Tag: Liam Neeson

Notizen #4

Posted by – 21. Januar 2016

Seraphim Falls (David Von Ancken, USA 2006)

Von der Regel, dass ich neben „Once Upon A Time In The West“ und „The Quick And The Dead“ keine Western mag, gibt es eine weitere Ausnahme. Aufgrund einer Empfehlung von vertrauenswürdigen Tipp-Gebern auf Twitter habe ich mir „Seraphim Falls“ angesehen – und für gut befunden. Ein Mann (Liam Neeson) jagt darin einen anderen (Pierce Brosnan). Warum, erfährt man erst viel später. Aber eigentlich ist der Grund auch egal, Von Ancken scheint es hier in seinem Rache-Western eher ums Grundsätzliche zu gehen. Der Film beginnt sehr realistisch – man spürt die Kälte, fühlt sie durch Mark und Bein gehen; später kommt die Hitze, der Durst, die Erschöpfung… – driftet aber immer mehr ab und wird zur Parabel, die uns in eindrucksvollen Bildern deutlich macht, dass Rache… – Ach, ich will nicht zuviel verraten, schaut euch den Film selber an.

The Shiver of the Vampires (Jean Rollin, Frankreich 1971)

Isa und Antoine geraten auf ihrer Hochzeitsreise in ein Vampir-Schloss. Isa gerät unter den Einfluss der Vampirkönigin Isolde, Antoine versucht seine Angetraute zu retten. – Warum „The Shiver Of The Vampires (OT: Le Frisson des Vampires) mancherorts im Internet als einer der besten Filme von Jean Rollin bezeichnet wird, weiß ich nicht. Im Prinzip steht überall das Gleiche, und zwar das, was bei allen Rollin-Vampir-Filmen steht: Irgendwas mit Kunst & Trash, Gothik & Erotik, psychedelisch & surreal. Ob bei Tageslicht, in der Morgendämmerung oder nachts, bei Kerzenschein – ich habe alles probiert – bei mir hat „The Shiver of the Vampires“ nicht funktioniert. Ich fand ihn beliebig. Aber ich will nicht ausschließen, dass das auch irgendwie an mir liegt. Schließlich fand ich bisher eigentlich alles, was ich von Rollin gesehen habe, gut bis sehr gut.

Coffy (Jack Hill, USA 1973)

Trash-Commando von Trash-O-Meter hat mir einen Stapel Filme mitgegeben, um mich in die Welt der Blaxpoitation einzuführen. Dann mal los! Den Anfang machte ein „sehr bedenkliches Action-Drama, das Selbstjustiz und das Recht des Stärkeren propagiert“ (Lexikon des internationalen Films) von Jack Hill. „Coffy“ war für mich gleich ein Volltreffer, was weniger an dem Film selbst lag – eine Frau nimmt für ihre abhängige Schwester Rache an der Drogenmafia –, sondern an seiner famosen Hautdarstellerin Pam Grier, die ich Ungebildeter bisher tatsächlich erst aus Quentin Tarantinos „Jackie Brown“ kannte. Ich mag Grier als Frau gerne leiden, aber ich fand auch ihre Figur der Coffy Coffin stark. Und ich möchte dem katholischen Filmdienst an dieser Stelle gerne widersprechen und behaupten, dass hier nicht das Recht des Stärkeren propagiert, sondern die Gewalt gegen den Schwächeren für ein B-Movie auf gar nicht so unclevere Weise thematisiert wird. Im Spannungsfeld Arm gegen Reich, Schwarz gegen Weiß, Mann gegen Frau erweist sich die Protagonistin nicht nur als jemand, der wegen der Umstände in den Widerstand geht, sondern eben auch als amoralisches Produkt eben dieser Umwelt, in der besagtes Recht des Stärkeren gilt. Doch ist dies keine Propaganda im Sinne von Werbung für ihr Handeln, sondern immer auch zutiefst tragisch, weil Coffys naiver Rachefeldzug für eine bessere Welt im Kern chancenlos ist. Ich danke Herrn Trash-Commando für die sehenswerte Leihgabe.

Shaft (Gordon Parks, USA 1971)

Gleich noch mal einen Dank in die gleiche Richtung. Björn goes Blaxpootaion Part II. Es ist schon ein bisschen witzig, dass ich diesen „Klassiker“ erst kurz vor der Rente sehe. Aber besser spät als nie bzw: eigentlich auch egal. Ich war noch nie ein großer Freund von Krimis, großen Wummen und coolen Sprüchen. Daran hat leider auch „Shaft“ nichts geändert. Aber die Musik, die war gut, und dass Isaac Hayes einen Oscar für den Besten Song gewonnen hat, leuchtet mir – auch wenn mir sonst wenig an den Oscars einleuchtet – voll uns ganz ein.

