Tag: Rachel McAdams

Notizen #8

Posted by – 13. März 2016

Spectre (Sam Mendes, GB 2015)

Schon von „Skyfall“ war ich enttäuscht, aber mit „Spectre“ hat der Craig-Run für mich seinen Tiefpunkt erreicht. Autor Paul Haggis scheint bei „Casino Royale“ und „Quantum Of Solace“ eine Ahnung gehabt zu haben, was der neue Bond sein könnte, Neal Purvis und Robert Wade, die zusammen mit John Logan für die letzten beiden Filme verantwortlich sind, geht dies leider völlig ab. Der aktuelle Teil führt die losen Handlungsfäden zwar irgendwie zusammen, so richtig beeindruckt davon, dass hinter allem eine beleidigte Leberwurst mit Komplexen steht, dürfte aber niemand sein. Der Held? Craigs Bond ist mittlerweile ein arroganter Gockel und widerlicher Witwentröster geworden, der sein Hirn durchbohrende Nadeln besser wegsteckt als andere Leute Mückenstiche. Und selbst die bemüht imposanten Bilder von Kameramann Hoyte van Hoytema, lassen den „Spectre“ auf magische Weise nur noch peinlicher wirken.

Der grüne Bogenschütze (Jürgen Roland, Deutschland 1961)

Damals fand ich sie gruselig, heute nehme ich die Edgar-Wallace-Filme eher als verspielt, witzig und selbstironisch wahr. Den grünen Bogenschützen hatte ich zwar schon einmal vor urlanger Zeit gesehen, meine Erinnerung war aber dementsprechend nebulös. Beim erneuten Sehen präsentiert sich der fünfte Film der Wallace-Reihe (1959 bis 19729) als noch nicht ganz so elaboriert, wie spätere Vertreter, doch durchaus unterhaltsam, wenn auch für meinen Geschmack etwas Bogenschützen-arm. „Der grüne Bogenschütze“ ist bestimmt kein Highlight der Reihe, aber wegen seiner gelungenen Bösewichte – Gerd Fröbe als cholerisches Ekelpaket, Stanislav Ledinek als sein unangenehmer Handlanger –, finde ich ihn auch heute noch ganz nett.

Seven Blood-Stained Orchids (Umberto Lenzi, Italien 1972)

Ob man den Film, der in Deutschland unter dem Titel „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“ bekannt ist (OT: Sette orchidee macchiate di rosso), eher als konservativen Giallo oder als progressiven Versuch betrachtet, der Wallace-Reihe neues Leben einzuhauchen – schlecht ist er jedenfalls nicht. Er handelt von einer Mordreihe, bei welcher der Killer immer ein Schmuckstück in Form eines silbernen Halbmonds am Tatort zurücklässt. Giulia (Uschi Glas) und ihr Mann Mario (Antonio Sabato) forschen nach und geraten bald selbst in Gefahr. Was den Film so tragisch und damit auch gut macht: Zum Schluss erweisen sich die Morde als eine Kettenreaktion tödlicher Irrtümer. Der Versuch, die Wallace-Reihe hierdurch wiederzubeleben ist allerdings gescheitert. „Seven Blood-Stained Orchids“ war das 38. und letzte Wallace-Kapitel.

Spotlight (Thoms McCarthy, USA 2015)

Wenn der Film vorüber ist, kommt einem wahrscheinlich sofort folgende Frage in den Sinn: Was ist eigentlich aus der Katholischen Kirche geworden? Nach dem riesigen Missbrauchsskandal und dessen Aufdeckung durch ein paar couragierte Journalisten des Boston Globe im Jahr 2001 müsste die Kirche doch in den letzten Zügen liegen. Schließlich hatte der Missbrauch sowie dessen Vertuschung Methode. Dann der Schreck und einem klar, dass sich nichts geändert hat; und diese Erkenntnis ist in gewisser Weise noch furchterregender und trauriger als die zahllosen Vergewaltigungen Jugendlicher durch ein paar notgeile Würdenträger. Die katholische Kirche hat in den letzten zweitausend Jahren schon ganz andere Dinge ausgesessen, was soll ihr ein so kleines Skandälchen schon anhaben? Ehe ich zynisch werde, möchte ich einfach noch sagen, dass mir der Film sehr gut gefallen hat, die Musik Howard Shore ebenso. Nur die deutsche Synchronisation klingt leider, als wären da nur zwei Sprecher am Werk gewesen.

