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Ex Machina (Alex Garland, USA 2015)

Posted by – 21. April 2015

Ex Machina„Künstliche Intelligenz“ ist ein verdammt spannendes Thema! Schließlich läutet der Mensch durch die Erschaffung neuen, intelligenten Lebens seinen nächsten evolutionären Quantensprung ein. Oder macht er sich selbst überflüssig? Was macht den Mensch zum Menschen? Was macht ihn aus? – Überraschenderweise fallen mir gerade nur sehr wenige Filme ein, die sich ernsthaft, kompetent und unterhaltsam mit diesen Fragen auseinandersetzen. Natürlich gibt es eine ganze Reihe Filme mit intelligenten Maschinen – diese Intelligenz wird allerdings immer nur behauptet, eine wirkliche Auseinandersetzung, was sie ausmacht, findet nicht statt. Anders bei Alex Garlands grandiosem Quasikammerspiel „Ex Machina“.

Der Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) gewinnt bei der firmeninternen Lotterie den Hauptpreis. Er darf Firmengründer Nathan (Oscar Isaac) treffen. Dieser lebt zurückgezogen in einem streng abgesicherten Areal in den Weiten Alaskas. Dort arbeitet der Tech-Guru an einen Projekt zur Künstlichen Intelligenz. Caleb hat nun die Aufgabe, den verblüffend menschlich aussehenden Roboter Ava (Alicia Vikander), einer Art Turing-Test zu unterziehen und herauszufinden, ob Ava wirklich über Intelligenz verfügt.

Der Turing-Test, benannt nach seinem Erfinder Alan Turing, ist eine Versuchsanordnung, um festzustellen, ob eine Maschine ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen hat. Dabei interviewt ein menschlicher Fragesteller ohne Sichtkontakt zwei andere Personen, von denen einer ein Mensch und einer eine Maschine ist. Wenn der Fragesteller nach dem Interview nicht sagen kann, wer Mensch und wer Maschine ist, hat die Maschine den Turing-Test bestanden. Caleb führt die Gespräche mit Ava gleich von Angesicht zu Angesicht, so wird schnell klar: Ava verhält sich wie ein Mensch! Und Caleb beginnt ziemlich schnell, eine Beziehung zu dem weiblich aussehenden Roboter aufzubauen.

Auf die Frage, warum „Ex Machina“ ein so starker – drei Wochen nach Sichtung möchte ich immer noch sagen – überragender Film geworden ist, gibt es mehrere Antworten. Die nachvollziehbaren Figuren z.B. Das Verhalten der zwei Menschen wie auch der KI erklärt sich aus ihre Wünschen – und was sie dafür zu tun bereit sind. Für mich ist das stärkste Argument für den Film die Ruhe und konzentrierte Kraft, mit der er sich seinem Thema stellt. Ganz allgemein könnte man sagen, das Gelingen des Films ist eine Sache von Form und Inhalt. Die meisten Filmemacher bisher konnten der Versuchung nicht widerstehen, dem Publikum auch etwas fürs Auge zu bieten. Aber mit Sensationen und den Mitteln des Actionkinos lässt sich das Geheimnis der Künstlichen Intelligenz eben nur unzureichend einfangen. Das soll nicht heißen, dass etwas an der Form in Alex Garlands Film in irgendeiner Hinsicht nicht zufriedenstellend wäre, im Gegenteil, das Design ist zurückhaltend aber dennoch ausgeklügelt, so wie fast alles an dem Film. So einen durchdacht-ästhetischen Film habe ich seit langem nicht gesehen! Nur steht sie, die Form, hier eben im Dienste des Inhalts und dieser ist – das kann man kaum anders sehen – äußerst clever gemacht. Warum ich den „Ex Machina“ so schlau finde, kann ich hier leider nicht in aller Tiefe ausbreiten, ohne diejenigen, die ihn noch nicht gesehen haben, eine Erfahrung zu nehmen. Insofern belasse ich es bei Andeutungen, empfehle aber allen, die den Film unbefangen genießen wollen, nicht weiterzulesen. Spontan würde ich denken, was die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz spannend machen kann, sind zwei Dinge. Zum einen die Frage, was es für das Selbstverständnis des Menschen und gesellschaftlich bedeuten würde, wenn es eine wirkliche KI gäbe. Zum anderen – und dies ist die zentrale Frage des Films – wie eine KI beschaffen sein muss, dass man ihr tatsächlich zugestehen würde, in allen wesentlichen Eigenschaften wie ein Mensch zu sein. Den Turing-Test zu bestehen, ist dabei sicherlich nur die eine Seite. Welche Eigenschaften gehören noch dazu? Mitgefühl? Die Fähigkeit, Probleme zu lösen, Beziehungen einzugehen? Überlebenstrieb? Irrational sein zu können? Sexappeal? Soviel sei verraten – Garland findet hier seine ganz eigene Antwort.

Nun ist „Ex Machina“ aber nicht nur deswegen so gut, weil er auf einer cleveren Prämisse beruht. Auch links und rechts seines Plots findet sich mehr als genug zum Entdecken. Es ist erstaunlich, wie viele Ideen Garland in seinen Stoff verwoben hat, ohne dass dieser überfrachtet wirkt; und wie spannend der britische Schriftsteller sein Regiedebüt – unterstützt durch das fantastische Trio Alicia Vikander, Oscar Isaac und Domhnall Gleeson – bis zum überraschenden, nachdenklich stimmenden und je nach Interpretation ziemlich traurigen Finale erzählt. Entgegen der genretypischen Klischees stellt sich hier nicht die Frage nach der Weltherrschaft der Maschinen, sondern eher ob die KI im Film nicht ein Epiphänomen und Ava nicht nur die erste, sondern gleich auch schon die letzte künstliche Frau sein wird. „Der Mensch heißt Mensch, weil er vergisst, weil er verdrängt“ sing Herbert Grönemeyer – „weil er lügt und betrügt“ hätte der Text bei Alex Garland gelautet. Und „weil er scheitern kann“, möchte ich noch hinzufügen.

Bild © Universal Pictures Germany