Tag: Slasher

Notizen #14

Posted by – 15. Oktober 2016

Als nächsten Programmpunkt im #horrorctober (Film 4-7) habe ich mir ein paar mir unbekannte Slasher-Jahre angesehen. Von hui bis pfui war alles dabei.

Terror Train (Roger Spottiswoode, USA / Kanada 1980)

Ein Film, den ich überhaupt nicht auf dem Radar hatte, den ich zufällig auf Youtube entdeckt und den ich mir trotz schlechter Bild- und Tonqualität und störender Untertitel angesehen habe. Daran kann man schon erkennen, dass „Terror Train“ von Roger Spottiswoode gar nicht so schlecht sein kann. Hier läuft zwar weitestgehend alles nach bekanntem Strickmuster ab, aber auf eine angenehm zurückhaltende Art und Weise, mit Gefühl für die Figuren und Blick für die Atmosphäre des ungewöhnlichen Settings: Der Film spielt in einem Zug, den die nach und nach dahinscheidenden Mitglieder einer Uni-Verbindung zwecks rauschhafter Party gemietet haben. Vielleicht noch erwähnenswert: Neben Jamie Lee Curtis, die in gefühlt jedem dritten Slasher der Dekade mitspielt ist auch der Zauberer David Copperfield mit von der Partie.

The Burning (Tony Maylam, USA 1981)

Meine Erwartung an meinen 5. #horrorctober-Film waren aufgrund einer Empfehlung eines ansonsten sehr zuverlässigen Tippgebers in Sachen Slasher-Kunst hoch – zu hoch wie sich leider herausstellte. Ein durch die Folgen eines Streichs verunstalteter Sommercamp-Aufseher rächt sich hier an ein paar Teenies, und das beste, das ich über ihn sagen kann, ist, dass mir nichts wirklich Schlechtes zu ihm einfällt. Sagen wir mal ganz nichtssagend: ein solider Genrebeitrag. Filmquiz-Frage: Welche Oscar-Preisträgerin ist hier in ihrer ersten Rolle zu sehen? Richtig, Holly Hunter!

Offerings (Christopher Reynolds, USA 1989)

Ich kann mir ja einiges gutschreiben. Aber im Falle von Christopher Reynolds „Offerings“ fällt mir nichts mehr ein. Wer einen amateurhaften, durch und durch unoriginellen Slasher (am auffälligsten bedient Reynolds sich bei John Carpenters „Halloween“, sogar die Musik ist nur einen Millimeter vom Plagiat entfernt) mit wirklich dilettantischen Darstellerinnen und Darstellern sehen will, der ist hier richtig. Allenfalls der ein oder andere Mord ist ganz hübsch in Szene gesetzt aber das fällt angesichts der ganzen anderen Unzulänglichkeiten kaum noch ins Gewicht.

Alice Sweet Alice (Alfred Sole, USA 1976)

Hui! „Alice Sweet Alice“ – hierzulande vielleicht eher bekannt unter dem Titel „Communion – Messe des Grauens“ – ist definitiv das bisherige Highlight meiner diesjährigen #Horrortober-Saison. Er ist schön, er ist ungewöhnlich. Und er ist irgendwie auf eine besondere Art spannend, die ich noch gar nicht richtig fassen kann. Die Atmosphäre dieses brutalen Psychothrillers mit Giallo-Einschlag hat mich jedenfalls ziemlich gepackt; und anders als andere würde ich es Alfred Sole, der das Drehbuch zusammen mit Rosemary Ritvo schrieb, nicht negativ auslegen, dass er sich in seinem Film scheinbar nicht so recht entscheiden kann, welchen Fokus die Geschichte haben soll. Die Unsicherheit, in welche Richtung sich die Story entwickelt, hat den Film für mich noch interessanter gemacht. Ob Alice dann zum Schluss wirklich noch… – naja, ich will ja nicht zu viel verraten. So oder so ist „Alice Sweet Alice“ wahres Genre-Juwel und so in etwas das Gegenteil von dem, was der „dilettantisch inszenierter blutrünstiger Gruselfilm“. Wobei, blutrünstig…

The Prowler (Joseph Zito, USA 1981)

Posted by – 13. Juni 2016

The ProwlerWenn mir die große Liebe nicht vergönnt ist, dann bitte auch niemandem sonst – denkt sich ein geprellter Soldat und bringt daraufhin seine untreue Freundin und ihren Lover um. Er selbst kommt davon. Jahre später, während des Abschlussballs einer High School, macht er sich erneut ans blutige Werk.

Wieso? Das ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass Joseph Zitos Slasher aus den frühen 1980er Jahren sich durchaus sehen lassen kann. Von Zito kannte ich bis dato nur „Friday the 13th: The Final Chapter“, der ja nicht zu den schlechtesten Teilen der Reihe gehört, und auch „The Prowler“ ist wieder ein sehenswerter Genrebeitrag. Es gibt zwar ein wenig Leerlauf anfangs und im letzten Drittel, aber eben auch einen markant kostümierten Killer, mindestens zwei sehr spannende Sequenzen und ein paar Morde, die dank Make-up-Spezialist Tom Savini ziemlich weh tun.

