Tag: Poliziesco

No, the Case Is Happily Resolved (Vittorio Salerno, Italien 1973)

Posted by – 15. Mai 2016

No il caso è felicemente risoltoDer Schalterbeamte Fabio Santamaria (Enzo Cerusico) beobachtet den brutalen Mord an einer Frau. Aber auch er wird gesehen. Fabio ergreift panisch die Flucht, zögert später aber, die Tat bei der Polizei zu melden. Ein Fehler! Der Mörder, der angesehene Prof. Ranieri (Riccardo Cucciolla), kommt Fabio zuvor und und gibt sich bei der Polizei als Zeuge des Mordes aus und liefert eine Beschreibung des arglosen Schalterbeamten.

Wenn man etwas zu „No, the Case Is Happily Resolved“ (OT: No il caso è felicemente risolto) von Vittorio Salerno sagt, ist es möglicherweise sinnvoll, zunächst das seltsam unpassend wirkende Ende zu erwähnen: Da wird ein Mann, um dessen Hals sich die Schlinge den ganzen Film lang immer fester zuzieht, innerhalb von wenigen Sekunden begnadigt. Der wahre Schuldige hat sich erhängt. Fall gelöst, der Gerechtigkeit ist genüge getan. HÄ? Und der Film beginnt schon mit einer Irritation: Man sieht das Fußballstadion – Ruhe. Man sieht den Wald – man hört einen Sprecher und Stadiongeräusche. Umkehr der Verhältnisse, ein Spiel mit den Perspektiven – das sieht man an mehreren Stellen im Film

Natürlich erzählt „No, the Case Is Happily Resolved“ auch eine interessante Geschichte, welche Richtung sie einschlägt und wie die implizite Kritik am italienischen Rechtssystem beschaffen ist, zeichnet sich aber recht schnell ab. Nein, es ist nicht das Was, es ist das Wie, das Salernos Film von der ersten bis zur letzten Minute ausmacht, dieses permanente Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt, das fesselt. Enzo Cerusico und vor allem Riccardo Cucciolla spielen ihre Rollen des Weiteren wirklich großartig, Cerusico als zaudernder Beamter und Cucciolla als anfangs bedrohlicher und später jämmerlich selbstgerechter Bildungsbürger – das hat definitiv was. Einer der (schauspielerischen) Höhepunkte des Films war für mich, als der Professor den Schalterbeamten überredet, sein Spiel mitzuspielen, weil er, der Professor durch das Wissen, die Tat begangen zu haben und die dadurch herrührenden Alpträume schon gestraft genug sei.

Aber noch einmal zurück zum Ende: Die abrupte Schlussszene wurde meines Wissens von den  nachträglich eingefügt, wohl weil den Geldgebern „No, the Case Is Happily Resolved“ ansonsten zu pessimistisch vorgekommen wäre. Nun, solche Eingriffe gelingen selten gut. Auch in diesem Fall wird sich – zu Recht! – viel darüber mokiert. Doch ich kann mir nicht helfen, ich finde das erzwungene Ende, das gar nicht zum Rest des Films passt, gar nicht so schlimm. Mehr noch, meiner Meinung hat es sogar noch einen interessanten Effekt und wird damit fast schon zum i-Tüpfelchen dieses Krimis.

Der Ausdruck „verschlimmbessert“ wird verwendet, wenn bei dem Versuch, etwas zum Positiven zu wenden, das Gegenteil erreicht wird. Hier, im Falle des nachträglich eingefügten Endes, hatte es meiner Meinung nach allerdings nicht den negativen Effekt, der zu erwarten gewesen wäre. Hier handelt es sich eher um einen Fall einer „Verbesserschlimmerung“, wenn man so sagen will, bei der die positiven Absichten, die eigentlich schlechte Folgen haben müssten, aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz etwas Gutes bewirken (oder zumindest einen interessanten Effekt haben). Dieser offensichtliche Eingriff von Außen in das Kunstwerk lässt sich durchaus in Beziehung setzen zur Story des Films, bei dem die Dinge ja auch nicht so sein dürfen, wie sie eigentlich sind. (Der Professor kann ja schlecht der Schuldige sein, er ist ja Professor.) Ja, man kann, wie der arme Fabio hier demonstriert, mit den besten Absichten Scheiße bauen – aber, wie im Falle des Films, dich auch aus Versehen etwas richtig machen. Mir hat „No, the Case Is Happily Resolved“ jedenfalls – auch in dieser Form, mit diesem Ende – richtig gut gefallen, das war definitiv mein Krimi-Highlight der letzten Monate!

