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Honeymoon (Leigh Janiak, USA 2014)

Posted by – 2. März 2015

Honeymoon„Nach den Flitterwochen kommen die Zitterwochen“ heißt es doch so schön. Manchmal allerdings gibt es die Gänsehaut auch schon währenddessen. Bea (Rose Leslie) und Paul (Harry Treadaway) sind frisch verheiratet. Ihre Flitterwochen verbringen sie in einer einsamen Hütte im Wald. Alles scheint perfekt – bis Paul eines Nachts aufwacht – und seine Frau verschwunden ist. Er sucht und findet sie schließlich verwirrt und nackt wie angewurzelt im Wald stehend. Bea behauptet, dass es ihr gut gehe und sie sich an nichts erinnern könne. Doch in den nächsten Tagen stellt Paul Veränderungen an seiner Frau fest, die ihn misstrauisch machen.

Schon auf dem letzten Fantasy Filmfest wollte ich diesen Film sehr gerne sehen. Hinter der Werbeprosa im Programmheft meinte ich einen besonderen Film zu erahnen. Ganz falsch lag ich mit meiner Intuition nicht, denn Leigh Janiak ist mit „Honeymoon“ tatsächlich ein interessanter Film gelungen. Der Regisseurin geht es mehr um die Missverständnisse und Kommunikationsprobleme innerhalb einer Beziehung, als darum, dem Zuschauer klassischen Kost zu servieren. Zwar ist auch ihr Film recht spannend, und es gibt eine geheimnisvolle, übernatürliche Bedrohung, diese Elemente scheinen mir jedoch eher dazu zu dienen, um den hintergründigen Konflikt zwischen den Ehepartnern mit metaphorischen Mitteln herauszuarbeiten.

Dafür dass die beiden– aller Zärtlichkeit und Liebesbeteuerungen zum Trotz – schon vor Beas offensichtlicher Veränderung nicht ganz im Einklang schwingen, gibt es von Anfang an subtile Hinweise. Nicht erst durch seinen Kommentar nach dem Sex über ihre Gebärmutter lassen sich, wenn man will, Misstöne zwischen den beiden feststellen. Er ist derjenige mit der Definitionsmacht, er beurteilt die Waldhütte, die Beas Familie gehört, sagt wie das Essen gekocht werden muss usw. Und schon in dem vermeintlich zärtlichen „Honeybee“, seinem Kosenamen für sie, deutet sich eine Schieflage in der Beziehung an. So lange er die Macht hat, läuft der Laden; doch als seine Frau auf einmal „anders“ ist, gerät die Beziehung außer der Balance. Seine Frau verhält sich anders als gewohnt – er verliert die Kontrolle, er wird aggressiv, sie beginnt sich zu entziehen, er erklärt sie für krank. Je fester sein Griff, desto mehr entgleitet ihm seine Frau. Doch „Honeymoon“ ist kein Film über die Fehler eines (Ehe-)Mannes, denn ähnliches gilt für Bea: seit ihrer „Verwandlung“ ist sie viel zu sehr bei sich und ihrem Unterleib, als ihren Partner noch wahrnehmen zu können. Ein paar beflissentlich notierte und auswendig gelernte Erinnerungsschnipsel reichen nicht, die halbherzigen Versuche, die Beziehung für die restlichen Tage am Leben zu halten, laufen ins Leere. Ihr letzter Akt der Liebe ist von einem tödlichen Unverständnis die Natur ihres Mannes betreffend gekennzeichnet.

Ich finde es etwas schade, dass sich Janiak zum Schluss doch nicht ganz verkneifen kann, auf ein paar abgegriffene Standards in ihrer Inszenierung zurückzugreifen. Es soll wohl für Spannung sorgen, schadet dem Film meines Erachtens aber eher, als dass es nützt. Zu kritisieren wäre weiterhin, dass sich der Film bisweilen ein wenig wie eine künstlich in die Länge gezogene Short Story anfühlt, was wohl vor allem an einigen Szenen irgendwo zwischen Halbzeit und Finale liegt. Nichtsdestotrotz hebt sich Janiaks Kinodebüt angenehm von der typischen Genrekost ab. Sie wollte sichtbar mehr, als einfach einen spannenden Film zu drehen – und das ist ihr gelungen. „Honeymoon“ ist ziemlich bedeutungsoffen. Ob man die Ereignisse im Film beispielsweise als Metapher auf eine Schwangerschaft, eine Vergewaltigung, normale Kommunikationsprobleme zwischen zwei Menschen oder einfach als fantastischen Stoff sehen will, ist jedem frei gestellt. In anderen Horrorfilmen ist es oft so, dass ein übernatürliches Ereignis die schlechten Seiten an den Menschen hervorkehrt. Hier ist anders herum. Hier sind es die feinen, dann immer sichtbarer werdenden Risse in der Beziehung, die Fleisch werden und sich in düsterem Wurzelwerk manifestieren, das aus den Körpern der Figuren schlangengleich herauswindet.

Bild © Alive