Tag: Sam Raimi

The Quick And The Dead (Sam Raimi, USA 1995)

Posted by – 7. Juni 2015

Western sind eigentlich nicht mein Fall, aber es gibt Ausnahmen. „The Quick And The Dead“, mit dem Sam Raimi nach dem Abschluss seiner „Evil Dead“-Trilogie und seinem meisterlichen „Darkman“ zeigt, dass er auch dieses Genre zu bereichern weiß, gehört dazu. Ich habe ihn mittlerweile schon recht oft gesehen und vor ein paar Jahren auch mal eine etwas längere Kritik dazu geschrieben. Dem habe ich nach der gestrigen Sitzung nicht besonders viel hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass ich heute nicht mehr so sehe, dass der Star-gespickte Trip ingesamt zu wenig Überraschungen bieten würde. Auch wenn der grobe Fahrplan bekannt ist, bietet der Film im Detail doch Highlights en masse. Eine komplizierterer Rahmenhandlung hätte diesem gradlinigen Film bestimmt eher geschadet. Es geht um einen jährlichen Duell-Wettbewerb in einem kleinen miesen Western-Kaff, den tyrannische Bürgermeister John Herod (Gene Hackman), der das Duell regelmäßig gewinnt und eine geheimnisvolle Rächerin (Sharon Stone) die es offensichtlich auf seinen Kopf abgesehen hat. Schon zwischen dem Hauptpersonal knistert die Luft, aber es gibt etliche weitere originelle Figuren, die Raimi mit der ihm typischen Inszenierungsfreude einfallsreich gegeneinander antreten lässt. Wäre ich gefragt worden, hätte ich wohl nur eine andere Hauptdarstellerin favorisiert und weiterhin vorgeschlagen, ihre genauen Motive im Dunkeln zu lassen. Aber auch ohne meine Hilfe ist „The Quick And The Dead“ ein ganz wunderbar kurzweiliger, verspielter und boshafter Western geworden, den ich mir in 20 Jahren noch nicht über gesehen habe.

Drag Me To Hell (Sam Raimi, USA 2009)

Posted by – 31. Oktober 2014

#horrorctober 12

„Mit Flüchen ist nicht zu spaßen“ habe ich 2009 meine Filmstarts-Rezension zu Sam Raimis „Drag Me To Hell“ begonnen. Diesen und auch ein paar Sätze aus dem Text würde ich heute noch so (unter)schreiben. Insofern fasse ich mich kurz: Dass verflucht werden eine ersten Sache ist, bekommmt jedenfalls die Bankangestellte Christine (Alison Lohman) zu spüren, die einer Zigeunerin den Kredit verweigert und darauf hin einen fetten fluch an den Hals gehext bekommt. Es folgt: Geisterbahn-Kino à la Rami. „Drag Me To Hell“ ist seine Lockerungsübung zwischen den Blockbustern „Spider-Man 3“ und „Oz: The Great And Powerful“ und gleichzeitig die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. Interessant ist der Film nicht nur, weil er einen verspielten Umgang mit den Genrekonventionen pflegt, sondern auch die moralischen Standards des Horrorkinos augenzwinkernd unterläuft. Eine Art „Tanz der Teufel“ light, nicht ganz so böse, etwas weniger einfallsreich mit einigen unfreiwillig schaurigen CGI-Effekten, aber alles in allem immer noch sehr feucht fröhlich und einfach unterhaltsam. Und deutlich anders, als das Horror-Fastfood, das man sonst so serviert bekommt.

P.S. Obwohl ich mit dem #horrorctober schon etwas regelbeugend im September angefangen habe, habe ich es diesmal wieder nicht ganz geschafft. Heute, Freitag, den 31.10. um Punkt 23: 55 war der zwölfte Film vorüber, für den letzten ist keine Zeit mehr. Vielleicht lastet auf mir auch eine Art Fluch? Ich werde das nächstes Jahr mal genauer beobachten.