Dass ich jetzt nicht in Jubelgeschrei ausbreche, liegt vor allem daran, dass ich hier bis auf solides Handwerk nichts entdecken kann. Man könnte ja meinen, Zito mache etwas aus der Idee, dass es eben ein enttäuschter Kriegsveteran ist, der sich hier auf den blutigen Rachefeldzug begibt, aber Fehlanzeige. Und zwar auf der ganzen Linie. Ein wie auch immer gearteter Subtext, wie er für viele Slasher interessant würde, fehlt hier, was gerade im Hinblick auf seinen Plot doch verwundert. Vielleicht könnte man sagen, dass „The Prowler“ zumindest insofern schon wieder interessant und zweifelsohne ein nicht unwichtiger Vertreter der Slasher-Weller der 1980er Jahre ist, weil er sich eben nicht für irgendwelche Hintergründe, Gesellschaftskritik, Psychologie seiner Figuren u.ä. kümmert, sondern zu fast 100 Prozent dem Ruf entspricht, den Filme dieses Genres heute (zu unrecht?) „genießen“. Ich weiß es nicht und kann im Moment auch nicht mehr dazu sagen, außer, ja, ganz nett, für Slasher-Fans auf jeden Fall sehenswert. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mir etwas mehr „zwischen den Zeilen“ gewünscht hätte oder ob ich „The Prowler“ gerade so, wie er ist, pur, „ohne alles“ besonders zu schätzen weiß.

Bild © Blue Underground

Just Before Dawn (Jeff Lieberman, USA 1981)

Posted by – 29. Mai 2016

just before dawnDamals in den 1980ern war die Welt noch in Ordnung, da war das Horrorgenre noch weitestgehend frei von ironischen Meta-Beiträgen. Nach der enttäuschenden Zweitsichtung von „Tucker And Dale Vs Evil“ tut es deswegen gut, ein paar Worte zu Jeff Liebermans „Just Before Dawn“ zu verlieren. Lieberman, der vor allem für den Wurm-Horror „Squirm“ (1975) bekannt ist, zeigt mit seinem Backwood-Slasher, dass auch geradlinige Genrebeiträge durchaus gehaltvoll sein können.

Die Story ist simpel: Fünf junge Leute wollen Urlaub machen, irgendwo im Amerikanischen Hinterland. Auf die Warnungen des ortsansässigen Rangers (George Kennedy) hören sie nicht, und so kommt’s wie es kommen muss – einer nach dem anderen fällt einem mysteriösen Killer zum Opfer.

Doch genauso, wie die Jugendlichen im Laufe des Films immer mehr ihr wahres Gesicht zeigen, wird auch der Killer entmystifiziert. Konnte der Zuschauer zu Beginn, als das Ungeheuer durch ein Loch in der Kirchendecke auf seine ersten Opfer hinabblickt, noch glauben, man hätte es mit einem naturgleichen Monster zu tun, stellt sich irgendwann heraus – Menschen, die den Film unbefangen sehen wollen, sollten hier nicht weiterlesen – dass es sich nicht um einen einzelnen Mörder, sondern um die degenerierten Söhne einer Hinterwäldler-Familie handelt.

Thematisch bewegt sich „Just Before Dawn“ eher auf den Spuren von Filmen wie John Boormans „Deliverance“ als sich wie ein typischer Genrebeitrag anzufühlen. Es geht hier, denke ich, allerdings weniger um das in Filmen schon lange angespannte Verhältnis zwischen arroganten Städtern und verrohten Hinterwäldlern, sondern eher um das Verhältnis von Kultur und Natur – allerdings nicht in der Hinsicht, dass das eine oder andere besser wäre, sondern darum, dass die Natur immer schon vom Menschen korrumpiert ist. Die Schönheit der Landschaft steht in auffälligem Kontrast zu den unschönen, lärmenden Eindringlingen, aber eben auch zu den verrohten Waldbewohnern. Harmonie zwischen Mensch und Natur ergibt sich auch nicht einfach daraus, dass man in ihr lebt und seinen Bedürfnissen nachgeht (die man an den inzestuösen Killerzwillingen sieht). Mensch und Umwelt, sie sollen sich in diesem Film einfach nicht näher kommen.

Das Lexikon des internationalen Films macht es sich mit dem Fazit „„Miserabel gespielte Billigkost, gewalttätig und spekulativ“ mal wieder etwas einfach, denn selbst, wenn man zugesteht, dass „Just Before Dawn“ billig, gewalttätig und nicht gerade großes Schauspielerkino ist, kommt man kaum umhin zu erkennen, dass es Lieberman hier durchaus an der Umsetzung einer Idee und nicht allein am Schock der Zuschauer gelegen war. Das sieht man bereits daran, dass sich Lieberman auffällig viel Zeit für seine Geschichte nimmt und die Morde, genreuntypisch, eben nicht in ihrem Zentrum stehen. Wem das nicht reicht, kann die Besonderheit des Films aber auch an der Wandlung seiner zwei Hauptfiguren ablesen: Während sich der Obermacker Warren (Gregg Henry) immer mehr zu Heulsuse entwickelt, geht in seiner Freundin Constance (Deborah Benson) eine gegenteilige Entwicklung vom unscheinbaren Mäuschen zum Vamp vor, die ihren Gegner mit der bloßen Faust erstickt. Die sexuelle Komponente ist hier nicht zu übersehen. Und ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass sich „Just Before Dawn“ vielleicht nur vordergründig in das Backwood-Slasher-Genre einsortiert, in Wirklichkeit aber ein – wenn auch denkbar abstraktes – „Rape & Revenge“-Movie ist, in dem nicht nur der Mann die Frau, sondern auch die Menschheit Mutter Natur – erfolglos – angeht.

Ich denke nicht, dass ich „Just Before Dawn“ komplett durchschaut habe. Was aber bleibt, ist das angenehme Gefühl, einen visuell wie inhaltlich sorgfältig gearbeiteten Film vor sich zu haben, der – im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des Genres – es weder nötig hat, zu posten noch sich sklavisch an die Genre-Regel zu halten, weil es eben Substanz hat. Ein guter Film. Allerdings einer, den man sich nicht unbedingt von Odeon Entertainment besorgen sollten, so wie ich es getan habe. Die Bildqualität ist dermaßen schlecht, dass man dafür eigentlich kein Geld verlangen dürfte.

