Tag: Vampire

Notizen #15

Posted by – 30. Oktober 2016

#horrorctober Film 8-12

Lisa And The Devil (Mario Bava, Italien / Deutschland / Spanien 1972)

Kurz nachdem Lisa (Elke Sommer) auf ihrem Spanien-Trip ein Wandgemälde betrachtet, das den Teufel zeigt, verläuft sie sich in der Stadt und findet sich kurz darauf in einer unheimlichen Halbwelt wieder, in der Leibhaftige selbst die Strippen zieht. – So oder auch ganz anders könnte man den Inhalt von Mario Bavas drittletztem Film beschreiben. Ich kenne mich mit Bava noch nicht genug aus, um diesen Film als Quintessenz seines Schaffens zu bezeichnen, aber man darf, denke ich, behaupten, dass sich in „Lisa And The Devil“ (OT: Lisa e il diavolo) viele Motive seines Schaffens wiederfinden und dieser stimmungs- und geheimnisvolle Film zumindest insofern ein Highlight seines Gesamtwerks darstellt. Gehört nach erster Einschätzung nicht zu meinen allerliebsten Bava-Filmen, ist aber weiter oben mit dabei.

Bad Biology (Frank Henenlotter, USA 2008)

Für jeden Topf ein Deckelchen: Eine Frau mit einer 7-fach Klitoris und unstillbarem Sexhunger gerät an einen jungen Mann mit mutiertem, mörderischem Riesenpenis. Dort, wo die Geschichte von (Charlee Danielson) und Batz (Anthony Sneed) eigentlich erst beginnt, ist sie auch leider schon wieder zu Ende. Und vorher passiert in Henenlotters Film leider auch nichts, was man von ihm nicht schon kennt und leider auch schon wesentlich besser in „Brain Damage“ oder „Basket Case“ (hier was zum ebenfalls guten zweiten Teil) gesehen hätte. Immerhin – und zumindest das muss man ihm zugutehalten – ist „Bad Biology“ eben auch kein Film von der Stange, sondern in seinem Zusammenspiel aus Komik, Tragik und Horror ein echter Henenlotter.

Lemora: A Child’s Tale of the Supernatural (Richard Blackburn, USA 1975)

Wenn Jean Rollin ein Vertreter der Tschechoslowakische Neuen Welle gewesen wäre und er in den späten 1960er Jahren in die USA geladen worden wäre, um unter völliger künstlerischer Freiheit eine Version von „Alice In Wonderland“ zu drehen, wer weiß, vielleicht wäre dann ein Film wie „Lemora: A Child’s Tale of The Supernatural“ dabei herausgekommen. Jedenfalls ist Richard Blackburns Film definitiv die Entdeckung meines diesjährigen Horrorctober. Es ist ein Werk, von dessen Existenz ich – und bestimmt noch ein paar andere da draußen – bis vor ganz kurzer Zeit keine Ahnung hatte. Sehr gerne möchte ich zu dessen wachsender Bekanntheit und Ruhm beitragen indem ich hier verkünde, was für ein wunderbarer und eigensinniger (im aller wohlmeinendsten Wortsinne!) Film Blackburns „Lemora“ doch ist. Anschauen und weitersagen!

Green Room (Jeremy Saulnier, USA 2016)

Nazis vs. Punks: Bei ihr Tour durch den Nordwesten der USA landet die Punk-Band Ain’t Rights in einer abgelegenen Nazi-Bar auf dem Land. Zwar geht das Konzert ohne größere Pannen über die Bühne, aber als die Band danach im Backstage-Bereich einen Mord beobachtet, ist die braune Kacke am dampfen. – „Green Room“ ist ein geradliniger, recht harter Thriller, aber mir will, wie schon bei Jeremy Saulniers Vorgängerfilm „Blue Ruin“, nicht wirklich einleuchten, warum er bei Kritik und Publikum so gut angekommen ist. Vieles an diesem Film ist gut, ordentlich, hier stimmt das Große und Ganze wie das Detail. Und trotzdem sträube ich mich, „Green Room“ wirklich zu mögen. Vielleicht weil ihr den alle mögt. Und ich hier der eigentliche Punk bin.

Textas Chainsaw Massacre 2 (Tobe Hooper, USA 1986)

WAHNSINN!!!1

 

Notizen #4

Posted by – 21. Januar 2016

Seraphim Falls (David Von Ancken, USA 2006)

Von der Regel, dass ich neben „Once Upon A Time In The West“ und „The Quick And The Dead“ keine Western mag, gibt es eine weitere Ausnahme. Aufgrund einer Empfehlung von vertrauenswürdigen Tipp-Gebern auf Twitter habe ich mir „Seraphim Falls“ angesehen – und für gut befunden. Ein Mann (Liam Neeson) jagt darin einen anderen (Pierce Brosnan). Warum, erfährt man erst viel später. Aber eigentlich ist der Grund auch egal, Von Ancken scheint es hier in seinem Rache-Western eher ums Grundsätzliche zu gehen. Der Film beginnt sehr realistisch – man spürt die Kälte, fühlt sie durch Mark und Bein gehen; später kommt die Hitze, der Durst, die Erschöpfung… – driftet aber immer mehr ab und wird zur Parabel, die uns in eindrucksvollen Bildern deutlich macht, dass Rache… – Ach, ich will nicht zuviel verraten, schaut euch den Film selber an.

