Tag: Science Fiction

The Wraith (Mike Marvin, USA 1986)

Posted by – 23. Januar 2017

You want a race? ‚Cause I’ll show you a race!“

 Wer von ihnen herausgefordert wird, kann seinem schicken Auto schon mal Lebewohl sagen – denn niemand gewinnt gegen Packard Walsh (Nick Cassavetes) und seine Rocker-Gang bei den illegalen Straßenrennen, deren Sieger stets das Gefährt des Kontrahenten erhält. Dieses scheinbar unverrückbare Naturgesetz wird erst außer Kraft gesetzt, als ein Gespenst aus der Vergangenheit (Charlie Sheen) auftaucht und Packard seine Vormachtstellung auf der Straße und bei seiner Freundin Keri Johnson (Sherilyn Fenn) streitig macht.

„The Wraith“ – den meisten wohl besser bekannt unter seinem deutschen Titel „Interceptor“ – war eigentlich nie einer meiner Lieblingsfilme, aber ich würde ihn auf jeden Fall trotzdem zu den Filmen zählen, die aus Gründen wichtig für mich waren. Aus welchen Gründen? Das weiß ich selbst nicht so genau. Fest steht, dass mir Mike Marvins beim letzten Sehen gut, ja verdammt gut gefallen hat. Und ich denke, das hat weniger mit irgendwelchen konkreten Umsetzungsstrategien in Form und Inhalt zu tun, als mit der vereinnahmenden Naivität, mit der diese Rachegeschichte erzählt wird.

Ich komme aus einer Gegend, da feiert man den Führerschein gerne mal mit zwei falschen Korn in der Dorfdisco – um danach bei einem Rennen über die nächtlichen Landstraßen Papas Auto mit 120 Km/h gegen einen Baum zu setzen. Das ist dumm, fühlt sich während man für die Kumpels an der Bar die Getränke bestellt, gemeinsam feiert und dann ins Auto steigt aber noch wie die beste Idee überhaupt an. Die Parallelen zu Mike Marvins Film sind nicht einfach herbeigeschrieben, das Gefühl des allgegenwärtigen Stumpfsinns ist in den Dorfkneipen dieser Welt ebenso real wie in Marvins Films: So einfältig wie die Figuren in „The Wraith“ – Packards Crews ist ein Gruppe dauerbreiter Blödiane, die vielleicht Benzin im Blut, aber auf alle Fälle Bremsflüssigkeit im Hirn haben, und auch er selbst vermag es nicht, über sein Interesse an Autos und seiner Freundin hinauszudenken –, so primitiv ist auch die Geschichte, die hier erzählt wird. Doch das hört sich jetzt vielleicht negativer an als es gemeint ist. Es ist nämlich sogar in keiner Weise als Kritik von mir gedacht – im Gegenteil. Die allumfassende Stupidität von Gut und Böse, vom Rächer, Ge- und Berächten, ist so entwaffnend ehrlich – da ist es, seinen Nebenbuhler zu Tode zu foltern und dessen Rache als zurückgekehrter Alien-Geist mit einem Schulterzucken abzutun, genauso normal wie besagte mörderische Autorennen – dass mir „The Wraith“ beinahe schon wie „aus dem Leben gegriffen“ vorkommt.

Es ist auch nicht das einzig Gute, das ich über den Film zu sagen hätte. Ich könnte mich noch ein ganzes Weilchen darüber auslassen, was für markige Figuren Marvin hier erdacht hat, besonders lange würde ich von dem liebestollen und ebenso -wütigen Packard schwärmen, der von Nick Cassavetes wirklich mit genau der richtigen Dosierung als Ernst und Karikatur dargeboten wird. Die Dialoge in diesem Film sind der Hammer. Da mag man keine einzelne Zeile herausgreifen, das gesprochene Wort ist hier in Gänze Ultrakunst, und egal ob man den Film nun ernst nimmt wie ich oder ihn als 1980er-Jahre Sumpfsinn abtun will – man wird mit ihm seinen Spaß haben. Apropos Spaß haben: Der Soundtrack bestehend aus Hits wie „Secret Loser“ (Ozzy Osbourne), „Where’s the Fire“ (Tim Feehan), „Rebel Yell“ (Billy Idol), „Power Love“ (Lion) und und und macht irre Spaß. Wenn man denn etwas an diesem Film bemängeln möchte (was ich eigentlich nicht möchte, aber ich will ja nichts verschweigen…), dann ist es höchstens, dass die restliche Audiospur mit dem grandiosen Soundtrack nicht ganz mithalten kann. Vor allem während der Autorennen klingt der Film leider etwas dünn. Aber das ist Heulen auf hohem Niveau, ich halte „The Wraith“ alles in allem trotzdem für einen faszinierenden Film, der nicht trotz, sondern wegen seines naiven Innenlebens so gut funktioniert. Oder um es mit den Worten von Skank (David Sherrill) zu sagen: „Jesus, this shit’s got some kick!

Bild © Marketing

Passengers (Morten Tyldum, USA 2016)

Posted by – 8. Januar 2017

Stell dir vor: Du bist einer von 5.000 tiefgefroren Passagieren eines das Raumschiffs auf dem Weg zu deinen neuen Heimat. Doch etwas geht schief und du als einziger erwachst als einziger aus dem Kälteschlaf. 90 Jahre zu früh! Wenn ich daran denke, bekomme ich eine Gänsehaut. So ergeht es Jim Preston (Chris Pratt). Er ist Passagier auf dem Raumschiff Avalon, das sich auf dem Weg zur Kolonie Homestead II befindet. Dort wollen er und die anderen Passagiere sich ein neues Leben aufbauen. Seine Versuche die Lage zu klären oder in den abgesicherten Schiffsbereich zu gelangen, in dem die Crew schläft, scheitern. Muss er den Rest seines Lebens allein auf dem Schiff verbringen?

