Tag: Tom Hiddleston

Notizen #9

Posted by – 1. April 2016

Peur sur la ville (Henri Verneuil, Frankreich / Italien 1975)

Ein Killer, der sich selbst Minos nennt, will die Welt reinigen, indem er Frauen tötet, deren Lebenswandel ihm nicht gefällt. Kommissar Le Tellier (Jean-Paul Belmondo) wird beauftragt den Fall zu lösen. – Dass ich ein wenig enttäuscht bin von „Peur Sur La Ville“ liegt vermutlich daran, dass ich ihn mir mit den falschen Erwartungen angesehen habe. Ich hatte ein wenig gehofft, hier eine französische Variation des Giallo zu erleben – und vielleicht hätte ich das auch, wenn ich nicht mittlerweile einigermaßen genaue Vorstellungen habe, was sich für mich nach Giallo anfühlt und was nicht. Henri Verneuils Film hat einige Parallelen zu dieser speziellen Art des italienischen Thrillers, und ihm ist ein durchaus spannender und eigentlich auch schön anzusehender Action-Krimi gelungen, aber ich war irgendwie auf etwas anderes aus und habe außerdem meine Probleme mit etwas zu heldenhaft dargestellten, raubeinigen Cops, die wild in die Menge ballern im Allgemeinen und Belmondo im Besonderen. Dafür ist Charles Denner als sein sympathisch unaufgeregter Kollege Inspektor Moissac ganz nach meinem Geschmack.

High Rise (Ben Wheatley, UK 2015)

Ich erinnere mich noch vage, dass ich damals von James Graham Ballards Roman „High Rise“ (im Deutschen „Der Block“) überaus fasziniert war. Diese mehr- und reizvoll eindeutige Dystopie (?) über ein Hochhaus und seine Bewohner, die Entropie des Systems, die schlussendlich möglicherweise gar keine Entwicklung hin zum Chaos zeigt, sondern ein düsteres Transformations-Szenario ausformuliert, hat es ohne Frage in sich. Das zeigt sich schon an den jahrzehntelang erfolglosen Versuchen, sie in das Medium Film zu überführen. Nun hat es Ben Wheatley endlich geschafft. Obwohl der Kinobesuch schon zwei Wochen vorbei sind, weiß ich immer noch nicht so recht, ob ich mit dem Ergebnis wirklich einverstanden bin. Fest steht: Dieser Film hätte auf jeden Fall einen längeren Text verdient, aber ich habe gerade wenig Zeit und finde es auch nicht besonders leicht, den Finger darauf zu legen, was an Ben Wheatleys „High Rise“-Version gelungen ist und was nicht. Der Film ist auf jeden Fall visuell und auditiv unglaublich einfallsreich. Auch wenn da sonst nichts wäre, schon allein um für eine Weile in diesen filmischen Wahnsinn einzutauchen, lohnt sich ein Kinoticket. Und auch die Schauspieler sind toll. Ich achte ja meist nicht auf so etwas, aber hier hätte ich Tom Hiddleston (!!!), Elisabeth Moss und sogar Luke Evans immer weiter zusehen können. Aber: Wie Lucas Barwenczik in seinem sehr schönen Text auf Kino-Zeit schreibt, glaube auch ich nicht, dass „High Rise“, einfach eine vertikale Version von „Snowpiercer“ ist. Dennoch habe ich das Gefühl, dass Wheatley zu zweidimensional an den Stoff herangeht und sich zu sehr auf das Unten und Oben der Geschichte bzw. das soziale Gefälle der im Block lebenden Figuren fokussiert. Der prächtige Stil überdeckt ein wenig, dass Wheatley aus welchen Gründen auch immer die Geschichte um einige Bedeutungsebenen verkürzt. Es ist mehr so ein diffuses Gefühl als eine konkrete Kritik, aber ich glaube, der triste Stoff ist reichhaltiger als der opulente Film.

