Tag: Serienkiller

Wolf Creek (Greg McLean, Australien / Kanada 2005)

Posted by – 29. Dezember 2014

Wolf CreekZu den cineastischen (Horror-)Sensationen der letzten 10 Jahre gehört für mich eindeutig die Low-Budget-Produktion „Wolf Creek“, die viele Genreverwandten mit Leichtigkeit in die Tasche steckt. Zur Story, die angeblich auf einer wahren Begebenheit fußt: In einem klapprigen Auto touren die Engländerinnen Liz (Cassandra Magrath) und Kristy (Kestie Morassi) mit ihrem australischen Freund Ben (Nathan Phillips) durchs endlose Hinterland des 5. Kontinents. Nach mehreren feuchtfröhlichen Stationen, Nächten im Zelt,Erfahrungen mit verrohten Einheimischen und einer zaghaften Annäherung zwischen Liz und Ben, kommen die drei schließlich im einsamen Nationalpark „Wolf Creek“ an.

Von hier aus hätte der Film auch ohne weiteres als romantisches Roadmovie vor den atemberaubenden Kulissen des „Back of beyond“ weitergehen können. Doch wer weiß, in welchem Genre er sich befindet, weiß auch, dass es anders kommen muss: Als die drei Backpacker versuchen, ihre Reise fortzusetzen, merken sie, dass ihr Wagen nicht mehr funktioniert und sie Stunden von der nächsten Zivilisationsoase entfernt in der Wildnis festsitzen. „Zum Glück“ erscheint Hilfe in Gestalt des Naturburschen Mick (John Jarret), der sie mit seinem Truck zu seinem Camp abschleppt. Dass Mick entgegen dem ersten Anschein kein netter Mensch ist und andere Pläne mit ihren hat, erfahren die drei am nächsten Morgen.

Strukturell haben Greg McLeans „Wolf Creek“ und Eli Roths „Hostel“ aus dem gleichen Jahr (und meiner Meinung nach ebenfalls ein herausragender Horrorfilm!) viel miteinander gemein. Beide Filme setzten auf eine sehr lange Exposition, um die Figuren vorzustellen. In beiden Fällen handelt es sich bei den Protagonisten um Backpacker, deren Reise durch ein fremdes Land direkt ins Verderben führt. Und genau wie in „Hostel“ sind es auch in „Wolf Creek“ die Einheimischen bzw. einer von denen, der für die jungen Touristen das Ende der Reise bedeuten. Das waren allerdings auch schon die Gemeinsamkeiten, denn atmosphärisch gehen beide Filme unterschiedliche Wege. Während Roth dem Zuschauer mit diebischer Freude Genreklischees neu verpackt präsentiert und auf dessen voyeuristische Neigungen baut, beschreitet McLean beinahe dokumentarische Wege und erzeugt dadurch einen Realismus, der an die Nieren geht. Und im Vorbeigehen räumt der Regisseur mit dem Crocodile-Dundee-Mythos auf und zeichnet ein sehr düsteres Portrait des Kontinents, in dessen unendlichen Weiten sich der Wahnsinn ausbreitet.

Die Hoffnung, dass sich McLean nach „Wolf Creek“ als einer der großen seines Fachs etablieren würde, haben sich für mich allerdings mittlerweile fast zerschlagen. Der Krokodil-Horrorfilm „Rogue“ aus dem Jahre 2007 war unspektakulär, aber alles in allem noch durchaus ok. In dem unangenehm zynischen „Wolf Creek 2“ (2014) hingegen, mit dem McLean versucht, an seinen erfolgreichen Debütfilm anzuschließen, setzt der Australier ganz auf das Prinzip der Steigerung und nivelliert so alles, was den Vorgänger so interessant macht. (Dazu hier eine Kurz-Notiz.) Aber auch wenn McLean nun nicht der große Horror-Hoffnungsträger ist: „Wolf Creek“ ist und bleibt eine dreckige kleine Genre-Perle, die man kennen sollte.

Bild © Studiocanal

True Detective – Season 1 (Cary Fukunaga, USA 2014)

Posted by – 15. November 2014

True DetectiveIn Louisiana wird 1995 eine Frauenleiche entdeckt. Die beiden Ermittler Rustin „Rust“ Cohle (Matthew McConaugheyn) und Detective Martin Hart (Woody Harrelson ) werden mit der Aufklärung des Falls beauftragt. Die Partner wider Willen könnten unterschiedlicher nicht sein: Hart ist Pragmatiker, Christ und notorischer Fremdgänger. Cohle ein grüblerischer Misantroph mit dunkler Vergangenheit. Während Hart den Fall möglichst schnell zu den Akten legen will, vermutet Cohle einen Serienmörder hinter der Tat. 17 Jahre später werden Cohle und Hart getrennt voneinander zu dem Fall befragt, nach und nach enthüllt sich, was damals wirklich geschehen ist. Es wird klar: Der Mörder ist immer noch auf freiem Fuß.

