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Kino 2016: Meine Top 10

Posted by – 30. Dezember 2016

Auch in diesem Jahr habe ich – wieder – nicht sehr viel im Kino sehen können. Aber es hätte angesichts des beruflichen Hin und Her sowie einiger gesundheitlich unschöner Episoden auch noch weniger seinen können. Und so bin ich dankbar für das, was ich vor die Linse bekommen konnte und präsentiere hier voller Demut meine Top-10 des Jahres 2016. Berücksichtigt wurden wie immer ausschließlich Filme, die einen deutschen Kinostart hatten.

Toni Erdmann (Maren Ade, Deutschland / Österreich 2016)

Schon „Alle anderen“ von Maren Ade hat mir sehr gut gefallen. „Toni Erdmann“ fand ich trotzdem noch einmal ungleich besser, vielleicht weil sich hier mögliche Interpretationen nicht ganz so aufdrängen, wie in ihrem Beziehungsfilm von 2008. Auch in „Toni Erdmann“, meinem Film des Jahres, geht es um eine Beziehung. Diesmal um die von Vater (Peter Simonischek) und Tochter (Sandra Hüller). Papa beschließt, seine Tochter, eine erfolgreice Unternehmensberaterin in Bukarest zu besuchen. Doch das Treffen läuft für bei beide nicht so richtig gut, und der alte Herr beschließt, es noch einmal – diesmal allerdings in Verkleidung! – zu versuchen. Wieder sind es weniger die Individuen, die Ade interessieren, als vielmehr etwas Übergeordnetes, Allgemeineres. Ade selbst nennt ihren Film eine „Ausbruchsfantasie“ aus einem statischen Familiengebilde. Das kann ich nachvollziehen, reicht mir aber noch nicht weit genug, denn es geht in„Toni Erdmann“ ja um so viel mehr: Es geht um Alt und Neu, sich finden und sich verlieren, um Abschiede. Es geht aber auch um Verkleidungen, Masken, Rollen, in die wir schlüpfen. Und vieles mehr. Und doch gibt es nicht die Moral der Geschichte, keine Auflösung und keinen Punkt, auf den sich alles konzentriert. Sonst bin ich manchmal ein wenig skeptisch, wenn so gut wie alle einen Film großartig finden. Aber im Falle dieses Films verstehe ich es, bin glücklich darüber und schließe mich mit Freude der großen und immer noch wachsenden Bewegung an. „Toni Erdmann“ bleibt ein offenes, vielschichtiges Werk, in das man, jeder auf seine Weise und immer wieder neu auf Entdeckungsreise gehen kann. Ein Kunstwerk eben.

Vor der Morgenröte (Maria Schrader, Deutschland / Österreich / Frankreich 2015)

Als ich „Vor der Morgenröte“ kurz nach Kinostart gesehen habe, hätte ich nicht ahnen können, was für einen Sturm dieser kleine, ruhige Film in mir auslösen würde. Maria Schraders Film über die letzten Jahre des Schriftstellers Stefan Zweig ist das Portrait eines großen Denkers, dessen Weltbild von der Realität eingerissen wird. Man hat das Gefühl, die Regisseurin würde ihre Hauptfigur, beeindruckend gespielt von Josef Hader, während des Films immer weiter aus den Augen verlieren, aber das ist nur eine von mehren Irritationen, die die Zerrissenheit der Hauptfigur aufzeigt und das Seelenleben des Protagonisten nachzeichnet, der sich immer mehr selbst verliert. Dass es kein richtiges Leben im falschen geben kann, bedeutete für Zweig nach jahrelangem stillem Kampf mit sich selbst letzten Endes den Weg in den Freitod. „Vor der Morgenröte“ ist einer der traurigsten Filme, die ich kenne.

Spotlight (Tom McCarthy, USA 2015)

Ein Film, der nachwirkt: In Tom McCarthys „Spotlight“ geht es um eine Gruppe von Journalisten, die in den frühen 2000er Jahren tausende Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche und deren systematische Vertuschung durch dieselbe aufdeckt. (Ich hatte hier schon kurz etwas dazu geschrieben.) Was mich an dem Film nach wie vor fasziniert, ist wie geduldig und unprätentiös er seine furchtbare Geschichte erzählt, die ja eigentlich gar keine Geschichte ist, sondern die Wirklichkeit – was alles nur noch furchtbarer macht! Doch „Spotlight“ ist nicht nur auf der inhaltlichen Seite überzeugend, auch die Form dieses Recherche-Thrillers und die Perspektive einiger hartnäckiger, investigativer Journalisten, die trotz ihres nur zähen Fortschritts einfach nicht aufgeben, hat mich beeindruckt. Hier zeigt sich: die Wahrheit ist nicht ohne Mühe zu haben und es braucht Menschen, die Strapazen auf sich nehmen, weil sie fern jeder Religion an eine bessere Welt glauben, welche aber nur zu erreichen ist, wenn man versucht, das Leid zu mindern und gegen jede Lüge eintritt, die versucht, Aufklärung und Bildung zu verhindern. Wie auch immer der derzeitige Stand der Aufarbeitung und Prävention innerhalb der katholischen Kirche sein mag – zunächst unter Papst Benedikt und nun unter Franziskus –, scheint es langsam voran zu gehen. Ich denke, Filme wie „Spotlight“ leisten durchaus einen Beitrag dazu, dass alles in Bewegung bleibt und nicht hinter einem „Vorhang des Schweigens“ zum Stillstand kommt.

X-Men: Apocalypse (Bryan Singer, USA 2016)

Die „X-Men“ sind für mich derzeit einfach die spannendste Superhelden-Truppe, weil sie dem Superhelden-Sein interessante Aspekte abgewinnen und die Filme darüber hinaus – hinter all dem, manchmal etwas den Blick verschleiernden Bombast – spannende Geschichten von elementaren Konflikten, aber letztlich eben immer auch von Menschen erzählen. Für den Kino-Zeit-Adventskalender habe ich mich ein wenig ausführlicher geäußert.

Arrival (Denise Villeneuve, USA 2016)

Schwierig. Weil ich  so viel erwartet habe – die letzten Filme von Denise Villeneuve, „Prisoners“, „Enemy“ und „Sicario“ fand ich überwältigend! –, weiß ich gerade nicht so genau, wohin mit diesem Film. Vielleicht gehört er gar nicht in diese Liste? Oder müsste er höher, müsste er niedriger platziert sein? In dem Film geht es um 12 Raumschiffe, die unvermittelt auf der Erde landen. Eine Linguistin (Amy Adams) soll die Sprache der Aliens entschlüsseln, bevor die ohnehin angespannte Weltlage eskaliert. ­– Fest steht, dass „Arrival“ mich von allen in diesem Jahr gesehen Filmen visuell am meisten beeindruckt hat. Doch der Film ist auch – in unterschiedlicher Ausprägung – selbstverliebt, bedeutungsschwanger, pathetisch und verrätselt. Und ich bin mir nicht sicher, ob zum Schluss alles so gut zusammen passt, wie es eine ambitionierte Konstruktion dieses Kalibers erfordert. Wie dem auch sei – für mich geht es in dem Film nur vordergründig oder sagen wir nicht zentral um Kommunikation, sondern eher um einen – spirituellen? – onto- wie phylogenischen Prozess der Selbsterkenntnis sowie die Akzeptanz der eigenen Sterblichkeit und der unserer Liebsten. Und dass es die Stärke des Menschen ist – eine Stärke, die ihn schließlich auf paradoxe Weise retten wird – sich allen noch ausstehenden Tragödien zum Trotz immer wieder für das Miteinander zu entscheiden. Ja doch, – „Arrival“ gehört in diese Liste, weil er mich vor allem in seinen letzten Szenen berührt hat und seitdem nicht loslässt.