Ip Man 3 (Wilson Yip, HK 2015)

Ich mochte den ersten, ich mochte den zweiten Teil. Nun geht die „Ip Man“-Reihe von Wilson Yip in die dritte Runde. Auch diesmal schlüpft Donnie Yen in die Rolle des berühmten Wing Chun-Meisters Ip Man. Diesmal muss er eine Schule gegen eine Bande brutaler Gangster verteidigen. Als deren Boss Frank (Mike Tyson) nicht einmal davor zurückschreckt, Ip Mans Sohn zu entführen, fliegen die Fetzen. – Dem legendären Ip Man wurden schon mehrere Filme gewidmet. Zuletzt hatte sich sogar Wong Kar-Wais in „The Grandmaster“ an der Lebensgeschichte des Kung-Fu-Meisters versucht. Gegen den Film von Kar-Wais, in dem dieser wohl vor allem versucht Inszenierungskünste zu zelebrieren, nehmen sich die Filme von Wilson Yip angenehm bodenständig aus. Hier ist Ip Man zwar ein hervorragender Kämpfer, aber auch ein fehlbarer Mensch, der weder vor Niederlagen noch persönlichen Tragödien gewappnet ist. Sicherlich, so ganz ohne Machismo kann man die Geschichte um den ehrenhaften Kampfsportler nicht erzählen, von der Masse der Kampfsportfilme hebt sich „Ip Man 3“ aber dennoch wohltuend ab, weil es Yip auch immer darum geht zu zeigen, wie Leben und Kämpfen zusammenhängen. Ach so – und einige der Fights sind natürlich auch ganz hübsch.

Deadpool (Tim Miller, USA 2016)

Ehrlich gesagt habe ich mich bisher davor gedrückt, mich zu diesem Film zu äußern. Wahrscheinlich war das gut. Wenn ich mir ansehe, wie unreflektiert gerade auf „Batman V Superman“ eingedroschen wird, muss ich zugeben, dass mir das im Falle von „Deadpool“ auch leicht hätte passieren können. Insofern will ich zumindest kurz meine (Anti-)Haltung skizzieren, vielleicht angefangen mit einem Rekurs auf Zack Snyders eben erwähntes DC-Abentuer: Drehbuchautor David S. Goyer hat vor 10 Jahren zur der Idee, beide Superhelden zusammentreffen zu lassen gesagt, „Batman Vs. Superman is where you go when you admit to yourself that you’ve exhausted all possibilities“. Meiner Meinung ist das Unfug. Meiner Meinung nach (wahrscheinlich auch Unfug) hat meinen seine kognitiven Grenzen erreicht, wenn man beginnt, Filme zu drehen, die außer Ironie und Selbstbezüglichkeit nichts vorzuweisen haben. „Deadpool“ ist –meiner Meinung nach – so ein Fall. Mag er auch handwerklich solide sein, die „vierte Wand“ durchbrechen und mit von Psychologen präzise auf die Zielgruppe zugeschnittenen Witzchen zugeballert ein – ich finde ihn totlangweilig. Mehr noch: Mir fällt es sehr schwer, mich auf derartige Filme (ähnlich: „Kick-Ass“) einzulassen, weil sie einer meiner Grundhaltungen entgegenstehen. Nach meiner Überzeugung muss Gewalt weh tun! Tut sie das nicht, dann schmerzt mich das sehr.

Thor: The Dark World (Alan Taylor, USA 2013)

Posted by – 28. Oktober 2013

„Thor“, von Kenneth Branagh, war unter den Superhelden-Filmen der letzten Jahre einer der überraschendsten: Quietschbunt, aber dem nötigen Ernst und trotzdem nicht humorlos. Das aktuelle Sequel „Thor: The Dark World“ (auf deutsch: „Thor: The Dark KINGDOM“) von Alan Taylor ähnelt in vielerlei Hinsicht seinem Vorgänger, erreicht aber aufgrund seines mit Verweisen überfrachteten, oft beliebig wirkenden Drehbuchs fast nie dessen Stärke. Dem Script mangelt es nicht an guten Ideen,  aber vor allem herrscht ein erstaunlicher Mangel an dramaturgischem Gefühl. Die gut aufgelegten Darsteller und das wilde Finale retten zum Glück so einiges, auf dem Olymp der Superhelden-Filme ist für „Thor 2“ dennoch kein Platz. Mehr dazu von mir auf Kino-Zeit.de.

