Tag: Tom Holland

Spider-Man: Homecoming (Jon Watts, USA 2017)

Posted by – 13. Juli 2017

Trotz Filmkrise schaffe ich es alle Jubeljahre doch mal ins Kino. Für Kino-Zeit.de habe ich mir „Spider-Man: Homecoming“ angesehen – und für gut befunden. Das kam für mich ehrlich gesagt ein wenig überraschend, denn nach dem etwas unglücklichen Ausklang des an sich fantastischen Raimi-Runs und den beiden schrecklichen Nachfolgern („The Amazing Spider-Man“, nachzulesen hier und hier sowie ,„The Amazing Spider-Man 2“), hatte ich nicht damit gerechnet, dass ein so baldiger Reboot und die Integration von Spider-Man das erzählerisch doch ziemlich schlichte Marvel Cinematic Universe meinen Geschmack treffen würde. Aber doch, was Jon Watts („Clowns“) da abgeliefert hat, hat mir irgendwie gefallen. Watts schafft es, die Comic-Vorlage sowie die Vorarbeit seiner Regisseurkollegen zu ehren und gleichzeitig noch etwas Interessantes zur Figur wie auch zum aktuellen Superhelden-Kino beizusteuern. Aber ehe ich weiter schreibe – klickt doch einfach hier und lest selbst.

The Impossible (Juan Antonio Bayona, Spanien 2012)

Posted by – 28. August 2014

the impossibleWenn ich über „The Impossible“ lese, es sei ein „ einseitig inszeniertes Katastrophen-Drama“ regt sich Widerspruch. Auch die Worte „Schmonzette“ oder „Exploitation“, die ich nach einem kurzen Streifzug durchs Netz aufgeschnappt habe, kann ich nur schwer mit dem Film in Zusammenhang bringen. Aber man muss wohl damit leben, dass andere Menschen durch ganz andere Brillen Filme schauen, in diesem Fall auf Juan Antonio Bayonas Katastrophen-Drama über den Tsunami, der am 26. Dezember 2004 viele Küsten Südostasiens verwüstete und über 250 000 Menschen das Leben kostete. Mich hat der formal beeindruckende, inhaltlich sehr sensible und meiner Meinung nach vielschichtige Film sehr mitgenommen. Schon der Titel weist auf verschiedene Bedeutungsebenen des Films hin. „The Impossible“, könnte auf die Unmöglichkeit anspielen, Geschehnisse wie das Seebeben und den darauf folgenden Tsunami überhaupt in eine Geschichte zu pressen. Es könnte aber auch sein, dass Bayona hier bewusst auf das so unwahrscheinliche Happy End anspielt. Oder, negativ formuliert, könnte der Titel herausstellen, wie wenig Kontrolle der Mensch über Katastrophen wie diese gezeigte hat. Er ist wie ein Stück Treibgut im reißenden Strom der Ereignisse.

Ich will zur Abwechslung mal nicht schreiben, warum ich den Film mochte. Ich will kurz ausführen, welche Kritikpunkte am Film ich inhaltlich falsch und unangemessen finde. Eine Kritik, die mich besonders aufregt ist eine aus der Wochenzeitung „Die Zeit“. Wie der Rezensent Andreas Schneider dort schreibt, „hat der Regisseur alles falsch gemacht“, und „nur Naomi Watts und Ewan McGregor überzeugen“ und ach ja, gegen die Spezialeffekte „kein Wort“, denn die „Tricktechniker, die aus einem 45-Millionen-Dollar-Budget schöpften, beweisen ihr Handwerk und geben das Desaster in großer Wucht wieder“, aber ansonsten: alles falsch. Was denn nun eigentlich? Schneider meint, der Film sei „ein Ärgernis angesichts der realen Tragik“, weil – und hier folgt er Michael Haneke, auf den er sich explizit bezieht – es irgendwie nicht gut sei „Schreckliches aus der Historie in Unterhaltung zu verpacken“, wie das Bayonas Film seiner Meinung nach tut „Unangenehm ergötzt sich der Film an dem Desaster. Es ist der reinste Katastrophen-Porno“. Und dann noch gleich der nächste Kritikpunkt hinterher, nämlich „wie wenig sich der Film um das Schicksal der Thailänder schert.“

