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The Bird With The Crystal Plumage (Dario Argento, Italinen 1970)

Posted by – 3. April 2012

 Meinen ersten Film von Dario Argento habe ich auf dem Flohmarkt der Bonner Rheinaue gekauft. Es war „Phenomena“. Der Film hat mich damals total umgehauen und mir eine Tür zu einem Genre aufgestoßen, mit dem ich bis dahin nur oberflächlich Bekanntschaft gemacht hatte. Das meiste von Argento habe ich mir den folgenden Jahren nach und nach angeschaut. Ein paar Lücken gibt es aber immer noch, wenn auch seit gestern eine weniger: Mit „The Bird With The Crystal Plumage“ (OT: L’uccello dalle piume di cristallo) habe ich nun endlich Argentos Debüt gesehen und damit die sogenannte Tier-Trilogie komplettiert (die des Weiteren aus „The Cat o’Nine Tails“ (1971) und „Four Flies On Grey Velvet“ (1972) besteht.)

„The Bird With The Crystal Plumage“ handelt von dem amerikanischen Schriftsteller Sam Dalmas (Tony Musante), der in Rom Zeuge eines Mordversuchs wird. Er beobachtet, wie eine Frau (Eva Renzi) in einer Kunstgalerie von einem Unbekannten attackiert wird und nur schwer verletzt überlebt. Dalmas wird daraufhin zum Hauptverdächtigen – was ihn aber nicht davon abhält, sich mit Hilfe seiner Freundin Julia (Suzy Kendall) auf die Suche nach dem Täter zu machen. Bei diesem soll es sich um einen schon länger gesuchten Serienmörder handeln.

Die Geschichten, könnte man meinen, seien im Laufe von Argentos Karriere immer unwichtiger und abstrakter geworden. Stil verdrängte immer die Substanz, die zumindest bei seinen ersten Filmen noch vorhanden gewesen sein soll. Sein Debüt ist auf den ersten Blick ein normaler Krimi mit einer „sinnvollen“ Handlung: Sam versucht sich im Laufe des Film immer wieder die beobachtete Tat zu vergegenwärtigen, weil er der Meinung ist, er hätte ein Detail übersehen, das ihn zum Täter führen könnte. Mit ihm hat auch der Zuschauer das Gefühl, er könne den Fall durchschauen, wenn er nur genau genug hinsehen würde. Doch  dieser Eindruck ist, meine ich, bereits in diesem frühen Film bloße Illusion. Die scheinbar realistische Handlung suggeriert Rationalität, folgt aber in Wirklichkeit nur den Gesetzen des Genres und den Regeln, die Argento für seine Geschichten vorsieht. Weder ergeben sich die einzelne Handlungsabschnitte logisch auseinander, noch gibt es psychologische Notwendigkeiten für das Verhalten der Figuren, noch hat die ganze Geschichte einen tieferen Sinn. Und schon gar nicht ist der Täter zu erraten. Argento zeigt sich schon in „The Bird With The Crystal Plumage“ als begnadeter Stilist einer Form, die sich in den kommenden Filmen noch entwickeln sollte. Ob diese mit dem Begriff „Giallo“ tatsächlich schon auf den Punkt gebracht ist, bezweifele ich. Argento hat den Mord und seine Rahmenbedingungen zu einer Kunstform erhoben und in den 1970er und 80er Jahren ein filmisches Instrumentarium entwickelt, um die Essenz des Tötens freizulegen. Insofern ist das im Film gezeigte Gemälde „Mord im Park“ auch paradigmatisch für das Werk Argentos und prophetisch für alle seiner weiteren Filme.

Aus der Erinnerung würde ich sagen, dass mir „The Bird With The Crystal Plumage“ von den ersten drei Argento-Filmen am besten gefallen hat. Das kann aber auch daran liegen, dass die Erinnerung an ihn im Gegensatz zu den anderen beiden noch frisch ist. Ich fand ihn durchweg spannend und einige Sequenzen (der Auftakt bei der Kunstgalerie oder als Sam den einen Killer verfolgt oder als Julia in ihrem Zimmer bedroht wird oder oder oder) sind grandios inszeniert und genau das, wofür ich Argento schätzte.