Besonders zu Beginn funktionierte „Passangers“ für mich auch noch sehr gut. Alles sieht sehr hübsch aus und ist kurzweilig inszeniert. Der Protagonist erwacht und ist allein. Er versucht einen Ausweg aus seiner Situation zu finden – vergeblich. An Nahrung und Entertainment mangelt es ihm auf dem gut ausgestatteten Schiff nicht, doch gegen die immer mehr von ihm Besitz ergreifende Einsamkeit ist auch der höfliche Serviceroboter der Schiffsbar (Michael Sheen) nur ein unzureichender Ersatz. Dabei läge die Lösung so nahe. Ein Jahr kann er widerstehen…– doch dann entscheidet er sich, mit Aurora (Jennifer Lawrence) eine weitere Passagierin aus dem Kälteschlaf zu erwecken. Die beiden verlieben sich. Dass er sie geweckt hat, verschweigt er ihr allerdings.

Auch dieses, romantische zweite Drittel des Films funktioniert für sich genommen vor allem Dank Pratt und Lawrence gut. Und trotzdem deuten sich spätestens hier bereits die Probleme des Films an. Was ist schief gegangen da draußen im All? Aus dem existenzialistischen Abenteuerfilm, der kurz angerissen wurde, wird eine Liebesgeschichte. Doch auch hier ist wieder nicht genug Zeit, die Beziehung zwischen den beiden wirklich auszuloten: die Annäherung der Figuren und der Konflikt zwischen ihnen (Auroa erfährt, dass Jim sie geweckt hat, findet sie das natürlich gar nicht so lustig) werden bald aufgegeben, um es im letzten Drittel noch einmal richtig krachen zu lassen. Auf einmal hat es der Zuschauer mit einem Katastrophenfilm zu tun. Da darf Mann noch einmal das Schiff retten und Frau bekommt auch etwas zu tun. Ehe es holterdiepolter noch mal romantisch wird. Unentschlossen durchs Weltall.

Eigentlich ist „Passengers“, der auf einem Drehbuch von Jon Spaihts beruht, nicht ein, sondern drei Filme in einem. Leider komplementieren sich die verschiedenen Themen nicht gegenseitig, sie stehlen einander Zeit, die es erfordert hätte, dem Abenteuer-, Liebes- und Katastrophenfilm im Film gerecht zu werden. Stell dir vor: Nach fast 2 Stunden Spielzeit weißt du aufgrund des Schlingerkurses am Ende auch nicht mehr, ob du hier eigentlich hinwolltest. So ist es mir ergangen. Und unterwegs wurde soviel über Bord geschmissen, dass dabei auch ein paar wichtige Dinge verloren gegangen sind. Meine Gänsehaut vom Anfang war jedenfalls nicht mehr da.

Bild © Sony Pictures Germany

Kino 2016: Meine Top 10

Posted by – 30. Dezember 2016

Auch in diesem Jahr habe ich – wieder – nicht sehr viel im Kino sehen können. Aber es hätte angesichts des beruflichen Hin und Her sowie einiger gesundheitlich unschöner Episoden auch noch weniger seinen können. Und so bin ich dankbar für das, was ich vor die Linse bekommen konnte und präsentiere hier voller Demut meine Top-10 des Jahres 2016. Berücksichtigt wurden wie immer ausschließlich Filme, die einen deutschen Kinostart hatten.

Toni Erdmann (Maren Ade, Deutschland / Österreich 2016)

Schon „Alle anderen“ von Maren Ade hat mir sehr gut gefallen. „Toni Erdmann“ fand ich trotzdem noch einmal ungleich besser, vielleicht weil sich hier mögliche Interpretationen nicht ganz so aufdrängen, wie in ihrem Beziehungsfilm von 2008. Auch in „Toni Erdmann“, meinem Film des Jahres, geht es um eine Beziehung. Diesmal um die von Vater (Peter Simonischek) und Tochter (Sandra Hüller). Papa beschließt, seine Tochter, eine erfolgreice Unternehmensberaterin in Bukarest zu besuchen. Doch das Treffen läuft für bei beide nicht so richtig gut, und der alte Herr beschließt, es noch einmal – diesmal allerdings in Verkleidung! – zu versuchen. Wieder sind es weniger die Individuen, die Ade interessieren, als vielmehr etwas Übergeordnetes, Allgemeineres. Ade selbst nennt ihren Film eine „Ausbruchsfantasie“ aus einem statischen Familiengebilde. Das kann ich nachvollziehen, reicht mir aber noch nicht weit genug, denn es geht in„Toni Erdmann“ ja um so viel mehr: Es geht um Alt und Neu, sich finden und sich verlieren, um Abschiede. Es geht aber auch um Verkleidungen, Masken, Rollen, in die wir schlüpfen. Und vieles mehr. Und doch gibt es nicht die Moral der Geschichte, keine Auflösung und keinen Punkt, auf den sich alles konzentriert. Sonst bin ich manchmal ein wenig skeptisch, wenn so gut wie alle einen Film großartig finden. Aber im Falle dieses Films verstehe ich es, bin glücklich darüber und schließe mich mit Freude der großen und immer noch wachsenden Bewegung an. „Toni Erdmann“ bleibt ein offenes, vielschichtiges Werk, in das man, jeder auf seine Weise und immer wieder neu auf Entdeckungsreise gehen kann. Ein Kunstwerk eben.

