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Kino 2017: Meine Top 10

Posted by – 31. Dezember 2017

Von Jahr zu Jahr sinkt die Anzahl der Filme, die ich im Kino sehe und damit die Wahrscheinlichkeit einer Top 10 – und irgendwie klappt’s dann doch immer. So auch 2017. Folgende Filme haben mir in diesem Jahr am besten gefallen.

Elle (Paul Verhoeven, Frankreich / Deutschland / Belgien 2016)

Ich bin ohnehin ein großer Verhoeven-Fan. Mich beeindruckt sein unglaubliches Spektrum als Filmemacher. Dass er zu einem so späten Zeitpunkt seiner Karriere einen Film wie „Elle“ macht, der so frisch, neuartig und unverbraucht ist, hat mich noch einmal von den Socken gehauen. Verhoeven erzählt in dem Film die Geschichte einer Frau und den weiteren Ereignissen, nachdem sie im eigenen Haus von einem maskierten Mann vergewaltigt wird. Ich würde „Elle“ wohl am ehesten als Charakterstudie bezeichnen, auch wenn sich trotz skalpellscharfer Analyse bis zum Schluss kein klares Bild seiner Hauptfigur ergibt. Das fasziniert mich am meisten an dem Film: Verhoeven hält die Komplexität seiner faszinierenden Protagonistin bis zum Schluss aus und widersteht jedem Impuls, die Geschichte in irgendeine Richtung aufzulösen.

T2 Trainspotting (Danny Boyle, UK 2017)

Mitte der 1990er Jahre hatte der Junkie Mark (Ewan McGregor) seine Freunde betrogen, und war mit dem Geld getürmt, um irgendwo ein besseres Leben anzufangen. Nun kehrt er in seine Heimatstadt zurück… Hätte man mir damals gesagt, dass „Trainspotting“ zwanzig Jahre später eine Fortsetzung durch den gleichen Regisseur mit den gleichen Schauspielern erhalten würde, die auch noch auf ganzer Line überzeugt – ich hätte es nicht geglaubt. Jetzt habe ich „T2 Trainspotting“ gesehen – und bin begeistert. Der Film ist eine der unwahrscheinlichsten und trotzdem frischesten Fortsetzungen der Filmgeschichte, ein weiterer Höhepunkt Danny Boyles Karriere, visuell herausragend, virtuos inszeniert, inhaltlich clever und der Tristesse seiner Geschichten zum Trotz auch unglaublich warmherzig und immer optimistisch. Sehr schön!

Manchester By The Sea (Kenneth Lonergan, USA 2016)

Es ist nun fast ein Jahr her, dass ich den Film im Kino gesehen habe. Doch diese eigentümliche Mischung aus Trauer, Melancholie und vorsichtiger Zuversicht, die er in mir ausgelöst hat, ist immer noch da. Es geht um einen Mann (großartig: Casey Affleck), der nach dem Tod seines Bruders in seine Heimatstadt zurückkehrt und sich trotz eigener Traumata dort seinem Neffen annimmt. „Manchester By The Sea“ ist weder ein Hollywood-Film, der dem Zuschauer die x-te Version einer Geschichte zeigt, indem der Protagonist, einfach weil er ein so ein toller Typ ist, allen Schicksalsschlägen trotzt, noch einer, der andeutet, dass die Zeit alle Wunden heilt. Und doch ist es ein Film über die Zeit, das Schicksal und das Leben, das trotz all den Schrecklichkeiten, die passieren, irgendwie weitergehen kann. Schön.

Hell Or High Water (David Mackenzie, USA 2016)

Na sowas, ein Western auf dem vierten Platz der Top-10 eines Western-Verächters? Und dann auch noch einer, in dem der einst von mir so sehr geschätzte Jeff Bridges mitspielt, der sich seit über zehn Jahren mit den gleichen drei Gesichtern durch seine Filme grimassiert und der mir deswegen mittlerweile ziemlich auf die Nerven geht. Dann muss er ja wohl wirklich ziemlich gut sein. In „Hell Or High Water“ geht um ein Geschwisterpaar, das im Westen von Texas Banken ausraubt – ihnen dicht auf den Fersen ein US-Marshall. Was ich an David Mackenzies Film besonders toll finde: Es gibt viele Filme, die den Western neu beleben oder einen abermaligen (unnötigen) Abgesang auf das Genre darstellen wollen. „Hell Or High Water“ hingehen ist ein Western – ein schlauer, sozialkritischer und einer, der ganz nah an seinen Figuren, den Gesetzeshütern und Outlaws ist, noch dazu.