Bild © Odeon Entertainment

Notizen #11

Posted by – 14. Mai 2016

Ein paar Filme frisch vom Krankenlager.

The Amazing Spider-Man 2 (Marc Webb, USA 2014)

Ich bin ehrlich gesagt kein bisschen traurig, dass diese „Spider-Man“-Reihe von Marc Webb nicht fortgesetzt wurde, weil ich sie schon von Anfang an auf subtile Art und Weise ziemlich kacke fand. Den zweiten Teil, über den ich mich hier ja recht wohlwollend geäußert hatte, habe ich mir gestern im Rahmen einer eitrigen Stirn- und Nasennebenhöhlenentzündung noch einmal anzugucken versucht, aber – nein, geht nicht. Es ist mir dieses Mal ehrlich gesagt sogar richtig schwer gefallen, dabei zu bleiben und nicht die ganze Zeit nebenher etwas anderes zu tun. Das ist nicht mein Spider-Man.

The Cynic, The Rat And The Fist (Umberto Lenzi, Italien 1977)

Schon besser gefallen hat mir da der Poliziottesco Umberto Lenzi (OT: Il cinico, l’infame, il violento), welcher die Fortsetzung von „Rome Armed to the Teeth“ (OT: Roma a mano armata, 1976) zu sein scheint, den ich aber nicht kenne. In dieser Fortsetzung geht es um den Ex-Kommissar Tanzi (Maurizio Merli), der es mit dem „Chinesen“ (Tomás Milián), einem Gangster, den er vor Jahren in den Knast brachte, zu tun bekommt. Der Film hat mir gut gefallen, auch wenn ich ihn krankheitsbedingt etwas zu anstrengend (zu laut & wild), aber eben auch unterhaltsam und über weite Strecken recht spannend fand. Schön, dass in diesem, recht gewalttätigen Film nicht der Stärkste gewinnt – der deutsche Titel „Die Gewalt bin ich“ suggeriert etwas in diese Richtung – sondern dass es letzten Endes die mit dem Plan sind, in hier die Oberhand behalten. Das dieser Plan frei nach dem Motto „warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?“ etwas umständlich ist und am Ende vielleicht auch nicht so viel Sinn macht, verzeihe ich großzügig und würde mir glatt noch ein paar weitere Filme von Umberto Lenzi, von dem ich bisher nur „Spasmo“ und „Mondo Cannibale“ kenne, gefallen lassen.

Creed (Ryan Coogler, USA 2015)

Zwar bin ich auch mit den Rocky-Filmen aufgewachsen, aber anderes als viele Jungs (gabs da auch Mädchen?) meines Alters nie wirklich Fan des Italian Stallion und seiner Box- und Lebensgeschichte geworden. Ich finde die Filme ganz ok, vor allem den ersten und den vierten (aus unterschiedlichen Gründen), aber es gab nie eine tiefe Verbindung, keine großen Emotionen, geschweige denn Liebe. Ich sage das nur, damit mein Kompliment an die aktuelle Fortsetzung noch etwas mehr Gewicht bekommt. Denn „Creed“ ist nicht nur eine würdige Fortsetzung, sondern auch für sich genommen ein rundum gelungener Film, bei dem eigentlich alles stimmt. Alles ist natürlich ganz schön viel, aber so ist es nun mal.

The House On Sorority Row (Mark Rosman, USA 1983)

In letzter Zeit bin ich mal wieder an Slashern interessiert. Deshalb wollte ich zu „The House On Sorority Row“ eigentlich einen längeren Text schreiben, aber irgendwie ist mir dann doch nicht so richtig etwas eingefallen, zu diesem überdurchschnittlichen, aber auch etwas konturlosen Vertreter. Deswegen nur ein paar Sätze hier, auch wenn ich ihn vor knapp zwei Wochen in der Pre-Krankenlager-Ära gesehen habe. Es geht um ein paar Studentinnen, eine griesgrämige Hausbesitzerin, einen bösen Streich und – wie das bei Slashern so ist – eine Mordserie, in der die schon erwähnten Studentinnen die Stars sind. „The House On Sorority Row“ sieht gut aus, ist einigermaßen spannend und hat eine überraschende und nicht völlig an den Haaren herbeigezogenen Schluss. Ich mochte Rosmans Film, ohne wirklich begeistert zu sein. Vielleicht muss ich dem Film irgendwann noch eine Chance geben, vielleicht springt der Funke dann über.

So, und jetzt möchte ich bitte aufhören mit diesen unwürdigen Textschnipseln und zu jedem Film zumindest wieder eine Wordseite Worte finden. Danke.

Sleepaway Camp (Robert Hiltzik, USA 1983)

Posted by – 31. März 2016

sleepaway camp_Es ist kaum etwas Schöneres als nichtsahnend in einen tollen Film zu stolpern. So ist es mir vor ein paar Tagen mit „Sleepaway Camp“ geschehen, den ich eigentlich nur angemacht hatte, weil ich mich mal wieder nicht richtig entscheiden konnte und mir von Robert Hiltziks Film kurzweilige, entspannende Genre-Unterhaltung versprochen hatte. Und dann war es eines der schönsten Filmerlebnisse der letzten Wochen, ich bin immer noch wie verzaubert von diesem kleinen aber feinen Slasher.