Midnight Special (Jeff Nichols, USA / Griechenland 2015)

Ein Vater flieht mit seinem übersinnlich begabten Sohn quer durch die USA. So schön einfach lässt sich der aktuelle Film von Jeff Nicols („Take Shelter“,„Mud“) zusammenfassen. Doch einfach ist die Geschichte nicht, oder sagen wir besser – sie hat ihre Tücken, sie fordert heraus. Wenn man den Film als Metapher auf das Sterben und den Tod eines Kindes und der Trauer seiner Eltern sieht, gewinnt an emotionaler Intensität, die wahrscheinlich nicht nur junge Väter zu Tränen rührt. Ein wenig wundere ich mich, dass die Mehrheit „Arrival“ als großartigen Science-Fiction-Film mit Hintersinn bejubelt, der endlich mal anders ist und zeigt, was das Genre ausmacht, „Midnight Special“ aber verschmäht, weil er irgendwie durchs Raster fällt, er weder Fisch noch Fleisch und noch nicht mal etwas Halbes oder Ganzes sei. Dabei haben beide Filme, was ihre Andersartigkeit und ihren Verdienst ums Genre angeht, viele Gemeinsamkeiten. Die Sci-Fi-Aspekte sind kein Selbstzweck, sondern dienen in beiden Fällen dazu, sich einem verborgenen Sinn anzunehmen, wie es anders nicht möglich gewesen wäre. Unabhängig voneinander sind beide Filme verdammt gut und in gewisser Weise hat mich Nichols emotionale Vater-Sohn-Geschichte sogar mehr berührt als Villeneuves abstrakte Mutter-Tochter-Geschichte. Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen den beiden Regisseuren ist übrigens auch, dass jeder der beiden einen fantastischen Film nach dem nächsten dreht. Möge das noch lange so weitergehen!

Right Now, Wrong Then (Hong Sang-soo, Süd-Korea 2015)

Von Hong Sang-soo kannte ich bisher nur „Nobody’s Daughter Haewon“, an dem mich nach meinen Notizen zur Berlinale 2013 vor allem „seine verträumte Erzählweise fasziniert hat, die gekonnt an der Grenze zur Belanglosigkeit entlangspaziert, diese aber niemals überschreitet“. Das gilt auch für „Right Now, Wrong Then“, der ebenfalls wunderbar leichtfüßig, aber doch mit einer gewissen schelmischen Boshaftigkeit die Geschichte von einem Regisseur erzählt, der sich in eine Frau verliebt und mit ihr einen Tag verbringt – um ab genau der Hälfte der Spielzeit des Films die gleiche Geschichte noch einmal zu erzählen. Allerdings haben die von den gleichen Schauspielern gespielten Figuren diesmal andere Charakter-Eigenschaften, so dass sich die Handlung ein wenig anders entwickelt. „Right Now, Wrong Then“ – heißt das, die zweite Episode ist die richtigere? Ohne Frage ist es die romantischere, in ihr finden die beiden Figuren auf eine schönere Weise zusammen als in der ersten. Oder ist doch der erste Durchlauf der, der irgendwie richtiger ist – vielleicht weil sein unsympathischer Protagonist in seiner Verlogenheit dort authentischer wirkt? Und was soll das eigentlich alles? Diese und ähnliche Fragen gehen mir seit dem Filmgenuss durch den Kopf. „Right Now, Wrong Then“ ist – jetzt wie damals – ein großer, stiller Spaß!

The Hateful Eight (Quentin Tarantino, USA 2015)

Als ich Quentin Tarantinos 8. Film Anfang des Jahres im Kino gesehen habe, war ich zunächst für ein paar Stunden, Tage vielleicht, der Meinung dies wäre wohl das bisher schwächste Werk des Meisterregisseurs. Haben wir das nicht alles schon gesehen? Nein, haben wir nicht und: „The Hateful Eight“ ist nicht sein schwächster, sondern einer seiner besten, weil wütendsten Filme. Es sind wie so oft nämlich auch hier die Widersprüche, die einen Film gut machen: Hass und Liebe, Geist und Grütze, Tragik und Komik, Bewegung und Ruhe, Gewalt und gute Laune – all das hat „The Hateful Eight“, Tarantinos gallig-grandioser achter (der es wie durch ein Wunder auf den achten Platz meiner Jahres-Top-10 gebraucht hat!). Dazu hatte ich auch schon mal etwas aufgeschrieben und zwar hier!

The Forbidden Room (Guy Maddin, Kanada 2015)

Ein Film im Film im Film im Film… Guy Maddin und Ko-Regisseur John Evans haben die Stummfilmära geplündert und ein cineastisches Panoptikum voller Ideen-Fragmente niemals gedrehter Filme erschaffen – ein eigenes filmisches, in sich verschachteltes Multiversum voller Absurditäten, das seinesgleichen sucht. Verstanden habe ich zwar nichts, überwältigt war ich aber trotzdem. Und auch wenn mir „The Forbidden Room“ selbst für Maddin-Verhältnisse ein wenig zu überfrachtet war, haben Botschaften aus einer anderen Welt wie diese auf jeden Fall einen Platz in meinen Top-10 verdient.

Batman V Superman: Dawn Of Justice (Zach Znyder, USA 2016)

„High-Rise“, „Dibbuk“, „Don’t Breathe“,„Der Bunker“, „Wild“ „The Witch“, „Der Nachtmahr“ und „The Lobster“ – ich habe verschiedene Filme an diese, zehnte Position der Liste gesetzt, aber es fühlte sich einfach nicht richtig an. Nein, „Batman V Superman: Dawn Of Justice“ MUSS einfach irgendeinen Platz in meiner Top-10 bekommen, weil er einfach seiner riesigen Probleme zum Trotz (alles an dem Film ist riesig!) ein gigantischer, ja ein wahrhaft monströser Film ist, wie er in diesem Kinojahr vergeblich seinesgleichen sucht. Mein ambivalentes Verhältnis zu „Batman V Superman: Dawn Of Justice“ , bei dem letztlich aber die Faszination überwiegt, habe ich ausführlich auf Kino-Zeit beschrieben. Dürft ihr gerne lesen; und ich würde mich freuen, wenn der eine oder die andere sich danach vielleicht entschließt, doch nicht so hart mit dem Film ins Gericht zu gehen – denn das hat er trotz aller Schwächen nicht verdient.