The Shiver of the Vampires (Jean Rollin, Frankreich 1971)

Isa und Antoine geraten auf ihrer Hochzeitsreise in ein Vampir-Schloss. Isa gerät unter den Einfluss der Vampirkönigin Isolde, Antoine versucht seine Angetraute zu retten. – Warum „The Shiver Of The Vampires (OT: Le Frisson des Vampires) mancherorts im Internet als einer der besten Filme von Jean Rollin bezeichnet wird, weiß ich nicht. Im Prinzip steht überall das Gleiche, und zwar das, was bei allen Rollin-Vampir-Filmen steht: Irgendwas mit Kunst & Trash, Gothik & Erotik, psychedelisch & surreal. Ob bei Tageslicht, in der Morgendämmerung oder nachts, bei Kerzenschein – ich habe alles probiert – bei mir hat „The Shiver of the Vampires“ nicht funktioniert. Ich fand ihn beliebig. Aber ich will nicht ausschließen, dass das auch irgendwie an mir liegt. Schließlich fand ich bisher eigentlich alles, was ich von Rollin gesehen habe, gut bis sehr gut.

Coffy (Jack Hill, USA 1973)

Trash-Commando von Trash-O-Meter hat mir einen Stapel Filme mitgegeben, um mich in die Welt der Blaxpoitation einzuführen. Dann mal los! Den Anfang machte ein „sehr bedenkliches Action-Drama, das Selbstjustiz und das Recht des Stärkeren propagiert“ (Lexikon des internationalen Films) von Jack Hill. „Coffy“ war für mich gleich ein Volltreffer, was weniger an dem Film selbst lag – eine Frau nimmt für ihre abhängige Schwester Rache an der Drogenmafia –, sondern an seiner famosen Hautdarstellerin Pam Grier, die ich Ungebildeter bisher tatsächlich erst aus Quentin Tarantinos „Jackie Brown“ kannte. Ich mag Grier als Frau gerne leiden, aber ich fand auch ihre Figur der Coffy Coffin stark. Und ich möchte dem katholischen Filmdienst an dieser Stelle gerne widersprechen und behaupten, dass hier nicht das Recht des Stärkeren propagiert, sondern die Gewalt gegen den Schwächeren für ein B-Movie auf gar nicht so unclevere Weise thematisiert wird. Im Spannungsfeld Arm gegen Reich, Schwarz gegen Weiß, Mann gegen Frau erweist sich die Protagonistin nicht nur als jemand, der wegen der Umstände in den Widerstand geht, sondern eben auch als amoralisches Produkt eben dieser Umwelt, in der besagtes Recht des Stärkeren gilt. Doch ist dies keine Propaganda im Sinne von Werbung für ihr Handeln, sondern immer auch zutiefst tragisch, weil Coffys naiver Rachefeldzug für eine bessere Welt im Kern chancenlos ist. Ich danke Herrn Trash-Commando für die sehenswerte Leihgabe.

Shaft (Gordon Parks, USA 1971)

Gleich noch mal einen Dank in die gleiche Richtung. Björn goes Blaxpootaion Part II. Es ist schon ein bisschen witzig, dass ich diesen „Klassiker“ erst kurz vor der Rente sehe. Aber besser spät als nie bzw: eigentlich auch egal. Ich war noch nie ein großer Freund von Krimis, großen Wummen und coolen Sprüchen. Daran hat leider auch „Shaft“ nichts geändert. Aber die Musik, die war gut, und dass Isaac Hayes einen Oscar für den Besten Song gewonnen hat, leuchtet mir – auch wenn mir sonst wenig an den Oscars einleuchtet – voll uns ganz ein.

One, Two, Three (Billy Wilder, USA 1961)

Zum ersten Mal gesehen und – darf ich das hier sagen? – ich finde diesen Film ganz furchtbar. Ja, ich weiß, Billy Wilder und alle reden ganz schnell und lustig, har har, aber warum diese Zusammenschau von billigen nationalen Klischees einen so guten Ruf hat, verstehe ich beim besten Willen nicht. Ich finde „One, Two, Three“ nicht nur nicht lustig, ich finde ihn in seinem kaum verhohlenen Spott über alle nicht-amerikanischen Menschen bedenklich. Die meisten Witze gehen auf Kosten der Russen, aber auch gegen Bürger der DDR, gegen die Deutschen und Frauen wird ordentlich ausgeteilt. Ich bin niemand, der besonderen Wert auf politische Korrektheit legt, aber wenn auf Kosten anderer gelacht werden soll, dann bitte als Provokation und nicht in Form einer vermeintlichen Wohlfühl-Komödie.

