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Schindler’s List (Steven Spielberg, USA 1993)

Posted by – 20. Juli 2015

Schindlers-ListeIm Zweiten Weltkrieg gelingt es dem deutschen Geschäftsmann Oskar Schindler, über eintausend Juden vor der Ermordung zu retten, indem er sie in seiner Fabrik „kriegswichtige Arbeit“ verrichten lässt.

Eine kurze Inhaltsangabe, ein Satz – aber eine Geschichte, die so voll Bedeutung, Grausamkeit, Tragik und Mut ist, dass ich mich, ehrlich gesagt, ein wenig scheue, mich überhaupt zu Steven Spielbergs meisterhaftem Film nach dem Roman von Thomas Keneally, der sich 194 intensive Minuten mit der oben genannten Situation auseinandersetzt, zu äußern. Ich habe ihn vor ein paar Tagen zum ersten Mal komplett gesehen. Und da ist immer noch dieses Frösteln, wenn ich an ihn denke. Viel ist zu „Schindler’s List“ schon geschrieben worden, von Leuten die sich besser mit Film, mit Spielberg und mit dem Dritten Reich auskennen, und ich möchte das jetzt nicht alles wiederkäuen, sondern lediglich zwei Aspekte kurz vorstellen, die mir an dem Film besonders wichtig sind und die ich für sehr gelungen halte.

Der eine Aspekt betrifft den Wahnsinn des Dritten Reiches – oder vielmehr Hitlers Wahnsinn, sein (Selbst-)Zerstörungstrieb. Hitlers einziges Ziel – hier folge ich Sebastian Haffner, der in „Anmerkungen zu Hitler“ eindrucksvoll die Geschehnisse des Krieges analysiert –war ja nach dem gescheiterten Russlandfeldzug 1941 nicht mehr die Vorherrschaft in Europa, sondern allein die Vernichtung aller Juden, die seitdem mit noch größerer Systematik und kompromissloser Entschlossenheit vorangetrieben wurde. Doch während die Todesmaschine effizient ihren Dienst verrichtete, machten sich Auflösungserscheinungen in allen anderen Bereichen bemerkbar. Spielbergs Verdienst ist es, hierfür Szenen zu finden. Stellvertretend für den Irrsinn des Systems kann hier Ralph Fiennes Figur genannt werden, der als sadistischer Nazioffizier Amon Göth das Arbeitslager Plaszow und spätere KZ Plaszow leitete. Das Chaos, das er erzeugte, konnte Schindler sich zu Nutze zu machen, zumindest spielte es ihm in die Hände.

Der andere Aspekt, den ich erwähnen möchte, betrifft den Mann Oskar Schindler beziehungsweise dessen filmische Reinkarnation. Ein Vorwurf, der spätestens nach Erscheinen der Schindler-Biografie von David M. Crowe immer wieder im Zusammenhang mit Spielbergs Film zu hören ist, lautet, Schindler sei zu sehr als Held dargestellt, wobei er doch auch ein Opportunist gewesen sein soll, dem es lange Zeit nicht um die Rettung von Menschen, sondern vor allem um seinen persönlichen Erfolg ging. Wie es sich in Wirklichkeit verhielt, mag ich nicht beurteilen. Aber ich möchte darauf hinweisen, dass der Film diesem Charakterzug einerseits Rechnung trägt und für meine Begriffe den Wandel seiner Persönlichkeit – den es ohne Zweifel gegeben hat – ziemlich präzise nachzeichnet. Zum anderen möchte ich herausstellen, dass die Rettung so vieler Menschen nur möglich war, weil Schindler es verstanden hat, sein Fähnchen in den Wind zu drehen. Nur weil er nach außen Nazi war, weil er es verstanden hat, mit wichtigen Entscheidungsträgern des Nazi-Regimes umzugehen und in der Lage war, Unrecht vor seinen Augen geschehen zu lassen, konnte er helfen. Wäre er ein wenig mehr „Held“ gewesen, wer weiß, was dann geschehen wäre.

Oskar Schindler hat etwa 1200 Menschenleben gerettet. Spielbergs Film hilft, dass die Erinnerung daran ebenfalls lebt.

Bild © Universal

Clash Of The Titans 2: Wrath of the Titans (Jonathan Liebesman, USA 2012)

Posted by – 28. März 2012

Ok, Titanen, kommen immer noch nicht vor. Aber immerhin einer: Kronos. Um die Herrschaft über die Welt zu erringen, hatten Zeus (Liam Neeson) und seine Brüder, Poseidon und Hades (Ralph Fiennes), ihren Titanen-Vater bekämpft, besiegt und nach Tartaros verbannt. Durch eine Intrige droht der Titan nun aber zu entkommen. Perseus (Sam Worthington), die Kriegerkönigin Andromeda (Rosamund Pike) und Poseidons Sohn Agenor (Toby Kebbell) machen sich daran, das Schlimmste zu verhindern.