Personal Shopper (Olivier Assayas, Frankreich / Deutschland / Belgien / Tschechien 2017)

„Personal Shopper“ verdankt seinen Platz in dieser Liste wieder meiner Faszination für Geschichten, die ich nicht verstehe. Ehrlich, ich habe nicht die geringste Ahnung, wovon der Film, von allem Offensichtlichen abgesehen, (ok, es geht um eine Frau, die für eine berühmte Schauspielerin die Kleidung einkauft, die aber nebenher auch als Medium auf den Spuren ihres toten Zwillingsbruders wandelt) eigentlich handelt. Wer etwas erzählerisch Greifbares erhofft, wird enttäuscht – wer sich allerdings davon verzaubern lassen mag, wie ihm die verschiedenen Nebelschichten des Films immer wieder sanft entgleiten, der ist in diesem mysteriös-modischen Meta-Gespensterkrimi mit einer wunderbaren Kirsten Stewart in der Hauptrolle richtig.

Star Wars: The Last Jedi (Rian Johnson, USA 2017)

Definitiv der Aufsteiger dieser Liste. Direkt nach dem Kinobesuch war mir zwar schon klar, dass mir Teil 8 besser gefallen hat als Teil 7. Dass er es am Ende nicht nur in die Top 10 geschafft, sondern dort sogar im soliden Mittelfeld gelandet ist, hätte ich zunächst nicht gedacht. Aber was soll ich sagen: „Star Wars: The Last Jedi“ von Rian Johnson hat mir wirklich viel Spaß gemacht, und das ist es ja (man vergisst das ja manchmal!), worauf es ankommt. Die Story: Derweil die übrig gebliebenen Rebellen quasi den ganzen Film lang in eine Raumschlacht gegen eine Flotte der Ersten Ordnung eingespannt sind, versucht Jedi-Anwärterin Rey, den störrischen Alt-Jedi Luke in den Kampf gegen die Dunkle Seite der Macht einzuspannen und kommt darüber – erst gedanklich, dann auch ganz physisch – mit dem Vatermörder Kylo Ren in Kontakt. – Ich kann dem Film deswegen gut verzeihen, dass er nicht mehr exakt das ist, was ich an Star Wars liebe, dass er mir insgesamt nicht mutig genug war und stellenweise wie ein Best-of von Episode IV, V und VI wirkte. Aber ich weiß auch zu schätzen, dass Johnson sich hier wirklich und sogar erfolgreich bemüht, den Ballast der Vergangenheit abzuschütteln und Raum für etwas Neues zu schaffen. Ich freue mich auf den nächsten Teil.

Western (Valeska Grisebach, Deutschland / Bulgarien / Österreich 2017)

Und gleich noch ein „Western“ in meiner Liste, ein heimischer sogar. Es geht um einen Trupp deutscher Bauarbeiter, die in Bulgarien beim Bau eines Kraftwerks mit der Wasserknappheit auf ihrer Baustelle zu kämpfen haben – und sich auf unterschiedliche Weise den Bewohnern des nahegelegenen Dorfes annähern. Ich frage mich, was ich über den Film gedacht hätte, wenn er einen anderen Titel hätte. So jedenfalls bin ich gleich dabei, die Bauarbeiter mit Cowboys und die Dorfbewohner mit Indianern zu identifizieren, was angesichts der Handlung dieses größtenteils mit Laiendarstellern besetzten Films bald zu Irritationen führt. Zwar gibt es Parallelen zu bekannten Western-Topoi, aber ebenso viele Unterschiede. Beides – die Gemeinsamkeiten wie die Differenzen – führen zu schmerzhaften Verknotungen des Zuschauergehirns. Ich habe mich immer noch nicht komplett davon erholt.

