Tag: Remake

Poltergeist (Gil Kenan, USA 2015)

Posted by – 26. Mai 2015

Mit so einem Poltergeist ist nicht zu spaßen. Und schwer wieder loszuwerden ist er auch. Schwer loszuwerden sind aber nicht nur Poltergeister, sondern auch Filme über sie. Auch nur eine ungefähre Schätzung abzugeben, wie viele Haunted-House-Filme in den letzten Jahren im Kino gestartet und direkt in den Videotheken versumpft sind, überfordert mich. Nun startet mit Gil Kenans „Poltergeist“ das Remake des Hooper/Spielberg-Klassikers von 1982. Auch wenn Kenans den Spuk-Film nicht neu erfindet, so zeichnet sich sein Film immerhin durch eine respektvolle Nähe zum Original, mehrdimensionale Figuren und die einfallsreiche Inszenierung aus. Ob man es allerdings schafft, einen anderen als ökonomischen Sinn darin zu sehen, einen Film, den es schon gibt, noch einmal zu drehen, hängt stark von der Phantasie der Zuschauer ab. Auf Kino-Zeit.de gibt es eine etwas längere Kritik von mir.

The Town That Dreaded Sundown (Alfonso Gomez-Rejon, USA 2014)

Posted by – 28. Februar 2015

the town that dreaded sundownIch bin kein großer Fan, aber es lässt sich trotzdem kaum leugnen: Mit „Scream“ hat Wes Craven im Jahre 1996 den Slasher auf ein neues Niveau gehoben. In seinem augenzwinkernden, selbstreferenziellen Horror-Manifest beschäftigte er sich mit den Regeln des Genres und ließ die Figuren des Films Charaktere sein, die sich dieser Regeln durchaus bewusst waren. „Scream“ war aber nicht nur ein liebevolles Necken seines eigenen Stamm-Genres, sondern auch ein Kritik des Immergleichen, das man hier zu sehen bekommt. Ironischer Weise wurde sein Seitenhieb Richtung der Epigonen des Genres auch gleich wieder kopiert und fand dutzende Nachahmungstäter, die dachten, Horrorfilme müssen möglichst selbstbezüglich und ironisch sein und am besten so viele Zitate wie möglich enthalten. Leider sind viele Filme dieser degenerierten Denke viel weniger originell als sie sich selbst vorkommen. Lange Rede, kurzer Sinn: Es gibt rühmliche Ausnahmen. „The Town That Deaded Sundown“ von Alfonso Gomez-Rejon ist, auch wenn er in gewisser Weise ein prototypischer Vertreter des postmodernen Horrorfilms ist, eine davon!

Gomez-Rejon bezieht sich zunächst einmal vor allem auf einen Film, den dokumentarisch angehauchten, im Original gleichnamigen Slasher aus dem Jahre 1976, der auf deutsch unter dem Titel „Der Umleger“ bekannt ist. Dieser wiederum hat eine reale Mordserie aus Grundlage, die 1946 in der Stadt Texarkania. Ein maskierter Mann – das Phantom –, brachte damals zahlreiche Liebespaare um. Gomez-Rejons Film setzt sowohl die wahren Ereignisse als auch die Existenz des Films voraus. Die Handlung setzt mit der Vorführung des Films von 1976, der jährlich zu Halloween gezeigt wird. Jami (Addison Timlin) und ihr neuer Freund Corey (Spencer Treat Holland) verlassen das Autokino vorzeitig, um auf einem verlassenen Parkplatz ein wenig Liebe zu machen. Plötzlich taucht ein maskierter Mann auf, der das Paar mit vorgehaltener Waffe zwingt, das Auto zu verlassen. Jami muss beobachten, wie ihr Freund brutal umgebracht wird. Sie selbst kann fliehen, aber nicht ehe das Phantom ihr noch etwas ins Ohr geflüstert hat…