Wenn man ernst genommen werden will, sollte man vorsichtig sein mit pauschalen Urteilen. Ich bin trotzdem kurz davor zu sagen, nicht der Regisseur – sondern der Rezensent dieses Zeit-Artikels hat alles falsch gemacht. Vielleicht sollte ich zu Beginn noch erwähnen, dass ich mich persönlich beleidigt fühle. Der „Katastrophen-Porno“, der es sogar in die Überschrift der Zeit-Rezension geschafft hat („Ein Drama als Katastrophen-Porno“) wertet meine durch den Film hervorgerufenen Gefühle – Mitleid, Trauer, Entsetzen, Wut, aber auch den Genuss durch die gedankliche Auseinandersetzung mit ihm – auf die Qualität eines billigen Orgasmus ab. Aber auch unabhängig davon kann ich an ein paar Punkten deutlich machen, warum die Kritik ins Leere geht. Beispielsweise, weil die Dinge zurecht gebogen werden, wie es gerade passt. Was der Rezensent etwa als „zynischen Running Gag“ bezeichnet, nämlich dass die auseinandergerissene Familie sich mehrmals um Haaresbreite verpasst, ist das Finale des Films. Das Wort „Running Gag“ mit dem Adjektiv „zynisch“, vermittelt den Eindruck, der Regisseur würde sich den Film lang einen Spaß daraus machen, die gepeinigten Figuren aneinander vorbeirennen zu lassen. (Zynisch ist da eher die Sicht des Rezensenten auf die Figuren: „Wenn sich diese Menschen im Katastrophengebiet nicht finden, dann treffen sie halt zu Hause beim Frühstück wieder aufeinander.“) Aber auch sonst ist die Rezension nicht besonders nah am Film. Es wird zum Beispiel moniert, „wie wenig sich der Film um das Schicksal der Thailänder schert“. Diagnose: westlicher „Tunnelblick“. Richtig ist: Die (an eine in Wirklichkeit spanische Familie angelehnten) Protagonisten sind Europäer. Entscheidet man sich dafür, die Hauptfiguren zu Europäern zu machen, bedeutet das nicht automatisch Eurozentrismus, genauso wenig wie thailändische Protagonisten einen „asiatischen Tunnelblick“ bedeuten würden. Abgesehen davon spielen viele Thailänder mit, und ihr Leid wird auch nicht ausgespart, im Gegenteil. Aber dazu gleich noch zwei Sätze mehr. Man kann in einem Film nicht alles erzählen, es müssen Entscheidungen getroffen werden, das ist das Grundprinzip des Geschichtenerzählens. „Das Erdbeben im Indischen Ozean löste eine Flutwelle aus, die mehr als eine Viertelmillion Menschen tötete. Bayona interessiert sich für eine Handvoll Überlebende.“ Genauso gut könnte man dem Film vorwerfen, er würde sich auf Thailand konzentrieren. Was ist mit Indonesien, Sri Lanka, Indien? Dort gab es immerhin wesentlich mehr Tote als in Thailand. Und warum überhaupt dieser Tsunami-Tunnelblick? Es gibt doch wohl auch noch andere Katastrophen! Genauso ärgerlich ist ein anderes Totschlagargument des Textes, „ein Ärgernis“ sei der Film „angesichts der realen Tragik“, das sich durch den ganzen Text zieht und auch bei den schon genannten Punkten mitschwingt. Es ist auffällig, wie Rezensenten immer wieder versuchen, reale Katastrophen gegen das Artefakt Film auszuspielen, so als mache man sich schon deswegen schuldig, das Wagnis einzugehen, ein reales Ereignis zu thematisieren. Wenn das ein echter Kritikpunkt wäre, hatte Schneider dem Katastrophen-Film, ja sogar jedem Film, der, wie z.B. wie „Gandhi“, „Schindler’s List“ oder „La vita è bella“ Beziehung zur wirklichen Welt steht, als Kunstform seine Existenzberechtigung abgesprochen. Argumente solchen Niveaus zu lesen, tut weh, vor allem, wenn sie in einer Kinokritik der „Zeit“ stehen.