Split (M. Night Shyamalan, Japan / USA 2016)

Für mich das Comeback von M. Night Shyamalan! Irgendwie hat man dem Mann ja seinen Stil, für den man ihn bei „The Sixed Sense“ und „Unbreakable“ noch gefeiert hat, im Folgenden immer mehr übel genommen. Ich kann das nicht ganz nachvollziehen. Ich mag „Unbreakable“ sehr, finde alle anderen seiner Filme durchweg gut – aber mehr eben auch nicht. Mit „Split“, der interessanterweise auch inhaltlich mit „Unbreakable“ verbändelt ist, hat Shyamalan nun endlich wieder einen Film gemacht, der über den guten Standard hinausgeht. Es geht um eine Psychiaterin und ihren multiplen Patienten (wie immer stark: James McAvoy) und mehr will ich auch gar nicht sagen, weil es – Shyamalan-typisch – natürlich auch wieder einige Überraschungen gibt. Trotzdem ist der Film, was ich mag, nicht so wie manch anderer des Regisseurs auf den finalen Twist angelegt, sondern trotz des komplexen Themas mehr mit sich selbst im Einklang.

Valerian And The City Of A Thousand Planets (Luc Besson, Frankreich / China / Belgien /Deutschland u.a. 2017)

Der interplanetare Geheimagent Valerian und seine Partnerin Laureline werden auf die gigantische Weltraummetropole Alpha – die Stadt der tausend Planeten – beordert, die von einem Virus von innen heraus zerfressen wird, was die beiden näher untersuchen sollen. Dabei kommen sie einem Geheimnis auf die Spur. – Eine wunderbar bunte, optisch sehr fantasievolle Sci-Fi-Geschichte, die durch ihre Weigerung, sich erzählerischen Normen zu unterwerfen auch formal interessant ist. Doch auf diesen Punkt muss ich gar nicht weiter eingehen, um zu begründen, warum der Film einen Platz in dieser Liste verdient hat. Allein durch seine Schauwerte und seine charmante, unbekümmerte Art, den Zuschauer in die Welt Valerians zu entführen, verdienen Besson und sein Herzensprojekt höchsten Respekt. Etwas gewöhnungsbedürftig: Dane Dehaan in der Rolle des Valerian. Aber vielleicht sind es gerade solche Ecken und Kanten, die „Valerian And The City Of A Thousand Planets“ so reizvoll machen.

Die Hölle – Inferno (Stefan Rutzowitzky, Deutschland / Österreich 2017)

Das Jahr war schon fast vorbei, da habe ich noch diese kleine wunderbare Filmperle entdeckt. Ich bin ja nicht der aller größte Fürsprecher des deutschsprachigen Genre-Kinos, aber mit „Die Hölle – Inferno“ ist es Stefan Rutzowitzky wirklich gelungen, mich zu überzeugen. Dieses kleine Meisterwerk handelt von einer Taxifahrerin, die durch Zufall einen Frauenmörder bei der Arbeit beobachtet – und hinterher selbst auf dessen Killlist landet. Dreckig, hart, extrem kurzweilig mit einer tollen Haupt- und einigen interessanten Nebenfiguren bietet „Die Hölle – Inferno“ viel von dem, was ich mir von einem Thriller wünsche – und noch etwas mehr. Als Ohrfeige für alle Sexisten, Faschisten und Arschlöcher aller Art, darf man ihn auch gerne verstehen. Auch wenn er zum jetzigen Zeitpunkt nur Platz 10 meiner Liste bekleidet, handelt es sich bei Rutzowitzkys Film doch um eine der größten Überraschungen des Kinojahres!