Seit ein paar Jahren habe ich den Eindruck – wenn Filmemachern nichts einfällt, machen sie einfach einen ach so ironischen Film, der möglichst viele Werke der Vergangenheit zitiert. Mich nervt das. Gomez-Rejons Film ist anders. Zwar zitiert auch er seine Vorlage und andere Filme, doch hier scheint es mir keine Anbiederung an den Genre-Fan zu sein. Und an einem Mangel an eigenen Ideen es auch nicht liegen, denn sein Film ist voll davon. „The Town That Deaded Sundown“ ist ein starkes und trotz – ja in diesem Fall sogar auch wegen! – seiner Bezüge ein sehr eigenes Werk, das gekonnt zwischen Horror, Arthouse und Experimentalfilm oszilliert und dabei sogar hier und da einen psychotischen Witz durchblitzen lässt. Mit plumpem Zitatdropping des aktuellen Horrorfilms der Nach-„Scream“-Ära hat das nichts zu tun, es ist eher, als würde wie Frankensteins Monster aus Leichenteilen hier ein neuer Film aus schillernden Fragmenten des Genres zusammengesetzt werden. Dabei ist es nicht nur die Kunstfertigkeit, mit der Gomez-Rejon die wahren Ereignisse und den Film von 1976 in sein eigenes Werk einbettet, die beeindruckt, sondern mit welchem Stilwillen und Inszenierungsfreude er seine Vision umsetzt. In manchen Momenten erinnert der Film an Recherche-Thriller à la „Zodiac“, in anderen, vor allem während der Mordsequenzen, die allesamt zum Niederknien sind, bricht der albtraumbunte Wahnsinn durch und zumindest ich fühlte mich an die technicoloren Mordfantasien eines Dario Argento erinnert.

Ich habe seit einiger Zeit nichts mehr gesehen, das so geschichtsbewusst und gleichzeitig so frisch und unverbraucht daher gekommen ist wie dieser Film. Dem Regisseur, der bisher vor allem durch seine Arbeit im TV bekannt war, ist mit seinem Kinodebüt der wahrscheinlich beste Slasher seit Jonathan Levines „All The Boys Love Mandy Lane“ gelungen – ein großer Wurf aber ist „The Town That Deaded Sundown“ mit Sicherheit.

Bild © Tiberius Film

Invaders From Mars (Tobe Hooper, USA 1986)

Posted by – 3. Oktober 2014

Invasion vom Mars#Horrorcober #6

Tobe Hooper hat nicht nur rein äußerlich ein wenig Ähnlichkeit mit Steven Spielberg, auch beruflich haben die beiden Regisseure einiges miteinander gemein. In den frühen 1980er Jahren drehte Hooper für Spielberg „Poltergeist“, 20 Jahre später wirkte er an Spielbergs Miniserie „Taken“ mit; und auch Toopers „Invaders From Mars“ ist so etwas wie die Alptraum-Version von Spielbergs „Close Encounters Of The Third Kind“

Der jungeDavid (Hunter Carson) beobachtet eines Nachts aus dem Fenster wie hinter dem Hügel seines Elternhauses ein Ufo landet. Seine Eltern glauben ihm nicht. Am nächsten Morgen ist sein Vater (Timothy Bottoms), der nach eigenem Bekunden hinter dem Hügel nachgesehen und nichts gefunden hat, irgendwie verändert. Und auch in der Schule beobachtet David seltsame Veränderungen. So verhält sich seine Lehrerin Mrs. McKeltch (Louise Fletcher) eigenartig. Oder ist es normal, dass sie die Frösche, die eigentlich für den Bio-Unterricht gedacht waren, plötzlich selber isst? Zusammen mit Mrs. Magnusson (Karen Black) und General Wilson (James Karen) macht sich David daran, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Natürlich sind mal wieder Außerirdische schuld, genauer die im Titel schon erwähnten Marsianer. Aber obwohl man das ja schon von Anfang an weiß, wird im Film die Katze für meinen Geschmack trotzdem zu früh aus dem Sack gelassen. Ich mag „Invaders From Mars“ solange er etwas von „Invasion of the Body Snatchers“ hat, doch wenn die klopsigen Marsianereinmal ins Bild kommen, ist das Ganze einfach nur noch putzig und für einen Erwachsenen, der versucht, sich im Rahmen des #Horroctober etwas zu gruseln, einfach nicht das Richtige. Die Effekte, vor allem das Monsterdesign wie auch zahlreiche zähe, und ein paar einmalig kauzige Momente im Verlauf des Films, machen es dem gruselwilligen Zuschauer nicht leicht. Man wird einfach das Gefühl nicht los, die Autoren hätten die Essenz der Geschichte nicht verstanden. (Oder wollten sie wohlmöglich etwas ganz anderes, als man erwartet?) Schade, denn Szenen wie solche, als erst Davids Eltern und später noch andere Personen hinter dem Hügel verschwinden und später verändert zurückkehren, haben sich tief in mein Gehirn gebrannt. Vor allem der anfängliche Charakterwandel von Davids Vater hat mich damals als Jugendlicher wirklich gegruselt. Nach dem Film habe ich meine Eltern tatsächlich eine zeitlang argwöhnisch beäugt und mich jedes Mal, wenn sie abends vom Sport wiedergekommen sind, gefragt, ob es noch die gleichen Eltern sind.