Vor der Morgenröte (Maria Schrader, Deutschland / Österreich / Frankreich 2015)

Als ich „Vor der Morgenröte“ kurz nach Kinostart gesehen habe, hätte ich nicht ahnen können, was für einen Sturm dieser kleine, ruhige Film in mir auslösen würde. Maria Schraders Film über die letzten Jahre des Schriftstellers Stefan Zweig ist das Portrait eines großen Denkers, dessen Weltbild von der Realität eingerissen wird. Man hat das Gefühl, die Regisseurin würde ihre Hauptfigur, beeindruckend gespielt von Josef Hader, während des Films immer weiter aus den Augen verlieren, aber das ist nur eine von mehren Irritationen, die die Zerrissenheit der Hauptfigur aufzeigt und das Seelenleben des Protagonisten nachzeichnet, der sich immer mehr selbst verliert. Dass es kein richtiges Leben im falschen geben kann, bedeutete für Zweig nach jahrelangem stillem Kampf mit sich selbst letzten Endes den Weg in den Freitod. „Vor der Morgenröte“ ist einer der traurigsten Filme, die ich kenne.

Spotlight (Tom McCarthy, USA 2015)

Ein Film, der nachwirkt: In Tom McCarthys „Spotlight“ geht es um eine Gruppe von Journalisten, die in den frühen 2000er Jahren tausende Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche und deren systematische Vertuschung durch dieselbe aufdeckt. (Ich hatte hier schon kurz etwas dazu geschrieben.) Was mich an dem Film nach wie vor fasziniert, ist wie geduldig und unprätentiös er seine furchtbare Geschichte erzählt, die ja eigentlich gar keine Geschichte ist, sondern die Wirklichkeit – was alles nur noch furchtbarer macht! Doch „Spotlight“ ist nicht nur auf der inhaltlichen Seite überzeugend, auch die Form dieses Recherche-Thrillers und die Perspektive einiger hartnäckiger, investigativer Journalisten, die trotz ihres nur zähen Fortschritts einfach nicht aufgeben, hat mich beeindruckt. Hier zeigt sich: die Wahrheit ist nicht ohne Mühe zu haben und es braucht Menschen, die Strapazen auf sich nehmen, weil sie fern jeder Religion an eine bessere Welt glauben, welche aber nur zu erreichen ist, wenn man versucht, das Leid zu mindern und gegen jede Lüge eintritt, die versucht, Aufklärung und Bildung zu verhindern. Wie auch immer der derzeitige Stand der Aufarbeitung und Prävention innerhalb der katholischen Kirche sein mag – zunächst unter Papst Benedikt und nun unter Franziskus –, scheint es langsam voran zu gehen. Ich denke, Filme wie „Spotlight“ leisten durchaus einen Beitrag dazu, dass alles in Bewegung bleibt und nicht hinter einem „Vorhang des Schweigens“ zum Stillstand kommt.

X-Men: Apocalypse (Bryan Singer, USA 2016)

Die „X-Men“ sind für mich derzeit einfach die spannendste Superhelden-Truppe, weil sie dem Superhelden-Sein interessante Aspekte abgewinnen und die Filme darüber hinaus – hinter all dem, manchmal etwas den Blick verschleiernden Bombast – spannende Geschichten von elementaren Konflikten, aber letztlich eben immer auch von Menschen erzählen. Für den Kino-Zeit-Adventskalender habe ich mich ein wenig ausführlicher geäußert.

Arrival (Denise Villeneuve, USA 2016)

Schwierig. Weil ich  so viel erwartet habe – die letzten Filme von Denise Villeneuve, „Prisoners“, „Enemy“ und „Sicario“ fand ich überwältigend! –, weiß ich gerade nicht so genau, wohin mit diesem Film. Vielleicht gehört er gar nicht in diese Liste? Oder müsste er höher, müsste er niedriger platziert sein? In dem Film geht es um 12 Raumschiffe, die unvermittelt auf der Erde landen. Eine Linguistin (Amy Adams) soll die Sprache der Aliens entschlüsseln, bevor die ohnehin angespannte Weltlage eskaliert. ­– Fest steht, dass „Arrival“ mich von allen in diesem Jahr gesehen Filmen visuell am meisten beeindruckt hat. Doch der Film ist auch – in unterschiedlicher Ausprägung – selbstverliebt, bedeutungsschwanger, pathetisch und verrätselt. Und ich bin mir nicht sicher, ob zum Schluss alles so gut zusammen passt, wie es eine ambitionierte Konstruktion dieses Kalibers erfordert. Wie dem auch sei – für mich geht es in dem Film nur vordergründig oder sagen wir nicht zentral um Kommunikation, sondern eher um einen – spirituellen? – onto- wie phylogenischen Prozess der Selbsterkenntnis sowie die Akzeptanz der eigenen Sterblichkeit und der unserer Liebsten. Und dass es die Stärke des Menschen ist – eine Stärke, die ihn schließlich auf paradoxe Weise retten wird – sich allen noch ausstehenden Tragödien zum Trotz immer wieder für das Miteinander zu entscheiden. Ja doch, – „Arrival“ gehört in diese Liste, weil er mich vor allem in seinen letzten Szenen berührt hat und seitdem nicht loslässt.