In einem Feriencamp muss ein Kind mit ansehen, wie seine Familie bei einem Bootsunglück ums Leben kommt. Jahre später wird Angela (Felissa Rose) zusammen mit ihrem Cousin Ricky (Jonathan Tiersten) von ihrer Tante Martha (Desiree Gould) wieder in ein Camp geschickt. Das stille Mädchen wird schnell Opfer von Hänseleien. Nur Ricky und sein Kumpel Paul (Christopher Collet) setzen sich für das Mädchen ein. Die auf einmal beginnende Reihe von „Unfällen“ wird vom Camp-Leiter Mel (Mike Kellin) lange Zeit heruntergespielt – bis es zu spät ist…

Ja, aber warum fand ich den Film denn jetzt so gut? Zum einen er für einen Film dieses Genres auffällig gut gemacht ist und Hiltzik offensichtlich eine ziemlich genaue Vorstellung davon hatte, was er wollte und man diese zielgerichtete Energie dem Film jederzeit anmerkt. Das hängt natürlich mit dem folgenden Punkt zusammen, das handwerkliche Können des Regisseurs und der gelungene Subtext bedingen sich ja gegenseitig. Gut gemacht heißt hier nicht, dass der Film teuer ist oder die Rollen mit hochrangigen Darstellern besetzt sind (im Gegenteil: viele der Darsteller sind Laien), sondern dass hier alles in sich stimmig und zweckdienlich umgesetzt wurde. Der Film enthält eine ganze Reihe wirklich unheimlicher, intensiver Szenen, der Unfall am Anfang beispielsweise, die Beinahe-Vergewaltigung Angelas durch den Koch usw.; und doch ist er nicht nur in solchen besonderen Momenten gut, sondern auch dazwischen. Hier stimmen der (Erzähl-)Fluss, das Timing und die Atmosphäre. Sogar die Figuren sind für das Genre ungewöhnlich plastisch und in ihren Bedürfnissen glaubhaft, vielleicht mit Ausnahme von Camp-Leiter Mel, dessen Verhalten für mich nie ganz nachvollziehbar war und Karen Fields als Zicke Judy, die Angela besonders hartnäckig malträtiert. Die beiden sind für meinen Geschmack in ihren Rollen unklar (Mel) oder etwas zu übertrieben und grobmaschig (Judy) anlegt.

Zum anderen fand ich „Sleepaway Camp“ so stark, weil er mir zwar, wie für einen Slasher üblich, sehr bekannt vorkam, ich aber gleichzeitig trotzdem schnell gerafft habe, dass er irgendwie anders ist, was sich im weiteren Verlauf – und mit Paukenschlag vor allem am Ende! – auch bestätigt. Gut, ich kannte das Ende schon von Hörensagen, aber so ist mir erst richtig bewusst geworden, wie gekonnt dieser Film angelegt ist. Soviel sei verraten, es geht um etwas, um das es versteckt in den meisten Slasher geht, zumindest ist dieses „Etwas“ ein fester Bestandteil des Genres. Nur wird es hier, wie ich finde, auf eine andere Art und clevere Weise aufgegriffen. Obwohl ich eigentlich nicht daran glaube, dass man gute Filme spoilern kann: Dass ich hier so um den heißen Brei herumrede, liegt tatsächlich mal daran, dass ich niemandem die Chance nehmen möchte, sich von dem Film überraschen zu lassen. Ich kannte wie gesagt den Twist schon, und es hat den Guckspaß vielleicht sogar noch erhöht, weil ich auf andere Dinge geachtet habe, aber es ist ja nicht gesagt, dass es anderen genauso geht.

Ganz allgemein: Im Slasher geht es ums Töten. Ein Killer bringt eine Reihe von Personen, meist eine Gruppe von Teenagern oder jungen Erwachsenen kreativ um die Ecke. Der Einfallsreichtum der Morde steht oft im Gegensatz zum Leben der Ofer, das man trotz Sex, Drogen und Partys – oder Ausflügen in die Backwoods – in den meisten Fällen als trist und öde bezeichnen muss. Die Gründe des Killers sind unterschiedlich, oft ist das Töten eine Folge von in der Kindheit erlittener Traumata, die Rache für erfahrenes Unrecht o.ä. Interessant sind Slasher oft durch die implizite Moral – sind die Opfer doch meist Personen, die direkt oder indirekt in die Kränkung des Killers verwickelt waren und/oder oder sich eines lasterhaften Lebenswandels schuldig gemacht hatten. Dies lässt viele Slasher puritanisch oder sogar reaktionär erscheinen. Vielleicht sind es einige auch. Interessanter finde ich allerdings Ansätze, welche die auffälligen Gewaltszenen im Kontext der Handlungsarmut und Monotonie der Geschichten interpretieren und sich bei der Analyse des Genres auch auf diesen offensichtlichen Kontrast – zwischen schillernden Morden einerseits und der Tristesse des Rests andererseits –beschäftigen. Ich bin mit meinen Gedanken hierzu noch nicht am Ende, aber bei diesem Ansatz wäre doch denkbar, dass Slahser in der Mehrheit keine reaktionäre, sondern (gesellschafts-)kritische Haltung haben, in denen sich die Gewalt als Reaktion auf verschiedene Formen von (sexueller) Repression und Unterdrückung zeigt – nicht in dem sie moralisch legitimiert sondern, sondern dass sie ästhetisch auffällig wird?

Ich will jetzt auch nicht zu dick auftragen: „Sleepaway Camp“ ist ja irgendwie immer noch ein handelsüblicher Slasher der 1980er Jahre und wohl kein verschollenes, subversives Meisterwerk. Aber es ist eben auch einer, der sich besonders gut dazu eignet, sich darüber Gedanken zu machen, worum es in dem Genre eigentlich geht, was seine Standards sind und welche Funktion sie erfüllen (können). Das hat Robert Hiltzik ganz offensichtlich mit großer Hingabe getan. Ich halte den Film für wichtig.