„Army Of Darkness“ (Sam Raimi, USA 1992)

Posted by – 29. Juli 2013

Armee der FinsternisSam Raimis „Evil Dead“ und „Evil Dead 2“ sind unumstrittene Klassiker des Horrorgenres, die von Bloodhounds und Filmgourmets gleichermaßen verehrt werden. Etwas anders sieht es mit dem dritten Teil der Reihe aus. Nach Ansicht vieler Fans weicht er zu weit von der eingeschlagenen Spur ab, ist zu verspielt, zu wenig blutig. Diese Einwände kann man sicherlich nicht ganz von der Hand weisen. Allerdings gibt es auch Gründe, „Army Of Darkness“ als interessantesten und einfallsreichsten Teil der Reihe zu bezeichnen.

„Army Of Darkness“, dessen Story Sam zusammen mit seinem Bruder Ivan Raimi schrieb, schließt nahtlos an den vorherigen Teil an: Nach seiner Auseinandersetzung mit den Dämonen in der alten Waldhütte, die durch das Necronomicon beschworen worden waren, ist Ash (Bruce Campbell) durch einen Zeittunnel ins Mittelalter befördert worden. Dort gerät er zwischen die Fronten zweier rivalisierender Ritter: den Fürsten Arthur (Marcus Gilbert) und Henry den Roten (Richard Grove). Ash wird zunächst von Arthur gefangen genommen. Doch als er kurz darauf Gelegenheit bekommt, seine Fähigkeit im Kampf gegen die auch in der Vergangenheit präsenten Dämonen zu demonstrieren, wird er frei gelassen und für den „Auserwählten“ gehalten, der das Land vom dämonischen Schrecken befreien kann. Ash sieht darin aber vor allem die Chance, nach Hause in seine Zeit zurückzukehren.

Wer versteht, dass Raimi eben nicht noch ein drittes Mal den gleichen Film drehen, sondern die Geschichte weitererzählen und die bereits in den ersten beiden Teilen vorhandenen Ideen weiter ausbauen wollte, wird sicher schnell erkennen, was für eine Zaubertüte „Army Of Darkness“ ist. So viele Einfälle wie Raimi in zehn Minuten aus dem Ärmel zieht, haben andere Regisseure ihr ganzes Leben nicht. Da verzeiht man gerne etwas Leerlauf im letzten Drittel. Wahrscheinlich gibt es keinen anderen Film, in dem Raimis Liebe zu Comics und dem Bewegungs-Humor der „The Stooges“ so deutlich wird wie hier. Aber auch Spuren des anarchischen Humors der Künstlergruppe Monty Python sind deutlich sichtbar. Beinahe jede Szene ist ein eigener Sketch, ja der Film scheint fast aus einer zahllosen Folge kürzerer und längerer bösartiger Witze zu bestehen. Sie haben durchaus filmgeschichtliche Bezüge, doch immer auch etwas Eigenes, diese für Raimi typische Verbindung von Horror, Slapstick und augenzwinkernd überzogenem Melodram.

Trotz der quasi mini-episodischen Struktur hat Raimi auch den Gesamtfilm im Blick, er hat die amerikanische Geschichte eines Helden der etwas anderen Art zu erzählen. Nicht vom Tellerwäscher zum Millionär, sondern vom S-Mart-Angestellten zum Dämonenkiller wider Willen. Und auch hier erweist sich der Film als Hommage und Innovation gleichermaßen. Neben zahlreichen Referenzen, von denen die zu Ray Harryhausen wohl die prominentesten sind, gibt es auch Neues: „Army Of Darkness“ ist so etwas wie ein Negativ oder die auf links gekrempelte Blaupause eines Abenteuer- oder Ritterfilm-Noirs, in dem der Antiheld Ash die Regeln des Spiels auf den Kopf stellt, aber auch selbst gehörig durch den Fleischwolf gedreht wird. Mutig und einfallsreich, aber eben auch selbstverliebt und dümmlich stapft er durch das mittelalterliche Szenario, an dem uns vieles bekannt vorkommt, in dem aber jedes Element von einem Moment auf den anderen zu etwas völlig Anderem werden kann. Der Horror in Raimis Filmen besteht nicht aus schwarzer Magie und Dämonen, sondern eher darin, dass es keinerlei Sicherheit in Bezug auf irgendeine Figur oder ein vermeintlich bekanntes Genreelement gibt. Die Regeln des Spiels sind die Regeln des Moments, der funktionierenden Einzelszene, des gelungenen Witzes. Seine Haltung zu der ihm feindlich gesonnenen Welt, ja sogar zu dem ihm nicht immer wohlgesonnenen eigenen Körper hat der Figur Ash Kultstatus beschert. Trotz aller Trotteligkeit gibt es wohl kaum Figuren des neueren Kinos, die so souverän auf den Wellen der Unsicherheit surfen, wie Ash.

