Tag: Psychothriller

Memento (Christopher Nolan, USA 2000)

Posted by – 9. Januar 2017

Elementarer als der Wunsch nach Vergeltung ist vielleicht nur die Liebe. Aber um die soll es hier nicht gehen. Sondern um Rache. Nur ganz selten ist das Thema so umfassend, tiefsinnig und clever behandelt worden, wie in Christopher Nolans „Memento“. Schon die Bibel beginnt mit einem Akt des Ungehorsams und der göttlichen Vergeltung. Die Vertreibung aus dem Paradies ist damit gleich auch der erste pädagogische Akt der Geschichte in dem die Zöglinge Rache mit dem ersten Schluck Apfelsaft eingeimpft bekommen. Sich an anderen zu rächen scheint von da an tief in unserem Wesen verwurzelt; kein Wunder also, dass es seit Anbeginn aller Zeiten so viele Geschichten zu dem Thema zu erzählen gibt.

Im Bereich Film gehören zu den großen Werken des Genres sicherlich „Once Upon A Time In The West“ (OT: C’era una volta il West) von Sergio Leone aus dem Jahre 1968. Ein Meisterwerk, ohne Frage und trotz seines unerfreulichen Racheplots ein seltsam positiver Film, zeigt er doch, dass der Wunsch, etwas zu erschaffen, den nach Rache sogar noch überdauert. Ganz anders ist da der mehrfach verfilmte Roman „Moby Dick“ Herman Melville (ich liebe die John-Huston-Version aus dem Jahre 1958!) bei dem die typisch menschliche Eigenschaft der Rachsucht bzw. seine Unfähigkeit zu vergeben, thematisiert wird. Er zeigt eindrucksvoll, dass Rache nichts Individuelles ist, sondern stets in ein System eingebunden ist, welches in letzter Konsequenz mit in den Untiefen des Hasses versinkt. Auch aktuell gibt es immer wieder starke Filme zu dem Thema. Exemplarisch nenne ich hier „Irreversible“ von Gaspar Noé, der mich damals ziemlich durcheinander gebracht hat. Das liegt nicht nur an seinen schonungslosen Gewaltszenen, sondern auch an seiner Erzählweise: Der Film beginnt seine Rache-Geschichte am Ende und arbeitet sich schrittweise zum Anfang zurück. Hierdurch wird ein seltsamer Effekt hervorgerufen: Auch wenn die Vergewaltigung, der Auslöser aller weiteren Ereignisse ist, gesühnt wurde, empfindet der Zuschauer keine Befriedigung. Dadurch, dass das Verbrechen auf die Rache folgt, wirkt es, als wäre man in einer Gewaltspirale, einem ewigen Kreislauf gefangen.

Aber genug von anderen Filmen. Hier soll es ja um Christopher Nolans „Memento“ gehen, den ich vor ein paar Wochen mal wieder gesehen haben. Obwohl: „Irreversible“ und die anderen genannten Titel sind schon eine gute Überleitung… Für mich ist „Memento“ nämlich einerseits die Essenz all dieser Filme sowie andererseits gleichzeitig ein Kommentar auf etwas, das dem Thema Rache wesentlich ist. In Nolans Films geht es um einen Mann namens Leonard (Guy Pearce), der den Mord an seiner Frau aufklären will. Doch er leidet unter einer Störung seines Kurzzeitgedächtnisses und kann deswegen keine neuen Erinnerungen abspeichern. Aus diesem Grund ist er komplett von seinen Aufzeichnungen und Notizen abhängig . Nolan beginnt seinen Film damit, wie Leonard einen Mann erschießt. Wie es dazu kommen konnte, erfährt der Zuschauer erst im weiteren Verlauf. Wie in „Irreversible“ wird auch in „Memento“ die Geschichte rückwärts erzählt. Auch hier ist die anti-chronologische Form kein artifizieller Selbstweckt, sondern dient dem Inhalt, auch wenn sie zusätzlich noch den irritierenden Effekt hat, die Schlusspointe mit der Kraft einer Bombe zünden zu lassen.

Durch diese Erzählweise erreicht Nolan folgendes: Wie der Hauptfigur fehlt auch dem Zuschauer der Überblick, so dass die Frage, ob die Rache hier – egal welchen moralischen Maßstab man anlegt – in irgendeiner Form legitim sein könnte, von Beginn an ad absurdum geführt wird. Am Anfang steht ein geschichtsloses Ergebnis. Ohne triftige Gründe kann es schwerlich das richtige sein, zumal sich – wie im weiteren Verlauf des Films nach und nach herausgearbeitet wird – die Lösung als Folgefehler entpuppt. Doch auch der größte Fehler sieht der Wahrheit täuschend ähnlich, wenn man es nur doll genug möchte; ist er auch noch weniger schmerzlich diese, rutscht man, wie Leonard leicht, in einen niemals endenden Kreislauf, in dem Rache erst zur schmerzlindernden Medizin und schließlich zum Lebenssinn wird.