Bild © Cde

Notizen #11

Posted by – 14. Mai 2016

Ein paar Filme frisch vom Krankenlager.

The Amazing Spider-Man 2 (Marc Webb, USA 2014)

Ich bin ehrlich gesagt kein bisschen traurig, dass diese „Spider-Man“-Reihe von Marc Webb nicht fortgesetzt wurde, weil ich sie schon von Anfang an auf subtile Art und Weise ziemlich kacke fand. Den zweiten Teil, über den ich mich hier ja recht wohlwollend geäußert hatte, habe ich mir gestern im Rahmen einer eitrigen Stirn- und Nasennebenhöhlenentzündung noch einmal anzugucken versucht, aber – nein, geht nicht. Es ist mir dieses Mal ehrlich gesagt sogar richtig schwer gefallen, dabei zu bleiben und nicht die ganze Zeit nebenher etwas anderes zu tun. Das ist nicht mein Spider-Man.

The Cynic, The Rat And The Fist (Umberto Lenzi, Italien 1977)

Schon besser gefallen hat mir da der Poliziottesco Umberto Lenzi (OT: Il cinico, l’infame, il violento), welcher die Fortsetzung von „Rome Armed to the Teeth“ (OT: Roma a mano armata, 1976) zu sein scheint, den ich aber nicht kenne. In dieser Fortsetzung geht es um den Ex-Kommissar Tanzi (Maurizio Merli), der es mit dem „Chinesen“ (Tomás Milián), einem Gangster, den er vor Jahren in den Knast brachte, zu tun bekommt. Der Film hat mir gut gefallen, auch wenn ich ihn krankheitsbedingt etwas zu anstrengend (zu laut & wild), aber eben auch unterhaltsam und über weite Strecken recht spannend fand. Schön, dass in diesem, recht gewalttätigen Film nicht der Stärkste gewinnt – der deutsche Titel „Die Gewalt bin ich“ suggeriert etwas in diese Richtung – sondern dass es letzten Endes die mit dem Plan sind, in hier die Oberhand behalten. Das dieser Plan frei nach dem Motto „warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?“ etwas umständlich ist und am Ende vielleicht auch nicht so viel Sinn macht, verzeihe ich großzügig und würde mir glatt noch ein paar weitere Filme von Umberto Lenzi, von dem ich bisher nur „Spasmo“ und „Mondo Cannibale“ kenne, gefallen lassen.

Creed (Ryan Coogler, USA 2015)

Zwar bin ich auch mit den Rocky-Filmen aufgewachsen, aber anderes als viele Jungs (gabs da auch Mädchen?) meines Alters nie wirklich Fan des Italian Stallion und seiner Box- und Lebensgeschichte geworden. Ich finde die Filme ganz ok, vor allem den ersten und den vierten (aus unterschiedlichen Gründen), aber es gab nie eine tiefe Verbindung, keine großen Emotionen, geschweige denn Liebe. Ich sage das nur, damit mein Kompliment an die aktuelle Fortsetzung noch etwas mehr Gewicht bekommt. Denn „Creed“ ist nicht nur eine würdige Fortsetzung, sondern auch für sich genommen ein rundum gelungener Film, bei dem eigentlich alles stimmt. Alles ist natürlich ganz schön viel, aber so ist es nun mal.

The House On Sorority Row (Mark Rosman, USA 1983)

In letzter Zeit bin ich mal wieder an Slashern interessiert. Deshalb wollte ich zu „The House On Sorority Row“ eigentlich einen längeren Text schreiben, aber irgendwie ist mir dann doch nicht so richtig etwas eingefallen, zu diesem überdurchschnittlichen, aber auch etwas konturlosen Vertreter. Deswegen nur ein paar Sätze hier, auch wenn ich ihn vor knapp zwei Wochen in der Pre-Krankenlager-Ära gesehen habe. Es geht um ein paar Studentinnen, eine griesgrämige Hausbesitzerin, einen bösen Streich und – wie das bei Slashern so ist – eine Mordserie, in der die schon erwähnten Studentinnen die Stars sind. „The House On Sorority Row“ sieht gut aus, ist einigermaßen spannend und hat eine überraschende und nicht völlig an den Haaren herbeigezogenen Schluss. Ich mochte Rosmans Film, ohne wirklich begeistert zu sein. Vielleicht muss ich dem Film irgendwann noch eine Chance geben, vielleicht springt der Funke dann über.

So, und jetzt möchte ich bitte aufhören mit diesen unwürdigen Textschnipseln und zu jedem Film zumindest wieder eine Wordseite Worte finden. Danke.