Tag: Sharon Stone

The Quick And The Dead (Sam Raimi, USA 1995)

Posted by – 7. Juni 2015

Western sind eigentlich nicht mein Fall, aber es gibt Ausnahmen. „The Quick And The Dead“, mit dem Sam Raimi nach dem Abschluss seiner „Evil Dead“-Trilogie und seinem meisterlichen „Darkman“ zeigt, dass er auch dieses Genre zu bereichern weiß, gehört dazu. Ich habe ihn mittlerweile schon recht oft gesehen und vor ein paar Jahren auch mal eine etwas längere Kritik dazu geschrieben. Dem habe ich nach der gestrigen Sitzung nicht besonders viel hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass ich heute nicht mehr so sehe, dass der Star-gespickte Trip ingesamt zu wenig Überraschungen bieten würde. Auch wenn der grobe Fahrplan bekannt ist, bietet der Film im Detail doch Highlights en masse. Eine komplizierterer Rahmenhandlung hätte diesem gradlinigen Film bestimmt eher geschadet. Es geht um einen jährlichen Duell-Wettbewerb in einem kleinen miesen Western-Kaff, den tyrannische Bürgermeister John Herod (Gene Hackman), der das Duell regelmäßig gewinnt und eine geheimnisvolle Rächerin (Sharon Stone) die es offensichtlich auf seinen Kopf abgesehen hat. Schon zwischen dem Hauptpersonal knistert die Luft, aber es gibt etliche weitere originelle Figuren, die Raimi mit der ihm typischen Inszenierungsfreude einfallsreich gegeneinander antreten lässt. Wäre ich gefragt worden, hätte ich wohl nur eine andere Hauptdarstellerin favorisiert und weiterhin vorgeschlagen, ihre genauen Motive im Dunkeln zu lassen. Aber auch ohne meine Hilfe ist „The Quick And The Dead“ ein ganz wunderbar kurzweiliger, verspielter und boshafter Western geworden, den ich mir in 20 Jahren noch nicht über gesehen habe.

Catwoman (Pitof, USA 2004)

Posted by – 21. Januar 2015

Catwoman

Ein verschmähtes Werk der Filmgeschichte neu zu entdecken und herauszufinden, dass es, entgegen allen anders lautenden Behauptungen, doch ganz toll ist – davon träume ich schon länger. Um diesen Traum jetzt endlich Wirklichkeit werden zu lassen, habe ich mir „Catwoman“ ausgesucht. Den findet ja bekanntlich niemand gut. Auch wenn ich große Vorbehalte gegen Regisseure habe, die nur mit ihrem Spitznamen gecredited werden, kann ich sagen, dass mir Pitofs „Vidocq“ ganz gut gefällt und zumindest insofern schon einmal nichts dagegen spräche, dass ich auch mit „Catwoman“ etwas würde anfangen können. Soviel vorweg: Meinen Wunsch konnte ich mir leider nicht erfüllen. Aber immerhin bin ich nicht grandios gescheitert, sondern lag nur ein klitzekleines Bisschen daneben.

Nun, wieso das? An der Story kann’s wohl nicht liegen, denn die ist doch so generisch wie fast alle Superhelden-Filme. Und sind die Effekte aus dem Computer nicht ziemlich käsig und Halle Berry als Catwoman nicht ganz unpeinlich? Dass der Film in der Gunst der Kritiker und Zuschauer nicht besonders hoch lag, ist jedenfalls verständlich. Ein paar Details sind sicher kaum der Rede wert, andere, durchaus handfeste Probleme lassen sich nicht so leicht vom Tisch wischen. Eines davon ist der Spannungsaufbau, der nicht nur völlig überraschungsfrei verläuft – der Zuschauer weiß leider auch stets mehr als seine Protagonistin, was den Film zusätzlich ausbremst. Während die daraus resultierende Langeweile vielleicht noch durch seine Schauwerte kaschiert werden könnte, sind es leider genau diese, die ihm einen weiteren, unschönen Schmiss verpassen. Superheldinnen sind ein trauriger Mangel in der Marvel- und, wie in in diesem Falle, in der DC-Filmwelt. „Catwoman“ ist eine Figur, die, so behaupte ich mal, durchaus Potenzial gehabt hätte, die Weichen für zukünftige Comic-Verfilmungen zu stellen, doch leider scheitert Pitof hier. In emanzipatorischer Hinsicht ist sein Film leider alles andere als gelungen. Dafür, dass es thematisch um ein gefährliches Schönheitsprodukt geht, mit dem die Frauen dieser Welt versklavt werden sollen, wird zumindest nach meinem Empfinden seine Protagonistin als Sexsymbol zu sehr ausgestellt. Ganz abgesehen davon, dass sich hochhackige Schuhe vielleicht für den Laufsteg, ganz bestimmt aber nicht für eine Heldin eignen, die mit neuen inneren und äußeren Stärken gegen ihre Mörder und die Versklavung der Frau eintritt bzw. eintreten soll. Die Kamera klebt zudem viel zu oft an ihrem Hintern, um dem Film ernsthaft abzunehmen, dass er sich für die gesamte Person interessiert.

