Tag: Tom Atkins

The Fog (John Carpenter, USA 1980)

Posted by – 16. März 2015

the fogAnfangs ist es nur die Meldung der Wetterstation, dass eine Nebelbank Richtung Küste zieht. Zu diesem Zeitpunkt ahnen die Bewohner der Stadt Antonio Bay in Kalifornien noch nicht, dass der Nebel kein natürliches Phänomen ist, sondern dass er ihretwegen kommt. Denn Antonio Bay birgt ein dunkles Geheimnis.

Nach einer Redewendung verliert sich die Geschichte immer mehr im Nebel. Bei John Carpenters „The Fog“ bringt ein Seenebel die Ereignisse der Vergangenheit allerdings zurück – in Gestalt von sechs mörderischen Geistern, die Rache wollen für das, was ihnen angetan wurde. Überhaupt ist „The Fog“, John Carpenters Film direkt nach „Halloween“ einer, der sich zwar an klassischen Gruselstoffen orientiert, aber gleichzeitig sehr modern ist, indem er vieles hervorholt und explizit macht, das bis dahin eher versteckt und andeutungsweise wirksam war. Traditionsbewusst und trotzdem innovativ rasseln bei Carpenter zwar die Tassen im Schrank, Uhren bleiben stehen, Glas birst – und doch sind seine Gespenster keine ätherischen Schatten, sondern eine sehr stoffliche Bedrohung in Gestalt von sechs verrotteten Seemännern, die mit Säbeln und Enterhaken beträchtlichen Schaden anrichten.

Doch auch wenn „The Fog“ den Anfang einer neuen Ära des Horrorfilms markierte, ist das doch alles schon wieder Geschichte. Filme wie dieser werden heute nicht mehr gemacht. In den 1980er Jahren war das Erzähltempo noch ein anderes, hier lag die Kraft in der Ruhe, Atmosphäre und Spannung wurde mit anderen Mitteln erreicht als es heute der Fall ist. Zumindest für mich stelle ich fest, dass mir Carpenters Art Filme zu drehen, einfach besser gefällt, als das allermeiste, was man in den letzten 10, 20 Jahren zu sehen bekommen hat. Ausnahmen bestätigen diese Regel. Nicht nur der Nebel ist ein lebendiges Wesen, der ganze Film, die Musik, die Kameraeinstellungen, die Landschaft und die Darsteller, sie alle verschmelzen zu einem Organismus, der zu gar nichts verpflichtet ist als zu sich selbst. Das ist schön, genauso wie das meines Erachtens besonders Interessante an Carpenters viertem Kino-Langfilm, nämlich dass hier zwei in früheren und späteren Filmen immer wiederkehrende Themen zum ersten Mal so offensichtlich aufeinandertreffen: Enge und Weite. Dass es Carpenter virtuos versteht, Begrenzungen des Raums zu Spannungszwecken einzusetzen, ist beispielsweise in Filmen wie „Assault On Precinct 13“, „The Thing“ oder „Prince Of Darkness“ unmittelbar einsichtig. Aber auch durch das Fehlen von Grenzen und die (scheinbare) Freiheit, überall hin zu können, hat bei Carpenter nichts Befreiendes. „Dark Star“, „Halloween“ oder „Memoirs of an Invisible Man“ sind Paradebeispiele für das agoraphobische Talent des Regisseurs. In „The Fog“, in dem die Straßen nicht in die Freiheit führen, sondern stets nur wieder in neue Gefängnisse, kommt nun, wie gesagt, beides zusammen. Fast wirkt es so, als wollte Carpenter hier systematisch verschiedene Varianten des Eingesperrt- und in die Enge-getrieben-Seins durchdeklinieren. In sofern muss man diesem Film, dergemeinhin zur Gruppe der besten oder sagen wir eher prägendsten Filme des Regisseurs gezählt wird, wahrscheinlich wirklich eine Schlüsselrolle in seinem Werk zusprechen.

„The Fog“ gehört dennoch zu den Carpenter-Filmen die ich nie so richtig in mein Herz schließen konnte. Als Kind fand ich ihn ziemlich gruselig, aber wenn ich ihn dieser Tage sehe, wie gestern mal wieder geschehen, ist es mehr so eine Art wohlmeinendem Zuneigung. Ich bewundere einige Szenen, ich mag die Stimmung und die Figuren, aber mich stören auch einige Aspekte wie der etwas holprige Spannungsaufbau und das hingehutschte Finale. Auch Captain Blake (Rob Bottin) und seine modrigen Matrosen hätten sich meinethalben nicht zu zeigen brauchen, sondern wären verborgen im Nebel besser aufgehoben gewesen. Aber vielleicht ist das auch Meckern auf hohem Niveau, denn wie oben schon geschrieben: Filme wie dieser werden heute gar nicht mehr gemacht. Dass es „The Fog“ gibt, dafür bin ich John Carpenter sehr dankbar!