Mit biblischem Ernst erzählt Nolan seine Rache-Parabel, und ich finde, dass der Ton gut zum Thema passt. Filme wie „Once Upon A Time In The West“, „Moby Dick“ oder eben auch „Memento“ sind existenzialistische und damit quasi religiöse Filme. Sie sagen etwas über unser Leben, etwas über den Sinn – darüber, was Rache für den Menschen bedeutet. Doch selten ist das Ergebnis so vielschichtig und umfassend wie in Nolans Film. Rache ist nicht mehr nur Reaktion auf ein angeblich oder tatsächlich erlittenes Unrecht, sondern (wie die Liebe) etwas urwüchsig elementares, von dem die gesamte Menschheitsgeschichte durchzogen ist, wie der Waldboden von einem Pilzmyzel.

Bild © EuroVideo

Lights Out (David F. Sandberg, USA 2016)

Posted by – 3. August 2016

Dunkelheit und Horrorfilme – das gehört irgendwie zusammen. So eng gekoppelt wie in David F. Sandbergs Debüt, eine Adaption seines eigenen Kurzfilms, waren Schatten und Schrecken vielleicht noch nie. In „Lights Out“ geht es um einen Geist, der nur in der Dunkelheit existieren kann – bzw. um eine Familie, die unter ihm zu leiden hat. Das Ergebnis erinnert ein wenig an Jennifer Kents „Babadook“, weil sich auch hier die übernatürliche Bedrohung als Metapher auf die Befindlichkeit seiner Figuren interpretieren lässt. So richtig gut gefallen hat mir „Lights Out“ allerdings nicht, zum einen, weil man ihm seine Kurzfilm-Herkunft zu stark anmerkt, zum andern weil er den hintergründigen Schrecken zugunsten abstruser Erklärungen immer mehr aufgibt. Für Kino-Zeit habe ich einen kleinen Text zum Film geschrieben.

 

Malastrana (Aldo Lado, Deutschland / Italien / Jugoslawien 1971)

Posted by – 22. März 2016

MalastranaMal gleich mit der Tür ins Haus gefallen: „Malastrana“ (OT: La corta notte delle bambole di vetro) ist einer der besten Filme, die ich in den letzten Monaten gesehen habe. Auf meiner Liste der bereits gesehenen, gemeinhin als „Gialli“ bezeichneten italienischen (Psycho-)Thriller, würde ich in spontan zu den Top-10 zählen. Lado Aldos Geschichte ist ein unglaublich pessimistischer, über alle Maßen deprimierender Alptraum, gegen den sich die Romane von Franz Kafka fast schon heiter erweisen. Selbst ein paar Tage nach meiner ersten Begegnung mit diesem Film sitzt mir die Erfahrung tief in den Knochen und lässt mich frösteln.

Das fängt schon mit der Prämisse des Films an: Der Protagonist, ein amerikanischer Journalist namens Gregory Moore (Jean Sorel), liegt tot auf dem Tisch des Leichenbeschauers. Scheinbar tot! Ist er aber nicht, er hat nur keine Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Die Obduktion ist bereits angesetzt. Die Geschichte von „Malastrana“ entspinnt sich an Gregorys Erinnerungen, sein eingesperrter Verstand versucht dahinter zukommen, was ihn in diese Lage gebracht hat. Gregory erinnert sich: Seine Freundin Mira (Barbara Bach) hatte ihn besucht. Als er nach einer Party, bei der er Mira eine Reihe Leuten vorgestellt hat, noch einen Arbeitstermin wahrnehmen muss und wieder nach Hause zurückkehrt, ist sie fort. Er macht sich auf die Suche, Polizei und Kollegen sind ihm dabei kaum eine Hilfe. Bei seinen Recherchen findet er heraus, dass seit jüngst eine ganze Reihe von jungen Frauen vermisst wird. Je tiefer er gräbt, desto größer werden die Widerstände. Bald gibt es die ersten Toten…

„Malastrana“ (= ein Stadtteil Prags, tschechisch: Malá Strana) ist natürlich auch eine Parabel auf den totalitären Staat, in dem die Reichen elitäre Geheimbünde, unterstützt von korrupten Polizisten, die Herrschaft übernommen haben. Ein Menschenleben ist hier nicht viel wert – das eines einheimischen Mädchens allerdings noch weniger als das eines amerikanischen Journalisten. Das Gleichnis ist allgegenwärtig, doch ich hatte nie das Gefühl, dass Lado die Parallelen zwischen dem paralysierten Journalisten und dem ohnmächtigen Individuum im Faschismus übertreibt, sondern dass ihm in erster Linie daran gelegen ist, seine ungewöhnliche Geschichte möglichst effektiv zu präsentieren. Die Bilder von Kameramann Giuseppe Ruzzolini vermitteln das Gefühl von Einsamkeit und Schwere, die tieftraurige Cello-Musik von Meister Ennio Morricone tut sein Übriges, den Zuschauer immer tiefer in den Abgrund zu reißen. Es ist kaum übertrieben, Lado zu bescheinigen, dass er mit „Malastrana“ der Stadt Prag ein ähnlich atmosphärisches Denkmal gesetzt hat, wie es zwei Jahre später Nicolas Roeg mit „Don’t Look Now“ für Venedig gelingen sollte.