The Avengers (Joss Whedon, USA 2012)

Posted by – 29. April 2012

Wäre ich Anführer einer Superhelden-Gruppe, würde ich sie bestimmt nicht “Die Rächer” nennen. Das wäre mir irgendwie peinlich. Trotzdem. Joss Whedons „The Avengers“ gehörte für mich zu den meisterwarteten Filmen 2012.  Nachdem ich vorletzte Woche zur Pressevorführung leider krank war (und mich zu Hause mit Rob-Zombie-Filmen vergnügen durfte), habe ich diesen Most-Wanted nun gestern endlich in der regulären Vorstellung nachgeholt. Auch wenn meine hohen Erwartungen nun bestimmt nicht übertroffen und vielleicht sogar nicht einmal ganz erfüllt wurden, war „The Avengers“ zweifellos ein starker Superheldenfilm.

„The Avengers“ schließt an die Handlung von „Thor“ an, aber auch die Kenntnis von „Captain America: The First Avenger“ und den beiden „Iron Man“-Teilen schadet nichts: Loki (Tom Hiddleston), Halbbruder des Donnergottes Thor (Chris Hemsworth) hat sich mit einer außerirdischen Streitmacht verbündet, um die Erde zu erobern. Nick Fury (Samuel L. Jackson), der Kopf der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D., trommelt deswegen seine Rächer zusammen, um der Bedrohung Herr zu werden. Doch auch wenn die Helden – Thor, Iron Man (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans), Hulk (Mark Ruffalo), Hawkeye (Jeremy Renner), Black Widow (Scarlett Johansson) – allesamt über beeindruckende Fähigkeiten verfügen, sind sie doch Einzelgänger und die Arbeit im Team nicht gewöhnt. Ein Umstand, den Loki hinterlistig ausnutzt…

Ich fange mal hinten an: Die letzte halbe Stunde, die gefühlt noch eine ganze Weile länger gedauert hat, gehört für mich nicht zu den Stärken des Films. Gesichtslose Außerirdische greifen die Erde bzw. zunächst einmal New York an und kriegen von den Rächern mit großem Krawums eins auf den Deckel. Das ist tricktechnisch durchaus beeindruckend und der ein oder andere Gag sorgt dafür, dass der Showdown seine Höhepunkte hat. Ich bin allerdings überhaupt kein Freund von solchen Materialschlachten, sie langweilen mich sehr schnell. Gelangweilt habe ich mich in diesem Fall zwar nicht, aber ich war auch nicht allzu weit davon entfernt. Aber wahrscheinlich sind solche Actionexzesse einfach ein Zugeständnis an Otto-Normal-Kinozuschauer, der ja auch dafür verantwortlich ist, dass sich Mist wie „Battleship“ seit ein paar Wochen an der Spitze der Deutschen Kinocharts hält. Wobei das bombastische Finale von Whedons Film zum Glück um Längen besser ist als alles, was Peter Berg seiner Schiffe-Versenken-Verfilmung gelungen ist.

Die Stärken von „The Avengers“ liegen allerdings weder in den guten Special Effects noch bei der – ebenfalls überzeugenden – Action, sondern, wie bei Joss Whedon üblich, in der Art und Weise wie die Figuren miteinander funktionieren. Schon „Buffy“, „Dollhouse“, „Firefly“ und „Serenity“ waren auch und vielleicht sogar vor allem deswegen so gut, weil zwischen den Figuren etwas passierte und Whedon in der Lage war, diese Chemie in grandiose Dialoge zu überführen. Das gelingt ihm auch bei „The Avengers“. Ganz egal, ob Black Widow versucht, Bruce Banner zu überzeugen, zum Team hinzuzustoßen, Iron Man und Thor aneinander geraten oder Phil Coulson (Clark Gregg) Captain America von seiner Leidenschaft für Superhelden-Sammelkarten erzählt – alle Szenen sind unglaublich charmant und witzig. Ebenfalls sehr gekonnt ist es, wie Whedon stets den Überblick behält und alle Figuren zu ihrem Recht kommen lässt. Niemand steht unangenehm im Vordergrund, allen wird die gleiche Aufmerksamkeit zuteil. Und sogar Figuren wie der einfach gestrickte Captain America in seinem komischen Kostüm wirkt in Whedons Film auf einmal nicht mehr so peinlich wie in Joe Johnston „Captain America – The First Avenger“. Whedon hat seine Helden alle lieb und macht interessante Einzelfiguren zu einer starken Truppe. Wenn ich der Anführer einer Gruppe Superhelden wäre, würde ich sie vielleicht auch “Die Rächer” nennen.

Bild © Walt Disney