Bild © Studiocanal

Night Of The Creeps (Fred Dekker, USA 1986)

Posted by – 7. Juni 2013

night of the creepsAlles Gute kommt von oben? Nicht immer. Jedenfalls nicht in Fred Dekkers Horror-Parodie „Night Of The Creeps“. Was hier auf die Erde stürzt ist ein fieser wurmartiger Parasit, der sich im Hirn von Menschen einnistet und dort seine Eier legt. Aber der Reihe nach.

1959. Während die Polizei einer Kleinstadt gerade einen entflohenen Serienkiller sucht, sitzen der Student Johnny und sein Rendezvous Pam am Waldrand in Jonnys Auto – als sie plötzlich ein seltsames Objekt abstürzen sehen.  Während Johnny sich auf die Suche nach der Absturzstelle macht, bleibt Pam im Wagen – und hat das Pech, von dem entflohenen Killer mit einer Axt in kleine Teile zerlegt zu werden. Doch auch Johnny hat nicht wesentlich mehr Glück: Im Wald findet er tatsächlich die Stelle, an dem das Objekt abgestützt ist, was aber nur dazu führt, dass er sich mit einem Killer-Parasiten infiziert.

27 Jahre später.  Um in eine Studentenverbindung aufgenommen zu werden, brechen Chris Romero (Jason Lively) und sein Kumpel James Carpenter Hooper (Steve Marshall)  in den Keller der Universität ein und erwecken dort aus Versehen den mit dem Parasiten infizierten Leichnam Johnnys zum Leben. Bald wimmelt es auf dem Campus von widerlichen Parasiten – den Creeps – die nach und nach die Studentenschaft infizieren und zu wandelnden Zeitbomben machen.

Schon die Namen der Figuren – Chris Romero, James Carpenter Hooper, aber auch Chris’ Freundin Cynthia Cronenberg (Jill Whitlow), Detective Ray Cameron oder Sgt. Raimi – machen deutlich, „Night Of The Creeps“ ist eine Homage an den Horrorfilm und seine Macher. Dabei nimmt Fred Dekker allerdings weder seine Vorbilder noch sich selbst so richtig ernst. Das Ergebnis ist ein kunterbunter Achtzigerjahre-Horror-Spaß, der voller Freude Filme wie „Shivers“, „Dawn Of The Dead“ oder „The Blob“ zitiert und mit Sicherheit auch selbst wieder neuere Filme wie James Gunns „Slither“ beeinflusst hat. Und auch der Subtext – das Böse dringt über deine Körperöffnung in dich ein und macht dich zu einem bräsigen Zombie – kann man als ironischen Kommentar auf den amerikanischen Puritanismus deuten.

Zugegeben. So ganz gnädig ist die Zeit mit „Night Of The Creeps“ nicht umgegangen. Viele der Effekte sind schlecht gealtert. Und auch der Humor ist nicht wirklich aus diesem Jahrtausend. Für jeden, der wissen will, wie es damals in den Achtzigern zugegangen ist oder der in dem Jahrzehnt und mit diesem Film groß geworden ist, ist „Night Of The Creeps“ ein Muss. Besonders schön ist der in schwarz-weiß gehaltene Anfang und die Szene mit dem Axtkiller (der später im Film im wahrsten Sinne noch einmal ausgebuddelt wird); aber auch sonst gibt es immer wieder Momente, die einfach nur Spaß machen und wehmütig an die Achtzigerjahre denken lassen. Außerdem beweist Dekker in seinem Debüt auch immer wieder großen Einfallsreichtum, der ihn eigentlich dazu hätte qualifizieren sollen, im Anschluss an „Night Of The Creeps“ noch ein paar tolle Filme zu machen. Mein persönlicher Lieblingsmoment ist der, als  Detective Cameron (ganz groß: Tom Atkins) gegen Ende in einer wunderbar gefilmten One-Man-Show mit den Creeps aufräumt. Und dann natürlich das Ende des Director’s Cuts. Dieser unterscheidet sich von der Kinoversion eigentlich nur durch das Finale. Da wird die filmische Klammer zugemacht und die Außerirdischen vom Anfang tauchen noch einmal in einer witzigen Szene auf. Das Gute kommt nämlich doch von oben, nicht immer, aber ziemlich oft.

Bild © Winkler Film