Von Aldo kenne ich bisher „Night Train Murders“ und „Who Saw Her Die“, die mir beide ebenfalls sehr gut gefallen haben. „Malastrana“ – oder auch „Short Night of the Glass Dolls“ wie er international heißt – ist meiner Meinung nach aber noch einmal ein Stück stärker, weil er das Gefühl der Machtlosigkeit sehr eindrucksvoll einfängt. Wenn man sich mal klar macht: Die Geschichte, die wir sehen, besteht ja lediglich aus den Erinnerungen des paralysierten Protagonisten. Jede Entdeckung, die er macht, jedes weitere Puzzlestück des Rätsels, schafft lediglich ein Gefühl von Fortschritt. In Wirklichkeit aber ist alle Souveränität in diesem Film eine Illusion. Ein besseres Verständnis seiner Situation ist die einzige Freiheit, die dem unfreien Individuum bleibt. Bitterer kann die Moral der Geschicht’ wohl nicht.

Bild © Camera Obscura

Libido (Ernesto Gastaldi, Vittorio Salerno, Italien 1965)

Posted by – 19. März 2016

LibidoNicht so werden zu wollen wie seine Eltern – darüber wird der ein oder andere bestimmt schon nachgedacht haben. Und auch mir fallen da spontan gleich mehrere Menschen einen, die diesen Wunsch mal geäußert haben. Auch der Protagonist im frühen Giallo von Ernesto Gastaldi & Vittorio Salerno möchte auf keinen Fall in die Fußstapfen seines Vaters treten. Denn als Kind musste Christian mit ansehen, wie dieser eine Frau umbrachte und hinterher Selbstmord beging. Die nächsten Jahre verbringt Christian unter psychiatrischer Aufsicht. Um seinen gesundheitlichen Zustand zu testen kehrt er als Erwachsender (Giancarlo Giannini) zusammen mit seiner Gattin Eileen (Dominique Boschero), seinem Anwalt Paul (Luciano Pigozzi) sowie dessen Frau Brigitte (Mara Maryl) zum Haus seiner Kindheit zurück. Schon bald findet Christian immer mehr Anzeichen dafür, dass irgendetwas in dem alten Haus nicht stimmt. Lebt sein Vater etwa noch?

„Libido“, der kurz nach Mario Bavas Klassiker „Blood And Black Lace“ entstanden ist, ist, noch kein typischer Giallo, wenngleich die Elemente des Genres, eine Mordserie, ein unbekannter Killer, schwarze Handschuhe, sexuelle Traumata, einprägsame Musik u.ä. hier durchaus vorkommen. Auch das Thema Beobachten spielt, wie vor allem in den Gialli Dario Argentos, eine Rolle wichtige eine Rolle. Lediglich die Kamera des in schwarz-weiß gedrehten Films agiert bis auf wenige Ausnahmen eher giallo-untypisch einfallslos. Wenn „Libido“ optisch auch nicht gerade brillant daher kommt, ist die Geschichte mit Spuk-Touch trotzdem sehr spannend umgesetzt und psychologisch nicht ganz abwegig. Man merkt, dass sich der Schreib-Profi Ernesto Gastaldi und Vittorio Salerno (der Regisseur von „No il caso è felicemente risolto“, den ich mir die nächsten Tage ansehen möchte), die sich neben der Regie auch für das Buch verantwortlich zeichnen, hier ernsthaft einen Kopf gemacht und versucht haben, die Motivation der Figuren plausibel zu machen. Geglückt, würde ich sagen. Dass das recht gut funktioniert, liegt auch an den Darstellern, die mich hier, von Giancarlo Gianninis leichtem Overacting mal abgesehen, wirklich überzeugt haben. Der Zuschauer bleibt bis zum Ende im Unklaren, wer hier was aus welchen Gründen tut, doch wenn schließlich die Auflösung präsentiert wird, ist das, anderes als in vielen späteren Filmen, in denen der Täter unvermittelt aus dem Hut gezaubert wird, ist das Ergebnis nachvollziehbar und stimmig. Mir hat es gefallen, dass gerade die wahnsinnige Figur letzten Endes die wahrhaftigste war.

Schade, dass ein Film wie „Libido“ so wenig bekannt ist, nicht nur, weil man ihn in vielerlei Hinsicht als Wegbereiter des in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren aufblühenden Giallo begreifen kann. Das Thema, nicht wie die eigene Eltern werden zu wollen, ist universell und nachvollziehbar und hier wird hier filmisch auf eine sehr spannende Weise präsentiert. In Christians Fall klappt das, soviel sei verraten, wenn auch auf eine andere Weise als erwartet, nicht so ganz. Ich hoffe, das ist jetzt kein Spoiler, sondern ein Aspekt, der neugierig macht und alle, die das hier lesen motiviert, diesem kleinen aber feinen Früh-Giallo eine Chance zu geben.

