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The Wicker Man (Neil LaBute, USA / Kanada /Deutschland 2006)

Posted by 24. Februar 2014

wicker man cageWenn sich alle auf den Neuen stürzen, ihn anpöbeln, bespucken und mit Schlägen drohen, kommt in mir der Beschützerinstinkt durch. Insofern war ich gegenüber der Neuauflage von „The Wicker Man“ eigentlich in positiver Weise voreingenommen. Armes kleines Remake, das kann doch unmöglich so schlecht sein, wie alle sagen. Oder? Nein, ist es auch nicht. Mit dem Original (ich mag es sehr!) spielt Neil LaButes Version aber trotz interessanter Ansätze nicht in einer Liga.

Polizist Edward Malus (Nicolas Cage) wird Zeuge, wie bei einem  Verkehrsunfall eine Mutter und ihre Tochter sterben. Weil er nicht in der Lage war zu helfen, versinkt er in eine schwere Depression. Als er einen Hilferuf von seiner ehemaligen Lebensgefährtin Willow (Kate Beahan) erhält, die ihn bittet, ihr auf der abgelegenen Insel Summersisle bei der Suche nach ihrer verschwundenen Tochter zu helfen, sieht Malus die Chance sich von seiner Schuld reinzuwaschen und macht sich auf den Weg dorthin. Auf der Insel angekommen muss er allerdings feststellen, dass hier einiges im Argen liegt.

Wer den gleichnamigen Horrorklassiker von Robin Hardy kennt, weiß auch, wie die Geschichte in LaButes Film weitergeht. Wer keine Ahnung hat, dem will ich hier die spannenden Wendungen und das Finale, das einem den Boden unter den Füßen wegreißt, nicht spoilern. Nur so viel: Es gibt Ähnlichkeiten gibt es auch einige Differenzen. Hingen die Inselbewohner in der Hardy-Version einem Natur-Kult an, sind sie hier Anhänger einer Sekte, die sich dem Weiblichen verschrieben hat. Dieser Unterschied ist weder willkürliche Änderung, um sich vom Original abzugrenzen, noch banal im Hinblick auf den weiteren Verlauf der Geschichte. Wenn im letzten Drittel der Bär im Manne erwacht und Nicolas Cage sich grimassierend durch den Film wüten kann, liegt das wild schlagende Herz des bis dahin etwas zähen Remakes offen. Ein wenig wundert es mich, dass nur wenige Zuschauer goutieren konnten, was ihnen LaBute in den letzten 30 Minuten bis zum irren Finale auffährt. Mein persönliches Highlight: als der zu dem Zeitpunkt schon ziemlich durchgeknallte Malus (dessen Namen sowohl Anklänge von Malus im Sinne von Abzug, Makel aber ebenso von Male und Phallus hat) sich mit Waffengewalt eines Fahrrads bemächtigt („Step away from the bike!!“). In dieser ersten von vielen folgenden „Überreaktionen“ zeigt sich, dass die wahrscheinlich von vielen Zuschauern zuvor vorgenommene Einteilung in die „Guten“ und „Bösen“ doch nicht so leicht und trennscharf ist.

Auch wenn mir die angedeuteten Aspekte gut gefallen, habe ich dennoch zu bemängeln, dass LaBute sein Thema doch nicht ernst genug nimmt und erst gegen Ende mit schönen Einfällen illustriert, um was es ihm eigentlich geht. Hätte er etwas unkonventioneller inszeniert und schon von Beginn an kontinuierlich auf das Ende hingearbeitet, hätte mir der Film wesentlich besser gefallen. Das heimliche Meisterwerk, das ich mir erhofft habe, ist das Remake von „The Wicker Man“ so nun leider doch nicht geworden. Mein anfänglicher Beschützerimpuls war trotzdem überflüssig. „The Wicker Man“ muss gar nicht beschützt werden. Es ist ein erwachsender Film und kann sicherlich auf sich selbst aufpassen. Und: Ich würde mir einen zweiten Teil, in dem LaBute vielleicht noch etwas befreiter und mutiger agiert und in dem selbstverständlich James Franco die Hautrolle spielt, auf jeden Fall ansehen.

Bild © Warner Bros.