Viele sagen, dass Raimi seine Sternstunden nur bis in die 1990er hatte, aber dann – mehr oder weniger – zum Mainstream-Regisseur geworden ist. Das ist so nicht richtig. Seinen Wurzeln ist er treu geblieben, er hat es nur immer besser verstanden, aus dem Sketch-Korsett auszubrechen und seine Ideen in bessere Geschichten zu überführen und seine Fähigkeiten in den Dienst des Gesamtfilms zu stellen. „Army Of Darkness“ vereint das Beste beider Welten: er trägt die wild geniale Handschrift der ersten beiden beiden „Evil Dead“-Teile, markiert darüber aber auch einen wichtigen Schritt Raimis in Richtung Erzählkino. Für mich jedenfalls ein wunderbarer Film. Einer zum Lachen, zum Fürchten, ich würde sogar sagen zum Niederknien.

Bild © Koch Media
 

Oz: The Great And Powerful (Sam Raimi, USA 2013)

Posted by – 28. Februar 2013

OZ

Am Anfang ein Geständnis: Ich habe weder das Kinderbuch von Lyman Frank Baum gelesen noch Victor Flemings Filmklassiker „The Wizard Of Oz“ (1939) gesehen. Die Geschichte ist mir nur in Grundzügen bekannt. Aber auch nahezu völlig ahnungslos ist Sam Raimis „Oz: The Great And Powerful“ ein faszinierendes, schelmisches und auf gewisse Weise herrlich altmodisches Stück Kino.

Der Zirkuszauberer Oscar Diggs (James Franco) wird durch einen Sturm plötzlich aus dem verschlafenen Kansas ins Zauberland Oz geschleudert. Die Bewohner glauben in ihm den großen Zauberer von Oz gefunden zu haben. Anfangs hat Oscar nichts dagegen, schließlich winkt nicht nur der Thron, sondern auch unvorstellbarer Reichtum und ein Techtelmechtel mit den hübschen Hexenschwestern Theodora (Mila Kunis) und Evanora (Rachel Weisz). Doch dann erfährt er, dass Ruhm und Reichtum seinen Preis haben: Er, der „Zauberer von Oz“, ist nämlich dazu auserkoren, Theodoras und Evanoras böse Schwester, die mächtige Hexe Glinda (Michelle Williams) zu besiegen.

Bei den Notizen zu „X-Men: First Class“ hatte ich geschrieben, dass mir nicht viele gute Prequels einfallen. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob man das, was Raimi hier macht, als klassisches Prequel bezeichnen kann – jedenfalls wird die Vorgeschichte des Zaubers von Oz thematisiert und erzählt, wie er überhaupt nach Oz gekommen ist. Ich will aber meinen, dass ihm wiedermal ein faszinierendes Werk gelungen ist, dem die Lust am Filmemachen, ja sogar pure kinematische Energie aus jeder Pore dringt. Wobei ich vermute, dass nicht jeder von dem Film unbedingt begeistert sein wird. Denn nach dem großartigen Schwarz-Weiß-Intro auf dem Jahrmarkt kann man sich bei den ersten farbigen Oz-Szenen durchaus an die klebrigen Fantasielandschaften von Peter Jacksons „The Lovely Bones“ oder der CGI von Tim Burtons missratenem „Alice In Wonderland“ erinnert fühlen. Doch wie alles an dem Film sind auch die naiven Bilder ein Trick.

Über Raimis Fähigkeiten als Regisseur sowie dessen Stil (Kamerafahrten, Montagen, etc.) muss man an dieser Stelle wahrscheinlich nicht viele Worte verlieren. Aber ich denke, im Falle von „Oz: The Great And Powerful“ sollte man sich vorab noch einmal bewusst machen, dass man den Film eines echten Könners sieht. Eine der Grundregeln für Kritik besagt, dass man das Objekt seiner Kritik erst einmal “so stark wie möglich machen” sollte. Die vermeintlichen Schwächen eines Films zerplatzen bei gründlicher und fairer Auseinandersetzung mit ihm manchmal auch wie eine Seifenblase. Das gilt natürlich nicht nur für den Film, sondern für jede andere Form von Kulturgut. Im Falle von Raimis „Oz“ lohnt es sich, diese positive Grundeinstellung zu promoten. Es könnten einem – vermute ich – sonst die viele Finessen entgehen.

