Tag: Umberto Lenzi

Notizen #11

Posted by – 14. Mai 2016

Ein paar Filme frisch vom Krankenlager.

The Amazing Spider-Man 2 (Marc Webb, USA 2014)

Ich bin ehrlich gesagt kein bisschen traurig, dass diese „Spider-Man“-Reihe von Marc Webb nicht fortgesetzt wurde, weil ich sie schon von Anfang an auf subtile Art und Weise ziemlich kacke fand. Den zweiten Teil, über den ich mich hier ja recht wohlwollend geäußert hatte, habe ich mir gestern im Rahmen einer eitrigen Stirn- und Nasennebenhöhlenentzündung noch einmal anzugucken versucht, aber – nein, geht nicht. Es ist mir dieses Mal ehrlich gesagt sogar richtig schwer gefallen, dabei zu bleiben und nicht die ganze Zeit nebenher etwas anderes zu tun. Das ist nicht mein Spider-Man.

The Cynic, The Rat And The Fist (Umberto Lenzi, Italien 1977)

Schon besser gefallen hat mir da der Poliziottesco Umberto Lenzi (OT: Il cinico, l’infame, il violento), welcher die Fortsetzung von „Rome Armed to the Teeth“ (OT: Roma a mano armata, 1976) zu sein scheint, den ich aber nicht kenne. In dieser Fortsetzung geht es um den Ex-Kommissar Tanzi (Maurizio Merli), der es mit dem „Chinesen“ (Tomás Milián), einem Gangster, den er vor Jahren in den Knast brachte, zu tun bekommt. Der Film hat mir gut gefallen, auch wenn ich ihn krankheitsbedingt etwas zu anstrengend (zu laut & wild), aber eben auch unterhaltsam und über weite Strecken recht spannend fand. Schön, dass in diesem, recht gewalttätigen Film nicht der Stärkste gewinnt – der deutsche Titel „Die Gewalt bin ich“ suggeriert etwas in diese Richtung – sondern dass es letzten Endes die mit dem Plan sind, in hier die Oberhand behalten. Das dieser Plan frei nach dem Motto „warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?“ etwas umständlich ist und am Ende vielleicht auch nicht so viel Sinn macht, verzeihe ich großzügig und würde mir glatt noch ein paar weitere Filme von Umberto Lenzi, von dem ich bisher nur „Spasmo“ und „Mondo Cannibale“ kenne, gefallen lassen.

Creed (Ryan Coogler, USA 2015)

Zwar bin ich auch mit den Rocky-Filmen aufgewachsen, aber anderes als viele Jungs (gabs da auch Mädchen?) meines Alters nie wirklich Fan des Italian Stallion und seiner Box- und Lebensgeschichte geworden. Ich finde die Filme ganz ok, vor allem den ersten und den vierten (aus unterschiedlichen Gründen), aber es gab nie eine tiefe Verbindung, keine großen Emotionen, geschweige denn Liebe. Ich sage das nur, damit mein Kompliment an die aktuelle Fortsetzung noch etwas mehr Gewicht bekommt. Denn „Creed“ ist nicht nur eine würdige Fortsetzung, sondern auch für sich genommen ein rundum gelungener Film, bei dem eigentlich alles stimmt. Alles ist natürlich ganz schön viel, aber so ist es nun mal.

The House On Sorority Row (Mark Rosman, USA 1983)

In letzter Zeit bin ich mal wieder an Slashern interessiert. Deshalb wollte ich zu „The House On Sorority Row“ eigentlich einen längeren Text schreiben, aber irgendwie ist mir dann doch nicht so richtig etwas eingefallen, zu diesem überdurchschnittlichen, aber auch etwas konturlosen Vertreter. Deswegen nur ein paar Sätze hier, auch wenn ich ihn vor knapp zwei Wochen in der Pre-Krankenlager-Ära gesehen habe. Es geht um ein paar Studentinnen, eine griesgrämige Hausbesitzerin, einen bösen Streich und – wie das bei Slashern so ist – eine Mordserie, in der die schon erwähnten Studentinnen die Stars sind. „The House On Sorority Row“ sieht gut aus, ist einigermaßen spannend und hat eine überraschende und nicht völlig an den Haaren herbeigezogenen Schluss. Ich mochte Rosmans Film, ohne wirklich begeistert zu sein. Vielleicht muss ich dem Film irgendwann noch eine Chance geben, vielleicht springt der Funke dann über.

So, und jetzt möchte ich bitte aufhören mit diesen unwürdigen Textschnipseln und zu jedem Film zumindest wieder eine Wordseite Worte finden. Danke.

