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I Am Legend (Francis Lawrence, USA 2007)

Posted by 6. Februar 2015

i am legendTeil zwei und drei von „The Hunger Games“ – famos, „Constantin“ – ebenfalls sehr gut. Nachdem ich nun mich schon innerlich darauf eingestellt hatte, mit Neusichtung von „I Am Legend“ ein Loblied auf Francis Lawrence zu verfassen, wurde ich doch schnell auf den Boden zurückgeholt. Nicht, dass der Film auf visueller Ebene nicht überzeugend wäre, aber aus einem schlechten Script (verantwortlich hierfür Mark Protosevich & Akiva Goldsman) kann auch ein guter Regisseur kein Meisterwerk machen.

„I Am Legend“ handelt von dem Virologen Lt. Colonel Dr. Robert Neville (Will Smith). Als einer der letzten Überlebenden einer Seuche, die ihre Opfer in blutrünstige Bestien verwandelt, versucht Neville fieberhaft ein Gegenmittel zu finden. Der Film nach dem gleichnamigen Roman von Richard Matheson wurde z.B. mit „The Last Man on Earth“ (1964) „The Omega Man“ (1971) „I Am Ωmega“ (2007) schon mehrfach für’s Kino adaptiert und wahrscheinlich diente die Geschichte zusätzlich als Blaupause für etliche weitere Filme. Lawrences Version gehört visuell sicherlich zu einer der stärksten. Schon der Beginn, wenn man den Protagonisten mit seinem Hund in einer schicken Karre durch die menschenleeren Häuserschluchten New York Citys fahren sieht, ist hochgradig atmosphärisch. Der Anfang hat mir fast noch besser gefallen als der des kürzlich von mir gesehenen „28 Days Later“, in dem sich die Hauptfigur und mit ihr der Zuschauer zunächst in einem (scheinbar) entvölkerten Szenario zurechtfinden muss. Boyles Film hat mir insgesamt trotzdem wesentlich besser gefallen.

Drei Gründe sind es, die mich an „I Am Legend“ stören (zwei davon sind sehr subjektiv, einer vielleicht nicht ganz so). Erstens: Ich sehe Will Smith nicht ungern. Dass er den Scientologen nah steht, hat nichts damit zu tun, dass er ein paar verdammt gute Filme gemacht hat. Ganz subjektiv stelle ich aber fest: In die Rolle des Robert Neville passt er (für mich) einfach nicht. Nicht ganz so sehr, aber immer noch subjektiv behaupte ich: Er ist den Anforderungen dieser Rolle nicht gewachsen. Das Leid und die Verzweiflung seiner Figur, wie auch das, was sie antreibt, glaubhaft herüberzubringen, will ihm in meinen Augen nicht so ganz gelingen. Aber es ist für andere wahrscheinlich müßig, Geschmacksurteile darüber zu lesen, ob ich finde, dass jemand gut oder schlecht schauspielert, deswegen gleich zu zweitens, und das ist wohl ebenfalls Geschmackssache: Die vampirartigen Pixel-Wesen aus dem Computer sehen in meinen Augen doof aus. Mich haben diese Animationen jedenfalls immer wieder rausgerissen, ich finde sie schlecht designt, sie bewegen sind unnatürlich und sehen übertrieben aus. Wer das nicht findet, hat definitiv ein erhebliches Problem weniger mit dem Film. Aber nun zu drittens. Von diesem Punkt glaube ich, dass er nicht nur mit meinem Geschmack zu tun hat, sondern dass der Film hier wirklich „kaputt“ ist. Der Roman von Matheson hat eine Pointe, zum Schluss verschieben sich die Perspektiven und der Leser erhält eine ganz neue Sicht auf die Geschichte. Der Film verzichtet auf diese Wendung. Die Story wurde umgeschrieben und so auch ihrer Aussage und Kraft beraubt.

Ich bin niemand der notorisch fehlende Werktreue anmahnt, aber wenn wie in diesem Fall nichts übrig bleibt als ein phasenweise atmosphärischer, aber CGI-überfrachteter und inhaltlich armer Film, der so offensichtlich hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, dann finde ich das sehr sehr schade.

Bild © Warner Bros.

Resident Evil (Paul W. S. Anderson, USA / UK / Deutschland 2002)


Alle schimpfen über Paul W. S. Anderson. Ich frage mich warum. Ist doch spannend, was der Mann macht. Oder habe ich seine schlechten Filme einfach noch nicht gesehen? Wie auch immer. Um mich auf „Resident Evil: Retribution“ vorzubereiten, den ich nächste Woche sehen werde, hatte ich mir vorgenommen, die ersten vier Teile vorher noch einmal durchzuschauen. Schaffe ich aber nicht. Hier aber zumindest schon einmal einige Sätze zum ersten Teil, „Resident Evil“.

In einem geheimen Forschungslabor der Umbrella Corporation setzt ein Unbekannter das gefährliche T-Virus frei. Selbiges kann tote Zellen wiederbeleben. Damit das Virus nicht entkommt, beschließt die Red Queen, der Zentralcomputer des Labors, alle Mitarbeiter zu töten. Eine Spezialeinheit der Umbrella Corporation wird geschickt, um den Computer abzuschalten. Doch das Team sieht sich nicht nur mit der wehrhaften Red Queen konfrontiert, sondern auch mit dem Personal, das mittlerweile durch das Virus verändert wurde.

Besonders der Anfang oder besser: die beiden Anfänge des Films (eigentlich sind es drei Anfänge, denn ganz zum Schluss, da fängt alles noch einmal an…), haben es in sich: Die Szenen, in denen das Virus freigesetzt wird und der Zentralcomputer vom Hive (so heißt das supergeheime Forschungslabor) die Beschäftigen niedermetzelt, sind unglaublich stimmungsvoll. Man merkt sofort: Der Regisseur hat was auf dem Kasten! Aber auch die Momente nach dem Anfang – der zweite Anfang –, in dem eine offensichtlich desorientierte Frau (Milla Jovovich) im Badezimmers eines großen, verlassenen Anwesens aufwacht, habe eine sehr spezielle, luzide Atmosphäre. Hier wirkt „Resident Evil“ fast wie ein Traum. Und im weiteren Verlauf des Films fragt man sich immer wieder, wann man eigentlich aufgewacht ist – oder ob man vielleicht immer noch träumt? Interessant sind diese beiden Praeludien des Films vor allem deswegen, weil so unterschiedlich sind, so als wären sie von zwei unterschiedlichen Personen inszeniert. Oder sogar von dreien: Denn im Mittelteil des Films ist wieder alles anderes, aber diesmal ziemlich konventionell. Da ähnelt „Resident Evil“ plötzlich zwar einem solidem inszenierten, irgendwie einen x-beliebigen Zombie-Shooter. Langeweile. Dann auch mal Ärger. Und wieder Augenblicke des Staunens. Magie. Licht und Dunkelheit. Bewunderung. Entsetzen,…

Paul W. S. Anderson ist ein Chamäleon. Seine filmische Handschrift ist in „Resident Evil“ die einer multiplen Persönlichkeit. Und dieses zusammengewürfelte Hin- und Her, dieses „Mal so, Mal so“, Hott & Hüh ist wohl auch das, was meine übersättigte, multitaskinggeschädigte, zitatgeile Generation verdient hat. Mit dem nötigen Maß an Ambiguitätstoleranz kann man diesen eklektizistischen Scheiß dennoch ganz gut aushalten, ja – sogar genießen.

Bild © Constantin Film