Ein wenig ging es mir mit „Invaders From Mars“ wie mit „Fright Night“ und „Night Of The Creeps“, feine Filme zweifellos, aber sie entfalten leider nicht mehr die Wirkung, wie sie es bei mir als Teenager getan haben. Hoopers Remake wirkt wie eine proportionslose, irgendwie groteske Version eines Spielbergfilms – und ist übrigens Jugend(alp)traum im doppelten Sinne: Nicht nur, weil ich ihn damals besser fand, auch das internationale Ende bietet einen Twist, der die Seltsamkeit des Films noch einmal in ein anderes Licht rückt und viele seiner sonderlichen Einfälle konzeptionell einbindet. So war ich zum Schluss, auch wenn die ganz große Begeisterung ausblieb, doch irgendwie wieder versöhnt.

Bild © Koch Media
 

Friday The 13th (Marcus Nispel, USA 2009)

Posted by – 19. September 2014

Friday the 13th Remake#horrorctober 5

Die „Friday The 13th“-Reihe und sein Star Jason sind Kult – warum weiß allerdings niemand so genau. An dem ersten Teil von Sean S. Cunningham aus dem Jahre 1980 kann es schwerlich liegen, in dem atmosphärischen, aber ansonsten wenig Besonderheiten aufweisenden Slasher spielt Jason noch nicht einmal mit. Es gehört ja fast schon zum Allgemeinwissen, dass Jason Voorhees Mutter im ersten Teil ihren Sohn rächt, der im nahen See des Camps beinahe ertrunken wäre. Sohnemann Jason ist ab Teil zwei dabei, ist aber erst seit dem dritten der hünenhaften Killer mit der Hockeymaske. Doch auch in den folgenden Filmen, die sich Meinung vieler vor allem durch primitive Drehbücher und die einfallslose Inszenierung unterschiedlicher Regisseure auszeichneten und die für gewöhnlich des Zuschauers Vorstellung von „Friday The 13th“ entsprechen, machen nicht ganz klar, wie die Reihe größer werden konnte als die Summe ihrer Teile.

Aber nun zum #horrorctober und der 2009er-Version von „Friday The 13th“. Es ist schon verständlich, dass Produzent Michael Bay sich entschlossen hat, nach diversen Remakes verschiedener Horrorklassiker, auch der „Friday“-Reihe etwas zu spendieren, das Bay wohl als Frischzellenkur bezeichnen würde. Oder er wollte einfach nur den Goldesel am Schwanz fassen. Als Regisseur wurde der deutsche Marcus Nispel verpflichtet, der für Bay bereits Tobe Hoopers „Texas Chainsaw Massacre“ neu inszeniert hatte. Ich konnte damit, wie auch mit Nispels „Pathfinder“, recht wenig anfangen, weswegen es wohl verständlich ist, dass ich auch mit seinem „Friday“-Reboot meine Probleme habe. Zunächst zum Positiven: Nispel hat die Vorlage, denke ich, schon verstanden. Er versucht gar nicht erst aus deren starren Korsett auszubrechen, geschweige denn sich groß abzusetzen, sondern hat einen Film gedreht, der sich ganz wunderbar einfügt. Sein „Friday“ ist so etwas wie die Zusammenfassung der ersten vier, aber er könnte genauso gut ein eigenständiger Teil der Reihe sein. Unterschiede von Nispels Version zu den Vorgängern lassen sich in dem zeitgemäßen Look, aber vor allem Ausmaß der Brutalität auffinden. Laut Wikipedia ist „Brutalität“ nach Meyers Konversations-Lexikon von 1888 als „viehisches, rohes Betragen“ beschrieben und genau das trifft auf „Friday The 13th“. Hier ist alles pure Gewalt: Der Sound, der Schnitt, der „Humor“, die Art wie die Figuren miteinander umgehen. Dass es, wenn Jason zur Tat schreitet, rabiat zur Sache geht, versteht sich von selbst. Jason ist auch bei Nispel, zumindest in den meisten Fällen, kein Sadist, der seine Opfer quält, sondern jemand der schnell und hart zuschlägt. Doch die Art, wie Nispel die Morde zeigt, hat trotzdem etwas „Genüssliches“, das mich abgestoßen hat. Noch unangenehmer ist mir allerdings aufgestoßen, wie er seine Figuren inszeniert. Besser als durch „viehisches, rohes Betragen“ lässt sich das nicht beschreiben. Ich will jetzt gar nicht mit Sexismus, Rassismus und Misanthropie anfangen, sondern nur sagen, dass ich das verrohte Zwischenmenschliche, das mir Nispel hier zeigt, extrem widerwärtig fand. Ob da ein tieferer Sinn verborgen ist, ob es beispielsweise eine Fehlinterpretation der Reihe oder nachher sogar noch lustig gemeint ist, vermag ich nicht zu sagen.