Kino 2015: Meine Top 10

Posted by – 26. Dezember 2015

In diesem Jahr kann ich keine ersthafte „Top 10“-Liste aufstellen. Dazu habe ich einfach zu wenig gesehen. Dachte ich. Und so hatte ich mich eigentlich schon entschlossen, die Liste entweder wegzulassen oder mich auf die „Top 5“ zu beschränken. Nur ca. 30 Mal war ich im Kino – so wenig wie seit 20 Jahren nicht. Doch bei der Filminventur 2015 ist mir aufgefallen, dass unter den 30 Filmen etliche gute bis sehr gute zu finden sind. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich in diesem Jahr recht ausgewählt ins Kino gegangen bin und mir vor allem Filme angesehen habe, von denen ich erwarten konnte, dass sie mir gefallen. Deshalb gibt es nun auch in diesem Jahr wieder eine „Top 10“-Liste. Auch wenn zumindest die letzten drei es in einem anderen Jahr vermutlich nicht auf das 10er-Treppchen geschafft hätten, sind es doch gute Filme, und ihr Listenplatz ist nicht total abwegig.

The Hunger Games: Mockingjay – Part 2 (Francis Lawrence, USA 2015)

„The Hunger Games: Mockingjay – Part 2“ ist ein toller Film, wenn auch nicht unbedingt der stärkste Teil der Reihe. Ehrlich gesagt, finde ich es auch sinnlos, zu entscheiden, welcher Teil der beste ist, weil sie nämlich zusammen gehören und ein ganz vorzügliches Gesamtwerk bilden. Nach meiner derzeitigen Gefühlslage braucht sich „Hunger Games“nicht hinter meinen Lieblingsreihen „Star Wars“ oder „Spider-Man“ verstecken. Francis Lawrence und allen Beteiligten ist hier etwas ganz Großes gelungen. Wieso weshalb warum lest ihr hier, hierhier und schließlich hier.

Was heißt hier Ende? Der Filmkritiker Michael Althen (Dominik Graf, Deutschland 2015)

Mein Lieblingsfilm der letzten Berlinale, der auch einen regulären Kinostart hatte. Michael Althen hatte eine wunderbare Art, Kritiken über Filme zu schreiben. Die Dokumentation von Dominik Graf setzt dem 2011 verstorbenen Filmkritiker ein Denkmal. Ich hatte Tränen in den Augen. Meisterwerk.

Ex Machina (Alex Garland, USA 2015)

Bester Sci-Fi-Film der vergangenen 10 Jahre. Weil man hier etwas über den Menschen lernt, lernt man auch etwas über künstliche Intelligenz. Eine Maschine ist intelligent und menschenähnlich, wenn der Mensch nicht mehr unterscheiden kann, ob er mit seinesgleichen oder einem Roboter kommuniziert – so die gemeine Einschätzung. Alex Garland geht in seinem enorm stylischen Film noch einen Schritt weiter und sagt, sich gegenseitig zu betrügen, sei die wesentliche menschliche Eigenschaft. Wenn Maschinen darin genauso oder sogar besser sind, dann haben sie das Label KI wahrlich verdient. Hier etwas mehr dazu.

Mad Max: Fury Road (George Miller, USA / Australien 2015)

Ja, was soll man dazu sagen? „Mad Max: Fury Road“ ist kein Film, den man sich über’s Denken aneignet, sondern über’s Fühlen und Erleben. Er ist ein Film der Bilder, der Bewegung, der Action. Ich habe ihn 1,5 Mal gesehen. Das zweite Mal begonnen habe ich ihn auf dem Laptop-Bildschirm in einem Hotelzimmer, aber das war dann nix. Der ist nur was für’s Kino. Hier noch zwei weitere Gedanken zum Film.

Victoria (Sebastian Schipper, Deutschland 2015)

Ich liebe „Absolute Giganten“ (hier zu meiner Filmstarts-Kritik), mag „Ein Freund von mir“, finde „Mitte Ende August“ (hier zur Kritik und zu einem Interview mit Sebastian Schipper) sogar noch etwas besser. Nach zwei Filmen, die nicht ganz an die Stärke des Debüts anschließen konnten, ist Sebastian Schipper mit „Victoria“ ein ganz starker Film gelungen. Der in Hannover geborene Filmemacher hat schon immer ein außergewöhnliches Gespür dafür, alltägliche Beziehungen in leicht überhöhter Form und trotzdem jederzeit nachvollziehbar auf die Leinwand zu bringen. In allen seinen Filmen geht es um Freundschaft. In „Victoria“, seinem düstersten, ruhelosesten und mitreißendsten Film, der aus einer einzigen, atemberaubenden Plansequenz besteht, geht es um deren Schattenseiten. Um in einer Berliner Partynacht nicht allein zu sein, schließt sich die junge Spanierin Victoria einer Gruppe von jungen, feiernden Männern an. Gemeinsam erleben sie einen wunderbaren Abend – bis alles irgendwann eskaliert. Ich habe immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Whiplash (Damien Chazelle, USA 2014)

„Whiplash“ ist der Film, bei dem ich mir am unsichersten bin, an welche Stelle meiner Top 10 er gehört. Je nach Stimmung, die sich von Minute zu Minute ändern kann, ist er wahlweise noch höher platziert oder gar nicht in der Liste. Aber dass Chazelles Fim so ambivalent ist, ist gleichzeitig auch eine seiner größten Stärken. Ob er ein heimliches Loblied auf die Leistungsgesellschaft oder eine hintergründige Kritik an ihr ist, bleibt offen und liegt letztlich im Auge des Betrachters. Zur Kritik hier entlang:

Das ewige Leben (Wolfgang Murnberger, Österreich 2015)

Die Brenner-Filme sind großartig. Ich weiß gar nicht genau, welcher mir am besten gefällt, wahrscheinlich „Der Knochenmann“ (2009). Aber auch „Das ewige Leben“ ist ein ganz feiner Film, denn hier erfährt der Zuschauer mehr über die Person Simon Brenner als je zuvor. Wer ist dieser Mann, der seine Karriere bei der Polizei begann, dann Privatdetektiv wurde und sich seitdem von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob hangelt, dem das Scheitern zur zweiten Natur geworden ist und der trotzdem niemals locker lässt, auch wenn er dafür einiges einstecken muss? Doch nicht nur der Zuschauer erfährt viel. Auch der Brenner selbst erfährt einiges über sich und darüber, was ihm im Leben wichtig ist. Hier geht’s zu meiner Kino-Zeit-Kritik.

It Follows (David Robert Mitchell, USA 2014)

Die letzten drei Filme hätten es in einem anderen Jahr mit mehr Kinobesuchen vermutlich nicht in meine Top 10 geschafft. Bei „It Follows“ hätte ich mir direkt nach dem Kinobesuch nicht einmal vorstellen können, dass er auch nur entfernt ein Kandidat sein könnte, wie hier nachzulesen ist. Aber der Film ist ordentlich nachgereift und hat sich ganz heimlich, still und leise zu den besten Filmen gesellt, die ich in diesem Jahr gesehen habe. „It Follows“ ist so sehr Traum, dass er, wenn man das erst einmal so richtig begriffen hat, mir zumindest umso mehr Angst gemacht hat. Ganz ehrlich, nach „It Follows“ habe ich ein paar Male schlecht geträumt. Und ein schöneres Kompliment kann man einem Horror-Film ja wohl nicht machen.