Ich kann nicht behaupten, dass ich die Welt der Serien wirklich im Blick hätte. Aber auch mir fällt auf, dass die Anzahl der hervorragend produzierten Serien hat in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Für gewöhnlich interessieren mich diesen potenziell unendlich weitererzählbaren Fortsetzungsgeschichten, die sich meinem Vorurteil nach viel zu sehr am Geschmack des Zuschauers ausrichten, nicht besonders. Mit „True Detective“ verhält es sich aber anders: Das Konzept von der Serie sieht für jede Staffel eine in sich abgeschlossene Handlung mit neuem Schauspielerensemble vor. Staffel eins, geschrieben von Nic Pizzolatto und durchweg inszeniert von Cary Fukunaga, hat es nicht eilig, den Zuschauer das ganze Ausmaß ihrer Geschichte zu offenbaren. Und auch sonst unterscheidet sich „True Detective“ von anderen Serien. So sucht man die Mikrodramaturgie einer herkömmlichen Serien-Episode vergebens. Das Ganze ist eher wie ein 8-stündiger Film, ganz aus einem Guss, eine düstere Meditation über das Leben und Menschen, die versuchen, die große Leere mit Sinn zu füllen. Die Grenze zwischen gut und Böse ist fließend, wann Gewalt gerechtfertigt ist, ist relativ. Und doch gibt es einen Unterschied zwischen dem, was menschlich und dem, was einfach nicht mehr okay ist. Hart und Cohle wissen nicht immer was richtig ist, doch sie eint der Glaube an das Verbrechen, das sie gemeinsam untersuchen. Das Ganze ist manchmal eher philosophische Reflexionen als Krimi, und folgerichtig stehen am Ende mehr Fragen als Antworten.

Ein bisschen Kritik muss aber auch noch sein: Zum einen bin das Gefühl nicht loswerden, die Geschichte wäre etwas künstlich in die Länge gezogen worden. Hätte man aus dem Stoff, der manchmal reichlich bedeutungsschwanger daher kommt, nicht auch einen knackigen, 2-stündigen Film machen können? Denn viel passiert ja eigentlich nicht, in den 8 Episoden. Sicherlich, viele Details sind wichtig für die Atmosphäre und machen das Verhältnis zwischen den Protagonisten plastischer. Aber ich habe wieder einmal festgestellt, dass ich die Kunst des Scharfschützen desjenigen vorziehe, der einfach ein paar Ladungen Schrot in den Wind ballert. Zum anderen bin ich mit den beiden Protagonisten bin ich nicht ganz warm geworden. Schon klar, dass so ein Hard-Boild-Krimi markige Figuren braucht und Matthew McConaugheyn und Woody Harrelson machen ihre Sachen ohne Frage ganz hervorragend. Aber mussten die Charaktere wirklich so Machoheinis und alle Frauen entweder Opfer von Männergewalt, frustrierte Ehefrauen (Michelle Monaghan) oder leichte Mädchen sein, die sich nichts Schöneres vorstellen können, als mit Martin Hart das Kopfkissen zu teilen? Innerhalb der düsteren, manchmal fast schon nihilistisch wirkenden Ausrichtung er Serie scheint diese Figurenkonstellation ja durchaus sinnvoll, leider bin ich bis zum Schluss das Gefühl nicht losgeworden, dass Fukunaga und Pizzolatto ihre beiden Detectives tatsächlich für die einzig wahren halten und diesen angestaubten Heldentyp ein bisschen zu unreflektiert abfeiern.

Eine zweite Staffel steht schon in den Startlöchern. Ich hoffe, dass da ein paar noch nicht ganz perfekt angezogenen Schrauben nachjustiert werden.

Bild © Warner Home Video
 

Hatchet For The Honeymoon (Mario Bava, Italien / Spanien 1970)

Posted by – 4. Januar 2014

hatchetUahhhr, so ein schöner Titel. Und eigentlich wollte ich deswegen den Film von Meister Bava auch schon viel früher geguckt haben. Aber nachdem die DVD wie ein Gespenst aus meinem Regal verschwunden war, ist von der Suche bis zur Entscheidung der Neuanschaffung etwas Zeit ins Land gegangen. Dass sich die DVD in Luft aufgelöst hat, mich der Film trotzdem nicht losgelassen hat, passt jedenfalls gut zum Thema von „Hatchet For Honeymoon“ (OT: Il rosso segno della follia).

Die Geschichte wird aus der Sicht des unglücklich verheirateten Chefs eines Salons für Brautmode, John Harrington (Stephen Forsyth), erzählt, der, neben seinem Job auch noch der Beschäftigung des Frauenmörders nachgeht. Die vielen hübschen Models auf seiner Arbeitsstelle kommen ihm da sehr gelegen. Ein Problem bekommt der smarte Mann, als er sich eines Tages dazu hinreißen lässt, seine lästige Ehefrau Mildred (Laura Betti) aus dem Weg zu räumen. Denn fortan verfolgt ihn selbige als Geist und nun geht sie ihm sogar noch mehr auf die Nerven als zu Lebzeiten.