Man hört es sicherlich heraus: Gefallen hat mir von Nispel auch „Friday The 13th“ nicht. Ich hatte keinen Spaß mit dem Film, obwohl auch einiges richtig gemacht wurde: Dieses Reboot ist nah dran an den Filmen, die es zum Leben erwecken will, es geht rein visuell in Ordnung und hat ordentlich Druck. Und auch Jason, gespielt von Derek Mears, hat in diesem Teil unheimliche Präsenz. Was dem Film fehlt, ist eine Seele. Kein Wunder, wenn Nispel nicht einmal seinen Figuren eine zugesteht. So ergibt das Paradox, dass der wuchtigste und spannendsten „Friday“-Film für mich gleichzeitig der langweiligste ist. Vielen anderen Menschen auf diesem Planeten hat er auch nicht so richtig gefallen. Das erhoffte Comeback des Kult-Killers der Film zunächst nicht. Zwar war er finanziell recht erfolgreich – bei Produktionskosten von 16 000 000 $ spielte er weltweit über 90 Millionen Dollar ein – aber die allgemeine Resonanz war eher bescheiden, so dass man Folgeprojekte erst einmal auf Eis legte. Doch egal wie gut oder schlecht man Nispels Version findet – anhaben konnte diese dem Kult um Jason nichts. Das haben schon ganze andere nicht geschafft. Und das wird auch dem nächsten Teil nicht gelingen. Paramount plant nämlich ein weiteres Reboot für 2015.

Bild © Paramount
 

Evil Dead (Fede Alvarez, USA 2013)

Posted by – 13. April 2013

Evil Dead RemakeGestern habe ich noch für die kommende, zwölfte Ausgabe des AGM geschrieben, dass es sich beim demnächst im Kino anlaufenden „Evil Dead“ um ein gelungenes Remake des Raimi-Klassikers handelt. Heute, nachdem ich  einmal drüber geschlafen habe, möchte ich diese Aussage zwar nicht revidieren, allerdings doch ein wenig relativieren bzw. ins rechte Licht rücken. Ich bin immer noch der Meinung, dass der Film von Fede Alvarez seine Vorzüge hat. Aber ich denke auch, dass bei einer Neuinterpretation eines Stoffs erkennbar sein sollte, inwieweit sie künstlerischen Mehrwert darstellt. Und das fehlt mir bei diesem Remake leider etwas.

Alvarez übernimmt die Grundprämissen von Raimis Film (Wald, Hütte, Necromonicon), weicht aber im Detail recht stark von der Originalgeschichte ab: Hier geht es um David (Shiloh Fernandez), der mit seinen Freunden Olivia (Jessica Lucas), Eric (Lou Taylor Pucci) und Natalie (Elisabeth Blackmore) in der Waldhütte Urlaub machen will, der sich aber gleichzeitig noch um seine Schwester Mia (Jane Levy) kümmern muss, die gerade versucht von ihrer Heroinsucht loszukommen. Allerdings läuft diese, im Vergleich zum Original durchaus differenziertere Figurenkonstellation ins Leere: Mias Drogensucht, die durchaus das Potenzial geboten hätte, der Besessenheit durch Dämonen eine neue Facette abzugewinnen, wird im Folgenden kaum weiter thematisiert. Und auch die Beziehung zwischen Mia und ihrem Bruder sowie der Konflikt zwischen ihnen werden nicht entwickelt. Was weiterhin an dem Remake auffällt (was ihn aber ebenso wenig wie die inhaltlichen Änderungen signifikant vom Original unterscheidet), sind die rabiaten, aber gut gemachten Splatter-Einlagen: Da werden Gliedmaßen abgesägt, Knochen zertrümmert, Körper zerteilt oder mit Nagelschussgeräten bearbeitet. Wahrscheinlich ist diese kompromisslose Härte, die in ihrer Übertreibung aber gleichzeitig schon wieder einen Schritt in Richtung Komödie macht und hierin die größte Nähe zum Original hat, der stärkste Aspekt des Films. Aber Ramis „Evil Dead“-Filme sind ja nicht deswegen so großartig, weil sie blutrünstig sind, sondern weil sie einen ganz eigenen Ton haben und vor inszenatorischem Einfallsreichtum nur so wimmeln. Was der 1978 in Montevideo geborene Regisseur hier zeigt, kann sich durchaus sehen lassen. Von der überbordenden Kreativität Raimis, der, als er 1981 „The Evil Dead“ drehte, erst 23 Jahre alt war, ist Alvarez allerdings ziemlich weit entfernt.