Star Wars – The Force Awakens (J. J. Abrams, USA 2015)

Wie so viele andere Menschen bin ich ein großer „Star Wars“-Fan und liebe Episode 4-6. Und wie ebenfalls nicht wenige, bin ich durch die Episoden 1-3 schwer traumatisiert worden. Als dann bekannt wurde, dass J. J. Abrams, der schon das StarTrek-Reboot vielleicht nicht kommerziell, aber doch künstlerisch gegen die Wand gefahren hatte, die Saga fortsetzen sollte, kümmerte mich das trotzdem nicht besonders, denn schlimmer als die letzten Filme konnte es ja nicht werden. Als Lawrence Kasdan zum Team der Fortsetzung hinzustieß und dann sogar der erste Trailer nicht so schlecht aussah, wurde mein Interesse schließlich doch geweckt. Lange Rede: Jetzt habe „Star Wars – The Force Awakens“ vor ein paar Tagen gesehen und… – Das krieg ich jetzt auf die Schnelle nicht in Worte gefasst, aber: Ich habe ein bisschen was zu mäkeln, aber der Daumen geht tendenziell hoch! Allein Daisy Ridley als Neu-Jedi Rey. So gut! Ein längerer Text folgt.

The Town That Dreaded Sundown (Alfonso Gomez-Rejon, USA 2014)

Ich habe immer noch nicht die Vorlage dieses Remake/Sequels gesehen, deswegen fehlt mir eigentlich ein wichtiger Baustein, um die Qualität des Film wirklich einschätzen zu können. Aber, wie hier schon im Blog geschrieben, muss ich immer noch sagen: Auffällig guter, prototypischer Vertreter des postmodernen Horrorfilms. „The Town That Dreaded Sundown“ ist ein starkes und trotz – ja in diesem Fall sogar auch wegen! – seiner Bezüge ein sehr eigenes Werk, das gekonnt zwischen Horror, Arthouse und Experimentalfilm oszilliert und dabei sogar hier und da einen psychotischen Witz durchblitzen lässt. Mit plumpem Zitatdropping des aktuellen Horrorfilms der Nach-„Scream“-Ära hat das nichts zu tun, der Film beeindruckt durch extremen Stilwillen und Inszenierungsfreude. Ich muss sagen, dass ich seit einiger Zeit nichts mehr gesehen habe, was so geschichtsbewusst und gleichzeitig so frisch und unverbraucht daher gekommen ist wie dieser Film. Sehr fein.

Es gibt noch eine Handvoll Filme, die ich eigentlich sehen wollte und von denen ich vermute, dass sie eine Chance auf einen Top-10-Platz gehabt hätten. Dazu gehören beispielsweise„Eisenstein in Guanajuato“,„Ich seh, ich seh“,„Duke Of Burgundy“„Everest“, „Sicario“, „Macbeth“ oder „Steve Jobs“. Aber dieses Jahr war echt wenig Zeit, so dass ich es einfach nicht hinbekommen habe. Es deutet sich allerdings an, dass sich bei mir nächstes Jahr etwas ändert. Im besten Fall bedeutet das, dass ich wieder mehr Zeit fürs Kino und Bloggen habe. Man darf mir gerne die Daumen drücken!

Kino 2014: Meine Top 10

Posted by – 29. Dezember 2014

Um die 80 Filme habe ich dieses Jahr im Kino gesehen. Die besten 10 stelle ich hier kurz vor. Und kurz heißt wirklich kurz, denn zu den meisten habe ich mich im Laufe des Jahres schon geäußert. Diesmal ist es mir unglaublich schwer gefallen, mich bei den Plätzen sieben bis zehn zu entscheiden. Einige, wie z.B. „Guardians Of The Galaxy“, „Her“ oder „Boyhood“ waren heiße Kandidaten, haben es dann aber doch nicht auf die Liste geschafft. Andere, wie „Das merkwürdige Kätzchen“ (Kritik hier!), hatten zwar Anfang dieses Jahres offiziell Kinostart, liegen aber gefühlt so lange zurück (ich hatte ich schon das Jahr zuvor gesehen), dass ich sie hier irgendwie nicht nennen mag. Lange Rede – hier meine Top 10 2014.

Under The Skin (Jonathan Glazer, Großbritannien, Schweiz, USA 2013)

Eine verführerische, namenlose Frau (Scarlett Johansson) fährt durch Schottland und lockt Männer in ihren Van, die sie dann… Und hier versagt die Sprache bereits, das adäquat wiederzugeben, was die hypnotischen Bilder dem Zuschauer zeigen: Sie locken wie die Frau im Auto, umgarnen und verführen den Betrachter – um ihn dann mit ein Ruck hineinzureißen und zu verschlingen.„Under The Skin“ ist mein Film des Jahres, weil er bei mir zum einen im unmittelbaren Erleben die größte Kraft entfaltet hat und weil er zum anderen reich an Interpretationsmöglichkeiten ist. Ich favorisiere die Deutung, dass es sich um eine Allegorie auf Prostitution handelt. Eine heiß-kalte Kinoerfahrung sondergleichen! Für ein paar mehr Sätze mehr geht’s hier zu meiner Fantasy-Filmfest-Zusammenfassung. Wenn ich es schaffe, ihn ein zweites Mal zu sehen, gibt’s vielleicht auch einen längeren Text.

Maps To The Stars (David Cronenberg, USA / Kanada 2014)

Mir fällt kein zweiter Regisseur ein, der mich regelmäßig mit jedem neuen Film in Erstaunen versetzt. Obwohl David Cronenberg zu den Filmemachern gehört, in dessen Werken sich durchaus ein roter Faden erkennen lässt, ist jeder Film wieder überraschend. Ich glaube, wer „Maps To The Stars“ nur als Hollywood-„Satire“ sieht, wird ihn bestenfalls gut finden. Um jedoch hin und weg zu sein – so wie ich – muss man in ihm schon einen weiteren Versuch Cronenbergs über menschliche Existenzformen sehen. Und wo lassen sich Trans- und Deformationen des Homo Sapiens besser zeigen, als in der (Alp-)Traumfabrik? Zum Blog-Artikel geht’s hier.

The Hunger Games: Mockingjay – Part 1 (Francis Lawrence, USA 2014)

Der dritte Platz meiner Jahres-Top-10 ist, fast schon traditionell, „The Hunger Games“. Eigentlich wird erst in „The Hunger Games: Mockingjay – Part 1“ deutlich, in welche Richtung sich die todtraurige Handlung entwickelt. Die ersten beiden Teile haben gezeigt, wie das Unrechtssystem Panem funktioniert. Der dritte Teil handelt vom Aufbegehren der Unterdrückten. Es geht nicht nur um ein perverses, degeneriertes Gesellschaftssystem, es zeigt sich auch, dass sich selbst die Revolution dessen Regeln beugen muss. Dieser Teil ist ein sehr starker Film. Wie stark er im Vergleich zu den Vorgängern ist, mag ich nach einmaligem Sehen noch nicht entscheiden, faszinierend an Teil drei finde ich allerdings, wie sehr er sich von der normalen Blockbuster-Dramaturgie unterscheidet. Der ergreifendste Moment ist ein Bombenangriff, von dem man nicht mehr sieht als die im Bunker zusammengekauerten Menschen. Gänsehaut. Hier meine komplette Kritik auf Kino-Zeit.