One, Two, Three (Billy Wilder, USA 1961)

Zum ersten Mal gesehen und – darf ich das hier sagen? – ich finde diesen Film ganz furchtbar. Ja, ich weiß, Billy Wilder und alle reden ganz schnell und lustig, har har, aber warum diese Zusammenschau von billigen nationalen Klischees einen so guten Ruf hat, verstehe ich beim besten Willen nicht. Ich finde „One, Two, Three“ nicht nur nicht lustig, ich finde ihn in seinem kaum verhohlenen Spott über alle nicht-amerikanischen Menschen bedenklich. Die meisten Witze gehen auf Kosten der Russen, aber auch gegen Bürger der DDR, gegen die Deutschen und Frauen wird ordentlich ausgeteilt. Ich bin niemand, der besonderen Wert auf politische Korrektheit legt, aber wenn auf Kosten anderer gelacht werden soll, dann bitte als Provokation und nicht in Form einer vermeintlichen Wohlfühl-Komödie.

 

Batman Begins (Christopher Nolan, USA 2005)

Posted by – 14. November 2015

Dark Knight TrilogieNachdem ich mich gerade wieder wie ein kleines Kind über „Batman“-Comics freue, wollte ich mir gerne auch noch einmal Christopher Nolans Vision des Dunklen Ritters zu Gemüte führen. Nolan hat bisher ausnahmslos Filme gemacht, die mich gleichzeitig ärgern und faszinieren, aber unterm Strich trotzdem seltsam kalt lassen. Diesem widersprüchlichen Gefühl möchte ich beim Wiedersehen von „Batman Begins“ und hoffentlich in Kürze auch den folgenden beiden Teilen einmal nachspüren.

In „Batman Begins“, der von verschiedenen Batman-Comics beeinflusst wurde, setzt Nolan sich ausführlich mit der Entstehung des dunklen Ritters auseinander. Er beleuchtet relevante Aspekte von Bruce Waynes Jugend, setzt sich mit dem durch den Tod seiner Eltern verursachten Trauma auseinander und schildert seine ersten Versuche, das Recht in die eigene Hand zu nehmen. In dieser Ausführlichkeit ist das bisher in keinem Film erzählt worden. Auffällig ist aber eher Nolans Versuch, die Batman-Geschichte möglichst realistisch aufzubereiten. Er erklärt nicht nur das psychische Profil seines Helden, sondern legt bei dessen Fähigkeiten und den von ihm zur Verbrecherjagd genutzten Gadgets viel Wert auf Plausibilität. Dieses Vorgehen passt zu Nolans Art, Filme zu machen und macht im Hinblick auf Batman auch durchaus Sinn, gehört er doch zu der Art Held, der einen mehr oder weniger wirklichkeitsgetreuen Zugang möglich erscheinen lässt. Dieser Ansatz spiegelt sich im Design, den Kostümen, der Kampftechnik usw. wider. Der Nachteil: Je ernster man ein fantastisches Thema nimmt, je mehr fordert es die Rezipienten heraus, das Ergebnis auf Herz und Nieren zu prüfen und es besonders knauserig zu sein.

Geht man so an den Film, dann findet man natürlich einiges, an dem man herummäkeln könnte. Ich muss zugeben, ich selbst schwanke bei „Batman Begins“ auch stark zwischen den Polen Bewunderung und Missmut. Ich mag z.B. Christian Bale nicht. Aber das ist nicht der Hauptgrund für mein ambivalentes Verhältnis zu dem Film. Bevor ich etwas näher auf das eingehe, was mich stört, möchte ich zuvor auf jeden Fall noch kurz auf die Stärken des Films eingehen und erwähnen, dass „Batman Begins“ phasenweise wirklich grandios aussieht. Die vielleicht wunderbarste Szene der ganzen Nolan-Reihe endet damit, dass ein unter Drogen gesetzter, brennenden Batman aus einem Fenster stürzt. Insgesamt gefällt mir die erste Filmhälfte rund um Ausbildung und Entstehungsmythos besser als der Part, wo ein totgeglaubter Bekannter zurückkehrt, der Plan des Oberschurken wie auch das Finale. Meine Lieblingsfiguren in Nolans Batman sind Michael Caine als Bruce Waynes Butler Alfred sowie Gary Oldman als Commissioner Gorden.