Bild-Quelle: IMDB

On The Top Of The Other (Lucio Fulci, Frankreich / Italien / Spanien 1969)

Posted by – 12. März 2016

una sull'altra

Als seine Frau Susan (Marisa Mell) stirbt, erbt der Arzt George Dumurrier (Jean Sorel) eine hohe Geldsumme, was den Verdacht der Polizei und der Versicherung auf ihn lenkt. Kurze Zeit später lernt Dumurrier die Stripperin Monica Weston kennen, die seiner verstorbenen Frau zum Verwechseln ähnlich sieht.

Zunächst: Der unter dem internationalen Titel „On The Top Of The Other“ (OT: una sull’altra) vermarktete, aber auch unter den Namen „Perversion Story“ und „Nackt über Leichen“ bekannte Erotikthriller von Lucio Fulci, ist ein wahnsinnig gut aussehender, stilvoller, aber auch perfider Vertreter seiner Gattung. Es geht um Intrigen der Reichen und Schönen. Und schön und musikalisch reich ist der Film auch – schon alleine optisch sowie durch den jazzigen Score von Riz Ortolan bestens unterhält. Fulci und seinem Kameramann Alejandro Ulloa sind nicht nur etliche einprägsame Aufnahmen geglückt, welche die Besonderheiten des Krimiplots subtil untermauern, sondern ebenso viel stimmungsvolle Bilder von San Francisco. Wir sehen die Personen oft durch Glas oder ihre Reflektion in einem Spiegel; und auch sonst gibt es etliche schräge Perspektiven, experimentierfreudige Collagen und originelle Regie-Einfälle zu bewundern.

Doch es sind weniger seine offensichtlichen Reize, die den Hitchcock-inspirierten und an die Themen und die Ästhetik Brian de Palams erinnernden Thriller so interessant machen. Zum einen ist er der erste Ausflug Fulcis ins Giallo-Genre, zum anderen gehört er zu den wenigen Gelegenheiten, den Regisseur als rationalen, mehr oder weniger kohärenten Geschichtenerzähler zu erleben. Und noch ein dritter Aspekt macht diesen Giallo für mich spannend: Die Mechanismen der Zerstörung, die in Fulcis späteren Filmen vor allem körperlicher Natur sind, werden hier auf das gesamte Leben eines Mannes angewandt. Nach und nach gerät alles, letzten Endes selbst verschuldet, aus den Fugen, bis er schließlich in der Todeszelle landet. Doch ist es nicht nur die Destruktion selbst, sondern auch die Art ihres Voranschreitens, die Zwangsläufigkeit, die den Ereignissen dieses Films zugrunde liegt, die Unausweichlichkeit jedes einzelnen Schrittes bis hin zum Finale, die ein Charakteristikum vieler Filme Fulcis wie auch anderer Gialli sind. Hierzu passt übrigens auch sehr gut das Schauspiel von Jean Sorel, der mit kaum bewegter Mine seinen Alptraum durchlebt, so als wüsste er stets, dass er sein Schicksal verdient und keine Chance hat, die Geschichte von sich aus zu wenden.

„On The Top Of The Other“ ist ein Film, in dem Fulcis Werk noch nicht aus den Fugen geraten ist, in dem die Verhältnisse noch stimmen und die drei bisher vom mir beobachteten, inneren Prinzipien seines Schaffens – Zerstörung, Fatalismus und Sühne – mit dem Primat der Ästhetik im Einklang stehen. Fulci wirft einen Blick hinter die Fassaden der oberen Zehntausend und zeigt, wie selbstsüchtig, niederträchtig und intrigant es dort zugeht. Zum Schluss bekommt jeder, was er verdient. Wer Fulci vor allem wegen seiner inkohärenten Geschichten, der fiebrigen traumartigen Atmosphäre seiner Filme und der heftigen Gewalteruptionen mag, wird mit diesem Film möglicherweise zunächst fremdeln. Meiner Meinung nach ist das aber ein Grund mehr, ihn sich anzusehen und andere Seiten dieses vielfach unterschätzten Filmemachers kennenzulernen. Hier ist Fulcis Welt noch in Ordnung, „On The Top Of The Other“ ist eine runde Sache!

Bild © X-rated

Honeymoon (Leigh Janiak, USA 2014)

Posted by – 2. März 2015

Honeymoon„Nach den Flitterwochen kommen die Zitterwochen“ heißt es doch so schön. Manchmal allerdings gibt es die Gänsehaut auch schon währenddessen. Bea (Rose Leslie) und Paul (Harry Treadaway) sind frisch verheiratet. Ihre Flitterwochen verbringen sie in einer einsamen Hütte im Wald. Alles scheint perfekt – bis Paul eines Nachts aufwacht – und seine Frau verschwunden ist. Er sucht und findet sie schließlich verwirrt und nackt wie angewurzelt im Wald stehend. Bea behauptet, dass es ihr gut gehe und sie sich an nichts erinnern könne. Doch in den nächsten Tagen stellt Paul Veränderungen an seiner Frau fest, die ihn misstrauisch machen.