All Is Lost (J. C. Chandor, USA 2013)

Ich habe „Gravity“ gesehen und war – abgesehen von dem nervigen Score – sehr angetan. Dann habe ich ihn mir noch einmal auf DVD angesehen und war, aus Gründen die mir da noch nicht ganz klar waren, weniger begeistert. Als ich dann J. C. Chandors „All Is Lost“ ansichtig wurde, in dem ein großartiger Robert Redford bis zum letzten Moment gegen die Natur trotzt, war mir auf einmal klar, was mich an „Gravity“ stört: In Alfonso Cuaróns Weltraum ist mir einfach zu viel los. Überall Raumstationen und Satelliten bzw. deren Trümmer. Und George Clooney. In „All Is Lost“ gibt es nur den alten Mann und das Meer, was für mich wesentlich besser funktioniert. Etwas mehr dazu hier im Blog.

Enemy (Denis Villeneuve, Spanien / Kanada 2013)

Der meistgelesene Artikel in meinem Blog dieses Jahr. „Arachnida – Spinnentiere – werden nicht nur mit menschlichen Ängsten, sondern ebenso mit Weiblichkeit und Mutterschaft assoziiert,“ schrieb ich über den Film und weiter: „Es darf angenommen werden, dass ein Teil des Subjekts seine Zukunft als Familienvater als ebensolche Gefahr wahrnimmt wie ein anderer Teil seine zwielichtige Vergangenheit samt Sex-Clubs und Affären. Die Akzeptanz der einen Realität führt immer auch zur Aufgabe der anderen.“ Vielleicht hat dieser Interpretationsansatz dem ein oder anderen geholfen, besser mit dem Film zurechtzukommen. Ich glaube immer noch, dass dieser Zugang ein guter Startpunkt ist, sich diesem verrätselten aber trotzdem äußerst spannenden und bedeutungsreichen Werk zu nähern. Freue mich auf die Zweitsichtung (aus tagesaktuellem Anlass) wie ein Schneekönig.

Höhere Gewalt (Ruben Östlund, Schweden / Dänemark / Frankreich /Norwegen 2014)

In „Höhere Gewalt“ (OT: Turist) macht eine schwedische Familie Skiurlaub in den französischen Alpen. Bei einer Lawine flieht der Vater – und lässt die Mutter und die Kinder zurück. Alle überleben, aber hinterher ist das Familienleben nicht mehr wie es mal war. Außerdem entspinnt sich ein Streit darüber, wie die Ereignisse tatsächlich stattgefunden haben. „Ich teile deine Sicht auf die Dinge nicht“, sagt er. Und sie verzweifelt immer mehr. Das klingt nach viel Psychologie, doch „Höhere Gewalt“ ist eher ein soziologisches Experiment über Geschlechterrollen. Und bietet viel Stoff zum Nachdenken. Zum Beispiel darüber, ob der Film auch mit umgekehrten Rollen – sie flieht und lässt ihn und die Kinder zurück – auf gleiche Weise funktionieren würde.

Black Coal, Thin Ice (Diao Yinan, China 2014)

Am ehesten erinnert die Geschichte an den amerikanischen Film noir, dessen düstere, pessimistische Weltsicht er teilt. Trotzdem fällt es mir schwer, „Black Coal, Thin Ice“ als neo noir zu bezeichnen, weil er inhaltlich und ästhetisch zwar ähnlich, aber doch signifikant anders ist. „Black Coal, Thin Ice“ ist selbst ein wenig wie ein kohlrabenschwarzer, zugefrorener See, bei dem man nie genau weiß, ob das Eis dick genug ist, um zu tragen. Es knirscht bedrohlich, je weiter man sich in diesen Film wagt. Darüber hinaus ist Yinans Film auch ziemlich lustig. Auf einmal steht da ein Pferd auf dem Flur, ein anderes Mal findet sich der Zuschauer inmitten einer skurrilen Schlittschuhverfolgungsjagd wieder. Mehr als einmal gelingt es dem Regisseur den Zuschauer aufs Glatteis zu führen, ganze Handlungsstränge verschwinden im Nichts, rätselhafte, ja surreale Momente tauchen auf, verschwinden als wären sie nie dagewesen. Ein verzweifelter Humor zieht sich durch den Film, Augenblicke großer Schönheit schlagen um in ätzende Sozialkritik. Denn schlussendlich geht der große, Jahre umfassende Kriminalfall des Films auf eine Bagatelle zurück. Und es sind mal wieder die Armen und sozial Schwachen, die darunter zu leiden haben.

Gone Girl (David Fincher, USA 2014)

Über „Gone Girl“ gäbe es so viel zu schreiben; das habe ich lieber gleich gelassen. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, wie gut ich den Film eigentlich finde. Die Romanvorlage hatte ich vorab gelesen, die erste Hälfte, die alles so wunderbar in der Schwebe lässt, fand ich toll, die zweite war mir zu stark konstruiert. Trotzdem mochte ich das Buch. Und den Film von Fincher wohl sogar noch etwas lieber. Die weniger glaubwürdigen Momente des Buches spielen der Satire, die der Film eindeutig ist, in die Hände und veredeln die Reflexion über Schein und Sein und die Absurdität der Beziehungshölle. Hinter den glatten Oberflächen und perfekten Bildern tun sich ewige Abgründe auf. Mit einer anderen weiblichen Hauptdarstellerin (z.B. Meg Ryan oder besser noch Reese Witherspoon!), die nicht so offensichtlich den Twist des Films vorwegnimmt, wäre „Gone Girl“ wahrscheinlich noch ein oder zwei Plätze weiter oben in meiner Jahres-Top-10 gewesen. Für’s erste muss er sich mit Platz 8 begnügen.

Wara No Tate (Takashi Miike, Japan 2013)

Ein Killer, ein Kopfgeld von einer Milliarde Yen und eine Handvoll korrupter Cops – mehr braucht Takashi Miike nicht für seinen ultraspannenden Thriller „Wara no tate“. Das bedeutet „Schild aus Stroh“ und spielt darauf an, wie fragil der Schutz ist, den das japanische Rechtssystem gewährt, wenn ausreichend Geld im Spiel ist. Miike stellt hier unterschiedliche Gesichter des Bösen vor und stellt letztlich die Frage, welche davon die Gesellschaft am ehesten zersetzt. Für den Zuschauer ist das eine Achterbahnfahrt an deren Ende sein moralischer Orientierungssinn ordentlich durcheinander geschüttelt sein dürfte. Für Kino-Zeit habe ich den Film ausführlich gelobt, bitte hier klicken.

Need For Speed (Scott Waugh, USA 2014)

Bis vor kurzem war Richard Linklaters „Boyhood“ noch auf diesem Listenplatz. Im letzten Moment habe ich mich umentschieden und Martin Scorseses bitterböse Kapitalismus-Satire „The Wolf of Wall Street“ vorgezogen. Im allerletzten Moment bin ich dann ein weiteres Mal umgeschwenkt und habe „Need For Speed“ hierhin verpflanzt. Warum? Scott Waugh ist hier ein unglaublich stylischer, visuell starker, herrlich ernsthafter und gleichzeitig wunderbar naiv-komischer Film gelungen. Sind das die 80er oder schon die 90er Jahre? Oder ist es ein zeitloses, hyperreales Jetzt, in das Waugh den Zuschauer katapultiert? Das Computerspiel gibt es seit 1994, es wird aber immer noch fortgesetzt. Der Film ist nun das längst fällige Denkmal des bis heute über 100 Million Male verkauften Spiels. Selbst wenn man „Need For Speed“ nicht irgendwann mal selbst gespielt hat – der Freude an dem Film hat das bei mir keinen Abbruch getan.