Notizen #8

Posted by – 13. März 2016

Spectre (Sam Mendes, GB 2015)

Schon von „Skyfall“ war ich enttäuscht, aber mit „Spectre“ hat der Craig-Run für mich seinen Tiefpunkt erreicht. Autor Paul Haggis scheint bei „Casino Royale“ und „Quantum Of Solace“ eine Ahnung gehabt zu haben, was der neue Bond sein könnte, Neal Purvis und Robert Wade, die zusammen mit John Logan für die letzten beiden Filme verantwortlich sind, geht dies leider völlig ab. Der aktuelle Teil führt die losen Handlungsfäden zwar irgendwie zusammen, so richtig beeindruckt davon, dass hinter allem eine beleidigte Leberwurst mit Komplexen steht, dürfte aber niemand sein. Der Held? Craigs Bond ist mittlerweile ein arroganter Gockel und widerlicher Witwentröster geworden, der sein Hirn durchbohrende Nadeln besser wegsteckt als andere Leute Mückenstiche. Und selbst die bemüht imposanten Bilder von Kameramann Hoyte van Hoytema, lassen den „Spectre“ auf magische Weise nur noch peinlicher wirken.

Der grüne Bogenschütze (Jürgen Roland, Deutschland 1961)

Damals fand ich sie gruselig, heute nehme ich die Edgar-Wallace-Filme eher als verspielt, witzig und selbstironisch wahr. Den grünen Bogenschützen hatte ich zwar schon einmal vor urlanger Zeit gesehen, meine Erinnerung war aber dementsprechend nebulös. Beim erneuten Sehen präsentiert sich der fünfte Film der Wallace-Reihe (1959 bis 19729) als noch nicht ganz so elaboriert, wie spätere Vertreter, doch durchaus unterhaltsam, wenn auch für meinen Geschmack etwas Bogenschützen-arm. „Der grüne Bogenschütze“ ist bestimmt kein Highlight der Reihe, aber wegen seiner gelungenen Bösewichte – Gerd Fröbe als cholerisches Ekelpaket, Stanislav Ledinek als sein unangenehmer Handlanger –, finde ich ihn auch heute noch ganz nett.

Seven Blood-Stained Orchids (Umberto Lenzi, Italien 1972)

Ob man den Film, der in Deutschland unter dem Titel „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“ bekannt ist (OT: Sette orchidee macchiate di rosso), eher als konservativen Giallo oder als progressiven Versuch betrachtet, der Wallace-Reihe neues Leben einzuhauchen – schlecht ist er jedenfalls nicht. Er handelt von einer Mordreihe, bei welcher der Killer immer ein Schmuckstück in Form eines silbernen Halbmonds am Tatort zurücklässt. Giulia (Uschi Glas) und ihr Mann Mario (Antonio Sabato) forschen nach und geraten bald selbst in Gefahr. Was den Film so tragisch und damit auch gut macht: Zum Schluss erweisen sich die Morde als eine Kettenreaktion tödlicher Irrtümer. Der Versuch, die Wallace-Reihe hierdurch wiederzubeleben ist allerdings gescheitert. „Seven Blood-Stained Orchids“ war das 38. und letzte Wallace-Kapitel.

Spotlight (Thoms McCarthy, USA 2015)

Wenn der Film vorüber ist, kommt einem wahrscheinlich sofort folgende Frage in den Sinn: Was ist eigentlich aus der Katholischen Kirche geworden? Nach dem riesigen Missbrauchsskandal und dessen Aufdeckung durch ein paar couragierte Journalisten des Boston Globe im Jahr 2001 müsste die Kirche doch in den letzten Zügen liegen. Schließlich hatte der Missbrauch sowie dessen Vertuschung Methode. Dann der Schreck und einem klar, dass sich nichts geändert hat; und diese Erkenntnis ist in gewisser Weise noch furchterregender und trauriger als die zahllosen Vergewaltigungen Jugendlicher durch ein paar notgeile Würdenträger. Die katholische Kirche hat in den letzten zweitausend Jahren schon ganz andere Dinge ausgesessen, was soll ihr ein so kleines Skandälchen schon anhaben? Ehe ich zynisch werde, möchte ich einfach noch sagen, dass mir der Film sehr gut gefallen hat, die Musik Howard Shore ebenso. Nur die deutsche Synchronisation klingt leider, als wären da nur zwei Sprecher am Werk gewesen.

I Spit On Your Grave 3 (R.D. Braunstein, USA 2015)

Nachdem sie brutal vergewaltigt worden ist, hat sich Jennifer (Sarah Butler) ein neues Leben aufgebaut. Um die furchtbaren Erinnerungen zu verarbeiten, besucht sie eine Selbsthilfegruppe. Als ihre Freundin auf brutale Weise umgebracht wird, sieht Jennifer rot… – „Rape & Revenge“-Filme befriedigen in der Regel gleich zwei niedere, voyeuristische Interessen: Die Lust an Gewalt und die an nackter Haut. Das Perfide an Filmen dieser Art ist, dass sich der Zuschauer durch die Rache irgendwie auf der richtigen Seite fühlen darf und schnell den ästhetisierten Gewaltakten auf den Leim geht. Diesen Vorwurf kann man „I Spit On Your Grave 3“, der die Geschichte des Remakes weiterführt, allerdings kaum machen. Braunstein geht sehr zurückhaltend mit den exploititativen Elementen seiner Geschichte um, er verzichtet auf nackte Haut und meidet, von zwei, in der deutschen Fassung noch mal entschärfte Ausnahmen abgesehen, brutale Szenen. So richtig gelungen ist der Film, der es offensichtlich gut meint, allerdings trotzdem nicht. Zwar wird durch die Figur der Jennifer deutlich, dass Opfer häufig auch Tätermuster entwickeln. Den anderen Figuren des Films bleibt ein differenziertes Profil allerdings versagt.