Midnight Special (Jeff Nichols, USA / Griechenland 2015)

Ein Vater flieht mit seinem übersinnlich begabten Sohn quer durch die USA. So schön einfach lässt sich der aktuelle Film von Jeff Nicols („Take Shelter“,„Mud“) zusammenfassen. Doch einfach ist die Geschichte nicht, oder sagen wir besser – sie hat ihre Tücken, sie fordert heraus. Wenn man den Film als Metapher auf das Sterben und den Tod eines Kindes und der Trauer seiner Eltern sieht, gewinnt an emotionaler Intensität, die wahrscheinlich nicht nur junge Väter zu Tränen rührt. Ein wenig wundere ich mich, dass die Mehrheit „Arrival“ als großartigen Science-Fiction-Film mit Hintersinn bejubelt, der endlich mal anders ist und zeigt, was das Genre ausmacht, „Midnight Special“ aber verschmäht, weil er irgendwie durchs Raster fällt, er weder Fisch noch Fleisch und noch nicht mal etwas Halbes oder Ganzes sei. Dabei haben beide Filme, was ihre Andersartigkeit und ihren Verdienst ums Genre angeht, viele Gemeinsamkeiten. Die Sci-Fi-Aspekte sind kein Selbstzweck, sondern dienen in beiden Fällen dazu, sich einem verborgenen Sinn anzunehmen, wie es anders nicht möglich gewesen wäre. Unabhängig voneinander sind beide Filme verdammt gut und in gewisser Weise hat mich Nichols emotionale Vater-Sohn-Geschichte sogar mehr berührt als Villeneuves abstrakte Mutter-Tochter-Geschichte. Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen den beiden Regisseuren ist übrigens auch, dass jeder der beiden einen fantastischen Film nach dem nächsten dreht. Möge das noch lange so weitergehen!

Right Now, Wrong Then (Hong Sang-soo, Süd-Korea 2015)

Von Hong Sang-soo kannte ich bisher nur „Nobody’s Daughter Haewon“, an dem mich nach meinen Notizen zur Berlinale 2013 vor allem „seine verträumte Erzählweise fasziniert hat, die gekonnt an der Grenze zur Belanglosigkeit entlangspaziert, diese aber niemals überschreitet“. Das gilt auch für „Right Now, Wrong Then“, der ebenfalls wunderbar leichtfüßig, aber doch mit einer gewissen schelmischen Boshaftigkeit die Geschichte von einem Regisseur erzählt, der sich in eine Frau verliebt und mit ihr einen Tag verbringt – um ab genau der Hälfte der Spielzeit des Films die gleiche Geschichte noch einmal zu erzählen. Allerdings haben die von den gleichen Schauspielern gespielten Figuren diesmal andere Charakter-Eigenschaften, so dass sich die Handlung ein wenig anders entwickelt. „Right Now, Wrong Then“ – heißt das, die zweite Episode ist die richtigere? Ohne Frage ist es die romantischere, in ihr finden die beiden Figuren auf eine schönere Weise zusammen als in der ersten. Oder ist doch der erste Durchlauf der, der irgendwie richtiger ist – vielleicht weil sein unsympathischer Protagonist in seiner Verlogenheit dort authentischer wirkt? Und was soll das eigentlich alles? Diese und ähnliche Fragen gehen mir seit dem Filmgenuss durch den Kopf. „Right Now, Wrong Then“ ist – jetzt wie damals – ein großer, stiller Spaß!

The Hateful Eight (Quentin Tarantino, USA 2015)

Als ich Quentin Tarantinos 8. Film Anfang des Jahres im Kino gesehen habe, war ich zunächst für ein paar Stunden, Tage vielleicht, der Meinung dies wäre wohl das bisher schwächste Werk des Meisterregisseurs. Haben wir das nicht alles schon gesehen? Nein, haben wir nicht und: „The Hateful Eight“ ist nicht sein schwächster, sondern einer seiner besten, weil wütendsten Filme. Es sind wie so oft nämlich auch hier die Widersprüche, die einen Film gut machen: Hass und Liebe, Geist und Grütze, Tragik und Komik, Bewegung und Ruhe, Gewalt und gute Laune – all das hat „The Hateful Eight“, Tarantinos gallig-grandioser achter (der es wie durch ein Wunder auf den achten Platz meiner Jahres-Top-10 gebraucht hat!). Dazu hatte ich auch schon mal etwas aufgeschrieben und zwar hier!

The Forbidden Room (Guy Maddin, Kanada 2015)

Ein Film im Film im Film im Film… Guy Maddin und Ko-Regisseur John Evans haben die Stummfilmära geplündert und ein cineastisches Panoptikum voller Ideen-Fragmente niemals gedrehter Filme erschaffen – ein eigenes filmisches, in sich verschachteltes Multiversum voller Absurditäten, das seinesgleichen sucht. Verstanden habe ich zwar nichts, überwältigt war ich aber trotzdem. Und auch wenn mir „The Forbidden Room“ selbst für Maddin-Verhältnisse ein wenig zu überfrachtet war, haben Botschaften aus einer anderen Welt wie diese auf jeden Fall einen Platz in meinen Top-10 verdient.