Der Schlüssel, der einem die Tür zum Raimis Stück aufsperrt, ist die Einsicht, dass Oz ein Film über die künstlerische Tätigkeit oder auch übers Filmemachen ist. Filme, die sich selbst zum Thema haben, gibt es einige. Beachtenswert an „Oz: The Great And Powerful“ ist meines Erachtens aber, dass er die Mechanismen hinter der Illusion offenlegt. Insofern ist er weniger ein Loblied auf das ätherische Reich der Fantasie, sondern eine Ode an die Schaffenskraft – und das ist vor allem erst einmal Arbeit. Die eigentliche Pointe an Raimis  ist allerdings noch eine andere: „Oz: The Great And Powerful“ ist ein Meisterstück über das Thema Täuschung. Subversiv, wie der Film ist, betrügen sich nämlich nicht nur alle Figuren gegenseitig – Raimi führt auch den Walt-Disney-Konzern mit diesem trojanischen Pferd an der Nase herum – und gewiss einen Teil des Publikums ebenfalls. Dieses Kunststück sollte sich niemand, der Filme liebt, entgehen lassen.

Bild © Walt Disney
 

The Amazing Spider-Man (Marc Webb, USA 2012)

Posted by – 6. Juli 2012

Vorweg: Sam Raimi hat mit seinen drei Spider-Man-Filmen für mich die bis dato beste Interpretation des Wandkrabblers und darüber hinaus eine der stärksten Superhelden-Filme überhaupt geliefert. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass ich, um es milde auszurücken, sehr skeptisch war, was einen so schnelles Reboot der Reihe betrifft. Weil ich Spider-Man mag und weil die Trailer zu Marc Webbs „The Amazing Spider-Man“ jetzt auch nicht ganz schlecht aussahen, habe ich irgendwann doch begonnen, mich vorsichtig auf den Film zu freuen. Letzten Mittwoch bin ich nach der Arbeit dann schnell ins Kino gehuscht…

Als er noch ein Kind war, verschwanden unter mysteriösen Umständen seine Eltern.  Seitdem lebt High-School-Außenseiter Peter Parker (Andrew Garfield) bei seinem Onkel Ben (Martin Sheen) und seiner Tante May (Sally Field). Doch nun will er wissen, was damals passiert ist. Eine Spur führt ihn zu Oscorp Industries und zum Kollegen seines Vaters, Dr. Curt Connors (Rhys Ifans). Doch ehe er herausfindet, was mit seinen Eltern geschehen ist, nimmt sein Leben eine unerwartete Wendung. Als er bei Oscorp von einer Spinne gebissen wird und so weiter.

Um mein Fazit vorweg zu nehmen: Ich bin enttäuscht von dem Film. Der Produktion hat es weder an Zeit noch Geld gemangelt. Außerdem konnte sie mit Marc Webb auf einen als talentiert geltenden Regisseur, erfahrene Autoren (James Vanderbilt, Alvin Sargent und Steve Kloves) und gute Schauspieler zurückgreifen. Doch das alles hat nicht viel geholfen. Zumindest nicht so viel, dass „The Amazing Spider-Man“ in irgendeiner Hinsicht ähnlich interessant ist, wie Raimis Version des Stoffs.

Denn dafür, dass „The Amazing Spider-Man“ eine „nie erzählte Geschichte“ erzählen wollte, erinnert die Story verdächtig an eine Mischung aus Ramis ersten beiden „Spider-Man“-Filmen. Peter wird von einer mutierten Spinne gebissen und entdeckt seine neuen Kräfte; ein befreundeter Wissenschaftler macht einen Selbstversuch und verwandelt sich in einen Superschurken. Auch wenn einige Details abgeändert wurden, sind die Storylines bekannt und dadurch absolut vorhersehbar. Nun soll einiges, das der Geschichte einen zumindest etwas anderen Ton gegeben hätte, der Schere zum Opfer gefallen sein. Peter, so die Gerüchteküche, wurde von seinem Papi schon derart genetisch verändert, dass der Biss der Spinne nur der Auslöser für seine Mutation gewesen ist. Ob dieser leicht veränderte Hintergrund, der im Film ja nicht mal auftaucht, dazu berechtigt von einer nie erzählten Geschichte zu sprechen, darüber lässt sich streiten. Wie auch darüber, ob das überhaupt eine gute Idee ist.