Projekt X (Nima Nourizadeh, USA 2012)

Weil seine Eltern übers Wochenende verreist sind, wollen Thomas (Thomas Mann) und Kumpels eine große Party schmeißen. Die anfängliche Angst, dass niemand kommt, erweist sich als unbegründet. Das gute Marketing seines Freundes Costa (Oliver Cooper) geht voll auf. Zum Schluss zählt die Party beinahe 2000 Gäste – und läuft völlig aus dem Ruder. – Inspiriert von einer wahren Begebenheit, bei der ein Teenager in den USA über Facebook einlud und von Partygästen förmlich überrannt wurde, erzählt die Regisseurin Nima Nourizadeh in ihrem im Food-Footage-Stil gedrehtes Debüt die Geschichte einer Eskalation ohne Gefühl. Die Kritiken zum Film waren sehr gemischt. Ich würde den Film auch scheiße finden, wenn ich ihn als den Versuch einer Komödie betrachten würde. Doch wenn man ihn als Horrorfilm sieht, geht’s eigentlich. Mir haben diese Menschen im Film jedenfalls ziemlich Angst gemacht.

Spasmo (Umberto Lenzi, Italien 1974)

Posted by – 16. April 2012

Ich habe neulich gelesen, Umberto Lenzi, Erfinder des Italienischen Kannibalen-Films, wäre ein unterschätzter Regisseur. Dies könne man unter anderem an seinem Film „Spasmo“ ganz gut beobachten. Das hat mich neugierig gemacht. Bis auf  „Mondo Cannibale“ (OT: Il paese del sesso selvaggio) völlig Lenzi-unterfahren habe ich mir daraufhin besagten „Spasmo“ durch ein großes Onlineversandhaus zuschicken lassen..

Aber  jetzt zu berichten, was ich da gesehen habe, fällt mir gar nicht leicht. Nach einem Auftakt, der scheinbar nichts mit der folgenden Handlung zu tun hat, lernt der Zuschauer Christian Baumann (Robert Hoffmann) kennen, als er gerade  mit seiner Freundin unterwegs ist. Am Strand finden die beiden eine bewusstlose Frau (Suzy Kendall). Die Frau ist  unverletzt, stellt sich als Barbara vor und verschwindet. Als Christian sie kurze Zeit später auf einer Party wieder trifft, gibt er seiner Freundin den Laufpass und sucht sich stattdessen mit Barbara ein Hotelzimmer. Ehe die beiden aber zur Tat schreiten können, wird Christian im Badezimmer von einem Unbekannten (Adolfo Lastretti ) mit einer Waffe bedroht. Im folgenden Handgemenge fällt ein Schuss. Im Glauben, einen Mord begangen zu haben, verstecken sich Christian und Barbara im Haus von Barbaras Freundin.

Soweit zum Inhalt. Was sich geschrieben noch einigermaßen stimmig anhört, kommt einem im Film viel weniger plausibel herüber. Und nach Ankunft von Christian und Barbara in besagtem Haus, folgt Lenzis Film noch weniger einer erkennbaren Handlungslogik. Personen tauchen auf, verschwinden, alles wird immer rätselhafter und erinnert mehr und  mehr an einen Traum. Wird Christian verrückt? Und wenn ja, warum eigentlich? Hat es irgendetwas mit den ersten Minuten des Films zu tun? Warum ist der Tote aus Christians Badezimmer auf einmal wieder da? Und warum liegen eigentlich überall aufblasbare Gummipuppen herum? Der Zuschauer bekommt die Antworten auf diese Fragen. Aber bis dahin muss er sich in Geduld üben. Und wenn dann am Ende die Auflösung durch die Tür stolpert, ist sie auch nicht befriedigend. Damit diese Schlusspointe funktioniert, hätte Lenzi den Film anders aufbauen müssen.

Ich kann also nicht sagen, dass mir „Spasmo“ außerordentlich gut gefallen hat. Auch wenn er optisch ein paar schöne Momente besitzt und die Stimmung dezent unheimlich ist – richtig fesseln konnte er mich nie. Dazu war er zu wirr. Diese Unbestimmt- und Verrücktheit als stilistisches Ausdrucksmittel zu sehen, ist mir nicht gelungen. Für mich waren sie das Resultat einer schlecht erzählten Geschichte.

Bild © Media Blasters Inc.