Schön finde ich weiterhin, dass hier nahezu alles mit allem zusammenhängt und zusammen, man merkt es – soll es etwas Großes ergeben. Wenn man mal von der Figur Jonathan Crane alias Scarecrow (Cilian Murphy) absieht, die mir ein wenig wie das fünfte Rad am Batmobil vorkommt, merkt man schon, dass Nolan hier mehr im Sinn hatte, als eine einfache Superhelden-Geschichte zu erzählen. Ihm geht es darum, das Wesen eines Superhelden zu ergründen, auszuloten, wie der Held zum Helden werden kann, nämlich indem er nicht mehr Mensch, sondern Symbol ist und wie es überhaupt möglich ist, außerhalb des Gesetzes für die Einhaltung ebendieses zu sorgen. Welche Antworten Nolan hier findet – keine Ahnung. Und hier beginnen meines Erachtens die Probleme dieses Films. Er möchte erkennbar eine realistischere Batman-Version sein, die ohne allzu grelle Effekte und comichafte Übertreibungen auskommt. Mal abgesehen davon, dass Nolan das meiner Meinung nach nicht durchhält und im letzten Filmdrittel unpassend dick aufträgt und sich ein wenig ideenlos in der Comic-Mottenkisten bedient, sind Übertreibungen genauso an anderer Stelle zu finden, allerdings weniger auf der Handlungs- als auf der Bedeutungsebene. Alles ist so wichtig, so ernst, so tiefsinnig. Der tiefere Sinn quillt dem Film aus allen Poren, legt sich über die prägnante Handlung und elegante Optik; und man muss gedanklich schon ordentlich kratzen, um hinter allem geronnenen Schmu das freizulegen, was den Film eigentlich so gut macht.

Ich mag die Ernsthaftigkeit, mit dem Nolan den Stoff angeht. Ich finde der Film sieht sehr gut aus. Gotham war nie schöner. Ich finde „Batman Begins“ ist eine sehr gute Superhelden-Origin-Story. Abgesehen von Bale finde ich die Besetzung super. Aber ich komme einfach nicht mit dem Gelaber klar.

Nachtrag: Ich beende diesen Text am 14.11.2015, einen Tag nach den verehrenden Anschlägen von Paris. Ich erwähne das nur, weil sich angesichts der wahren Ereignisse die Limitierungen von Filmen wie „Batman Begins“ zeigen. Sowohl Bruce Wayne als auch sein Widersacher wollen das Verbrechen in Gotham bekämpfen, der eine indem er die Stadt dem Erdboden gleich macht, der andere, indem er zum er zu einem Symbol und als Übermensch für Recht und Ordnung sorgt. Bruce Wayne sagt, „As a man, I’m flesh and blood, I can be ignored, I can be destroyed; but as a symbol… as a symbol I can be incorruptible, I can be everlasting.“ Wayne irrt sich nicht, was die Macht von Symbolen betrifft. Aber er irrt sich, wenn er das für eine Lösung hält. Vor dem Hintergrund des weltweiten Terrors zeigt sich allerdings, das die Methode, die Menschheit hinter einer Idee zu vereinen letztlich für das Gute wie für das Böse genutzt werden kann. Was wir brauchen, um gemeinsam in Frieden zu leben, ist sicherlich weder ein Superheld noch eine bestimmte Religion, sondern etwas anderes.

Bild © Warner Home Video

Schindler’s List (Steven Spielberg, USA 1993)

Posted by – 20. Juli 2015

Schindlers-ListeIm Zweiten Weltkrieg gelingt es dem deutschen Geschäftsmann Oskar Schindler, über eintausend Juden vor der Ermordung zu retten, indem er sie in seiner Fabrik „kriegswichtige Arbeit“ verrichten lässt.

Eine kurze Inhaltsangabe, ein Satz – aber eine Geschichte, die so voll Bedeutung, Grausamkeit, Tragik und Mut ist, dass ich mich, ehrlich gesagt, ein wenig scheue, mich überhaupt zu Steven Spielbergs meisterhaftem Film nach dem Roman von Thomas Keneally, der sich 194 intensive Minuten mit der oben genannten Situation auseinandersetzt, zu äußern. Ich habe ihn vor ein paar Tagen zum ersten Mal komplett gesehen. Und da ist immer noch dieses Frösteln, wenn ich an ihn denke. Viel ist zu „Schindler’s List“ schon geschrieben worden, von Leuten die sich besser mit Film, mit Spielberg und mit dem Dritten Reich auskennen, und ich möchte das jetzt nicht alles wiederkäuen, sondern lediglich zwei Aspekte kurz vorstellen, die mir an dem Film besonders wichtig sind und die ich für sehr gelungen halte.