Dass der Film (in der jetzigen Form) ziemlich überraschungsfrei ist, hätte ich noch verschmerzen können. Dass Webb und seinen Autoren die Figuren scheinbar ziemlich egal sind, nicht. Raimis „Spider-Man“ wird von mir und anderen ja nicht deswegen als sehr gelungen wahrgenommen, weil er so gut aussah (das tut Webbs Interpretation auch), sondern weil Raimi es wie bisher kein anderer verstanden hat, was die Figur des Peter Parker und sein Alter Ego, Spider-Man, zu etwas besonderem macht. Er hat es verstanden, die Aussage, dass mit Macht Verantwortung einhergeht, ins Superhelden-Genre zu übertragen und gleichzeitig eine sensible Coming-of-Age-Geschichte zu erzählen. Webb und sein Team zeigen hier nur sehr wenig Gespür. Auch wenn sie sich viel Zeit nehmen, das Entstehen von Spider-Man zu zeigen, scheint ihnen eher an einzelnen Szenen als an einer stimmigen Entwicklungsgeschichte gelegen gewesen zu sein. Wie wenig sie sich für die Figuren und ihrer Bedeutung in der Geschichte interessiert haben, wird vor allem deutlich an dem Tod von Onkel Ben, der bei Rami in Peters Persönlichkeitsentwicklung eine wichtige Rolle spielt. Für Webb hat diese wichtige Figur nach ihrem Tod gar keine Funktion mehr. Aber auch Dr. Conners, der eine ähnliche Funktion in der Geschichte erfüllt wie Doc Oc (damals grandios gespielt von Alfred Molina) in „Spider-Man 2“ und der zumindest in der Theorie ähnlich ambivalent angelegt ist, ist bei Webb, nachdem er erst mal zum Lizard mutiert ist, platt wie eine Flunder. Wie so vieles in „The Amazing Spider-Man“. Man erkennt die Ansätze, die Ausführung erweist sich leider meist als unbefriedigend.

Und als wäre das alles noch nicht schlimm genug, ist „The Amazing Spider-Man“ auch noch gespickt mit allerlei Blödheiten. Dafür, dass hier augenscheinlich mehr Wert auf Realismus gelegt werden sollte (der Gentechnik-Hintergrund und Spider-Mans Netzwerfer deuten darauf hin),  enthält der Film ziemlich viel Quatsch. Warum muss  Peters Jugendliebe Gwen Stacey (Emma Stone), ebenfalls Schülerin an der High School ausgerechnet bei Oscorb arbeiten? Was sollte die pathetische und überaus unnütze Szene mit den Kränen? Warum sucht der Lizard ganz echsenuntypisch es dafür aber jedem zweiten Superschurken nachmachend ausgerecht Unterschlupf in der Kanalisation? Das ist doch öde! Und warum schießt Spidey sein Netz irgendwo ins Nichts, nur um darauf fröhlich durch die Gegend schwingend zu sehen zu sein?

Das alles soll jetzt nicht heißen, dass „The Amazing Spider-Man“ ein völlig missratener Film wäre. So furchtbar, wie sich das jetzt vielleicht anhört, ist es dann doch nicht. Zumindest wenn man seine Ansprüche relativiert. Zu den guten Momenten des Films gehört sicherlich die Zeit direkt nach dem Spinnenbiss, wenn Peter seine Fähigkeiten entdeckt. Großartig: Als Spider-Man von der Polizei gestellt wird. Und auch mit seiner Jugendliebe Gwen Stacy hat Peter ein paar gute Szenen. Und wie gesagt, die Effekte sind top. Doch die drei Spider-Man-Filme von Sam Raimi sind noch sehr präsent. Und verglichen mit denen, sieht „The Amazing Spider-Man“ trotz guter production values ganz und gar nicht amazing sondern ziemlich alt aus.

 Bild © Sony