10 Jahre gehört für mich eindeutig die Low-Budget-Produktion „Wolf Creek“, die viele Genreverwandten mit Leichtigkeit in die Tasche steckt. Zur Story, die angeblich auf einer wahren Begebenheit fußt: In einem klapprigen Auto touren die Engländerinnen Liz (Cassandra Magrath) und Kristy (Kestie Morassi) mit ihrem australischen Freund Ben (Nathan Phillips) durchs endlose Hinterland des 5. Kontinents. Nach mehreren feuchtfröhlichen Stationen, Nächten im Zelt,Erfahrungen mit verrohten Einheimischen und einer zaghaften Annäherung zwischen Liz und Ben, kommen die drei schließlich im einsamen Nationalpark „Wolf Creek“ an.

Von hier aus hätte der Film auch ohne weiteres als romantisches Roadmovie vor den atemberaubenden Kulissen des „Back of beyond“ weitergehen können. Doch wer weiß, in welchem Genre er sich befindet, weiß auch, dass es anders kommen muss: Als die drei Backpacker versuchen, ihre Reise fortzusetzen, merken sie, dass ihr Wagen nicht mehr funktioniert und sie Stunden von der nächsten Zivilisationsoase entfernt in der Wildnis festsitzen. „Zum Glück“ erscheint Hilfe in Gestalt des Naturburschen Mick (John Jarret), der sie mit seinem Truck zu seinem Camp abschleppt. Dass Mick entgegen dem ersten Anschein kein netter Mensch ist und andere Pläne mit ihren hat, erfahren die drei am nächsten Morgen.

Strukturell haben Greg McLeans „Wolf Creek“ und Eli Roths „Hostel“ aus dem gleichen Jahr (und meiner Meinung nach ebenfalls ein herausragender Horrorfilm!) viel miteinander gemein. Beide Filme setzten auf eine sehr lange Exposition, um die Figuren vorzustellen. In beiden Fällen handelt es sich bei den Protagonisten um Backpacker, deren Reise durch ein fremdes Land direkt ins Verderben führt. Und genau wie in „Hostel“ sind es auch in „Wolf Creek“ die Einheimischen bzw. einer von denen, der für die jungen Touristen das Ende der Reise bedeuten. Das waren allerdings auch schon die Gemeinsamkeiten, denn atmosphärisch gehen beide Filme unterschiedliche Wege. Während Roth dem Zuschauer mit diebischer Freude Genreklischees neu verpackt präsentiert und auf dessen voyeuristische Neigungen baut, beschreitet McLean beinahe dokumentarische Wege und erzeugt dadurch einen Realismus, der an die Nieren geht. Und im Vorbeigehen räumt der Regisseur mit dem Crocodile-Dundee-Mythos auf und zeichnet ein sehr düsteres Portrait des Kontinents, in dessen unendlichen Weiten sich der Wahnsinn ausbreitet.

Die Hoffnung, dass sich McLean nach „Wolf Creek“ als einer der großen seines Fachs etablieren würde, haben sich für mich allerdings mittlerweile fast zerschlagen. Der Krokodil-Horrorfilm „Rogue“ aus dem Jahre 2007 war unspektakulär, aber alles in allem noch durchaus ok. In dem unangenehm zynischen „Wolf Creek 2“ (2014) hingegen, mit dem McLean versucht, an seinen erfolgreichen Debütfilm anzuschließen, setzt der Australier ganz auf das Prinzip der Steigerung und nivelliert so alles, was den Vorgänger so interessant macht. (Dazu hier eine Kurz-Notiz.) Aber auch wenn McLean nun nicht der große Horror-Hoffnungsträger ist: „Wolf Creek“ ist und bleibt eine dreckige kleine Genre-Perle, die man kennen sollte.

Bild © Studiocanal