Batman V Superman: Dawn Of Justice (Zach Znyder, USA 2016)

„High-Rise“, „Dibbuk“, „Don’t Breathe“,„Der Bunker“, „Wild“ „The Witch“, „Der Nachtmahr“ und „The Lobster“ – ich habe verschiedene Filme an diese, zehnte Position der Liste gesetzt, aber es fühlte sich einfach nicht richtig an. Nein, „Batman V Superman: Dawn Of Justice“ MUSS einfach irgendeinen Platz in meiner Top-10 bekommen, weil er einfach seiner riesigen Probleme zum Trotz (alles an dem Film ist riesig!) ein gigantischer, ja ein wahrhaft monströser Film ist, wie er in diesem Kinojahr vergeblich seinesgleichen sucht. Mein ambivalentes Verhältnis zu „Batman V Superman: Dawn Of Justice“ , bei dem letztlich aber die Faszination überwiegt, habe ich ausführlich auf Kino-Zeit beschrieben. Dürft ihr gerne lesen; und ich würde mich freuen, wenn der eine oder die andere sich danach vielleicht entschließt, doch nicht so hart mit dem Film ins Gericht zu gehen – denn das hat er trotz aller Schwächen nicht verdient.

Star Wars: Rogue One (Gareth Edwards, USA 2016)

Posted by – 16. Dezember 2016

„Star Wars“, „Star Wars: Episode V – The Empire Strikes Back“ und „Star Wars: Episode VI – Return of the Jedi“ waren und sind für mich persönlich sehr wichtige Filme. (Deswegen habe ich mich glaube ich hier auch noch nicht getraut, etwas dazu zu schreiben.) Da haben auch die misslungenen Prequels „Star Wars: Episode I – The Phantom Menace“, „Star Wars: Episode II – Attack Of The Clones“ und „Star Wars: Episode III – Revenge Of The Sith“ nicht viel dran ändern können. Seit dem irgendwie doch ganz okayen „Star Wars: The Force Awakens“ bin ich jedenfalls wieder dabei und beobachte gespannt, wie sich die Geschichte – „A long time ago, in a galaxy far, far away…“ – entwickelt. Mit „Star Wars: Rogue One“ wird ein weiteres Detail aus der schon grob bekannten Geschichte ausgeleuchtet – die Beschaffung der Pläne, die vor 40 Jahren unserer Zeitrechnung in „Star Wars“ durch eine Handvoll mutiger Rebellen zur Zerstörung des Todessterns führten. Obwohl „Rogue One“ wirklich umwerfend aussieht, finde ich ihn insgesamt leider nicht besser als „ganz nett“. Nach „Monsters“ und „Godzilla“ möchte ich fast sagen, typisch Edwards halt. Aber mal postiv gesagt: Auch ganz nett ist ja bei dem wiedererwachten Franchise, das ich nach Episode I, II und III schon verendet wähnte, immerhin etwas. Insofern danke. Ein wenig ausführlicher äußere ich mich zu der neuen „Star Wars“-Kriegsfilm auf Kino-Zeit.de

Star Trek Beyond (Justin Lin, USA 2016)

Posted by – 20. Juli 2016

Wahrscheinlich habe ich es schon einige Male hier im Blog erwähnt – ich bin kein großer Freund von J.J. Abrams (Filmen). Besonders mit seinem „Star Trek“-Reboot kann ich, freundlich gesagt, nichts anfangen. Nachdem ich „Star Trek“ (2009) wie auch den Nachfolger „Star Trek Into Darkness“ (2013) ziemlich bescheiden fand, hatte ich irgendwie stillschweigend angenommen, dass es wohl den meisten so gehen müsse. Und war davon ausgegangen, dass das Reboot irgendwann in nicht allzu naher Zukunft erneut rebootet werden würde. Damit lag ich falsch. Oder zumindest nicht ganz richtig. Denn hier ist er, „Star Trek Beyond“, der dritte Teil der Abram’schen alternative „Star-Trek“-Timeline. Diesmal hat allerdings nicht Abrams selbst, sondern der mehrfache „Fast & Furious“-Regisseur Justin Lin auf dem Regiestuhl Platz genommen. Für das Drehbuch zeichnen sich Scotty-Darsteller Pegg und Doug Jung verantwortlich. Beides wirkt sich positiv aus. Zwar ist das Ergebnis ein relativ konventioneller Blockbuster und bestimmt kein Meisterwerk, doch irgendwie ist es wieder da, dieses „Star Trek“-Feeling! Und ich würde mich nicht wundern, wenn dieser Film den oder anderen Verächter der letzten beiden Teile versöhnt und wieder zurück ins Boot holt. Auf Kino-Zeit schreibe ich ein wenig mehr zu meinen Gefühlen

Notizen #10

Posted by – 24. April 2016

Neuer Job, wieder weniger Zeit, deswegen nur ganz kurz:

Captain America: The Winter Soldier (Anthony Russo, Joe Russo, USA 2014)

Zweitsichtung. Schon das erste Mal mochte ich ihn sehr.Vermutlich bisher mein Lieblingsfilm aus dem Marvel Cinematic Universe. Und das, obwohl ich mit Captain America eigentlich gar nichts anfangen kann. Aber die Russo-Brüder haben da einen echt feinen Film hinbekommen, der sich sowohl gut in die bisherige Reihe einfügt als auch eigene Akzente setzt. Das Superhelden-Genre ist noch nicht ausgelutscht, da ist noch was drin! Habe übrigens vor ein paar Tagen „Captain America: Civil War“ gesehen, ebenfalls von Anthony Russo & Joe Russo. Ein längerer Text, in dem ich vermutlich so was schreiben werde, wie, dass der Film gut, aber eben doch nicht ganz so gut wie „Winter Soldier“ ist, folgt.