Schon auf dem letzten Fantasy Filmfest wollte ich diesen Film sehr gerne sehen. Hinter der Werbeprosa im Programmheft meinte ich einen besonderen Film zu erahnen. Ganz falsch lag ich mit meiner Intuition nicht, denn Leigh Janiak ist mit „Honeymoon“ tatsächlich ein interessanter Film gelungen. Der Regisseurin geht es mehr um die Missverständnisse und Kommunikationsprobleme innerhalb einer Beziehung, als darum, dem Zuschauer klassischen Kost zu servieren. Zwar ist auch ihr Film recht spannend, und es gibt eine geheimnisvolle, übernatürliche Bedrohung, diese Elemente scheinen mir jedoch eher dazu zu dienen, um den hintergründigen Konflikt zwischen den Ehepartnern mit metaphorischen Mitteln herauszuarbeiten.

Dafür dass die beiden– aller Zärtlichkeit und Liebesbeteuerungen zum Trotz – schon vor Beas offensichtlicher Veränderung nicht ganz im Einklang schwingen, gibt es von Anfang an subtile Hinweise. Nicht erst durch seinen Kommentar nach dem Sex über ihre Gebärmutter lassen sich, wenn man will, Misstöne zwischen den beiden feststellen. Er ist derjenige mit der Definitionsmacht, er beurteilt die Waldhütte, die Beas Familie gehört, sagt wie das Essen gekocht werden muss usw. Und schon in dem vermeintlich zärtlichen „Honeybee“, seinem Kosenamen für sie, deutet sich eine Schieflage in der Beziehung an. So lange er die Macht hat, läuft der Laden; doch als seine Frau auf einmal „anders“ ist, gerät die Beziehung außer der Balance. Seine Frau verhält sich anders als gewohnt – er verliert die Kontrolle, er wird aggressiv, sie beginnt sich zu entziehen, er erklärt sie für krank. Je fester sein Griff, desto mehr entgleitet ihm seine Frau. Doch „Honeymoon“ ist kein Film über die Fehler eines (Ehe-)Mannes, denn ähnliches gilt für Bea: seit ihrer „Verwandlung“ ist sie viel zu sehr bei sich und ihrem Unterleib, als ihren Partner noch wahrnehmen zu können. Ein paar beflissentlich notierte und auswendig gelernte Erinnerungsschnipsel reichen nicht, die halbherzigen Versuche, die Beziehung für die restlichen Tage am Leben zu halten, laufen ins Leere. Ihr letzter Akt der Liebe ist von einem tödlichen Unverständnis die Natur ihres Mannes betreffend gekennzeichnet.

Ich finde es etwas schade, dass sich Janiak zum Schluss doch nicht ganz verkneifen kann, auf ein paar abgegriffene Standards in ihrer Inszenierung zurückzugreifen. Es soll wohl für Spannung sorgen, schadet dem Film meines Erachtens aber eher, als dass es nützt. Zu kritisieren wäre weiterhin, dass sich der Film bisweilen ein wenig wie eine künstlich in die Länge gezogene Short Story anfühlt, was wohl vor allem an einigen Szenen irgendwo zwischen Halbzeit und Finale liegt. Nichtsdestotrotz hebt sich Janiaks Kinodebüt angenehm von der typischen Genrekost ab. Sie wollte sichtbar mehr, als einfach einen spannenden Film zu drehen – und das ist ihr gelungen. „Honeymoon“ ist ziemlich bedeutungsoffen. Ob man die Ereignisse im Film beispielsweise als Metapher auf eine Schwangerschaft, eine Vergewaltigung, normale Kommunikationsprobleme zwischen zwei Menschen oder einfach als fantastischen Stoff sehen will, ist jedem frei gestellt. In anderen Horrorfilmen ist es oft so, dass ein übernatürliches Ereignis die schlechten Seiten an den Menschen hervorkehrt. Hier ist anders herum. Hier sind es die feinen, dann immer sichtbarer werdenden Risse in der Beziehung, die Fleisch werden und sich in düsterem Wurzelwerk manifestieren, das aus den Körpern der Figuren schlangengleich herauswindet.