Ein wenig leid…

…tut es mir um Filme wie „Nocturama“, „Jackie“, „The Girl With All The Gifts“, „John Wick: Chapter 2“ oder „Wonder Woman“, die mir ebenfalls sehr gut gefallen haben – nur eben nicht ganz so gut wie die genannten. Das ist meine Meinung aber auch eben immer der Reiz an einer Top 10 – dass man sich beschränken und eine – manchmal wirklich auch eine nicht ganz leichte – Wahl treffen muss. Besonders interessant fand ich in diesem Jahr übrigens die Entwicklung von „Blade Runner 2049“, der mich im Kino sehr begeistert hat und der eine Zeitlang sogar eine mittlere Platzierung in meiner Top 10 gehalten hat. Aber je länger ich über die Filme in der Liste nachgedacht und die Sortierung immer wieder angepasst habe, desto weiter ist Villeneuves Film nach hinten gerutscht, bis er schließlich ganz aus der Liste verschwunden ist. Visuell finde ich ihn nach wie vor überragend. Ich habe schon lange keinen Film mehr gesehen, der so gut aussah. Und trotzdem hat sich nach dem Kinobesuch nach und nach Ernüchterung breit gemacht. Immer mehr hatte ich das Gefühl, der Film wollte mit aller Macht etwas sein, dem er inhaltlich nicht gerecht geworden ist.

Flops

Wie immer möchte ich mich nicht groß mit Filmen aufhalten, die ich nicht mochte, zur besseren Einordnung der Top 10 will ich aber zumindest die 3 Titel nennen, die mich enttäuscht und/oder geärgert haben. Zum einen wäre da „Logan“, mit dessen Vorgänger „The Wolverine“ ich ja auch schon gehadert habe. Mit „Logan“ ist es ähnlich, auch der Film sieht wieder gut aus, gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass James Mangold kein Gefühl für das Genre im Allgemeinen und die Figur des Wolverine im Speziellen hat. Ich möchte gar nicht in Abrede stellen, dass Mangold versucht, dem Superhelden-Genre neue Impulse zu geben, sein verbissenes Möchtegern-Melodram ist aber wieder nicht mein Fall. Und das Ende ist, wie schon beim Vorgänger, Schrott. Und wo wir gerade beim Thema sind – ebenfalls sehr doof: „Alien: Conveneant“. Ich finde Ridley Scotts Versuch, dem Alien-Mythos eine neue Richtung zu geben, auf ganzer Line misslungen. „Prometheus“ und „Alien: Conveneant“ haben das, was „Alien“ damals so gut gemacht hat, platt wegphilosophiert. Schade. Und schade ist es auch, dass Christopher Nolan seine zweifellos vorhandenen Fähigkeiten nicht dazu nutzt, tolle Filme zu machen, sondern dass ihm im Gegenteil seine Fähigkeiten immer mehr im Wege zu stehen scheinen. Bei „Dunkirk“ war gut zu beobachten, wie Nolan es geschafft hat, einen dramatischen Stoff mit seinem großen Können förmlich zu ersticken. Ich habe nichts gefühlt.

Soweit zu meinem Kinojahr 2017. Und jetzt wünsche allen einen Guten Rutsch!

Über das Film-Glück gestern, heute und morgen

Posted by – 19. Dezember 2017

Für den Kino-Zeit-Adventskalender habe ich in diesem Jahr einen kleinen Text geschrieben über… – ja was eigentlich? Der Überschrift nach geht es um das Film-Glück gestern, heute und morgen. Aber eigentlich geht es vor allem um mich – und um Unglück. Michael vom Schneeland-Blog hat den Text auf Twitter sehr schön aus der Hüfte beüberschriftet mit „Über das Filmeschauen in den Zeiten von totalitären Algorithmen“, was mir sehr gut gefällt und den Inhalt, finde ich, besser auf den Punkt bringt, als der gesamte Text. Hier geht es zu meinem Adventskalender-Beitrag.