The Bling Ring (Sophia Coppola, USA 2013)

„The Virgin Suicides“ und „Lost in Translation“ finde ich toll und auch die allgemein nicht mehr ganz so gut aufgenommenen Folgefilme haben mir gefallen. „The Bling Ring“, eine von wahren Ereignissen inspirierte Geschichte über Jugendliche, die in die Villen von Prominenten einbrechen und Luxusartikel stehlen, ist der erste Film von Sophia Coppola“ mit dem ich nicht so viel anfangen konnte. Oberflächlichkeit hat sie mit „Marie Antoinette“ schon einmal wesentlich interessanter in Szene gesetzt.

The Visit (M. Night Shyamalan, USA 2015)

Wenn man hinterher mal ein wenig genauer darüber nachdenkt, macht die Geschichte von M. Night Shyamalan über zwei Kinder, die zum ersten Mal ihre Großeltern treffen und in deren Haus Zeuge allerlei gruseliger Geschehnisse werden, nicht besonders viel Sinn. Währenddessen ist „The Visit“ aber äußerst spannend und mit angenehmer Ironie erzählt. Und die beiden Kinderdarsteller Olivia DeJonge und Ed Oxenbould machen ihre Sache wunderbar. Ich bleibe dabei: Shyamalan ist ein einfallsreicher, fähiger und ungeheuer vielseitiger Regisseur, dem der Ruf als One-Hit-Wonder absolut zu Unrecht angehängt wird.

10 Cloverfield Lane (Dan Trachtenberg, USA 2016)

Weil „The Witch“ auf den Fantasy Filmfest Nights ausverkauft war, habe ich kurzerhand umdisponiert und mir „10 Cloverflied Lane“ angesehen. Zwar hatte mir „Cloverfield“ damals gar nicht gefallen, aber über den Nachfolger habe ich viel Gutes gehört. Leider ist mir so wieder bewusst geworden, wie wenig man sich doch auf den Geschmack anderer verlassen kann. Nicht, dass ich Trachtenbergs Debüt schlecht fand, aber für mich war das wieder ein Fall von einem zum Langfilm aufgeblasenen Kurzfilm, der außer seiner Grundidee nicht viel zu bieten hat. Ja, John Goodman spielt – wie immer gut – prima, aber dass seine Figur jetzt besonders vielschichtig angelegt und ihr Verhalten überraschend wäre, habe ich nicht gesehen. Insofern war ich von „10 Cloverfield Lane“ milde gelangweilt.

Midnight Special (Jeff Nichols, USA 2016)

Ups, den neuen Film von Jeff Nichols habe ich schon Mitte Februar gesehen und eigentlich wollte ich dazu etwas aufschreiben. Aber die damals frischen Gedanken sind im Licht der letzten Tage zu Staub zerfallen. Wie alle Filme von Nichols ist auch „Midnight Special“ wieder ein subtil eigenartiger Film, aber diesmal einer, zu dem ich nicht so richtig Zugang gefunden habe. Nur als Science-Fiction-Beitrag gesehen, ist das alles in der Tat etwas mager. Wenn man die Geschichte allerdings als Metapher auf das Sterben und den Tod eines Kindes und der Trauer seiner Eltern sieht, gewinnt sie an Bedeutungsreichtum und Intensität. Was mich möglicherweise von der großen Liebe zu diesem Film abhält, ist einfach die Tatsache, dass man zu viel denken muss, um genügend zu fühlen.

Notizen #6

Posted by – 25. Februar 2016

The Martian (Ridley Scott, USA 2015)

Buch gelesen, Film nachgeholt. Ein Kinoereignis ist „The Martian“ von Ridley Scott ohne Frage – auf dem heimischen Fernseher ohne gutes Soundsystem entfaltet er seine Wirkung allerdings nur bedingt. Außerdem hat der Film das gleiche Problem wie das Buch: Schlaue Menschen finden technische Lösungen für technische Probleme, aber das „Menschliche“ kommt in Film und Vorlage so gut wie nicht vor. Die größte Emotion löst hier noch der Bowie-Song „Starman“ aus. Sicherlich, was interessieren Befindlichkeiten, wenn es darum geht, einen Astronauten (Matt Damon) vom Mars zu retten? Mit Jammern, Tränen ist niemandem geholfen, der sich in einer solchen Notlage befindet. Hier geht es darum, was der Homo Sapiens kraft seines Verstandes erreichen kann. Die Verneigung vor der Wissenschaft ist Scott mit seinem Film auf jeden Fall gelungen, ein echtes, menschliches Drama allerdings nicht.

Green Inferno (Eli Roth, USA / Chile 2014)

An Eli Roth scheiden sich die Geister. Bis ich „Hostel 2“ gesehen hatte, hielt auch ich ihn für einen interessanten Filmemacher. Auf „Green Inferno“ war ich trotzdem irgendwie gespannt, vielleicht weil ich dachte, dass das ohnehin schon recht fürchterliche Genre des Kannibalen-Films durch Roths Provokationsdrang vielleicht noch etwas dazugewinnen könnte. Doch man merkt schnell: Roth hat keine wirkliche Idee, was er zum Genre beizusteuern hat. Deswegen orientiert er sich sehr nah an den Genre-Vorbildern sowie an seinem eigenen „Hostel“: Eine lange Exposition, das – je nach Sichtweise – mehr oder weniger geschickte Spiel mit Vorurteilen gegen fremde Kulturen und heftige Gewaltexzesse. Leider funktioniert das bei „Green Inferno“ nicht. Diente die Einleitung bei „Hostel“ noch dem Spannungsaufbau, ist sie hier größtenteils langweilig, die Figuren geben wenig her; und im Kannibalenfilm ist dann irgendwie doch zu klar, worauf das alles hinausläuft. Interessant ist der Film am ehesten noch deswegen, weil hier die Verhältnisse mehrmals komplett auf den Kopf gestellt werden: Wer hier gut und wer böse ist, darüber kann man genauso lange sinnieren wie über das wenig glaubwürdige aber trotzdem provokante Ende, wo eine der überlebenden Figuren eine wenig nachvollziehbare aber trotzdem denkwürdige Entscheidung trifft. Daran, dass bei Eli Roth die Meinungen auseinandergehen, wird auch „Green Inferno“ nichts ändern.