Bild © Alive

Maps To The Stars (David Cronenberg, USA / Kanada 2014)

Posted by – 9. September 2014

maps to the starsEs gehen Geister um in Hollywood: Die Schauspielerin Havana (Julianne Moore) z.B. wird von ihrer toten Mutter (Sarah Gadon) heimgesucht. Wie besessen versucht sie in deren Fußstapfen zu treten. Der 13-jährige Kinderstar Benjie Weiss (Evan Bird) sieht ebenfalls Gespenster. Ihm erscheint ein totes Mädchen (Kiara Glasco). Und dann betritt ein ganz reales Gespenst die Bildfläche: Benjies Schwester Agatha (Mia Wasikowska), die vor Jahren Benjie mit Medikamenten ruhiggestellt und anschließend das Haus in Brand gesetzt hatte…

Es gibt kaum einen anderen Filmemacher, der so stark an seinem Thema arbeitet, ohne sich jemals zu wiederholen. David Cronenberg ist als Regisseur und Autor wie ein Forscher, der immer weitere Fragen stellt und immer neue Aspekte seines Forschungsgegenstandes enthüllt. Auch „Maps To The Stars“ ist wieder ein echter Cronenberg, in der sich der kanadische Filmemacher noch weiter in die Untiefen menschlicher Existenz(ver)form(ung)en wagt.

„Wissenschaft, die sich gegen den Menschen wendet“ war das Thema, auf das man Cronenberg am Anfang seiner Karriere oft reduziert hat. Doch dies sollte sich nur als ein Aspekt von etwas viel Größerem herausstellen, nämlich der Wandlungsfähigkeit des Menschen schlechthin. Anfangs waren es noch die vor allem körperlichen Transformationsszenarien einer der grenzenlosen Wissenschaft ausgelieferten Welt, die Veränderung des menschlichen Körpers, seine Verschmelzung mit der Maschine. Body Horror nannte man das. Doch immer deutlicher wurde, dass es Cronenberg um den Übergang zu neuen Existenzformen geht, die nicht mehr nur den menschlichen Körper, sondern ebenso dessen Geist umfassen. Denn Transformation bedeutet bei Cronenberg mehreres – sie ist zivilisatorische Dystopie, Vision eines tief greifenden, gesellschaftsverändernden Wandels, vor allem aber die Mutation des Individuums und seiner Persönlichkeit. Und wo könnte man die Verformungen der menschlichen Seele besser erforschen als in Hollywood?

In „Maps To The Stars“, der auf der Romanvorlage „Dead Stars“ von Bruce Wagner beruht, geht es nicht nur um einen Brand, welcher der Auslöser der Geschichte ist – auch der Film selbst ist ein hellgleißender, feuriger Himmelskörper, der in Hollywood, dem Filmzentrum dieser Welt, zu Boden geht und alles in seiner Glut zu Asche werden lässt. Doch das Feuer ist kein Purgatorium, es reinigt nicht. Aus der Asche erheben sich die Geister der Verstorbenen, um ihre inzestuösen Nachfahren zu peinigen – bis diese aus Verzweiflung selbst in die Flammen steigen. Ein Teufelskreis, aber vielleicht auch der perverse, generationsübergreifende Mechanismus, aus dem die (Alp-)Traumfabrik die Energie für ihre Produkte schöpft. Eine bitterböse, nachthimmelschwarze, aber auch stellar funkelnde Satire hat Cronenberg seinem Publikum hier geschenkt. Und apropos Stern: Noch nie war ein Cronenberg-Film so voller Stars. Neben den genannten sind außerdem zu sehen: Olivia Williams als Benjies Mutter und John Cusack als sein Vater, Robert Pattinson als ehrgeiziger Chauffeur und Carrie Fisher ganz groß (!!!) als – Carrie Fisher. Zu zeigen, wie formbar dieses Wesen „Mensch“ ist, wäre ohne diese großartigen Darsteller nicht möglich gewesen.

Bild © MFA
 

Enemy (Denis Villeneuve, Spanien / Kanada 2013)

Posted by – 8. April 2014

EnemyAlles beginnt mit einer Spinne: Ein Mann, von dem der Zuschauer später erfahren wird, dass es sich um den B-Movie-Darsteller Anthony Claire (Jake Gyllenhall) handelt, wohnt in einem Sex-Club einer seltsamen Darbietung bei: Er beobachtet, wie eine nackte Tänzerin eine große Spinne freilässt und sie hinterher zertritt. Schnitt. Der Geschichtsprofessor Adam Bell (ebenfalls Jake Gyllenhall) führt ein unspektakuläres, ja, freudloses Leben. Doch dann entdeckt er in einem Film auf einmal einen Schauspieler, der ihm aufs Haar gleicht. Adam beginnt Nachforschungen anzustellen. Er findet heraus, dass es sich bei dem Doppelgänger um den bereits erwähnten Anthony Claire handelt, der mit seiner schwangeren Frau Helen (Sarah Gadon) in einem unscheinbaren Apartment-Komplex wohnt.