Wahrscheinlich lohnt es nicht, darauf im Detail etwas zu erwidern und es ist bestimmt ebenso müßig, ausgewählte Aspekte zur Verteidigung zu nennen, die den Film charmant machen. Da wäre zum Beispiel die schöne Kamera von Thierry Arbogast und überhaupt nicht wenige visuelle Ideen, wie man sie so noch nicht gesehen hat. Und manchmal dreht der Film völlig frei, wie bei der Basketball-Musical-Schmunzel-Einlage oder der wunderbaren Sequenz, als Patience (Halle Berry) mit ihrer Freundin telefoniert und dabei miezisch durch ihre Wohnung tänzelt. Manchmal ist der Film so leicht, so unschuldig wie ein Blättchen Katzenminze. Ja, sicher, bei einigen Szenen stellen sich einem die Nackenhärchen auf, und der eine oder andere Zuschauer mag immer mal wieder versucht sein, wegzugucken, aber – und nun zu dem wichtigsten Grund, warum ich den Film gar nicht so übel fand – ich bin mir sicher: das soll so. Denn „Catwoman“ legt durch seine Aktionen, die manchmal jenseits der Schamgrenze sind, etwas frei, was bei vielen anderen Superhelden-Filmen bestenfalls vage durchschimmert. Nämlich dass diese Sache mit den kostümierten Helden und ihren Fähigkeiten einfach etwas ist, was die Grenzen des guten Geschmacks und die Konventionen überschreiten muss! Der Blick auf sein weibliches Subjekt mag ein männlicher sein. Und doch gelingt es Halle Berry sich irgendwie freizuspielen, so als würde sich ihre Catwoman immer weiter von den Erwartungen der Zuschauer emanzipieren. Ob Pitof das seinem Film in vollem Bewusstsein angelegt hat oder ob ihm hier intuitiv etwas geglückt ist, weiß ich nicht. Jedenfalls macht er dem Zuschauer durch seine Inszenierung diese Grenz-Übertritte immer wieder bewusst. Im Gegensatz zu den pubertären Ermächtigungsfantasien vieler anderer Superhelden-Filme vermittelt Pitof ein Gefühl der Travestie, die ja das Leben eines Helden in Strumpfhosen auch immer bedeutet. Das macht „Catwoman“ zwar nicht zu einem der besten Superhelden-Filme, aber dennoch zu einem, den man kennen und nicht gleich abfällig zur Seite schieben sollte.

Ein Fazit zu ziehen, fällt mir schwer. Mir hat „Catwoman“ irgendwie gefallen, es hat mir aus noch nicht völlig geklärten Gründen Spaß gemacht, ihn zu sehen und ein paar Tage über ihn nachzudenken. Vielleicht sehe ich ein Stück Freiheit, wo gar keine ist, doch trotz und vielleicht auch gerade wegen seiner Schwächen (von denen sich ein paar sogar als seine Stärken erweisen), kann ich jedem Superhelden-Fan nur empfehlen, sich den Film noch einmal offen (oder vielleicht auch dicht) anzusehen.

Bild © Warner Home Video

Total Recall (Paul Verhoeven, USA 1990)

Posted by – 23. Juli 2012

Erinnerungen werden überschätzt. Weiß nicht jeder, wie trügerisch unser Gedächtnis manchmal ist? Das muss auch Bauarbeiter Douglas Quaid (Arnold Schwarzenegger) erfahren, als er sich bei der Firma Rekall Inc. die Erinnerungen an einen Mars-Urlaub implantieren lässt. Ein Ego-Trip-Paket, durch das er den Urlaub nicht als er selbst, sondern als Geheimagent erlebt, bucht er gleich mit. Kurze Zeit später sind alle hinter Quaid her. Erlebt er einfach den ihm von Rekall eingepflanzten Abenteuerurlaub oder ist er vielleicht wirklich der Geheimagent Hauser, der berufen ist, den Mars zu retten?