Bild © Anchor Bay Entertainment

Charlie’s Farm (Chris Sun, Australien 2015)

Posted by – 12. März 2016

charlie's farmManchmal ärgere ich mich ein wenig über Rezensionen, die über Horrorfilme 08/15-Texte à la „schlecht, weil vorhersehbare Handlung, unsympathische Figuren“ etc. schreiben, aber im Falle von „Charlie’s Farm“ müsste ich eigentlich das Gleiche tun, weil es viel mehr auf den ersten Blick auch nicht zu sagen gibt.

Vier Freunde, Donkey (Sam Coward), Jason (Dean Kirkright), Natasha (Tara Reid) und Melanie () wollen ein außergewöhnliches Abenteuer erleben und auf „Charlie’s Farm“ übernachten. Dort hat vor ein paar Jahren eine degenerierte Familie grausame Morde verübt, bis diese von der Dorfgemeinschaft exekutiert wurde. Nur ihr Sohn Charlie soll überlebt haben und auf der Farm immer noch sein Unwesen treiben. Was sich auch als die Wahrheit herausstellt, wie die vier Freunde bald herausfinden.

In „Charlie’s Farm ist alles wie immer. Unsympathische, nicht besonders helle Figuren, schlechte Witze, eine – von einer kleinen Ausnahme abgesehen – in jedem Detail vorhersehbare Handlung, einen Killer, der in dem Meer von Killern der letzten Jahrzehnte absolut kein Alleinstellungsmerkmal hat, plakative, aber letztlich doch recht austauschbare Gewaltszenen und so weiter. Doch gerade weil hier alles genau so ist, wie es nun mal in der unteren Liga des Genres zu sein hat, muss sich das Gehirn halt irgendwie beschäftigen und arbeitet dann daran, die feinen Unterschiede wahrzunehmen; so dass man auf den zweiten Blick wohl bemerken könnte, dass Chris Sun hier dermaßen frech abkupfert und dabei beeindruckend konsequent hinter wirklich jedem einzelnen seiner oft auch schon nicht so tollen Vorbilder zurückbleibt, dass sich das schwerlich einfach mit einer Standarderklärung à la „der Film ist halt schlecht“ vom Tisch wischen lässt. Denn: Wirklich jede Szene ist so unglaublich präzise daneben, dass ich fast glauben möchte, dem Regisseur wäre hier die ultimative Hommage an den Bodensatz des Slasher-Genres gelungen. Sun verbeugt sich so tief vor den schlechten Filmen der Welt, dass diese dadurch fast groß und erhaben wirken.

Obwohl ich eigentlich die deutsche Blu-Ray von Meteor Film gesehen habe, musste ich dennoch das Cover des Mediabooks von ELEA-Media posten, auf dem Charlie zu sehen ist sowie die aufgespießten Köpfe von Genre-Größen wie Freddy, Michael Myers, Jason & Co. Hierin zeigt sich die wohl nicht ganz ernst zu nehmende Selbstüberschätzung des Films und weist einmal mehr den Weg, wie man „Charlie’s Farm“ letzten Endes doch goutieren kann. Der Film selbst ist ein wenig wie der Running Gag um Donkeys großen Penis, der gerade deswegen irgendwie gar nicht so verkehrt ist, weil er die meiste Zeit in der Hose bleibt.

Bild © ELEA-Media

Kristy (Oliver Blackburn, USA 2014)

Posted by – 6. März 2015

kristyNeulich gab es auf Twitter eine kleine Diskussion darüber, warum wir Slasher mögen. Ich schaue sie mir in der Regel nicht an, weil ich mich gruseln will, sondern eher ästhetischen und – als Carpenter-Fan – aus, ich nenne es mal: räumlichen Gründen. Außerdem finde ich es spannend, sie mit anderen Filmen des Genres zu vergleichen. Slasher sind sich schon alle sehr ähnlich, deswegen fallen die kleinen aber feinen Unterschiede umso mehr ins Gewicht. In besagter Diskussion wurde mir jedenfalls von Christian von Moviroyal der College-Invasion-Streifen „Kristy“ empfohlen. Den habe ich mir nun angesehen und will hier kurz meine Gedanken mitteilen

Es geht um die Studentin Justine (Haley Bennett). Neben dem Security-Mann Wayne (Mathew St. Patrick) und dem Hausmeister Scott (James Ransone) ist sie über die Thanksgiving-Tage ganz alleine auf dem Campus. Plötzlich taucht eine Gruppe Maskierter auf, die erbarmungslos Jagd auf die junge Frau machen. Ja und mehr passiert auch schon nicht in „Kristy“. Warum heißt der Film so, was sind die Motive der Täter, das alles erfährt der Zuschauer bereits zu Beginn in einen kleinen Epilog. Die nächsten Minuten stehen im Zeichen des Spannungsaufbaus, die Protagonisten und ihr Freund Aaron (Lucas Till) werden kurz vorgestellt, hinterher bekommen wir schnell einen Eindruck, wie sich der Leere Campus anfühlt. Justine beschäftigt sich so gut es geht, sie telefoniert, sie schwimmt, sie plaudert mit dem Wachmann, doch am Thanksgiving-Abend ist ihr etwas fad und sie beschließt, von der nahegelegenen Tankstelle etwas zum Knabbern und Eis zu holen. Dort trifft sie einen der Killer und von da an hat sie keine ruhige Minute mehr.