Wem im Anschluss an „Enemy“ nicht gleich alles klar ist, muss sich nicht wundern. Dem kanadischen Regisseur Denis Villeneuve ist mit der Adaption des im Jahr 2002 erschienenen Romans „Der Doppelgänger“ des portugiesischen Nobelpreisträgers José Saramago ein filmisch-psychologisches Rätsel gelungen, das sich rein rationalen Erklärungsversuchen enzieht. Am Ende steht keine Auflösung, sondern eine weitere Irritation. „A man who wants to leave his mistress and go back to his pregnant wife must confront his worst enemy: himself“ bringt Villeneuve in einem Interview mit der Zeitschrift Film Comment einen möglichen Interpretationsansatz ins Spiel. Doch stellt sich die Frage, ob der Bedeutungsspielraum der Geschichte nicht sogar noch größer ist und ob sich der Konflikt tatsächlich vor allem zwischen verschiedenen Versionen des Subjekts bzw. des Protagonisten verorten lässt. Da kämen für mich die anderen Figuren des Films wie die Ehefrau/Geliebten eindeutig zu kurz. Arachnida – Spinnentiere – werden nicht nur mit menschlichen Ängsten, sondern ebenso mit Weiblichkeit und Mutterschaft assoziiert. Es darf angenommen werden, dass ein Teil des Subjekts seine Zukunft als Familienvater als ebensolche Gefahr wahrnimmt wie ein anderer Teil seine zwielichtige Vergangenheit samt Sex-Clubs und Affären. Die Akzeptanz der einen Realität führt immer auch zur Aufgabe der anderen. Der Protagonist hat sich in einem klebrigen Netz verfangen, aus dem es keine leichte Flucht gibt. Überhaupt sind es neben den erwähnten Spinnen-Szenen auch Visualisierungen von (Spinnen)Netzen, die sich vielerorts in Villeneuves kunstvoll gewobenem Film auffinden lassen. Bedrohlich, aber gleichzeitig wunderschön. Wie eine Spinne. Die folgerichtig auch am Ende des Films auf den Zuschauer wartet.

Ein wenig führe ich diese Gedanken noch aus in der Mai-Ausgabe des AGM-Magazins.

Bild © Capelight Pictures
 

Stereo (Maximilian Erlenwein, Deutschland 2014)

Posted by – 27. Februar 2014

Stereo„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, Die eine will sich von der andern trennen…“ heißt es in Goethes „Faust“ und auch im Film von Maximilian Erlenwein geht es um eine zerrissene Seele.

Erik (Jürgen Vogel) betreibt eine Motorrad-Werkstatt in einer kleinen Stadt. Seine Beziehung zu Julia (Petra Schmidt-Schaller) läuft blendend. Doch dann tauchen plötzlich Fremde in der Stadt auf, die behaupten, ihn zu kennen, und sie setzen ihn unter Druck. Dann gibt es noch den mysteriösen Henry (Moritz Bleibtreu), der sich massiv in Eriks Leben einmischt…

Vergleiche mit „Fight Club“ oder „A History Of Violence“ sind schnell gefunden, doch müßig. Wichtig ist: Derart kraftstrotzendes, vitales Kino gibt es hierzulande nicht oft. Eine Inspiration für den Film war nach Aussage des Regisseurs, den ich im Rahmen der letzten Berlinale interviewen durfte, Henry Kosters „Harvey“ aus dem Jahr 1950. Was wäre, fragte Erlenwein sich, wenn dieser Hase aus dem Film eine miese Sau wäre? Das Ergebnis bekommen wir hier zu sehen. Erlenwein, selber ein großer Liebhaber von Genrefilmen, hat versucht, mit „Stereo“ selber so einen Film zu machen und zeigt eindrucksvoll, dass das auch in Deutschland möglich ist. Wenn man die richtigen Leute im Team hat. Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu spielen sich in dem düsteren Psychothriller im wahrsten Sinne des Wortes die Seele aus dem Leib, von Petra Schmidt-Schaller bekommt der Film seine Wärme und Georg Friedrich rockt als schmieriger Gangster und Endgegner. Die Besetzung des Films ist auch insofern interessant, als dass es auf den ersten Blick naheliegend gewesen wäre, Bleibtreu als den netten Mechaniker und Vogel als seine dunkle Seite zu besetzen. Doch erst anders herum wird ein Coup draus!

Im Finale kommt es zum rohen, kathartischen Showdown: Knochen brechen, Blut spritzt, die Lichter gehen aus. Ein Motorrad rast mit heulendem Motor in die Nacht. Trotz alledem ist „Stereo“ irgendwie auch ein Liebesfilm. Die Liebe zwischen Erik und Julia spielt eine ganz wichtige Rolle, ohne sie würde der Film nicht funktionieren. So hart, so zart, so vielseitig kann deutsches Kino sein.

Bild © EuroVideo

The Night Of The Hunter (Charles Laughton, USA 1955)

Posted by – 12. Februar 2014

night of the hunterA good tree cannot bring forth evil fruit. Neither can a corrupt tree bring forth good fruit. Wherefore by their fruits, ye shall know them.