Social Viewing, die zweite (weitere Infos bei Peter). Nachdem wir zuletzt gemeinsam „The Exorcist“ gesehen hatten, war nun „Total Recall“ an der Reihe. Dass die Wahl auf den Film gefallen ist, hat mich sehr gefreut. Zum einen, weil es schon länger her ist, dass ich ihn gesehen habe, und weil ich durch „RoboCop“ neulich richtig Lust auf Verhoeven-Filme bekommen habe; zum anderen, weil das Remake des Films ansteht und man will ja vorbereitet sein.

Der Film beruht auf einer Story von Phillip K. Dick (mit der sie aber nicht mehr viel gemein hat), das Drehbuch hat mein Held Dan O’Bannon zusammen mit Ronald Shusett und Gary Goldman geschrieben. Wie man es von Verhoeven gewohnt ist, bietet auch „Total Recall“ viele Schauwerte, eine Menge Action und verhoeventypische Sozialkritik (die allerdings lange nicht so ätzend ausfällt wie bei „RoboCop“ oder „Starship Troopers“). Und natürlich ist der niederländische Regisseur wieder nicht zimperlich, wenn es um explizite Szenen geht. Abgetrennte Gliedmaßen, zerfetzte Körper, explodierende Köpfe – sehr schön, alles dabei! Negativ macht sich allerdings bemerkbar, dass „Total Recall“ nicht besonders gut gealtert ist. Vor allem die technischen Gadgets und Kulissen wirken heute, gut 20 Jahre später, schon naiv und seltsam altmodisch. Was mich aber nicht weiter gestört hat, geht der Film  doch gut nach vorne und bietet genug Spektakuläres, dass man gar nicht in Versuchung kommt, sich zu sehr an irgendeinem Detail zu stören. Auch schauspielerisch geht der Film in Ordnung. Schwarzenegger war nie für sein großartiges Minenspiel bekannt, aber in diesem Film passt sein etwas unbeholfenes Agieren ganz gut. Auch die anderen Darsteller passen: Sharon Stone als seine  undurchsichtige Frau Lori, der tolle Michael Ironside als rechte Hand des Oberbösewichts Cohaagen, gespielt von Ronny Cox sowie einige weitere starke Nebenfiguren. Nur Rachel Ticotin fällt als love interest Melina etwas ab.

Neben den offensichtlichen Schauwerten zieht der Film seine hintergründige Spannung natürlich aus der Frage, was echt ist und was nicht. Auch wenn diverse Figuren Quaid einreden wollen, dass er träumt, gibt es auf der anderen Seite erdrückend viele Indizien, dass Quaid wirklich Hauser ist. Ja, je weiter der Film voranschreitet, desto deutlicher tritt eine Geschichte in den Vordergrund, die in der Erzähllogik so stimmig ist, dass sie wahr sein könnte. Für mich ist dies der interessanteste Aspekt des Films: Obwohl alles am Schluss so wunderbar zusammenpasst, ist der Zweifel nicht ausgeräumt. Wie könnte er auch?

Wir können aus unserer Wahrnehmung nicht hinaustreten und sie von außen auf ihre Richtigkeit beurteilen. Hauptsache, sie ist für uns stimmig. Auch der Psychotiker interpretiert die Ereignisse so, dass sie für ihn sinnvoll sind. Hinzu kommt, dass der Großteil unserer Wahrnehmung aus Gedächtnisleistungen besteht. Überspitzt formuliert könnte man auch sagen: Erinnerungen sind alles was wir haben. Ob das, was wir wahrnehmen oder das, an was wir uns erinnern in irgendeiner Beziehung zur Welt steht, wie sie wirklich ist, werden wir niemals wissen. Auf den Film bezogen: Ob Quaids Abenteuer echt oder eine implantierte Erinnerungen sind, werden wir nie mit letzter Sicherheit entscheiden können – ganz egal wie viele Hinweise wir für die eine oder andere Variante aufhäufen. Aber wir dürfen natürlich hoffen. Und deswegen wünsche ich Quaid/Hauser auch, dass er mit seinem athletischen, brünetten Urlaubsflirt noch ein paar schöne Tage auf dem Mars verbringen kann eher er aufwacht – wenn er aufwacht.

Bild © Kinowelt