Als Vorläufer von „American Psycho“ wird dieser Ghost Giallo von Bava manchmal bezeichnet. Ich würde ihn eher als direkten Nachfahren von Alfred Hitchcocks „Psycho“ sehen, der sich ironisch mit dem Thema des unter ödipalen Komplexen leidenden Killers  auseinandersetzt. Ich bin fast geneigt, ihn als freundliche Parodie auf Hitchcocks Film und schon etwas weniger nette Verhohnepipelung auf den 1970 in voller Blüte befindlichen Giallo zu bezeichnen (den Bava ja maßgeblich mitprägte). Ich weiß auch nicht, vielleicht bin ich mit meinem Gefühl, Bava würde mit diesem Film dem Giallo nicht gerade Beifall klatschen, völlig auf der falschen Fährte. Die Erkennungszeichen des Genres sind jedoch so süffisant eingesetzt, unterlaufen und partiell auch ad absurdum geführt, dass ich es einfach nicht mehr loswerde.

Wie dem auch sei. Das Ergebnis kann sich – ob als farbenfrohes Gruselfilmchen oder, je nach Interpretation, mehr oder weniger böse Satire – aufgrund der exzellenten Kameraarbeit, den atmosphärischen Sets und des spitzbübischen, aber nie aufdringlichen Humors auf jeden Fall sehen lassen. So richtig wollte der Funke bei mir trotzdem nicht überspringen, ich kann gar nicht so genau sagen wieso, so dass bei mir als persönliches Fazit eher ein freundliches „ganz nett“ als ein begeistertes „Toll!“ steht. Abschließende Nachricht an mich selbst: „Psycho“ mal wieder gucken.

Bild © Odeon Entertainment
 

House Of 1000 Corpses (Rob Zombie, USA 2003)

Posted by – 18. April 2012

Mir geht es scheiße. Ich bin krank und liege mit Kopf- und Halsweh im Bett. Was liegt da näher, als mir Rob Zombies „House Of 1000 Corpses“ anzusehen, den ich schon beim ersten Mal nicht wirklich mochte.

Der Horrorfreak Jerry (Chris Hardwick) und seine Freunde befinden sich auf einer Tour durch Amerika, um die gruseligsten Provinzattraktionen aufzuspüren. Im Gruselkabinett von Captain Spaulding (Sid Haig) werden sie fündig: Sie erfahren vom Mythos des Dr. Satan, der vor Jahren Menschenexperimente in einer nahen Klinik durchführte, bis er schließlich an den Galgen gebracht wurde und bekommen von Spaulding gleich noch eine Wegbeschreibung zur mutmaßlichen Todesstätte des Killers. Als sie auf dem Weg dahin die attraktive Anhalterin Baby (Sheri Moon Zombie) mitnehmen, ahnen die vier Jugendlichen noch nicht, dass sie sich bereits in den Fängen der mörderischen Familie Firefly befinden.

Eine Gruppe Jugendlicher, ein einsames Haus, eine degenerierte Sippe. Die Parallelen zu Tobe Hoopers „The Texas Chainsaw Masscre“ sind unverkennbar. Aber auch Oliver Stones „Natural Born Killers“ stand augenscheinlich Pate, denn nicht Jerry und seine Freunde sind die Protagonisten von Rob Zombies Film, sondern ohne Frage die brutale Outlaw-Familie. Die Fireflys, ihr skurriles Äußeres und ihre Folterorgien werden hier förmlich abgefeiert. Die Umkehrung der Perspektiven, der hohe Gewaltpegel und der zynische Grundton machen den „House Of 1000 Corpses“ nicht leicht verdaulich. Umso mehr, weil Zombie sein Handwerk versteht, was besonders später deutlich wird, wenn der Film jede Bodenhaftung verliert und zu einem satanisch-bizarren Trip wird.

Mit der Familie Firefly, hier insbesondere mit Captain Spaulding, hat Zombie moderne Horrorikonen geschaffen, und irgendwie leuchtet mir auch ein, warum „House Of 1000 Corpses“ beim „Fachpublikum“ so hohes Ansehen genießt. Ich habe allerdings gerade wieder festgestellt, dass der Film für mich – auch mit dickem Schädel – nichts ist. Ich dachte, mit getrübten Sinnen könnte ich vielleicht etwas entdecken, das mir bei ersten Mal entgangen ist. Aber ich sehe nichts, das ich gerne sehen würde – keine interessante Geschichte, keine Einblicke in die Figuren, nichts was über bloßen Sadismus hinausgeht, keine wie auch immer geartete Auseinandersetzung mit dem Stoff. Also, vielen Dank für die teuflische Party, aber ich gehe dann mal lieber wieder ins Bett.

Bild © Sunfilm