Star Wars: Rogue One (Gareth Edwards, USA 2016)

Posted by – 16. Dezember 2016

„Star Wars“, „Star Wars: Episode V – The Empire Strikes Back“ und „Star Wars: Episode VI – Return of the Jedi“ waren und sind für mich persönlich sehr wichtige Filme. (Deswegen habe ich mich glaube ich hier auch noch nicht getraut, etwas dazu zu schreiben.) Da haben auch die misslungenen Prequels „Star Wars: Episode I – The Phantom Menace“, „Star Wars: Episode II – Attack Of The Clones“ und „Star Wars: Episode III – Revenge Of The Sith“ nicht viel dran ändern können. Seit dem irgendwie doch ganz okayen „Star Wars: The Force Awakens“ bin ich jedenfalls wieder dabei und beobachte gespannt, wie sich die Geschichte – „A long time ago, in a galaxy far, far away…“ – entwickelt. Mit „Star Wars: Rogue One“ wird ein weiteres Detail aus der schon grob bekannten Geschichte ausgeleuchtet – die Beschaffung der Pläne, die vor 40 Jahren unserer Zeitrechnung in „Star Wars“ durch eine Handvoll mutiger Rebellen zur Zerstörung des Todessterns führten. Obwohl „Rogue One“ wirklich umwerfend aussieht, finde ich ihn insgesamt leider nicht besser als „ganz nett“. Nach „Monsters“ und „Godzilla“ möchte ich fast sagen, typisch Edwards halt. Aber mal postiv gesagt: Auch ganz nett ist ja bei dem wiedererwachten Franchise, das ich nach Episode I, II und III schon verendet wähnte, immerhin etwas. Insofern danke. Ein wenig ausführlicher äußere ich mich zu der neuen „Star Wars“-Kriegsfilm auf Kino-Zeit.de

Kino 2015: Meine Top 10

Posted by – 26. Dezember 2015

In diesem Jahr kann ich keine ersthafte „Top 10“-Liste aufstellen. Dazu habe ich einfach zu wenig gesehen. Dachte ich. Und so hatte ich mich eigentlich schon entschlossen, die Liste entweder wegzulassen oder mich auf die „Top 5“ zu beschränken. Nur ca. 30 Mal war ich im Kino – so wenig wie seit 20 Jahren nicht. Doch bei der Filminventur 2015 ist mir aufgefallen, dass unter den 30 Filmen etliche gute bis sehr gute zu finden sind. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich in diesem Jahr recht ausgewählt ins Kino gegangen bin und mir vor allem Filme angesehen habe, von denen ich erwarten konnte, dass sie mir gefallen. Deshalb gibt es nun auch in diesem Jahr wieder eine „Top 10“-Liste. Auch wenn zumindest die letzten drei es in einem anderen Jahr vermutlich nicht auf das 10er-Treppchen geschafft hätten, sind es doch gute Filme, und ihr Listenplatz ist nicht total abwegig.

The Hunger Games: Mockingjay – Part 2 (Francis Lawrence, USA 2015)

„The Hunger Games: Mockingjay – Part 2“ ist ein toller Film, wenn auch nicht unbedingt der stärkste Teil der Reihe. Ehrlich gesagt, finde ich es auch sinnlos, zu entscheiden, welcher Teil der beste ist, weil sie nämlich zusammen gehören und ein ganz vorzügliches Gesamtwerk bilden. Nach meiner derzeitigen Gefühlslage braucht sich „Hunger Games“nicht hinter meinen Lieblingsreihen „Star Wars“ oder „Spider-Man“ verstecken. Francis Lawrence und allen Beteiligten ist hier etwas ganz Großes gelungen. Wieso weshalb warum lest ihr hier, hierhier und schließlich hier.

Was heißt hier Ende? Der Filmkritiker Michael Althen (Dominik Graf, Deutschland 2015)

Mein Lieblingsfilm der letzten Berlinale, der auch einen regulären Kinostart hatte. Michael Althen hatte eine wunderbare Art, Kritiken über Filme zu schreiben. Die Dokumentation von Dominik Graf setzt dem 2011 verstorbenen Filmkritiker ein Denkmal. Ich hatte Tränen in den Augen. Meisterwerk.

