Tag: Prequel

Oz: The Great And Powerful (Sam Raimi, USA 2013)

Posted by 28. Februar 2013

OZ

Am Anfang ein Geständnis: Ich habe weder das Kinderbuch von Lyman Frank Baum gelesen noch Victor Flemings Filmklassiker „The Wizard Of Oz“ (1939) gesehen. Die Geschichte ist mir nur in Grundzügen bekannt. Aber auch nahezu völlig ahnungslos ist Sam Raimis „Oz: The Great And Powerful“ ein faszinierendes, schelmisches und auf gewisse Weise herrlich altmodisches Stück Kino.

Der Zirkuszauberer Oscar Diggs (James Franco) wird durch einen Sturm plötzlich aus dem verschlafenen Kansas ins Zauberland Oz geschleudert. Die Bewohner glauben in ihm den großen Zauberer von Oz gefunden zu haben. Anfangs hat Oscar nichts dagegen, schließlich winkt nicht nur der Thron, sondern auch unvorstellbarer Reichtum und ein Techtelmechtel mit den hübschen Hexenschwestern Theodora (Mila Kunis) und Evanora (Rachel Weisz). Doch dann erfährt er, dass Ruhm und Reichtum seinen Preis haben: Er, der „Zauberer von Oz“, ist nämlich dazu auserkoren, Theodoras und Evanoras böse Schwester, die mächtige Hexe Glinda (Michelle Williams) zu besiegen.

Bei den Notizen zu „X-Men: First Class“ hatte ich geschrieben, dass mir nicht viele gute Prequels einfallen. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob man das, was Raimi hier macht, als klassisches Prequel bezeichnen kann – jedenfalls wird die Vorgeschichte des Zaubers von Oz thematisiert und erzählt, wie er überhaupt nach Oz gekommen ist. Ich will aber meinen, dass ihm wiedermal ein faszinierendes Werk gelungen ist, dem die Lust am Filmemachen, ja sogar pure kinematische Energie aus jeder Pore dringt. Wobei ich vermute, dass nicht jeder von dem Film unbedingt begeistert sein wird. Denn nach dem großartigen Schwarz-Weiß-Intro auf dem Jahrmarkt kann man sich bei den ersten farbigen Oz-Szenen durchaus an die klebrigen Fantasielandschaften von Peter Jacksons „The Lovely Bones“ oder der CGI von Tim Burtons missratenem „Alice In Wonderland“ erinnert fühlen. Doch wie alles an dem Film sind auch die naiven Bilder ein Trick.

Über Raimis Fähigkeiten als Regisseur sowie dessen Stil (Kamerafahrten, Montagen, etc.) muss man an dieser Stelle wahrscheinlich nicht viele Worte verlieren. Aber ich denke, im Falle von „Oz: The Great And Powerful“ sollte man sich vorab noch einmal bewusst machen, dass man den Film eines echten Könners sieht. Eine der Grundregeln für Kritik besagt, dass man das Objekt seiner Kritik erst einmal „so stark wie möglich machen“ sollte. Die vermeintlichen Schwächen eines Films zerplatzen bei gründlicher und fairer Auseinandersetzung mit ihm manchmal auch wie eine Seifenblase. Das gilt natürlich nicht nur für den Film, sondern für jede andere Form von Kulturgut. Im Falle von Raimis „Oz“ lohnt es sich, diese positive Grundeinstellung zu promoten. Es könnten einem – vermute ich – sonst die viele Finessen entgehen.

Der Schlüssel, der einem die Tür zum Raimis Stück aufsperrt, ist die Einsicht, dass Oz ein Film über die künstlerische Tätigkeit oder auch übers Filmemachen ist. Filme, die sich selbst zum Thema haben, gibt es einige. Beachtenswert an „Oz: The Great And Powerful“ ist meines Erachtens aber, dass er die Mechanismen hinter der Illusion offenlegt. Insofern ist er weniger ein Loblied auf das ätherische Reich der Fantasie, sondern eine Ode an die Schaffenskraft – und das ist vor allem erst einmal Arbeit. Die eigentliche Pointe an Raimis  ist allerdings noch eine andere: „Oz: The Great And Powerful“ ist ein Meisterstück über das Thema Täuschung. Subversiv, wie der Film ist, betrügen sich nämlich nicht nur alle Figuren gegenseitig – Raimi führt auch den Walt-Disney-Konzern mit diesem trojanischen Pferd an der Nase herum – und gewiss einen Teil des Publikums ebenfalls. Dieses Kunststück sollte sich niemand, der Filme liebt, entgehen lassen.