I Spit On Your Grave 3 (R.D. Braunstein, USA 2015)

Nachdem sie brutal vergewaltigt worden ist, hat sich Jennifer (Sarah Butler) ein neues Leben aufgebaut. Um die furchtbaren Erinnerungen zu verarbeiten, besucht sie eine Selbsthilfegruppe. Als ihre Freundin auf brutale Weise umgebracht wird, sieht Jennifer rot… – „Rape & Revenge“-Filme befriedigen in der Regel gleich zwei niedere, voyeuristische Interessen: Die Lust an Gewalt und die an nackter Haut. Das Perfide an Filmen dieser Art ist, dass sich der Zuschauer durch die Rache irgendwie auf der richtigen Seite fühlen darf und schnell den ästhetisierten Gewaltakten auf den Leim geht. Diesen Vorwurf kann man „I Spit On Your Grave 3“, der die Geschichte des Remakes weiterführt, allerdings kaum machen. Braunstein geht sehr zurückhaltend mit den exploititativen Elementen seiner Geschichte um, er verzichtet auf nackte Haut und meidet, von zwei, in der deutschen Fassung noch mal entschärfte Ausnahmen abgesehen, brutale Szenen. So richtig gelungen ist der Film, der es offensichtlich gut meint, allerdings trotzdem nicht. Zwar wird durch die Figur der Jennifer deutlich, dass Opfer häufig auch Tätermuster entwickeln. Den anderen Figuren des Films bleibt ein differenziertes Profil allerdings versagt.

Projekt X (Nima Nourizadeh, USA 2012)

Weil seine Eltern übers Wochenende verreist sind, wollen Thomas (Thomas Mann) und Kumpels eine große Party schmeißen. Die anfängliche Angst, dass niemand kommt, erweist sich als unbegründet. Das gute Marketing seines Freundes Costa (Oliver Cooper) geht voll auf. Zum Schluss zählt die Party beinahe 2000 Gäste – und läuft völlig aus dem Ruder. – Inspiriert von einer wahren Begebenheit, bei der ein Teenager in den USA über Facebook einlud und von Partygästen förmlich überrannt wurde, erzählt die Regisseurin Nima Nourizadeh in ihrem im Food-Footage-Stil gedrehtes Debüt die Geschichte einer Eskalation ohne Gefühl. Die Kritiken zum Film waren sehr gemischt. Ich würde den Film auch scheiße finden, wenn ich ihn als den Versuch einer Komödie betrachten würde. Doch wenn man ihn als Horrorfilm sieht, geht’s eigentlich. Mir haben diese Menschen im Film jedenfalls ziemlich Angst gemacht.

Passion (Brian de Palma, Deutschland / Frankreich 2012)

Posted by – 21. Dezember 2013

PassionSehr viel Positives wurde über Brian de Palmas neuen Film „Passion“, ein Remake des französischen Thrillers „Love Crime”, noch nicht geschrieben. Als Film auf „B-Movie-Niveau“ (Die Welt) wurde er bezeichnet, als „Lachnummer“ (Berliner Zeitung), „Abschlussprojekt einer Filmhochschule“ (Der Freitag) oder – ganz eloquent auf Spiegel Online – einfach als „Müll“. Bei so viel mieser Presse fällt es natürlich besonders leicht, den sicherlich nicht in jeder Hinsicht perfekten, aber trotzdem meisterlich inszenierten und durch Rachel McAdams, Noomi Rapace und Karoline Herfurth markant gespielten Film ins Herz zu schließen.

Christine (Rachel McAdams) leitet die Berliner Dependance einer internationalen Werbeagentur, Isabelle (Noomi Rapace) ist ihre fähigste Mitarbeiterin. Als Christine Isabelle eines Tages die Idee klaut und Isabelle ihrer Chefin ihren Liebhaber Dirk (Paul Anderson) ausspannt, entspinnt sich zwischen den beiden Frauen ein Machtkampf, der immer erbitterter geführt wird.

Mit „Passion“ kehrt de Palma zu seinen Wurzeln zurück. Man könnte auch sagen, der mittlerweile über 70-jährige Regisseur feiert sich richtig selbst, vielleicht, weil das dieser Tage zu wenig andere tun (vielleicht hat das aber auch einen anderen Grund). De Palma greift Motive auf, variiert sie genüsslich und ordnet sie zu etwas an, das kaum Ähnlichkeit mit Filmen hat, die man heutzutage sonst so im Kino zu sehen bekommt. Eine, bzw. diesmal sogar gleich drei Femme Fatal, Voyeurismus und sexueller Eskapismus, Psycho- und Machtspielchen, Spiegel(ungen), Masken sowie die typischen De Palma’schen Stilmittel wie Splitscreens und längere Kamerafahrten – alles dabei in diesem Film eines Regisseurs, der niemandem mehr etwas beweisen muss und der gar nicht erst versucht, sich selbst neu zu erfinden. Der es aber trotzdem schafft, auch den passionierten Fan  des Regisseurs durch mehre interessante Brüche zu überraschen, ja sogar ein wenig an der Nase herum zu führen. Aber auch der De-Palma-Unkundige kann ich daran erfreuen, wie sich auf einmal die Farben ändern, die Perspektiven wegknicken und er oder sie sich in einer anderen Realität oder besser gesagt: so richtig im Film wieder findet.