Kino 2013: Meine Top 10

Posted by – 19. Dezember 2013

Knapp 100 Filme habe ich dieses Jahr im Kino gesehen. 100 Filme – das heißt natürlich auch, dass ich die große Mehrheit der Kinostarts verpasst habe. Gern gesehen hätte ich z.B. noch „La Vie d’Adéle“, „Captain Phillips“, „Prisoners“, „The Bling Ring“, „Finsterworld“, „Blue Jasmin“, „Die andere Heimat“… Aber da habe ich wenigstens schon mal was, auf das ich mich 2014 freuen kann. So, aber jetzt zu den Top 10 dieses Jahres. Folgende Filme haben mir am besten gefallen:

Rust And Bone (Jacques Audiard, Frankreich / Belgien 2013)

Vor drei Jahren hat Jacques Audiard mit „A Prophet“ (OT: Un prophète) meine Jahresliste angeführt. Jetzt steht er ein weiteres Mal auf dem Siegertreppchen. Dabei kann ich nicht einmal genau sagen, um was für eine Art Film es sich bei „Rust And Bone“ (OT: De rouille et d’os) handelt. Ein Liebesfilm? Ein Sozialdrama? Es geht um die Beziehung zweier Menschen, die das Schicksal an den Rand der Gesellschaft getrieben hat. Ein Problemfilm ist  „Rust And Bone“ trotzdem nicht – schon deswegen, weil Audiard Probleme zur Selbstverständlichkeit macht und sie so in die Normalität holt. „Rust And Bone“ überrascht, unterläuft die Erwartungen, ist schön und hässlich, brüllend laut und hingehaucht leise, ist so zart und gewaltig, dass es weh tut.

The Hunt (Thomas Vinterberg, Dänemark / Schweden 2012)

Thomas Vinterbergs „Das Fest“ ist einer meiner Lieblingsfilme. Die darauf folgenden Filme haben mir dann aber nicht mehr so gefallen. Mit „Die Jagd“ (OT: Jagten) hat  er nun doch noch einmal einen Film gemacht, der mich gefesselt und nicht wenig verstört hat. Analytisch zeichnet Vinterberg die auf einen vermeintlichen Fall von Kindesmissbrauch folgende Kausalkette nach und legt dabei offen, wie aus besten Absichten Böses entsteht.

The Hunger Games: Catching Fire (Francis Lawrence, USA 2013)

Die Demütigungsmaschine des Capitols kommt erst im zweiten Teil der „Hunger Games“ so richtig auf Touren. Die Fortsetzung steht dem ersten Film in nichts nach, sondern treibt die todtraurige Geschichte in der grausamen Welt von Panem unbarmherzig voran. In der diesjährigen Blockbuster-Saison ist „The Hunger Games: Catching Fire“ mit Sicherheit der relevanteste Film. Panem et circenses – das hat im alten Rom funktioniert, das funktioniert im Film. Und vielleicht funktioniert das auch in der Jetztzeit gar nicht schlecht. Ein Blick auf aktuelle Reality-Formate legt diesen Schluss jedenfalls nahe. (Mehr dazu)

Oz: The Great And Powerful (Sam Raimi, USA 2013)

Eine Ode an die Schaffenskraft, die aber vor allem erst einmal zeigt, dass hinter jeder Illusion eine ganze Menge Arbeit steckt. Die eigentliche Pointe an Raimis Film ist allerdings noch eine andere: „Oz: The Great And Powerful“ ist ein Meisterstück über das Thema Täuschung. Nicht nur, dass alle Figuren sich gegenseitig belügen: Raimi führt auch den Walt-Disney-Konzern mit diesem trojanischen Pferd an der Nase herum und dazu das Publikum gleich mit. (Mehr dazu)

Stoker (Chan-wook Park, USA, UK 2013)

Mit seinem Hollywood-Einstand liefert Chan-wook Park nicht nur eine tiefe Verbeugung vor Hitchcocks „Shadow Of A Doubt“ ab, für mich ist ihm mit „Stoker“ auch gleich der beste Film seiner Karriere gelungen: Mia Wasikowska und Matthew Goode liefern sich in diesem fiebrigen Thriller ein Psychoduell sondergleichen. Es gibt bestimmt tiefsinnigere Filme in meiner Liste. Aber nur wenige, die mich so verzaubert haben wie Parks „Stoker“. Die Szene des Jahres: Das Klavierduett zwischen India und ihrem Onkel.

Zero Dark Thirty (Kathryn Bigelow, USA 2012)

Kathryn Bigelow ist mit Zero Dark Thirty ein sehr spannender, vielschichtiger Film gelungen, aber auch einer, der es dem Zuschauer nicht ganz leicht macht: Ähnlich wie David Finchers „Zodiac“ ist auch Bigelows Film ein Recherchethriller, der sich über viele Jahre erstreckt und dabei eher die Struktur der Suche und des zugrunde liegenden Konflikts analysiert, als auf konkrete Charaktere abhebt. Trotzdem: Es ist faszinierend anzusehen, wie es Bigelow gelingt, das große Ganze am Detail deutlich zu machen und dadurch die Mechanismen eines fast schon archetypischen Konflikts freizulegen. (Mehr dazu)

Gravity (Alfonso Cuarón, USA 2013)­­

Auf den ersten Blick wirkt „Gravity“ wie ein klassischer Katastrophenfilm, ein Weltraum-Abenteuer vor dem Hintergrund einer Havarie in der Umlaufbahn der Erde. Beim genaueren Hinsehen geht es aber vor allem um die Anziehungskräfte zwischen Menschen – Liebe, Freundschaft, Vertrauen –, die hier den Unterschied machen zwischen Objekt und Subjekt, Leben und Tod. Und die schlussendlich verhindern, dass wir in der Dunkelheit des Weltraums einfach verschwinden.  Ein großes, wichtiges und existenzielles Kinoerlebnis! (Mehr dazu)

Before Midnight (Richard Linklater, USA / Griechenland 2013 )

Nach „Before Sunrise“ (1995) und „Before Sunset“ (2004) ist „Before Midnight“ der dritte Teil von Richard Linklaters dialoglastiger Romanze um das Pärchen Jesse (Ethan Hawke) und Céline (Julie Delpy). Die beiden sind mittlerweile verheiratet und leben zusammen mit ihren beiden Töchtern in Paris. Während ihres Sommerurlaubs in Griechenland kommt es zwischen ihnen zu einer langen Diskussion um ihre gemeinsame und berufliche Zukunft – die in einem heftigen Streit mündet. Formal ist „Before Midnight“ den beiden anderen Teilen sehr ähnlich. Was den dritten Teil allerdings von den Vorgängern unterscheidet, ist die Fallhöhe, die beide Protagonisten mittlerweile haben. Es ist kein Urlaubsflirt, und die beiden haben nicht nur die Verantwortung für ihr eigenes Leben, sondern auch für das ihrer Kinder. Ihr Scheitern würde gleichzeitig eine Katastrophe für andere bedeuten. Für mich der düsterste, aber auch beste Film der Reihe.