Sicherlich, das ist alles nichts Neues und recht konventionell. Und auch ein paar gängige Klischees haben hier unvermeidlicher Weise Einzug gehalten. Hinzu kommt, dass der Film über wenig echte Höhepunkte verfügt. Auf der anderen Seite hat der Film einen schönen Spannungsaufbau, ein wirklich atmosphärisches Setting und vor allem mit der Sängerin und Schauspielerin Haley Bennett eine sympathische Hauptdarstellerin. Ab knapp der Hälfte des Films, kurz nach dem Justine von der Tankstelle auf das Campusgelände zurückgekehrt ist, gibt es Action Non-Stop.

Ich sagte gerade „konventionell“, aber in einigen Details hebt sich „Kristy“ doch von der Masse ab. Das fängt schon damit an, dass es kein klassisches Final Girl, sondern nur das One And Only Girl Justine gibt. Durch die Happy-Slapping-Thematik – die Killer filmen ihre Taten mit dem Handy und stellen sie dann ins Netz – hat er weiterhin einen aktuellen Bezug, der in vielen anderen Genrebeiträgen entweder aufgesetzt wirkt oder gar nicht erst vorkommt. Bei Blackburn ist es aber durchdachter, als es wohl möglich zunächst den Anschein haben mag, denn hinter der vordergründig einfach gehaltenen Campus-Hatz tut sich ein Drama um die Machtverteilung in der Gesellschaft und um soziale Unterschiede auf. Justine wird von den Tätern als „Kristy“ bezeichnet. Kristy bedeutet hier Anhänger von Christus. Tötest du Christus, sagen sie, dann tötest du Gott. Die müssen eine ganz schöne Wut haben! Eine Kristy ist hübsch, behütet und unschuldig. Doch gerade diese Eigenschaften machen sie in den Augen der Täten schuldig. Denn sie sind auch privilegiert. Justine ist hübsch, freundlich und studiert. Denn sie ist auch ziemlich clever. Das müssen ihre Widersacher im Verlauf des Films feststellen. Mit ihren Taten lehnen sich die Killer gegen das System auf und prangern die Ungerechtigkeit, ja die göttliche Ordnung der Welt an – und scheitern. Das ist, wie ich finde, schon ein interessanter Aspekt an Blackburns Film, dass die Protagonistin hier triumphiert, weil sie im Sinne der Anklage schuldig ist. Das Final Girl hat sich hier von den starren Genreregeln insofern emanzipiert, als dass sie nicht überlebt, weil sie keusch und drogenfrei lebt, sondern weil sie einfach gebildeter ist als ihre Widersacher (und damit tatsächlich privilegiert!). Die Gegner sind hier keine anonymen Wesen wie beispielsweise in „F“, sondern echte Menschen. Das deutet sich schon durch den verwahrlosten Eindruck an, den der weibliche Teil der Killertruppe (Ashley Greene) macht, aber spätestens wenn Justine einem Widersacher den Schädel spaltet und ihm dann die Maske abnimmt… Gänsehaut!

Man könnte „Kristy“ als soliden, straighten Slasher bezeichnen. Aber er ist eben auch noch etwas mehr. Ich sage: Sehenswert!

Bild © Tiberius Film

The Town That Dreaded Sundown (Alfonso Gomez-Rejon, USA 2014)

Posted by – 28. Februar 2015

the town that dreaded sundownIch bin kein großer Fan, aber es lässt sich trotzdem kaum leugnen: Mit „Scream“ hat Wes Craven im Jahre 1996 den Slasher auf ein neues Niveau gehoben. In seinem augenzwinkernden, selbstreferenziellen Horror-Manifest beschäftigte er sich mit den Regeln des Genres und ließ die Figuren des Films Charaktere sein, die sich dieser Regeln durchaus bewusst waren. „Scream“ war aber nicht nur ein liebevolles Necken seines eigenen Stamm-Genres, sondern auch ein Kritik des Immergleichen, das man hier zu sehen bekommt. Ironischer Weise wurde sein Seitenhieb Richtung der Epigonen des Genres auch gleich wieder kopiert und fand dutzende Nachahmungstäter, die dachten, Horrorfilme müssen möglichst selbstbezüglich und ironisch sein und am besten so viele Zitate wie möglich enthalten. Leider sind viele Filme dieser degenerierten Denke viel weniger originell als sie sich selbst vorkommen. Lange Rede, kurzer Sinn: Es gibt rühmliche Ausnahmen. „The Town That Deaded Sundown“ von Alfonso Gomez-Rejon ist, auch wenn er in gewisser Weise ein prototypischer Vertreter des postmodernen Horrorfilms ist, eine davon!

Gomez-Rejon bezieht sich zunächst einmal vor allem auf einen Film, den dokumentarisch angehauchten, im Original gleichnamigen Slasher aus dem Jahre 1976, der auf deutsch unter dem Titel „Der Umleger“ bekannt ist. Dieser wiederum hat eine reale Mordserie aus Grundlage, die 1946 in der Stadt Texarkania. Ein maskierter Mann – das Phantom –, brachte damals zahlreiche Liebespaare um. Gomez-Rejons Film setzt sowohl die wahren Ereignisse als auch die Existenz des Films voraus. Die Handlung setzt mit der Vorführung des Films von 1976, der jährlich zu Halloween gezeigt wird. Jami (Addison Timlin) und ihr neuer Freund Corey (Spencer Treat Holland) verlassen das Autokino vorzeitig, um auf einem verlassenen Parkplatz ein wenig Liebe zu machen. Plötzlich taucht ein maskierter Mann auf, der das Paar mit vorgehaltener Waffe zwingt, das Auto zu verlassen. Jami muss beobachten, wie ihr Freund brutal umgebracht wird. Sie selbst kann fliehen, aber nicht ehe das Phantom ihr noch etwas ins Ohr geflüstert hat…