Zum Schluss noch ganz kurz zum Titel und dazu, „wie wenig sich der Film um das Schicksal der Thailänder schert“. Auch wenn der Film die Ereignisse am Beispiel einer nicht-thailändischen Familie zeigt, ist das Grauen, das die Katastrophe für die Menschen im thailändischen Khao Lak bedeutet, omnipräsent und jeder Zeit spürbar. Seinen richtigen Coup landet Bayona aber tatsächlich dadurch, dass wir in der Tat mit der von Naomi Watts, Ewan McGregor, Tom Holland, Samuel Joslin und Oaklee Pendergast glaubhaft verkörperten Familie mitfiebern und teilhaben an ihrem Schicksal, das es am Ende in beinahe unmöglicher Weise gut mit ihnen meint. Doch wenn ihr Flugzeug zum Schluss abhebt und der Zuschauer das Ausmaß der Zerstörung am Erdboden in seiner ganzen Schrecklichkeit zu sehen bekommt, sollte ihm schlagartig klar werden, dass er es in „The Impossible“ nicht mit einem Happy End zu tun hat. Das Ausmaß des Leids ist grenzenlos. Glück für alle ist angesichts einer solchen Katastrophe unmöglich.

Bild © Concorde Video

Fright Night (Tom Holland, USA 1985)

Posted by – 24. August 2014

fright nightCharley (William Ragsdale) ist überzeugt, dass sein neuer Nachbar ein Vampir ist. Das will ihm jedoch niemand glauben. Seine Freundin Amy (Amanda Bearse) ist sogar hochgradig von der Besessenheit genervt, mit der er seinen Nachbarn Jerry Dandridge (Chris Sarandon) observiert. Der ist übrigens in der Tat ein Vampir und hat es schon auf Charley abgesehen. Hilfe erhofft sich der Junge von Peter Vincent (Roddy McDowell), der im TV die Horrorreihe „Fright Night“ moderiert.

Nachdem ich mich vor etwas über einem Jahr über meine erste Begegnung mit Tom Hollands „Child’s Play“ gefreut hatte, war ich sehr gespannt auf ein Wiedersehen mit seinem Debütfilm, der Vampirkomödie „Fright Night“. Damals war ich sehr angetan davon, wie sehr der Film nach dem komödiantischen Beginn, besonders im Finale, wenn die Trickspezialisten nochmal alle Register ziehen, in die Vollen geht. Die markante, selbstbewusste Inszenierung war auch diesmal das größte Pfund des Films, Beste Szene – nicht nur, weil hier die Effekte stimmen, sondern weil sie auch der emotionalste Moment der gesamten Laufzeit war –: der Vampir-Tod von Charleys Freund Ed (Stephen Geoffreys), der sich windet und seinem Mörder immer wieder hilfesuchend die Hand entgegen streckt. In diesem Zusammenhang ist vielleicht auch die homoerotische Komponente erwähnenswert, die „Fright Night“ nachgesagt wird und sie sich vor allen in der Beziehung zwischen Obervampir Jerry und seinem (nicht-so-ganz-)menschlichen Gefährten Billy (Jonathan Stark), aber auch in der Verwandlung von Ed durch Jerry zeigt („Hello, Edward. You don’t have to be afraid of me. I know what it’s like being different…“). Vielleicht aber auch nicht. Schließlich ist Anziehung, die von Vampiren zu Mitgliedern jedes Geschlechts ausgeht, fast schon ein fester Bestandteil des Genres, so dass man auf diesem Punkt nicht übermäßig herumreiten muss.