Der eine Aspekt betrifft den Wahnsinn des Dritten Reiches – oder vielmehr Hitlers Wahnsinn, sein (Selbst-)Zerstörungstrieb. Hitlers einziges Ziel – hier folge ich Sebastian Haffner, der in „Anmerkungen zu Hitler“ eindrucksvoll die Geschehnisse des Krieges analysiert –war ja nach dem gescheiterten Russlandfeldzug 1941 nicht mehr die Vorherrschaft in Europa, sondern allein die Vernichtung aller Juden, die seitdem mit noch größerer Systematik und kompromissloser Entschlossenheit vorangetrieben wurde. Doch während die Todesmaschine effizient ihren Dienst verrichtete, machten sich Auflösungserscheinungen in allen anderen Bereichen bemerkbar. Spielbergs Verdienst ist es, hierfür Szenen zu finden. Stellvertretend für den Irrsinn des Systems kann hier Ralph Fiennes Figur genannt werden, der als sadistischer Nazioffizier Amon Göth das Arbeitslager Plaszow und spätere KZ Plaszow leitete. Das Chaos, das er erzeugte, konnte Schindler sich zu Nutze zu machen, zumindest spielte es ihm in die Hände.

Der andere Aspekt, den ich erwähnen möchte, betrifft den Mann Oskar Schindler beziehungsweise dessen filmische Reinkarnation. Ein Vorwurf, der spätestens nach Erscheinen der Schindler-Biografie von David M. Crowe immer wieder im Zusammenhang mit Spielbergs Film zu hören ist, lautet, Schindler sei zu sehr als Held dargestellt, wobei er doch auch ein Opportunist gewesen sein soll, dem es lange Zeit nicht um die Rettung von Menschen, sondern vor allem um seinen persönlichen Erfolg ging. Wie es sich in Wirklichkeit verhielt, mag ich nicht beurteilen. Aber ich möchte darauf hinweisen, dass der Film diesem Charakterzug einerseits Rechnung trägt und für meine Begriffe den Wandel seiner Persönlichkeit – den es ohne Zweifel gegeben hat – ziemlich präzise nachzeichnet. Zum anderen möchte ich herausstellen, dass die Rettung so vieler Menschen nur möglich war, weil Schindler es verstanden hat, sein Fähnchen in den Wind zu drehen. Nur weil er nach außen Nazi war, weil er es verstanden hat, mit wichtigen Entscheidungsträgern des Nazi-Regimes umzugehen und in der Lage war, Unrecht vor seinen Augen geschehen zu lassen, konnte er helfen. Wäre er ein wenig mehr „Held“ gewesen, wer weiß, was dann geschehen wäre.

Oskar Schindler hat etwa 1200 Menschenleben gerettet. Spielbergs Film hilft, dass die Erinnerung daran ebenfalls lebt.

Bild © Universal

Taken 3 (Olivier Megaton, Frankreich 2014)

Posted by – 5. Januar 2015

Schon zweimal musste der Ex-CIA-Agent und Familienvater Bryan Mills (Liam Neeson) seine Familie aus den Fängen fieser Ausländer befreien. Doch diesmal scheitert er und das nicht nur, weil er nicht verhindern kann, dass seine Ex-Frau (Famke Janssen) umgebracht wird. „Taken 3“ misslingt in so vieler Hinsicht – die Actionszenen, zusammenhangslose Fetzen Bild, die wie falsch zusammengeklebtes Daumenkino wirken, sind da nur eines von vielen Beispielen –, dass es sich lohnt, dazu einen etwas längeren Text zu schreiben. Das habe ich für Kino-Zeit.de getan.