Ex Machina (Alex Garland, USA 2015)

Bester Sci-Fi-Film der vergangenen 10 Jahre. Weil man hier etwas über den Menschen lernt, lernt man auch etwas über künstliche Intelligenz. Eine Maschine ist intelligent und menschenähnlich, wenn der Mensch nicht mehr unterscheiden kann, ob er mit seinesgleichen oder einem Roboter kommuniziert – so die gemeine Einschätzung. Alex Garland geht in seinem enorm stylischen Film noch einen Schritt weiter und sagt, sich gegenseitig zu betrügen, sei die wesentliche menschliche Eigenschaft. Wenn Maschinen darin genauso oder sogar besser sind, dann haben sie das Label KI wahrlich verdient. Hier etwas mehr dazu.

Mad Max: Fury Road (George Miller, USA / Australien 2015)

Ja, was soll man dazu sagen? „Mad Max: Fury Road“ ist kein Film, den man sich über’s Denken aneignet, sondern über’s Fühlen und Erleben. Er ist ein Film der Bilder, der Bewegung, der Action. Ich habe ihn 1,5 Mal gesehen. Das zweite Mal begonnen habe ich ihn auf dem Laptop-Bildschirm in einem Hotelzimmer, aber das war dann nix. Der ist nur was für’s Kino. Hier noch zwei weitere Gedanken zum Film.

Victoria (Sebastian Schipper, Deutschland 2015)

Ich liebe „Absolute Giganten“ (hier zu meiner Filmstarts-Kritik), mag „Ein Freund von mir“, finde „Mitte Ende August“ (hier zur Kritik und zu einem Interview mit Sebastian Schipper) sogar noch etwas besser. Nach zwei Filmen, die nicht ganz an die Stärke des Debüts anschließen konnten, ist Sebastian Schipper mit „Victoria“ ein ganz starker Film gelungen. Der in Hannover geborene Filmemacher hat schon immer ein außergewöhnliches Gespür dafür, alltägliche Beziehungen in leicht überhöhter Form und trotzdem jederzeit nachvollziehbar auf die Leinwand zu bringen. In allen seinen Filmen geht es um Freundschaft. In „Victoria“, seinem düstersten, ruhelosesten und mitreißendsten Film, der aus einer einzigen, atemberaubenden Plansequenz besteht, geht es um deren Schattenseiten. Um in einer Berliner Partynacht nicht allein zu sein, schließt sich die junge Spanierin Victoria einer Gruppe von jungen, feiernden Männern an. Gemeinsam erleben sie einen wunderbaren Abend – bis alles irgendwann eskaliert. Ich habe immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Whiplash (Damien Chazelle, USA 2014)

„Whiplash“ ist der Film, bei dem ich mir am unsichersten bin, an welche Stelle meiner Top 10 er gehört. Je nach Stimmung, die sich von Minute zu Minute ändern kann, ist er wahlweise noch höher platziert oder gar nicht in der Liste. Aber dass Chazelles Fim so ambivalent ist, ist gleichzeitig auch eine seiner größten Stärken. Ob er ein heimliches Loblied auf die Leistungsgesellschaft oder eine hintergründige Kritik an ihr ist, bleibt offen und liegt letztlich im Auge des Betrachters. Zur Kritik hier entlang:

Das ewige Leben (Wolfgang Murnberger, Österreich 2015)

Die Brenner-Filme sind großartig. Ich weiß gar nicht genau, welcher mir am besten gefällt, wahrscheinlich „Der Knochenmann“ (2009). Aber auch „Das ewige Leben“ ist ein ganz feiner Film, denn hier erfährt der Zuschauer mehr über die Person Simon Brenner als je zuvor. Wer ist dieser Mann, der seine Karriere bei der Polizei begann, dann Privatdetektiv wurde und sich seitdem von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob hangelt, dem das Scheitern zur zweiten Natur geworden ist und der trotzdem niemals locker lässt, auch wenn er dafür einiges einstecken muss? Doch nicht nur der Zuschauer erfährt viel. Auch der Brenner selbst erfährt einiges über sich und darüber, was ihm im Leben wichtig ist. Hier geht’s zu meiner Kino-Zeit-Kritik.