Die ganz große Begeisterung ist diesmal irgendwie ausgeblieben. Das lag vermutlich an den Figuren, die ich oft nicht nachvollziehbar, mitunter sogar nervig fand. Bezogen auf Charley und seine Freundin Amy kam mir ein erheblicher Teil des Films vor, wie ein Witz über fehlgeschlagene Kommunikation in Dauerschleife. Weiterhin schade fand ich, dass Charleys Beobachtungsfetisch (eine nette Anspielung auf „Rear Window“), nicht wirklich ausgespielt wurde. Und auch aus dem Misstrauen gegenüber seinem Nachbarn hätte Holland meiner Meinung nach mehr machen können. Gerne gesehen habe ich „Fright Night“ diesmal, ich würde ihn auch immer noch zu den Eckpfeilern des Genres zählen, nur hatte ich ihn einfach mit dem gewissen Etwas in Erinnerung, das mir bei dieser Sichtung irgendwie gefehlt hat. Ganz schön finde ich noch die implizite Aussage, dass alles was wir im TV sehen, doch einen wahren Kern hat oder anderes gesagt: dass den Artefakten unserer Kultur ein eigenständiger, nicht immer gutmütiger Geist innewohnt. Vielleicht überinterpretiere ich gerade ein wenig, aber so gesehen lassen sich in „Fright Night“ schon Spuren der subversiven Kraft von „Child’s Play“ erkennen.

Bild © Sony

Child’s Play (Tom Holland, USA 1988)

Posted by – 23. Juni 2013

childs playWird Zeit, mal die ganzen „Klassiker“ nachzuholen, die ich in meiner Jugend verpasst habe. Nächster Halt: Tom Hollands subversiver „Child’s Play“, besser bekannt unter dem uneleganten deutschen Titel: „Chucky – Die Mörderpuppe“.

Karen (Catherine Hicks) hat ein Problem. Ihr Sohn Andy (Alex Vincent) wünscht sich zum Geburtstag nichts lieber als eine Good Guy Puppe. Die 100 Dollar dafür kann Karen jedoch einfach nicht aufbringen. Doch dann hat sie scheinbar Glück – ein Obdachloser bietet ihr die Puppe zum einem Drittel des Preises an. Was sie nicht weiß: In der Puppe lebt der Geist des Serienkillers Charles Lee Ray (Brad Dourif).

Auf den ersten Blick ist „Child’s Play“ zunächst einmal ein nettes, schauriges Unterhaltungsprodukt der Achtziger Jahre. Außerdem hat Tom Holland mit der Mörderpuppe Chucky Sternchen des Horrorkinos geschaffen, das zwar nicht ganz mit seinen Kollegen Freddy, Jason & Co mithalten kann, das aber immerhin so beliebt war, dass es die Reihe auf bisher vier Fortsetzungen gebracht hat. Doch unter der Oberfläche von „Child’s Play“ liegt etwas verborgen, das auf viel unbequemere Art gruselig ist als der eigentliche Film. Unsere kapitalistische Gesellschaft lebt davon, dass Menschen nicht zufrieden sind. Sie sollen kaufen, um ihre innere Leere zu füllen. „Child’s Play“ bringt  die Perversität der Conditio Humana des modernen Menschen schön auf den Punkt. Ein Junge wünscht sich über alle Maßen.. – Plastikschrott. Die Mutter gibt wider besseres Wissens nach – und holt das Böse ins Haus. Interessant – aber eben auch besonders gemein! – wird das Ganze dadurch, weil sich das Böse durch einen unschuldigen Kinderwunsch Zugang verschafft. Freundschaft fürs Leben verspricht die mörderische Puppe und in der Tat: Dass ein Bedürfnis durch das und nur durch das, was die Werbung anpreist, gestillt werden kann, gehört zu den ersten Dingen, die Kinder lernen. Wer nicht haben will oder kaufen kann, ist in der Konsumgesellschaft nutzlos.

Zum Schluss ist man fast froh, dass es sich beim Geist in der Maschine „nur“ um die Seele eines Massenmörders handelt.  Schlimmer wäre die Vorstellung, dass sich das (kapitalistische) System endgültig vom Menschen entkoppelt hat und ein gefräßiges Eigenleben führt. Dem Killer kann Andy die Freundschaft kündigen, ganz aufzuhalten ist der Bösewicht durch einen Schuss ins Herz– die höhere Macht, die uns verspricht, die Leere zu füllen (die sie selbst erst produziert hat), wäre nicht so leicht zu besiegen gewesen. Ihr fehlt ein Herz.

Bild © MGM