Battleship (Peter Berg, USA 2012)

Posted by – 15. April 2012

Aliens wollen mal wieder die Erde erobern. Dass es auch dieses Mal nicht klappt, liegt daran, dass die Außerirdischen alles andere als vorbereitet aufmarschieren. Einerseits hochtechnisiert, so dass sie irre Entfernungen von jetzt auf gleich überwinden können, scheint es ihren Raumschiffen andererseits an so etwas wie einem Ortungssystem zu fehlen. So verlieren die Angreifer gleich in der Erdumlaufbahn eines ihrer Schiffe, weil sie gegen einen Satelliten brettern. Und ihre Pechsträhne hält auch nach der Landung in den Gewässern vor Hawaii an. Denn die Nationen der Erdlinge veranstaltet ausgerechnet dort, wo die Invasoren niedergehen, einen kleinen Wettkampf ihrer Kriegsflotten. So ein paar Kriegsschiffe sollten für die überlegene Technik der Aliens eigentlich kein Problem sein. Leider haben diese ihre Angriffssysteme – das gilt für ihre Raumschiffe sowie auch im Nahkampf für ihre Körperpanzer – so programmiert, dass Feinde tendenziell nicht angegriffen werden. Was auf den Displays grün (und nicht rot!) blinkt, wird verschont. Und grün blinkt so ziemlich alles. Das gibt den Menschen unter der Führung des Heißsporns Alex Hopper (Taylor Kitsch) die Möglichkeit, die Angreifer nach und nach auszuschalten.

Wer einen intelligenten/spannenden/originellen Alien-Invationen-Film sehen möchte, soviel sollte klar geworden sein, trifft mit „Battleship“ die falsche Wahl. Aber dies war wohl auch kaum vorrangiges Ziel seiner Macher. Bei einer Verfilmung des Spiels „Schiffe versenken“ stehen natürlich die Schauwerte im Vordergrund. Und tatsächlich beginnt nach einer halben Stunde, in der Figuren vorgestellt werden (und die mir eigentlich ganz gut gefallen hat), schon der anderthalbstündige Showdown. Überraschenderweise hat der Film für mich auch hier keinen Boden gut gemacht – und das auch, wenn man sich vergegenwärtigt, dass „Battleship“ nicht viel mehr sein will als ein Actionfilm, bei dem möglichst viel zu Bruch geht. Das liegt zum einen an dem schon erwähnten Punkt, dass die Angreifer aufgrund ihrer unpraktikablen Technik keine echten Gegner sind, zum anderen aber auch daran, dass die zuvor nicht ungeschickt aufgebaute Beziehungskonstellation, leichtfertig – und im Falle von Stone Hopper (Alexander Skarsgård) ganz wortwörtlich – über Bord geworfen wird. Während der Scharmützel im Verlauf des Film passiert emotional rein gar nichts mehr. Aber auch die Actionszenen habe mir nicht wirklich gut gefallen: Manche Sequenzen scheinen sich zu wiederholen, z.B. wenn die Raumschiffe der Außerirdischen aus dem Wasser hopsen. Und das CGI mag auf der Höhe der Zeit sein, richtig Wucht hat trotzdem kaum eine der Szenen.

Trotzdem ist „Battleship“ nicht völlig uninteressant. Die erste halbe Stunde bietet immerhin gute Comedy; und danach kann man dicke Hawaiianer zählen, sich fragen, ob man da gerade Militärpropaganda schaut (oder ob es vielleicht doch irgendeinen Hintersinn gibt?), sich über die verpeilten Außerirdischen oder wahlweise Rihanna in ihrer ersten Rolle beömmeln. Oder doch einfach nur den Mut von Liam Neeson bewundern, der nach „The A-Team“, „Clash Of The Titans“, „The Grey“ und „Wrath Of The Titans“ wieder mal in einem nach rationalen Maßstäben miesen Film mitmacht, ohne dadurch das Gesicht zu verlieren.

Bild © Universal Pictures
 

Clash Of The Titans 2: Wrath of the Titans (Jonathan Liebesman, USA 2012)

Posted by – 28. März 2012

Ok, Titanen, kommen immer noch nicht vor. Aber immerhin einer: Kronos. Um die Herrschaft über die Welt zu erringen, hatten Zeus (Liam Neeson) und seine Brüder, Poseidon und Hades (Ralph Fiennes), ihren Titanen-Vater bekämpft, besiegt und nach Tartaros verbannt. Durch eine Intrige droht der Titan nun aber zu entkommen. Perseus (Sam Worthington), die Kriegerkönigin Andromeda (Rosamund Pike) und Poseidons Sohn Agenor (Toby Kebbell) machen sich daran, das Schlimmste zu verhindern.