Bild © Walt Disney
 

X-Men: First Class (Matthew Vaughn, USA 2011)

Posted by 21. Februar 2013

Erik Lehnsherr: „I want you by my side. We’re brothers, you and I. All of together, protecting each other. We want the same thing.“ – Charles Xavier: „My friend. I’m sorry, but we do not.“

Mir fallen nicht besonders viele gute Prequels ein. „Indiana Jones And The Temple Of Doom“. „Twin Peaks: Fire Walk with Me“. Die letzten 3 „Bond“-Filme. „Rise of the Planet of the Apes“. Vielleicht „The Hobbit“.  Aber auch „X-Men: First Class“ – soviel muss ich nach dem mittlerweile dritten Anschauen zugestehen – ist trotz einiger kleinerer Probleme ein richtig gutes Prequel, das nicht nur etwas Licht in die Anfänge der X-Men bringt, sondern vor allem auch eine Menge Spaß macht.

Die X-Men fanden nämlich schon in den 1960er Jahren zusammen als Charles  Xavier (James McAvoy), Erik Lehnsherr (Michael Fassbender) und eine Gruppe weiterer Mutanten versuchten, den größenwahnsinnigen Sebastian Shaw (Kevin Bacon) aufzuhalten, der die Kuba-Krise dazu  nutzen will, die Welt ins Chaos zu stürzen. Doch es zeigt sich: Auch die Allianz der X-Men ist äußerst fragil…

„X-Men: First Class“ ist nicht so sensibel wie der erste Teil und auch keine runde Sache wie Teil zwei:  Einige Gadgets – Magnetos Helm, der Cerebro-Prototyp und einiges mehr – sind für meinen Geschmack etwas zu krampfhaft in die Story gestopft worden. Und schon wieder gibt es ein Serum, mit dem man Mutation wie eine Grippe durch Antibiotika austreiben kann. (Zum Glück funktioniert es nicht und spielt, verglichen mit „X-Men: The Last Stand“, nur eine untergeordnete Rolle.) Und auch nicht jeder Mutant gefällt: Die Feuerkugeln herauswürgende Libellen-Lady (Zoë Kravitz) z.B. gehört jetzt nicht gerade zu den coolsten Superhelden, die je erdacht wurden.

Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Denn – und das wird mir erst so richtig klar, weil und während ich den Film zum dritten Mal schaue – „X-Men: First Class“ ist auch ein ziemlich kurzweiliger, ideenreicher und visuell origineller Trip, bei dem es auch nach mehrmaligem Sehen immer wieder  neue Kleinigkeiten zu entdecken gibt. Die Beziehung zwischen den Figuren hätte ich mir  etwas komplexer und sich natürlicher entwickelnd vorstellen können, aber auch so sind die Konflikte glaubhaft und die einzelnen Schauspieler verkörpern ihre Figuren trotz oft geringer Screentime prägnant und insgesamt überzeugend. Hinzu kommen gleich eine ganze Reihe von Gänsehaut-Momenten, für die ich stellvertretend zwei Tode nennen will. Und zwar  das überaus traurige Dahinscheiden von Darwin (Edi Gathegi), der nach ein paar überschwänglichen Minuten erkennen muss, dass er in der Mutanten-Schulen eben doch nur die Schulbank der ersten Klasse drückt und besser die Finger von den großen Jungs gelassen hätte. Ebenfalls intensiv: Die Szene als Magneto sich an Shaw rächt. Nicht nur, dass die Münze vom Anfang wieder eine Rolle spielt und bildhaft deutlich wird, das die Vergangenheit die Gegenwart konstituiert;  das Cross-Cutting zwischen Magneto und Charles Xavier zeigt eindrucksvoll wie sich die beiden Figuren mittlerweile voneinander entfernt haben – aber dennoch schicksalhaft zusammenhängen.

Und so findet in „X-Men: First Class“ der ewige Konflikt zwischen Mutanten und Menschen seinen Anfang. Das Böse, das sind immer die anderen. Ein Blick in die Zeitung reicht um festzustellen, dass dieser Satz auch außerhalb von Comic-Verfilmungen Gültigkeit hat. Oder, um mit den Worten von Magneto zu sprechen: „Peace was never an option.“

P.S. Film ist aus der gleichen Box wie Teil 2.