Tag: Sex

It Follows (David Robert Mitchell, USA 2014)

Posted by – 15. Juni 2015

It FollowsAlptraum! Alles scheint für die 19-Jährige Jay (Maika Monroe) gut zu laufen – sie hat nette Freunde und mit Hugh (Jake Weary) auch einen süßen Freund. Doch dann, bei einem Date, nach dem Sex, betäubt Hugh sie plötzlich mit Chloroform. Auf einem Stuhl gefesselt erwacht sie in einer leeren Fabriketage und Hugh eröffnet ihr, dass sie sich von nun an in Acht nehmen müsse. Er wäre von einen Dämon verfolgt worden, den er Jay durch den Sex übertragen hat. Gut aufpassen, dass der Dämon dich nicht erwischt. Und vielleicht mal in Erwägung ziehen, mit jemandem zu schlafen und ihn so loszuwerden. Viel Glück und Tschüss.

Alptraum – das passt nicht nur zu dem was Jay erlebt hat und im Laufe des Films noch erleben wird. Auch für das Gefühl, dass „It Follows“ in mir ausgelöst hat, ist es ein guter Begriff. Denn David Robert Mitchell ist bei seinem zweiten Langfilm weniger darin interessiert, eine plausible Geschichte zu erzählen als eine bestimmte Stimmung zu erzeugen, die man aus Träumen kennt. Sein Film folgt der Logik eines Traums, und diese fatalistische Atmosphäre, die in einem besonderen Tempo (der Dämon sieht jedes Mal anders aus und kommt langsam aber unaufhaltsam direkt auf seine Opfer zu) und den teilweise optisch wirklich eindrucksvollen Szene ihren Ausdruck findet, dieses Gefühl, irgendwie in einer „falschen“ Welt mit ihren eigenen Regeln festzustecken, all das überträgt sich auch auf den Zuschauer und macht den besonderen Reiz von „It Follows“ aus.

Komplett begeistert war ich dennoch nicht, was zum einen daran liegt, dass durch das gemächliche Erzähltempo und die Repetition zwar Nähe zum (Alp)Traum und Atmosphäre gewonnen, aber auch ein wenig die Chance verspielt wird, dem wachen Zuschauer das für Spannung notwendige Gefühl der Dringlichkeit zu vermitteln. Zum anderen ist das Potenzial der Tatsache, dass sich der Dämon durch Sex überträgt, meiner Meinung nach nicht voll ausgeschöpft. Die Zeit, in der man seine Sexualität entdeckt, ist sicherlich eine ambivalente Zeit, die sowohl Freude als auch Schrecken für die Jugendlichen bereithält. Und die Idee, aus dieser Spannung heraus einen Horrorfilm zu entwickeln, ist an sich prima. Das sexuelle Erwachen wird zum Alptraum. Aber leider versäumt Mitchell es hier sowohl auszuloten, was das für seine Figuren bedeutet als auch aufzuzeigen, wie das Thema gesellschaftlich einbettet ist.

Fazit: Ansprechende Prämisse, atmosphärische Umsetzung. Allerdings auch mit Längen und nach meinem Empfinden thematisch auch nicht voll entwickelt. Im Horrorbereich würde ich den Film in diesem Jahr trotzdem als Highlight bezeichnen. Die Chance, ihn im Kino zu sehen (Start: 09. Juli) sollte man sich nicht entgehen lassen!

© Weltkino Filmverleih

In The Cut (Jane Campion, USA / Australien 2003)

Posted by – 8. Januar 2015

In The CutNach fast drei Wochen unfreiwilliger Film-Abstinenz habe ich endlich mal wieder was gesehen. Und zwar „In The Cut“, welches ein sonderbar uneindeutiger Film ist und das nicht nur weil sich Meg Ryan vor meinem inneren Auge mehrmals in Nicole Kidman verwandelt hat (die ja, aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht, tatsächlich für die Rolle vorgesehen war). Der ganze Film ist ein seltsam oszillierendes Etwas irgendwo zwischen Pulp, Poesie und Politik. Erzählt wird die Geschichte der Englischlehrerin Frannie (Meg Ryan), die zunächst in einer Bar beobachtet, wie ein Paar Sex hat. Den Mann kann sie nicht erkennen, sieht nur seine auffällige Tätowierung am Handgelenk. Kurze Zeit später steht die Polizei in Gestalt von Detective Giovanni Malloy (Mark Ruffalo) vor ihrer Tür. Die beobachtete Frau ist tot, umgebracht von einem Serienkiller, Frannie wurde in der Bar gesehen und der Kopf der Toten wurde in ihrem Garten gefunden.

Virginia Woolf meets Brian de Palma: Jane Campions Film ist ein klassischer, atmosphärischer Serienkillerfilm auf der einen, ein mit wahnsinnig vielen Bezügen, Symbolen etc. bis zum bersten vollgestopftes Kunstwerk auf der anderen Seite. Beide Seite haben hier Qualitäten, so ganz fügt sich das aber nicht zu einem homogenen Ganzen zusammen. Viele tolle Momente gibt es ohne Frage, mitunter war ich beinahe berauscht von den Bildern, die wie Blicke durch ein schmutziges Fenster auf eine Welt wirkten, die man sonst nicht zu sehen bekommt. Diese Fantasiefragmente sind manchmal kaum mehr als Szenen aus einem Groschenroman, dann wirken sie wieder wie eine geistreiche Reflexion über… ja, über was eigentlich? Irgendwas mit Männern und Frauen sicherlich. Frauen wollen Liebe, die Männer sind bestenfalls vulgäre Sex-Maniacs, in der Regel aber völlig durchgeknallte Wracks, was man ihnen nur nicht auf den ersten Blick ansieht. Ob sich Campions Einschätzung auf das Genre bezieht, in dem er beheimatet ist oder auf die wirkliche Welt, gibt der Film nicht preis.

Ein wenig hat mich „In The Cut“ an die Satz-Schnipsel an Frannies Wand erinnert (sie sammelt Poesie, die sie an ihre Zimmerwand heftet): Jeder Satz ist für sich genommen schön, doch tritt man einen Schritt zurück und sieht sich das „Kunstwerk“ aus der Entfernung an, verlieren die Details ihre Bedeutung. Neue Muster entstehen, die aber noch nicht so recht ein Bild ergeben wollen. Was bleibt ist ein großes Durcheinander.

Bild © Euro Video