In den 1920er Jahren zieht der Psychopath Harry Powell (Robert Mitchum), der sich als Wanderprediger ausgibt, mordend durch die Lande. Als er im Gefängnis erfährt, dass Ben Harper (Peter Graves) 10 000 Dollar versteckt hat, schleicht sich Powell nach dessen Hinrichtung bei seiner Familie ein. Während Bens Witwe Willa Harper (Shelley Winters) und ihre junge Tochter Pearl (Sally Jane Bruce) dem charismatischen Mann schnell verfallen, bleibt Sohn John (Billy Chapin) misstrauisch.

Dass „The Night Of The Hunter“, diese seltsame Mischung aus düsterem Märchen, expressionistischem Stummfilm und (Psycho-)Thriller, bei seiner Uraufführung durchgefallen ist, später dann aber als Meisterwerk gefeiert wurde, dass es der einzige Spielfilm des genialen Schauspielers und Theaterregisseurs Charles Laughton („Witness For The Prosecution“) war, dass Robert Mitchum sich so in seine Rolle hineingesteigert hat, dass er danach erst einmal ein paar Jahre mit niemandem über den Film reden wollte – all das kann man in nahezu jeder Review nachlesen. Ich will das nicht alles wiederholen. Ich sage erst einmal nur: Holy Fuck, wow, was für ein Film!

Und zwar ein unglaublich reichhaltiger, einer, der zahllose Anhaltspunkte bietet, sich mit ihm auseinanderzusetzen und der – je nachdem aus welchem Blickwinkel man ihn betrachtet – anders wirkt. Mein erster Impuls war, mich ihm über den Begriff der Gier zu nähern, doch diese Sicht fokussiert sich – so der zweite Impuls – vielleicht etwas zu sehr auf die beiden wichtigsten männlichen Figuren, den naiven Vater, der denkt, er könne seiner Familie durch geraubtes Geld zum Glück verhelfen und den bösen Egomanen und Stiefvater Powell. Nächster Gedanke: Vielleicht ist „The Night Of The Hunter“ auch ein Film über das Versagen, und zwar vor allem das Versagen der Erwachsen gegenüber Kindern? „You know, when you’re little, you have more endurance than God is ever to grant you again. Children are man at his strongest. They abide“, sagt die einzig positive Erwachsenfigur am Ende des Films. Ben Harper versagt, er raubt, mordet und hinterlässt seinen Kindern die Probleme, seine Frau versagt, indem sie wie ein neugieriges Insekt in das Netz des falschen Predigers tappt – und ihre Kinder dadurch zu Waisen macht. Aber nicht nur sie, das ganze Dorf versagt. Es erkennt nicht die Gefahr, die von dem falschen Prediger ausgeht. Ja, selbst als Willa schon aus dem Weg geräumt ist, nimmt niemand die Bedrohung wahr. Sogar der nette Onkel „Ihr könnt immer wenn ihr Probleme habt zu mir kommen“ Birdie (James Gleason) besäuft sich vor lauter Selbstmitleid und ist im entscheidenden Moment nicht für John und seine Schwester Pearl da.

Die komplette Welt der Erwachsenen versagt. Sie lassen die beiden Kinder in ihrem Kampf gegen das Böse und bei ihrer Flucht (die den Film auch zu einem Road- oder besser: Boat-Movie macht) ganz auf sich allein gesellt. Irgendwo hier transzendiert Laughtons Film und wird zum Märchen, in der archetypische Akteure zu Vertretern des Guten und Bösen schlechthin werden. John und Pearl sind Brüderchen und Schwesterchen, sind Hänsel und Gretel, sind Jorinde und Joringel, während sich in Powell Blaubart, Rumpelstilzchen und alle menschlichen Monster dieser Welt vereinen. Doch „The Night Of The Hunter“ ist kein phantastischer Film. Das Grauen, das von dem falschen Prediger ausgeht ist genauso real, wie die Gefahr der religiösen Hysterie, die sich durch den Film zieht. Und am Ende scheitert die Gemeinschaft, die anfangs ihrer Kinder nicht beschützen konnte ein weiteres Mal, als sich die vermeintlich Rechtschaffenden zu einem Lynchmob zusammenrotten und wieder einmal dem Demagogen folgen. Ein großartiger, ein wahnsinniger Film!

P.S. Interessant finde ich , was ich gerade in einem Text von Andreas Busche auf Fluter gelesen habe, nämlich, dass Michael Baute und Volker Patenburg auf die Idee gekommen sind, den Film in seine 93 Minuten zu zerlegen, und jede Minute von Filmgrößen wie Thomas Arslan, Christian Petzold, Angela Schanelec uvm. einzeln unter die Lupe nehmen zu lassen. Ich muss zugeben, auch wenn das Ergebnis heißt „93 Minutentexte. The Night of the Hunter“. Ich glaube zwar nicht, dass man dem Film durch eine Zerstücklung Herr wird, das Buch interessiert mich dennoch. Dort erfahre ich hoffentlich mehr über die Tiersymbolik des Films.

Bild ©  Koch Media