Seit ein paar Jahren habe ich den Eindruck – wenn Filmemachern nichts einfällt, machen sie einfach einen ach so ironischen Film, der möglichst viele Werke der Vergangenheit zitiert. Mich nervt das. Gomez-Rejons Film ist anders. Zwar zitiert auch er seine Vorlage und andere Filme, doch hier scheint es mir keine Anbiederung an den Genre-Fan zu sein. Und an einem Mangel an eigenen Ideen es auch nicht liegen, denn sein Film ist voll davon. „The Town That Deaded Sundown“ ist ein starkes und trotz – ja in diesem Fall sogar auch wegen! – seiner Bezüge ein sehr eigenes Werk, das gekonnt zwischen Horror, Arthouse und Experimentalfilm oszilliert und dabei sogar hier und da einen psychotischen Witz durchblitzen lässt. Mit plumpem Zitatdropping des aktuellen Horrorfilms der Nach-„Scream“-Ära hat das nichts zu tun, es ist eher, als würde wie Frankensteins Monster aus Leichenteilen hier ein neuer Film aus schillernden Fragmenten des Genres zusammengesetzt werden. Dabei ist es nicht nur die Kunstfertigkeit, mit der Gomez-Rejon die wahren Ereignisse und den Film von 1976 in sein eigenes Werk einbettet, die beeindruckt, sondern mit welchem Stilwillen und Inszenierungsfreude er seine Vision umsetzt. In manchen Momenten erinnert der Film an Recherche-Thriller à la „Zodiac“, in anderen, vor allem während der Mordsequenzen, die allesamt zum Niederknien sind, bricht der albtraumbunte Wahnsinn durch und zumindest ich fühlte mich an die technicoloren Mordfantasien eines Dario Argento erinnert.

Ich habe seit einiger Zeit nichts mehr gesehen, das so geschichtsbewusst und gleichzeitig so frisch und unverbraucht daher gekommen ist wie dieser Film. Dem Regisseur, der bisher vor allem durch seine Arbeit im TV bekannt war, ist mit seinem Kinodebüt der wahrscheinlich beste Slasher seit Jonathan Levines „All The Boys Love Mandy Lane“ gelungen – ein großer Wurf aber ist „The Town That Deaded Sundown“ mit Sicherheit.

Bild © Tiberius Film

Halloween H20: 20 Years Later (Steve Miner, USA 1998) 

Posted by – 29. Oktober 2014

Halloween H20#horrorctober 11

Weil ich schon bei „Halloween II“ eine Ahnung davon bekommen habe, wie sehr es mich stört, wenn sich Fortsetzungen wenig bis gar nicht um den „Geist“ des Originals scheren, und weil ich neugierig darauf war, „Halloween H20“ noch einmal in dem Wissen zu sehen (das letzte Mal war im Jahr des Kinostarts), dass Steve Miner auf dem Regiestuhl sitzt, habe ich umdisponiert und schaue mir zum Schluss meiner kleinen #horrorctober-Retro lediglich noch diesen „Halloween“-Teil an. War bereits die erste Fortsetzung überflüssig, so darf dieser Film immerhin wohlwollend als Folgefehler durchgehen.

Miners Film lässt die letzten Teile außer Acht und schließt inhaltlich an „Halloween II“ an. Zwanzig Jahre später lebt Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) unter dem Namen Keri Tate in Kalifornien. Als Direktorin der Elite-Schule „Hillcrest“ hat sie Verantwortung für viele Schüler, darunter ist auch ihr Sohn John (Josh Hartnett). Dem geht das überfürsorgliche Verhalten seiner Mutter extrem auf die Nerven. Deswegen kümmert er sich auch nicht weiter um ihre Warnungen, Michael Myers könne noch irgendwo da draußen sein, und stiehlt sich zusammen mit ein paar Freunden von einer Klassenfahrt davon, um im Keller des Internats eine wilde Party zu feiern. Hätte er auf seine Mutti gehört…