In „Passion“ hassen sich zwei Frauen mit Leidenschaft. Oder vielleicht lieben sie auch nur sich selbst so sehr, dass für andere keine Liebe mehr übrig bleibt. Es ist ein Film über das Ego – das der Protagonistinnen, aber auch das, des Regisseurs. Insofern passen hier Form und Inhalt wunderbar zusammen! Ja, „Passion“ ist wahrlich ein Film über die dunklen Seiten der Leidenschaft, aber eben auch über die guten: De Palma braucht nicht viel, um einen Film zu drehen, der so viel besser ist als das meiste, was einen Kinostart bekommt, und er beweist, dass er auch noch nach so vielen Jahren des Filmemachens mit Leid und Seele dabei ist. Das Publikum nölt, die Kritiker lästern – und ich wundere mich. Sind denn heute alle schon so auf die Optik des Mainstream- und nicht weniger überraschungsfreien Independent-Kinos gepolt, dass man einen Film wie „Passion“ allen Ernstes als Lachnummer, Schülertheater oder Müll bezeichnen und so einen Text auch noch in einer seriösen Zeitung veröffentlichen kann? Schön, dass es auch Menschen gibt (hier z.B. oder hierhier und hier), die etwas genauer hinschauen und analysieren, wie ein Film funktioniert und was er mit ihnen macht. Die neugierig und aufgeschlossen bleiben, auch wenn sie ihn vielleicht nicht mögen. Das bewundere ich. Denn auch wenn de Palmas Film bestimmt den einen oder anderen Schwachpunkt hat, eine „B-Kritik“ hat er dennoch nicht verdient.

Bild © Ascot Elite
 

Midnight In Paris (Woody Allen, USA, Spanien 2011)

Posted by – 25. Januar 2013

Midnight in ParisIch bin kein großer Woody Allen Fan. Aber einige seiner Filme mag ich trotzdem sehr gerne. „Bullets Over Broadway“ z.B. oder neue Sachen wie „Match Point“ oder „Cassandras Dream“. Seit gestern gibt es einen weiteren  Allen, der mir richtig gut gefällt: „Midnight In Paris“.

Gil Pender (Owen Wilson) ist Drehbuchautor in Hollywood und derzeit mit seiner Verlobten Inez (Rachel McAdams) und deren Eltern in Paris.  Zufällig treffen sie Inez’ früheren Studienkollegen Paul (Michael Sheen) und seine Frau. Während Inez gerne mit den beiden Zeit verbringt, spaziert Gil lieber alleine durch die Stadt und lässt sich für seinen ersten Roman inspirieren. Eines Abends passiert etwas Seltsames. Nachdem eine Kirchturmglocke Mitternacht schlägt, hält plötzlich ein Auto aus den 1920er Jahren neben Gil. Darin: F. Scott Fitzgerald und seine Frau Zelda. Aber das ist erst der Anfang von Gils unglaublicher Zeitreise…

Ich habe mich gestern kurz mit Sebastian vom Hirnrekorder über den Film unterhalten. Er mochte ihn nicht, weil er in ihm eine  Vorschlaghammermoralpredigt („Finde gut, was du gerade machst, was du hast und wo du bist.“) sah. Mir ist bei dem Gespräch klar geworden, was mir an „Midnight In Paris“ so gut gefallen hat: Ich sehe in ihm wie Sebastian auch eine Moral, die meiner Meinung nach aber leichtfüßig, offen und charmant formuliert ist. Sie lautet nicht, dass man sich mit den Gegebenheiten abfinden soll, sondern – im Gegenteil – ist eine irgendwie reife, erwachsene Einladung zum Träumen. Zum Träumen, weil Gil große Kraft aus seinen nächtlichen Fantasien zieht, die ihm helfen, seinen Roman zu vollenden und seinen Wunsch zu verwirklichen, nicht nur Drehbuchautor, sondern ein richtiger Schriftsteller zu werden. Erwachsen, weil Gil schlussendlich eben doch nicht der naive Nostalgiker bleibt, sondern ein Mann, der es schafft, sein reales Leben entsprechend seiner Sehnsüchte zu ändern.

Wenn mich etwas an „Midnight In Paris“ stört, sind es höchstens die wenig ausgearbeiteten, etwas stereotypen Nebenfiguren. Noch schöner vom Paris der 1920er Jahre ließe sich träumen, wenn Allen sich hier ein wenig mehr ins Zeug gelegt hätte. Trotzdem. Ein guter Allen. Sogar einer seiner besten.

Bild © Concorde