Dredd (Pete Travis, USA 2012)

Extreme Situationen erfordern extreme Maßnahmen. Das sieht man nirgends so gut wie an der Comic-Figur Judge Dredd, die in einem postapokalyptischen Amerika für Recht und Ordnung sorgt. Ich weiß auch nach der Zweitsichtung (ein paar Sätze zur ersten gibt’s hier) nicht genau, ob mir der zynische Ton des Films wirklich gefällt, aber ich bin immer noch der Meinung, dass bei Pete Travis so gut wie alles stimmt. Die Geschichte (Alex Garland), das visuelle Konzept des Regisseurs und von Kameramann Anthony Dod Mantle, der schon für einige Dogma-Filme tätig war, die Schauspieler (Karl Urban als Judge Dredd, Olivia Thirlby als seine Partnerin, die großartige Lena Headey als fieser Gangsterboss) – hier passt alles. So bin ich denn fast geneigt, „Dredd“ zu meinen Lieblings-Comicverfilmungen zu zählen, aber da wäre wohl voreilig, denn ich kenne die Comics ja gar nicht. Da ich ohnehin gerade dabei bin, mich mit Bilderbüchern zu beschäftigen, wäre es wohl auch eine gute Gelegenheit, mir mal „Judge Dredd“ näher anzuschauen. Lesetipps nehme ich gerne entgegen.

Maze Runner: The Scorch Trials (Wes Ball, USA 2015)

Den ersten Teil („Maze Runner“) hatte ich noch recht wohlwollend aufgenommen. Er hat mir sogar besser gefallen als die Buchvorlage. Den zweiten Roman habe ich angefangen, aber wegen künstlerischer Differenzen zwischen mir und dem Jugendbuch-Autor James Dashner nicht zu Ende gelesen, dafür den Film dann vor ein paar Tagen nachgeholt. Leider ist nichts von den Dingen übrig, die ich am ersten Teil mochte. Thomas (Dylan O’Brien) und seine ebenfalls aus dem Labyrinth entkommenen Freunde verschlägt es in „Maze Runner: The Scorch Trials“ zuerst direkt in die Hände der Organisation WCKD (World Catastrophe Killzone Department) und gleich danach, verfolgt vom undurchsichtige WCKD-Agenten Janson (Aidan Gillen) und seinen Schergen, in ein verbranntes Ödland, in dem zahlreiche Gefahren lauern. Trotzdem wollte bei mir nicht so recht Spannung aufkommen, im Gegenteil – ich fand die Hatz nach kürzester Zeit unglaublich ermüdend. Ob das daran liegt, dass das Geheimnis um das Labyrinth im ersten Teil in ein 08/15-Plot um eine zwielichtige Organisation transformiert wurde, dass zwischen den Figuren nichts Interessantes passiert, oder dass Wes Ball kein Regisseur ist, der die beiden Punkte in irgendeiner Form kompensieren könnte. Meine Freude auf den nächsten Teil, „Maze Runner 3: The Death Cure“, hält sich deswegen in Grenzen.

Berlinale 2016

Posted by – 23. Februar 2016

3 x Berlinale, 3 x deutsches Kino, 2 x Top und 1x Flop.

Die Prüfung (Till Harms, Deutschland 2016)

687 Bewerber, 10 Plätze, 9 Dozenten, 10 Tage… Aus diesen Bestandteilen macht Till Harms einen richtig guten Dokumentarfilm. Ich fand ja schon „Die Spielwütige“von Andres Veiel so toll und Harms Doku schlägt in die gleiche Kerbe. Doch während Veiel die Studenten das gesamte Studium begleitet, konzentriert Harms sich auf den Auswahlprozess und vor allem die Menschen, die hier entscheiden. Es geht ihm nicht in erster Linie um die Studenten in spe , sondern darum, wie Menschen Kunst beurteilen und mit welcher Rhetorik sie das eine als gut, das andere als weniger gelungen betrachten. Meine Kritik auf Kino-Zeit gibt es hier.

Auf einmal (Aslı Özge, Deutschland 2016)

Plötzlich ist alles anders: Die Party ist vorüber, eine Tote in deinem Zimmer. Du verstehst nicht, deine Freundin versteht nicht, alle halten zu dir – zuerst. Je schwächer du wirst, je schwerer werden die Gewichte an deinen Beinen. Und dann verstehst du: Je schwächer du wirst, desto stärker werden deine Feinde. Nicht mit dir! Jemand tot. Ein anderer wird befördert. Die Schwachen gehen unter, die Starken überleben. Du entledigst dich aller Gewichte. Und die herrschende Klasse sitzt ein wenig fester im Sattel. Auf einmal ist alles wie immer. Hier geht’s zu meiner ausführlichen Kritik auf Kino-Zeit.