It Follows (David Robert Mitchell, USA 2014)

Die letzten drei Filme hätten es in einem anderen Jahr mit mehr Kinobesuchen vermutlich nicht in meine Top 10 geschafft. Bei „It Follows“ hätte ich mir direkt nach dem Kinobesuch nicht einmal vorstellen können, dass er auch nur entfernt ein Kandidat sein könnte, wie hier nachzulesen ist. Aber der Film ist ordentlich nachgereift und hat sich ganz heimlich, still und leise zu den besten Filmen gesellt, die ich in diesem Jahr gesehen habe. „It Follows“ ist so sehr Traum, dass er, wenn man das erst einmal so richtig begriffen hat, mir zumindest umso mehr Angst gemacht hat. Ganz ehrlich, nach „It Follows“ habe ich ein paar Male schlecht geträumt. Und ein schöneres Kompliment kann man einem Horror-Film ja wohl nicht machen.

Star Wars – The Force Awakens (J. J. Abrams, USA 2015)

Wie so viele andere Menschen bin ich ein großer „Star Wars“-Fan und liebe Episode 4-6. Und wie ebenfalls nicht wenige, bin ich durch die Episoden 1-3 schwer traumatisiert worden. Als dann bekannt wurde, dass J. J. Abrams, der schon das StarTrek-Reboot vielleicht nicht kommerziell, aber doch künstlerisch gegen die Wand gefahren hatte, die Saga fortsetzen sollte, kümmerte mich das trotzdem nicht besonders, denn schlimmer als die letzten Filme konnte es ja nicht werden. Als Lawrence Kasdan zum Team der Fortsetzung hinzustieß und dann sogar der erste Trailer nicht so schlecht aussah, wurde mein Interesse schließlich doch geweckt. Lange Rede: Jetzt habe „Star Wars – The Force Awakens“ vor ein paar Tagen gesehen und… – Das krieg ich jetzt auf die Schnelle nicht in Worte gefasst, aber: Ich habe ein bisschen was zu mäkeln, aber der Daumen geht tendenziell hoch! Allein Daisy Ridley als Neu-Jedi Rey. So gut! Ein längerer Text folgt.

The Town That Dreaded Sundown (Alfonso Gomez-Rejon, USA 2014)

Ich habe immer noch nicht die Vorlage dieses Remake/Sequels gesehen, deswegen fehlt mir eigentlich ein wichtiger Baustein, um die Qualität des Film wirklich einschätzen zu können. Aber, wie hier schon im Blog geschrieben, muss ich immer noch sagen: Auffällig guter, prototypischer Vertreter des postmodernen Horrorfilms. „The Town That Dreaded Sundown“ ist ein starkes und trotz – ja in diesem Fall sogar auch wegen! – seiner Bezüge ein sehr eigenes Werk, das gekonnt zwischen Horror, Arthouse und Experimentalfilm oszilliert und dabei sogar hier und da einen psychotischen Witz durchblitzen lässt. Mit plumpem Zitatdropping des aktuellen Horrorfilms der Nach-„Scream“-Ära hat das nichts zu tun, der Film beeindruckt durch extremen Stilwillen und Inszenierungsfreude. Ich muss sagen, dass ich seit einiger Zeit nichts mehr gesehen habe, was so geschichtsbewusst und gleichzeitig so frisch und unverbraucht daher gekommen ist wie dieser Film. Sehr fein.

Es gibt noch eine Handvoll Filme, die ich eigentlich sehen wollte und von denen ich vermute, dass sie eine Chance auf einen Top-10-Platz gehabt hätten. Dazu gehören beispielsweise„Eisenstein in Guanajuato“,„Ich seh, ich seh“,„Duke Of Burgundy“„Everest“, „Sicario“, „Macbeth“ oder „Steve Jobs“. Aber dieses Jahr war echt wenig Zeit, so dass ich es einfach nicht hinbekommen habe. Es deutet sich allerdings an, dass sich bei mir nächstes Jahr etwas ändert. Im besten Fall bedeutet das, dass ich wieder mehr Zeit fürs Kino und Bloggen habe. Man darf mir gerne die Daumen drücken!