Ich hätte es nach dem ersten Teil nicht gedacht, aber „Wrath Of The Titans“ hat tatsächlich seine Momente. Wie die Autoren des Vorgängerteils geben sich zwar auch Dan Mazeau und David Johnson in „Wrath Of The Titans“ alle Mühe, jeden Eindruck von Figurenentwicklung zu verhindern; und auch Jonathan Liebesman („Battle Los Angles“, „Texas Chainsaw Massacre: The Beginning“) lässt keine besonderen Qualitäten als Regisseur erkennen: Die Action-Szenen sind hektisch, dennoch ohne Schwung, die Kämpfe einfallslos. Aber halb so schlimm. denn der eigentliche Star im Film ist sowieso das Titanen-Gefängnis Tartaros, dieses düstere Gebilde mit seinen unendlichen Labyrinthen. Ich habe mich angenehm an das Reich der Cenobiten aus „Hellbound: Hellraiser 2“ erinnert gefühlt. So werden immerhin die Tartaros-Szenen dafür sorgen, dass ich mich an den ansonsten wenig inspirierten Film erinnere.

Eine Sache fand ich an „Wrath Of The Titans“ ebenfalls noch interessant. Es macht nämlich richtig Spaß, ihn nach Zitaten zu durchkämmen.  Natürlich findet sich Diebesgut aus „Herr der Ringe“, aber überraschenderweise auch aus Filmen „Ghost Rider 2“ oder „Spider-Man“ u.ä. Was ich allerdings recht witzig fand, war die Fülle von Anspielungen auf „Star Wars“: Vater, Sohn, dunkle Seite – alles dabei. Und zum Schluss fliegt Perseus auf Pegasus sogar in den riesigen Kronos hinein, um seinen Superpeer auf dessen Herz zu werfen. Ich weiß nicht, ob es an den vielen Zitaten zuvor gelegen hat. Aber ich habe in diesem Moment nur noch Lando Carissian im Millenium Falcon auf seinem Weg ins Zentrum des Todessterns gesehen. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn am Ende noch der Satz „may the force be with you“ gefallen wäre. Oder ist er’s vielleicht sogar?

Bild © Warner Bros.
 

Clash Of The Titans (Louis Leterrier, USA 2010)

Posted by – 28. März 2012

Ich bin mir nicht sicher, was „Clash Of The Titans“ überhaupt hier verloren hat. Auch wenn ich Fantasy gegenüber sehr aufgeschlossen bin, hat mir schon jeder Screenshot  und Trailer überdeutlich gemacht, dass es hier für mich nichts zu holen gibt. Vielleicht, weil ich ihn im TV gesehen habe und gerade ein Word-Dokument offen hatte. Hier jetzt trotzdem ein paar Gedanken.

„Clash Of The Titans“ beruht, anders als der Titel suggeriert, vage auf der  Perseussage. Perseus (Sam Worthington), Sohn des Zeus, wächst bei Fischern auf. Als seine Familie einem göttlichen Vergeltungsakt in die Quere kommt, ist der Weg frei für ein großes Abenteuer, das in Form einer Riesenkrake auch nicht lange auf sich warten lässt. Ach ja, Zeus, Hades, Kassiopeia, Andromeda, Io, Aphrodite, Hermes und Medusa spielen auch irgendwie mit.

Das Autoren-Dreiergespann Travis Beacham, Phil Hay und Matt Manfredi hat sich sichtlich keine Mühe gegeben, ihre Story einigermaßen im Gleichklang mit der griechischen Mythologie zu erzählen. Ich kenne mich in der Materie aber nicht besonders aus, und will mich deswegen hier auch nicht darüber echauffieren. Die Gleichgültigkeit gegenüber der Geschichte würde auch überhaupt nicht ins Gewicht fallen, wenn Louis Leterrier („Transporter“, „The Incredible Hulk“) wenigstens an anderer Stelle Punkte holen würde. Aber in „Clash Of The Titans“ stimmt nichts. Stars wie Niam Neeson (Zeus), Ralph Fiennes (Hades) oder Mads Mikkelsen (Draco) können nichts gegen das lahme Buch ausrichten. Zwischen den Figuren funkt es einfach nicht. Überraschenderweise ist auch die Inszenierung alles andere als explosiv. Die Bilder bewegen sich zwar, eine Energieübertragung zum Zuschauer findet leider nicht statt.

Hätte es Leterrier und sein Team mit den 15 Millionen US-Dollar hier und da geschafft, Atmosphäre zu erzeugen, ich würde „Clash Of The Titans“ trotzdem nicht als guten Film bezeichnen – aber immerhin als einen, den man sich in der richtigen Stimmung durchaus ansehen kann. Aber da ist nichts. Charakterlose Helden in toten, digitalen Landschaften.

Letzter Gedanke: Keine Titanen. Wo sind die Titanen? Egal. Titanen hätten diesen Film auch nicht besser gemacht.

Bild © Warner Bros.