The Act Of Killing (Joshua Oppenheimer, Dänemark / Norwegen / Großbritannien 2012)

Wie kann man einen Film ertragen, in dem sich Kriegsverbrecher, die in den 1960er Jahren für Massenmorde in Indonesien verantwortlich waren, ihrer Taten rühmen, mit stolzgeschwellter Brust und einem Lächeln im Gesicht erzählen, wie sie andere Menschen gefoltert und zu Tausenden umgebracht haben – und die dann sogar beginnen, ihre Verbrechen für Joshua Oppenheimers Dokumentarfilm nachzustellen? Eine Antwort auf diese Frage habe ich nicht. Aber ich glaube, dass man sich diesen Film ansehen und es zu ertragen versuchen sollte. Alles andere wäre Verdrängen.

White House Down (Roland Emmerich, USA 2013)

Bis vor kurzem befand sich an diesem Platz noch Roman Polanskis „Venus In Fur“. Ohne Frage auch ein toller Film. Aber von Polanski erwarte ich auch Großes, von anderen hingegen nicht. Insofern widme ich den zehnten Platz auf dem Treppchen meinem persönlichen Shooting-Star des Jahres: Roland Emmerich. In „White House Down“ legt der Mann aus Sindelfingen zwar nur das Weiße Haus in Schutt und Asche, nimmt damit aber gekonnt das Herz der Vereinigten Staaten ins Visier. Das Ergebnis: sein bester Film überhaupt. „White House Down“ ist spannend, explosiv, komisch – und hat eine gehörigen Portion Chuzpe. (Mehr dazu)

Für alle, die lieber hören als lesen: Hier unterhalte ich mich mit Patrick und Michael über unsere Jahres-Top-10.

Kino 2012: Meine Top 10

Posted by – 13. Dezember 2012

2012 war ein guter Jahrgang. Etwas über 100 Filme habe ich im Kino sehen können (ca. 70 Filme waren reguläre Kinostarts, der Rest lief auf Festivals). Die 10 Filme, die mir davon am besten gefallen haben, sind folgende:

Life Of Pi (Ang Lee, USA 2012)

Eigentlich soll die Liste gar keine Reihenfolge angeben, dennoch steht dieser hier nicht zu unrecht ganz oben. Toller Roman, großartige Umsetzung. Einen so reichhaltigen Film wie Ang Lees „Life Of Pi“ habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Zwar ist er nicht ganz kitschfrei, aber er ist dennoch mitreißend erzählt, magisch fotografiert und grandios gespielt. Ein Film der zum Philosophieren einlädt. (–> Zur Kritik; wer es etwas ausführlicher will, kaufe sich die Januarausgabe der AGM.)

Sister (Ursula Meier, Frankreich / Schweiz 2012)

Der beste Film auf der Berlinale 2012 und aus dem diesjährigen Kinoprogramm. Von dem dümmlichen deutschen Titel „Winterdieb“ (was ist ein Winterdieb??) sollte sich niemand abschrecken lassen. Ursula Meiers „Sister“ (OT L’enfant d’en haut) ist ein grandioses Beziehungsdrama – und bestimmt ist er noch viel mehr als das. Mir fehlen die Worte.

The Hunger Games (Gary Ross, USA 2012)

Kinder, die sich in einer riesigen Arena gegenseitig umbringen müssen. Schon die Prämisse ist über alle Maßen deprimierend. Ich war zweimal im Kino und hatte jedes Mal feuchte Augen und einen Kloß im Hals. Wie es manche Leute schaffen, diesen Film mit einem Schulterzucken abzutun, ist mir ein Rätsel. Zumindest für mich war „The Hunger Games“ ein äußerst verstörender Film  und eines der intensivsten Filmerlebnisse dieses Jahres. (–> Zur Kritik)

The Turin Horse (Béla Tarr, Ágnes Hranitzky, Ungarn / Frankreich / Schweiz / Deutschland / USA 2011)

Die Apokalypse – bei Béla Tarr ist das die rückwärtslaufende Genesis. Am Anfang bockt ein Pferd. Am Ende ist da nur noch Dunkelheit. Dazwischen liegen sechs lange Tage, in denen der Zuschauer einen Bauern und seine Tochter dabei beobachten kann wie sie aufstehen, sich anziehen, essen, trinken, Wasser holen und wieder zu Bett gehen. „The Turin Horse“ (OT A torinói ló) ist ein verstörend toller Film, aber auch ein unglaublich deprimierender, weil er dem Zuschauer jede Hoffnung verweigert.

Cosmopolis (David Cronenberg, Kanada / Frankreich / Portogal / Italien 2011)

Limousinen spielten in diesem Kinojahr eine große Rolle. Die längste Zeit des Films sitzt der Protagonist in seinem Wagen. Er befindet sich auf dem Weg zum Friseur. Was einfach klingt, ist  eine verdammt komplexe Angelegenheit. „Was ist der Mensch?“, „Was kann aus ihm werden?“ fragt Cronenberg in seinem Film „Cosmopolis, der fast noch eigenwilliger ist als man es von ihm gewohnt ist. Der Film gleicht einer wissenschaftlichen Studie: nicht immer vergnüglich, aber bewusstseinserweiternd. (–> Zur Kritik)

Moonrise Kingdom (Wes Anderson, USA 2012)

Ich mag Filme von Wes Anderson eigentlich immer gerne,  diesen sogar ganz besonders. Mit „Moonrise Kingdom“ bleibt Anderson seinem Stil treu, erweitert aber gleichzeitig sein Œuvre um eine Geschichte, die es wirklich einmal wert ist, erzählt zu werden: Es geht um zwei Kinder und eine bedingungslose Liebe. Unter der sterilen Oberfläche der Bilder brodelt ein Vulkan. So deutlich habe ich das bei einem Anderson-Film noch nie empfunden.

The Raid (Gareth Evens, Indonesien / USA 2011)

Eine Gruppe unerfahrener Polizisten, ein Hochhaus und eine Horde blutgieriger Gangster. Mehr braucht es manchmal nicht. Offene Brüche, aufgeschlitzte Hälse, eingeschlagene Schädel, zerfetzte Leiber – Gareth Evens bietet in „The Raid: Redemtion“ Action Non-Stop. So was hat man noch nicht gesehen. Ich zumindest nicht. (–> Zur Kritik)

Holy Motors (Leos Carax, Frankreich / Deutschland 2012)

Der Preis für den ungewöhnlichsten Film müsste eigentlich an „Holy Motors“ gehen. Wer versucht, ihn zu verstehen, der hat ihn nicht verstanden. Ein Film, der auch noch weiter läuft, wenn sich der Vorhang schon geschlossen hat. Ein Film über Inspiration, über Kreativität und über das Kino. Wunderbar!

Tinker Taylor Soldier Spy (Tomas Alfredson, Frankreich / UK / Deutschland 2011)

Die John le Carré-Verfilmung von Tomas Alfredson („Låt den rätte komma in“) ist nur auf den ersten Blick dem Genre des Agentenfilms zuzuordnen. In Wirklichkeit interessiert sich Alfredson aber für ganz andere Dinge. Mit seinem Film fängt er das Echo einer vergangenen Zeit ein, einer Zeit, die es wahrscheinlich niemals gab und zeigt dem Zuschauer, wie es sich anfühlt, als Gespenst durch einen Carré-Roman zu wandeln. Die Agenten von damals sind wie die erstarrten Insekten in einem glitzernden Bernstein.

