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Detektive (Rudolf Thome, Deutschland 1969)

Posted by – 23. Januar 2017

Nach meinen ersten zwei Filmen von Rudolf Thome – „Das rote Zimmer“ und „Der Philosoph“ –, die sich in gewisser Weise sehr ähnelten, glaubte ich schon, ihn auf ein Thema festlegen zu können. Thome dreht „Liebesutopien“ habe ich mir damals gedacht und hoffte seitdem, diese Hypothese mal verifizieren zu können. Nachdem ich nun sein Debüt, „Detektive“, gesehen habe, scheint meine Annahme be- und widerlegt zugleich.

Der Film handelt von den Privatdetektiven Sebastian West (Marquard Bohm) und Andy Schubert (Ulli Lommel) sowie ihrer Sekretärin Micky (Uschi Obermaier), die in ihrem ersten Fall im Auftrag von Busse (Peter Moland) zunächst seine Flamme Annabella Quant (Iris Berben) beschatten, dann aber umschwenken und Annabella vor dem angeblich aufdringlichen Busse beschützen. Noch ehe dieser erste Fall so richtig gelöst ist, verfranzt sich das mittlerweile zum Quintett angewachsene Detektiv-Duo gleich in seinen nächsten Fall: Der alte, wohlhabende Krüger (Walter Rilla) verdächtigt seine Geliebte, Christa (Elke Haltaufderheide), ihm an die üppige Lebensversicherung zu wollen. Was genau ihnen wichtig ist – das Geld, die Frauen, Ruhm & Ehre oder Abenteuer,… –, das wissen die Detektive zum diesem Zeitpunkt auch noch nicht so genau…

„Kein Staub nirgends, alles rotzfrech“, schreibt Michael auf Nachtsichtgeräte. Und weil ich das gar nicht treffender formulieren kann, zitiere ich einfach mal weiter: „Kesse Mädels, schnoddrige Pseudo-Machos, Wummen gegen das Establishment, Knete, und zwischendurch mal kurz ein Nümmerchen. Aber bloß kein Aufhebens drum machen, denn in zehn Minuten sieht schon wieder alles anders aus! Dazu flotter Jazz von der Tonspur und Wodka, der direkt aus der Flasche getrunken wird.“  Dieser kurze Abschnitt gibt das Gefühl, das ich beim Sehen von „Detektive“ hatte, sehr gut wieder. Der Krimi-Plot tritt, auch wenn er überraschend komplex und für die Geschehnisse alles andere als unwichtig ist, schnell in den Hintergrund. Es sind die lässigen Typen und undurchschaubaren Frauen, die die Blicke auf sich ziehen und den Zuschauer durch den Film führen. Meine persönlichen Highlights waren Uschi Obermaier als Doppelagentin bzw. –assistentin Mickey und Peter Moland als schnöseliger Busse, den ich nach einiger Zeit sogar noch cooler fand als die möchtegerncoolen Möchtegerndetektive.

Aber vielleicht sollte man die Geschichte vor lauter Style doch noch nicht ganz vergessen, schließlich geht es um was. Nichts ist hier so richtig wichtig – der Detektivjob ist es nicht, das Geld ist es nicht, weder Freundschaft noch Liebe ist es –, aber vielleicht ist gerade das von Bedeutung, dass hier nichts zählt, die Figuren sich trotzdem nicht einfach zur Ruhe legen und gar nichts tun. Über die formale-filmgeschichtliche Seite angenähert, könnte man wie Thomas in seinem Filmtagebuch sagen, es sei „die Liebe zum amerikanischen Kino durch die französische Brille“; und auch, wenn ich mich weder mit den französischen noch amerikanischen Referenzfilmen wirklich auskenne, sagt mir mein Gefühl, dass das irgendwie stimmt. (Irgendwie will mir mein Hirn gerade sogar weismachen, dass Thomes Film Ähnlichkeiten mit Jean Rollins Detektiv-Geschichte hat..) hat da etwas vor Augen, das er schon mit diesem Debüt nach einem Drehbuch von Max Zihlmann erkundet, aber ich weiß nicht, ob es wirklich die Liebe zum Medium ist als vielmehr eine neugierige Zugewandtheit zu ihm, weil man mit ihm etwas tun kann, was man in der echten Welt nur mit sehr großem Risiko tun kann, nämlich die Welt und ihre Ideen – für sein Debüt zunächst einmal im sicheren Rahmen des Genrekinos – erkunden.

Ich bleibe dabei: Thomes Filme sind Utopien. Allerdings geht es nicht allein um die Liebe zwischen den Menschen. In seinen Filmen – davon legt schon sein schnoddriges Debüt eindrucksvoll Zeugnis ab – geht um die Sehnsucht, die Sehnsucht zu anderen Beziehungen, einem anderen Kino und vielleicht auch ganz einfach einer anderen Welt. Wie genau die aussehen soll, das wissen Thomes Figuren nicht so recht, soviel ist jedoch klar: wo auch immer die Expedition hingehen soll, nur zusammen…

Bild © ZWEITAUSENDEINS