Ich hätte es nach dem ersten Teil nicht gedacht, aber „Wrath Of The Titans“ hat tatsächlich seine Momente. Wie die Autoren des Vorgängerteils geben sich zwar auch Dan Mazeau und David Johnson in „Wrath Of The Titans“ alle Mühe, jeden Eindruck von Figurenentwicklung zu verhindern; und auch Jonathan Liebesman („Battle Los Angles“, „Texas Chainsaw Massacre: The Beginning“) lässt keine besonderen Qualitäten als Regisseur erkennen: Die Action-Szenen sind hektisch, dennoch ohne Schwung, die Kämpfe einfallslos. Aber halb so schlimm. denn der eigentliche Star im Film ist sowieso das Titanen-Gefängnis Tartaros, dieses düstere Gebilde mit seinen unendlichen Labyrinthen. Ich habe mich angenehm an das Reich der Cenobiten aus „Hellbound: Hellraiser 2“ erinnert gefühlt. So werden immerhin die Tartaros-Szenen dafür sorgen, dass ich mich an den ansonsten wenig inspirierten Film erinnere.

Eine Sache fand ich an „Wrath Of The Titans“ ebenfalls noch interessant. Es macht nämlich richtig Spaß, ihn nach Zitaten zu durchkämmen.  Natürlich findet sich Diebesgut aus „Herr der Ringe“, aber überraschenderweise auch aus Filmen „Ghost Rider 2“ oder „Spider-Man“ u.ä. Was ich allerdings recht witzig fand, war die Fülle von Anspielungen auf „Star Wars“: Vater, Sohn, dunkle Seite – alles dabei. Und zum Schluss fliegt Perseus auf Pegasus sogar in den riesigen Kronos hinein, um seinen Superpeer auf dessen Herz zu werfen. Ich weiß nicht, ob es an den vielen Zitaten zuvor gelegen hat. Aber ich habe in diesem Moment nur noch Lando Carissian im Millenium Falcon auf seinem Weg ins Zentrum des Todessterns gesehen. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn am Ende noch der Satz „may the force be with you“ gefallen wäre. Oder ist er’s vielleicht sogar?

Bild © Warner Bros.
 

Clash Of The Titans (Louis Leterrier, USA 2010)

Posted by – 28. März 2012

Ich bin mir nicht sicher, was „Clash Of The Titans“ überhaupt hier verloren hat. Auch wenn ich Fantasy gegenüber sehr aufgeschlossen bin, hat mir schon jeder Screenshot  und Trailer überdeutlich gemacht, dass es hier für mich nichts zu holen gibt. Vielleicht, weil ich ihn im TV gesehen habe und gerade ein Word-Dokument offen hatte. Hier jetzt trotzdem ein paar Gedanken.

„Clash Of The Titans“ beruht, anders als der Titel suggeriert, vage auf der  Perseussage. Perseus (Sam Worthington), Sohn des Zeus, wächst bei Fischern auf. Als seine Familie einem göttlichen Vergeltungsakt in die Quere kommt, ist der Weg frei für ein großes Abenteuer, das in Form einer Riesenkrake auch nicht lange auf sich warten lässt. Ach ja, Zeus, Hades, Kassiopeia, Andromeda, Io, Aphrodite, Hermes und Medusa spielen auch irgendwie mit.

Das Autoren-Dreiergespann Travis Beacham, Phil Hay und Matt Manfredi hat sich sichtlich keine Mühe gegeben, ihre Story einigermaßen im Gleichklang mit der griechischen Mythologie zu erzählen. Ich kenne mich in der Materie aber nicht besonders aus, und will mich deswegen hier auch nicht darüber echauffieren. Die Gleichgültigkeit gegenüber der Geschichte würde auch überhaupt nicht ins Gewicht fallen, wenn Louis Leterrier („Transporter“, „The Incredible Hulk“) wenigstens an anderer Stelle Punkte holen würde. Aber in „Clash Of The Titans“ stimmt nichts. Stars wie Niam Neeson (Zeus), Ralph Fiennes (Hades) oder Mads Mikkelsen (Draco) können nichts gegen das lahme Buch ausrichten. Zwischen den Figuren funkt es einfach nicht. Überraschenderweise ist auch die Inszenierung alles andere als explosiv. Die Bilder bewegen sich zwar, eine Energieübertragung zum Zuschauer findet leider nicht statt.

Hätte es Leterrier und sein Team mit den 15 Millionen US-Dollar hier und da geschafft, Atmosphäre zu erzeugen, ich würde „Clash Of The Titans“ trotzdem nicht als guten Film bezeichnen – aber immerhin als einen, den man sich in der richtigen Stimmung durchaus ansehen kann. Aber da ist nichts. Charakterlose Helden in toten, digitalen Landschaften.

Letzter Gedanke: Keine Titanen. Wo sind die Titanen? Egal. Titanen hätten diesen Film auch nicht besser gemacht.

Bild © Warner Bros.