Anna Karenia (Joe Wright, USA 2012)

Kurz vor Jahresende erobert sich Joe Wrights Literaturverfilmung noch einen Platz in meinen Top 10. „Anna Karenina“ ist einziger  Rausch – opulent, intelligent, intensiv. Ich gebe zu: Filme, in denen das Spiel mit den Realitäten so kunstvoll betrieben wird, wie in diesem, haben es bei mir auch nicht schwer. Da kann auch Keira Knightley nichts dran ändern. Schon der Beginn, wenn die Schauspieler ihre Kostüme anziehen und auf die Bühne treten, die plötzlich zur filmischen Wirklichkeit wird, bringt mich zum Schwärmen. Und von solchen Momente wimmelt es. Trotzdem ist dieses Spiel mit dem Realitätsebenen kein Selbstzweck, sondern immer auch schlauer Kommentar zur Geschichte um Anna Karenina und ihrem (hoffnungslosen) Versuch, auszubrechen.

The Avengers (Joss Whedon, USA 2012)

„The Avengers“ ist lange nicht meine liebste Superhelden-Verfilmung, aber die mit Abstand beste in diesem Jahr. Leider wurde sie gestern von „Anna Karenina“ auf den 11. Platz verdrängt. Trotzdem. Joss Whedon ist und bleibt ein Zauberer. Egal, mit wie vielen Figuren er in einem Film jongliert – die Chemie stimmt immer.  Außerdem ist er in der Lage, tolle Geschichten und Dialoge zu schreiben. Etwas besseres als er konnte einem Film über die „Avengers“ gar nicht passieren. Nur das mit der Action, das sollte Whedon noch mal üben. (–> Zur Kritik)

Kino 2011: Meine Top 10

Posted by – 22. März 2012

Seit 2005 führe ich Listen über meine Kinobesuche und versuche mich am Ende des Jahres zu entscheiden, welche 10 Filme mir am besten gefallen haben. Leider sind die meisten Listen mit der unangekündigten Auflösung des Filmstarts-Forums im digitalen Nirwana verschwunden. Nur die von 2011 konnte gerettet – und soll hier aus archivarischen Gründen verewigt werden. Filme ungefähr in Reihenfolge des Gefallens.

Melancholia (Lars von Trier, Dänemark, Schweden, Frankreich, Deutschland 2011)

Lars von Trier lässt die Welt untergehen wie noch keiner die Welt untergehen lassen hat. In „Melancholia“ verbinden sich die Experimentierfreunde des Dänen mit hohem ästhetischen und inhaltlichem Anspruch und exzellentem Schauspiel. Ich habe Kirsten Dunst noch nicht so gut gesehen. Gänsehaut. Und auch Kiefer Sutherland, Charlotte Gainsbourg, Alexander und Stellan Skarsgård, Charlotte Rampling und viele mehr spielen als ginge es wirklich um ihr Leben. Etliche Szenen lassen mich einfach nicht mehr los. Dass Beste an „Melancholia“ ist allerdings, dass man ihn sowohl als Drama über das Ende der Erde sehen kann, als auch dieses Ende als Metapher für die von der Hauptfigur durchlebten Depression sehen kann. Film des Jahres. Ohne Frage.

Super (James Gunn, USA 2010)

Ich habe „Super“ auf dem Fantasy Filmfest 2011 gesehen und war sprachlos. So einen mächtigen Film hätte ich von James Gunn nicht erwartet. Ich mag „Slither“, mir gefallen seine „PG-Porn“-Sachen und ich schmunzle ab und zu über seine Nachrichten auf Twitter. Aber „Super“ stellt mal all das in den Schatten und beweist, dass Gunn ein bemerkenswerter Filmemacher ist, hinter dessen albernem Auftreten ein kluger Kopf steckt, der bösen Witz mit sensiblem Ernst verbinden kann. „Super“ ist jedenfalls super.

Perfect Sense (David Mackenzie, UK, Schweden, Dänemark, Irland 2011)

Ein ein Film über die Liebe, einer, der sie in höchsten Tönen besingt, ja, ihr ein Mahnmal schafft – das Bildnis zweier Menschen, in eine Umarmung versunken –und dabei unglaublich traurig ist, so dass man mit dem Weinen gar nicht mehr aufhören mag. Vielleicht ein wenig auch aus Freude, schließlich ist David Mackenzies sechster Film ein ganz toller, einer, der trotz aller Tristesse doch etwas Hoffnung spendet. Denn vielleicht gibt es ihn ja wirklich, den perfekten Sinn?

Source Code (Duncan Jones, USA 2011)

Direkt nach dem Sehen kam mir „Source Code“ vor wie eine Mischung aus Jones’ erstem Film „Moon“, „Twelve Monkeys“ und einer explosiven Variante von „Groundhog Day“. Keine Ahnung ob diese Vergleiche weiterhelfen. Soviel ist sicher: „Source Code“ ist exzellente Science Fiction, die durch die gekonnt umgesetzte, visionären Grundidee besticht. Diese offenbart sich allerdings nicht auf den ersten Blick, sondern will gefunden werden.

Black Swan (Darren Aronofsky, USA 2010)

Für mich der beste Film von Darren Aronofsky: dicht, bild- und tongewaltig, unheimlich – und möglicherweise so nah dran an der Wirklichkeit manch geschundener Ballerina, dass man gleich doppelt Gänsehaut bekommen kann.

Das rote Zimmer (Rudolf Thome, Deutschland 2011)

Mein erster Film von Rudolf Thome war gleich eine kleine Offenbarung. Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt weder etwas von dieser Art Liebesfilm, noch etwas davon, dass man Geschichten so leichtfüßig, beschwingt und trotzdem auch spannend erzählen kann.

Schlafkrankheit (Ulrich Köhler, Deutschland 2011) 

War mein Highlight auf der Berlinale 2011. Erst schön erdig, aber dann lässt Köhler seinen Film unvermittelt so richtig schön wegdriften. Am Ende steht ein Nilpferd. Und das muss da auch stehen!

Über uns das All (Jan Schomburg, Deutschland 2011)

Eigentlich erzählt Jan Schomburg in „Über uns das All“ eine sehr konkrete Geschichte: Eine Frau verliert ihren Mann. Und doch ist sein Film einer voller Leerstellen, Unschärfen & -tiefen, Geheimnisse und damit ein faszinierender Trip in den Möglichkeitsraum, der sich unsichtbar neben unserer Alltagswelt gefindet. Ein weiteres Argument für den Film: Die wie immer wundervolle Sandra Hüller. Längeren Text von mir zum Film gibt es hier.

Thor (Kenneth Branagh, USA 2011)

Ein wenig wundert mich ja schon, dass „Thor“ einen Platz in meinen Top 10 ergattert hat, aber so sagen es die Aufzeichnungen. Vielleicht hat sich schon 2011 eine gewisse Superhelden-Müdigkeit bei mir eingestellt, so dass der quietschbunte aber trotzdem mit dem nötigen Gespür für Drama ausgestattete Film einfach herausstach. Naja, schlecht ist er nicht.