… wäre der Film auch nicht anders gelaufen. Michael, der Lauries Tarnidentität mittlerweile aufgedeckt hat, dringt in das gut gesicherte Internatsgelände ein und metzelt sich durch die Belegschaft. Dass nun ein paar Schüler mit John eine Party feiern, spielt für das Grundgerüst der Story keine Rolle. Und das ist wahrscheinlich auch schon der Hauptaspekt, der mich an „Halloween H20“ stört: Das meiste, was passiert, ist einfach ganz schrecklich egal. Miner hat Jason immerhin seine Maske geschenkt und damit die „Friday“-Reihe zu dem gemacht, was sie ist. Ein vergleichbarer Coup gelingt ihm bei „Halloween“ nicht. Für diesen Jubiläums-Film, der nach ursprünglicher Planung das endgültige Ende der Reihe markieren sollte, ist das Drehbuch von Robert Zappia, Matt Greenberg und Kevin Williamson echt schludrig – respektive: vieles macht einfach keinen Sinn. Das fängt mit diesem seltsamen Konstrukt des Internats an, reicht über die völlig unplausible Handlung (warum muss John seine Mutter erst überreden, mit am Schulausflug teilnehmen zu dürfen, nur um dann „heimlich“ doch zu Hause zu bleiben?) und schlecht geschriebene Charakter, wie z.B. Laurie Strode, die mittlerweile schwere Alkoholikerin ist, was für den Verlauf der Geschichte aber rein gar keine Rolle spielt.) Da helfen weder alte Stars wie Jamie Lee Curtis, die sich noch einmal erbarmt hat in ihre Rolle zu schlüpfen, noch die kommenden (Michelle Williams, Joseph Gordon-Levitt), noch die Handvoll Gänsehautmomente nicht weiter. Z.B. als Laurie – die Michael zuvor schon einige Male imaginiert hat – den Killer mit der weißen Maske dann wirklich sieht. Oder das Finale, in dem Laurie gegen ihren Nemesis antritt und ein für alle Mal (schön wär’s) einen Schlussstrich unter das Kapitel Halloween zieht. Solche Momente sind in Ordnung, vieles ist nicht wirklich schlecht – aber nichts ist eben richtig gut. Außerdem frage ich mich, was das Ende, wenn der eingeklemmte Michael seiner Schwester die Hand entgegenstreckt, bedeuten soll. Dass das Böse doch auch nur geliebt werden will? Wenn sich hier wirklich eine Idee versteckt, dann hätte sie besser ausgearbeitet gehört. Bei John Carpenter ist die künstlerische Vision bei der Umsetzung des Stoffs klar erkennbar. Das absolut Böse ist bei ihm eine unerklärbare, leere Größe. Miner nutzt die„Halloween“-typischen Gadgets, die weiße Maske, den Carpenter-Score, doch als hätten er und seine Autoren das Thema des Originals wirklich verstanden, kommt es mir nicht vor.

Mir hat der Film vor allem noch einmal klar gemacht, was ich am ersten sowieso, aber vor allem auch am unterschätzen zweiten Teil der Reihe eigentlich hatte. Ich überlege seit zwei Tagen, ob man „Halloween H20“ als einen würdigen Ausklang der Reihe betrachten kann, aber dazu kann ich mich leider nicht entschließen. Das beste, was ich gerade noch über diesen siebten Teil sagen kann: es hätte schlimmer kommen können.

 Bild © Lions Gate
 

Halloween II (Rick Rosenthal, USA 1981)

Posted by – 24. Oktober 2014

halloween box#Horrorctober 9

John Carpenter ist einer meiner absoluten Lieblingsregisseure und „Halloween“ mein Favorit aus seinem mehr als 20 Langfilme umfassenden Œuvre. Auf Filmstarts habe ich 2007 mal ein keines Loblied auf ihn verfasst. Kein Wunder, dass ich mich an die Fortsetzung bisher nicht heran getraut habe. Aber so ein #Horrorctober hat ja auch was mit Mut zu tun. Deswegen habe ich mir endlich einen Ruck gegeben und den zweiten Teil jetzt in den DVD-Player gelegt. So schlimm wie befürchtet war das gar nicht, im Gegenteil.

Die Fortsetzung schließt nahtlos an den ersten Teil an: Dr. Loomis (Donald Pleasence) hat Michael Myers ein paar Kugeln verpasst, woraufhin dieser vom Balkon gestürzt ist. Doch als Loomis unten nachsieht, ist Myers verschwunden. Während Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), die einzige Überlebende der Ereignisse, ins Krankenhaus gebracht wird, versuchen Loomis und der Sheriff (Charles Cyphers) Myers zu finden.

Wenn „Halloween“ wie ein unter zunehmendem Druck stehender Behälter ist, der schließlich explodiert, dann ist „Halloween II“ der sich ausbreitende, außer Kontrolle geratene Flächenbrand. Loomis und der Sheriff suchen den Killer, Laurie liegt untätig in ihrem Krankenbett, Myers macht sich auf den Weg ins Hospital. Dort angekommen, dürfen wir ihm dabei zusehen , wie er sich einfallsreich durchs Personal mordet. Eben dieses Personal macht bis dahin, was Krankenhauspersonal eben so macht, z.B. ein heißes Liebes-Bad in irgendeinem Bottich nehmen. Ein wenig, das liest man vielleicht schon in der kurzen Inhaltsangabe , krankt „Halloween II“ daran, dass hier alles drunter und drüber geht respektive sich voneinander wegzubewegen scheint. So richtig spannend ist „Hallween II“ deswegen trotz seines hohen Gewaltpegels über lange Strecken nicht. Was passiert, scheint eher dem Zufall geschuldet, als einem klaren dramaturgischen Konzept. Aber gerade in dem fehlenden Fokus und der Art, wie Debütant Rick Rosenthal das Drehbuch von John Carpenter und Debra Hill in Szene setzt, ist es ganz wunderbar. Wenn John Carpenter stets die Begrenzungen des Raums interessieren, lotet Rosenthal stattdessen seine Weitläufigkeit aus. Besonders die Sequenzen, in denen wir Michael auf seinem Weg ins Krankenhaus begleiten, haben es mir angetan. Die Nacht ist in diesem Moment so greifbar, die Figuren sind wie Rußteilchen im Wind, die nach der „Explosion“ (als Metapher verstanden) im Finale des ersten Teils durch die Gegend wehen.

Nicht wenige finden den zweiten Teil sogar noch besser als den ersten, was ich zumindest nachvollziehen kann. Denn anders als im Vorgänger gibt es hier keine 40-minütige Exposition, sondern es geht gleich ordentlich zur Sache. Mein Fall ist das nicht, und ich habe in vielen Momenten Carpenters Genie vermisst. Aber ich leugne nicht, dass mir diese Fortsetzung, die rein inhaltlich völlig überflüssig ist, doch recht gut gefallen hat. Und am Ende gibt es sogar noch die Explosion, die ich mir im ersten Teil nur eingebildet habe.

Bild © Anchor Bay Entertainment