Wir sind die Flut (Sebastian Hilger, Deutschland 2016)

„Wir sind das Volk“. „Wir sind Weltmeister“. „Wir sind Papst“. Und nun sind wir auch noch die Flut. Um wen es sich bei diesem Wir handelt, bleibt, wie so vieles in Sebastian Hilfigers film, offen. Nach „Wir sind die Flut“ waren wir aber vor allem erst einmal ein bisschen genervt. Und auch traurig. Warum tun sich deutsche Filmemacher so schwer mit dem fantastischen Film? Nicht nur, dass sie ihn in der Regel meiden – wenn sie sich dran versuchen, wird es in der (von Ausnahmen bestätigten) Regel ganz großer Mist. Warum? Das fragen wir uns. Und mit „wir“ meine ich mich. Für meine Kritik zum Debakel bitte hier entlang.

Terminator Salvation (McG, USA 2009)

Posted by – 29. Dezember 2015

Terminator SalvationWir schreiben das Jahr 2018. Die Maschinen von Skynet haben die Macht übernommen. Die letzten Menschen stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie haben sich unter der Führung von John Connor (Christian Bale) in den Widerstand begeben und versuchen einen letzten verzweifelten Schlag gegen die Roboter. In dieser postapokalyptischen Welt erwacht Marcus Wright (Sam Worthington). Dessen letzte Erinnerung ist seine Zeit in der Todeszelle, in der er vor vielen Jahren auf die Hinrichtung gewartet hat. Wie er ins Jahr 2018 gelangt ist, ist ihm ein Rätsel, er weiß nur, dass er sich ins Innere der Organisation von Skynet begeben muss. Zusammen mit dem jungen Widerstandskämpfer Kyle Reese (Anton Yelchin) und der stummen Star (Jadagrace) macht er sich auf die Suche nach sich selbst und seiner Bestimmung.

Der Film geht los. Der langweiligste Vorspann sein – keine Ahnung! flackert über den Bildschirm. Das kann ja nur besser werden. Nach den ersten drögen Minuten machen sich bei mir die ersten Zweifel breit. Kommt da noch was? Ja, aber leider nichts Gutes. Das Ganze fängt schon damit an, dass Christian Bale („The Dark Knight“, „American Psycho“) eigentlich für die Rolle des Marcus vorgesehen war. Aber der Herr wollte lieber die Prestige-Rolle des John Conner, weswegen diese eigentlich kleine Rolle für den Star unverhältnismäßig aufgeplustert wurde. Völlig nichts sagend bleibt sie dennoch. Das Drehbuch von John D. Brancato und Michael Ferris zeigt nicht das geringste Gefühl für die Storyentwicklung und Figurenzeichnung und lässt die Schauspieler inhaltslose Onliner von sich geben. Aber „Terminator Salvation“ wäre ja nicht der erste Film, der trotz schlechtem Drehbuch und uninteressanter Figuren noch passabel unterhält. Doch hier kommt Regisseur McG ins Spiel. Dieser Mann sorgt dafür, dass selbst das nicht der Fall ist. Selten hat man so wenig mitreißende, seelenlose Action-Szenen erleiden dürfen wie hier. Immer wenn McG nicht weiter weiß, lässt er irgendwas explodieren, was aber genauso wenig für Spannung sorgt wie der Einsatz einer Handkamera und sinnlose Kamerafahrten für Dynamik. Den einst von James Cameron durch „Terminator“ und„Terminator 2“ geschaffenen -Mythos , den selbst ein durchwachsener dritter Teil nicht zerstören konnte, wurde mit „Terminator Salvation“ gründlich ruiniert.

Was qualifiziert eigentlich einen Regisseur, dessen größter „Erfolg“ bisher die beiden „Drei Engel für Charlie“-Filme waren, deren Action nebenbei gesagt völlig misslungen war, ein Mega-Projekt wie dieses zu verfilmen? Ich weiß es nicht. Und zu den Fällen, bei denen Filmemacher über sich hinausgewachsen, gehört „Terminator Salvation“ leider auch nicht. Der vierte Teil versagt auf allen Ebenen. Die Frage drängt sich auf: Was ist diesem Machwerk wirklich gut? Die Antwort ist einfach: Absolut nichts. Zwar ist nicht alles gleich miserabel – so strahlt Sam Worthington ein gewisses Charisma aus und das Sounddesign des Films hat ebenfalls überdurchschnittliche Momente – aber unter dem Strich ist der Film ein Komplettdesaster geworden. Nach knapp 120-minütiger, bildgewordener Enttäuschung wirkt dann das Filmende tatsächlich wie: The Salvation – die Erlösung.

Bild © UCA

The Hunger Games: Mockingjay – Part 2 (Francis Lawrence, USA 2015)

Posted by – 18. November 2015

Durch meine letzten Texte „The Hunger Games“ (Teil 1, Teil 2, Teil 3.1) dürfte klar geworden sein, dass ich ein großer Verehrer der Reihe bin. Die Bücher haben mir sehr gut gefallen, die Filme finde ich sogar noch besser. Nun bin ich ein wenig erleichtert, dass sich daran auch durch den letzten Film nichts ändert, gab es doch beim Vorgänger ein Indiz, dass es das große Filme vielleicht an der nötigen Konsequenz missen lassen würde. Doch jetzt bin ich beruhigt, Francis Lawrence bringt die Adaption zu einem würdigen Abschluss und zeigt, dass Blockbuster und Anspruch ebenso wenig ein Widerspruch sind wie ein Kino für jugendliche Zuschauer, das gleichzeitig auch Erwachsene herausfordern kann. Der starke „The Hunger Games: Mockingjay – Part 2“ komplettiert die Reihe, die ich als Ganzes nun ohne Zögern als Meisterwerk bezeichne. Meine ausführliche Kritik gibt es wie stets auf Kino-Zeit.