„Evil Dead“ ist geradliniger, blutrünstiger Horror, der zeigt, dass auch nach „Cabin In The Woods“ noch Filme über Hütten im Wald möglich sind. Insofern: gelungen. Es ist ein Film für Leute, die sehen wollen, wie sich jemand mit einem Brotmesser den Arm absägt. Insofern: gelungen. Doch Alvarez Remake ist eben auch eines, das Experimentierfreude und eigene Ideen – vom feurige Finale vielleicht einmal abgesehen – schmerzlich missen lässt und dem Original deswegen in keiner Hinsicht das Wasser abgraben kann. Wer die Filme von Sam Raimi liebt, wird dieses Remake nicht unbedingt hassen, würde vermutlich aber sehr gut ohne es auskommen.

Bild © Sony
 

Total Recall (Len Wiseman, USA 2012)

Posted by – 17. August 2012

Nachdem ich neulich bei Social Viewing meine Erinnerung an Paul Verhoevens „Total Recall“ auffrischen durfte, war ich natürlich sehr gespannt auf das Remake – auch wenn ich ehrlich gesagt „Underworld“-Regisseur Len Wiseman dieses Projekt nicht wirklich zugetraut habe (und man mich mit den Ideen des am Drehbuch beteiligten Kurt Wimmer („Equilibrium“, „Ultraviolet“), sogar jagen kann!). Die Geschichte ist verglichen zum Original leicht abgewandelt. Im Jahre 2084 ist die Erde größtenteils verseucht. Leben ist nur noch an zwei Orten in der reichen United Federation of Britain (UFB) auf der Nordhalbkugel und einer heruntergekommenen Region, genannt The Colony, auf der Südhalbkugel möglich. Verbunden sind beide Gebiete durch einen riesigen Fahrstuhl, der durchs Erdinnere führt. In dieser Welt lebt der Fabrikarbeiter Douglas Quaid (Colin Farrell) mit seiner Ehefrau, der Sicherheitsbeamtin Lori (Kate Beckinsale). Doch Quaid ist unzufrieden. Deswegen begibt er sich zur Firma REKALL, um sich ein paar spannende Erinnerungen einpflanzen zu lassen..

Ich möchte hier jetzt gar nicht viel über den Film schreiben, das durfte ich auf the Spine schon tun. Ich frage mich allerdings: Warum schaffen es so wenige Remakes, mit ihrer Vorlage gleichzuziehen oder diese gar noch zu überbieten? Wahrscheinlich liegt es daran, dass Filme aus den falschen Gründen neu gedreht werden. Meiner Meinung nach sollte die künstlerische Vision im Vordergrund stehen und das tut sie leider viel zu selten. Auch beim Remake von „Total Recall“ nicht. So ist Wisemans Film leider nur ein ganz passabler Action-Film geworden, der mich immerhin im ersten Drittel gut unterhalten hat, dann aber leider immer uninspirierter wird. Die schlechteste Szene des Films: Quaid kloppt sich mit Opa Cohaagen auf dem Dach des Riesenfahrstuhls und bekommt ordentlich Haue. Love Interest Melina sitzt in einem Flugzeug und guckt zu. Und dann erscheint auch noch ein zum posen neigender Superroboter. Und hier für die ausgleichende Gerechtigkeit auch noch die beste Szene: Quaid hat gerade seiner Frau Lori eröffnet, dass er, äh – wohl ein Geheimagent ist und gerade 10 Polizisten einer Spezialeinheit gekillt hat. Daraufhin teilt ihm seine „Liebste“ mit, dass sie auch nicht das ist, was sie zu sein scheint – und sie ihn jetzt leider aus dem Verkehr ziehen muss. Im Anschluss daran gibt es einen sehr schönen Kampf zwischen den beiden, der in einer Verfolgungsjagt über den Dächer der Kolonien mündet. In diesem Zusammenhang sei auch noch erwähnt, dass Kate Beckinsale für mich die stärkste Figur des Films war. In Lori vereint sie die von Sharon Stone und Michael Ironside im Original gespielten Figuren. Sie ist die groteske Parodie einer Karrieristin, von Ehrgeiz, verletztem Stolz und Missgunst getrieben, prescht sie dermaßen energiegeladen durch den Film, dass es eine Freude ist. Ich wünsche mir ein Spin-off mit Lori!

Bild © Sony