 

Dracula: Pages From A Virgin’s Diary (Guy Maddin, Kanada 2002)

Posted by – 6. Mai 2015

Dracula- Pages From A Virgin's DiaryBram Stokers „Dracula“ wurde schon sehr oft für die Leinwand adaptiert. Als bekennender Vampirfilm-Fan im Allgemeinen und dieser speziellen Geschichte im Besonderen machen sich natürlich Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Irgendwann hat man alles gesehen. Zumindest dachte ich das, bis ich „Dracula: Pages From A Virgin’s Diary“ von Guy Maddin gesehen hatte.

Vielleicht zu Beginn ein wenig persönlichen Kontext: Diesen Film von Guy Maddin habe ich bei meinem ersten und leider auch einzigen Besuch in den Berliner Tilsiter Lichtspielen gesehen. Es war nach „My Winnipeg“, den ich auf der Berlinale gesehen hatte, „The Saddest Music In The World“ und „Brand Upon The Brain“ (beide auf dem TV) mein vierter Film des kanadischen Regisseurs und momentan einer der mir liebsten. Nicht nur, dass mich sein eigenwilliger Stil, Filme zu drehen, erneut begeisterte, auch war ich sehr erstaunt eine Adaption zu sehen, die dem klassischen Dracula-Stoff noch einmal neue Seiten abringen konnte. Das liegt sicher auch daran, dass Maddin für den Sender CBC die Ballettversion des Stoffes von Mark Godden und dem Royal Winnipeg Ballett für die Leinwand adaptiert hat – aber nicht nur. Auch inhaltlich setzt der Film wichtige Akzente.

Was mir vorher nie aufgefallen ist und was Maddins Film wunderbar herausarbeitet: In der Stokers Dracula-Geschichte geht mehr oder weniger explizit um Fremdenfeindlichkeit. Schließlich kauft der Graf aus Übersee nicht nur Grundstücke in England, er spannt (und saugt) den britischen Gentlemen auch die Damen aus. Kein Wunder also, dass der männliche Verehrerkreis um Lucy Westenra (Tara Birtwhistle), die Freundin von Mina Murray (CindyMarie Small), Jonathan Harkers Verlobte, ziemlich alle allergisch darauf regieren, als Lucy sich auf einmal seltsam verhält. Als Schuldiger wird von Professor Abraham van Helsing (David Moroni), einem Experten für fremdländische Bedrohungen, schnell Graf Dracula (Wei-Qiang Zhang) ausgemacht, den der Männertrupp danach erbarmungslos jagt – allerdings nicht ohne Mina vorher ins Jenseits zu befördern, schließlich ist sie durch den Kontakt mit dem Grafen irgendwie besudelt. Maddin & Mark Godden machen das unglaublich geschickt, wie sie dem Stoff frech ihren Stempel aufdrücken, z.B. indem sie Jonathan Harkers Reise zum Grafen, seine Erlebnisse auf dem Schloss in knapp einer Minuten und zudem erst spät im Stück als Rückblende abhandeln, dafür aber die sexuellen Aspekte des Stoffs ironisieren und seine xenophobe Tendenz wunderbar stimmig nicht ohne Humor herausarbeiten. So richtig schön tanzen die Frauen hier nur, wenn Dracula zugegen ist. Kein Wunder, dass Briten sich von dem Fremdling gehörig auf den Schwanz getreten fühlen und so sind das Unheimlichste an diesem insgesamt eher amüsanten Film die selbsternannten Vampirjäger, die erst ruhen, als sie den Ausländer, der ihnen die Frauen und ihr Geld stiehlt, ausgeschaltet haben.

Ich zögere gerade ein wenig, diesen Film mit dem Tag „Lieblingsfilm“ (neu im Blog!) zu versehen. Zwar mag ich ihn immer noch sehr, aber die gleiche Faszination wie im Kino konnte diese Zweitsichtung nicht entfalten. Man kann einen Film eben nur einmal zum ersten Mal sehen; außerdem sind Filme im Kino in der Regel einfach besser. Andererseits kann der Film für diejenigen, die glauben schon alles Wesentliche über Blutsauger zu wissen, eine kleine Offenbarung sein. Deswegen möchte ich ihn ganz dringend allen ans Herz legen, die sich für den Dracula-Stoff interessieren, wie denen, die bisher nichts damit anfangen konnten. In einem Genre, das heutzutage mehr tot als lebendig wirkt, erweist sich Maddins „Dracula: Pages From A Virgin’s Diary“ stilistisch wie inhaltlich frisch und äußerst vital.

Bild © Tartan Video

Hercules In The Haunted World (Mario Bava, Italien 1961)

Posted by – 13. April 2015

Vampire gegen HeraklesBesonders gut kenne ich mich noch im umfangreichen Werk von Mario Bava (noch) nicht aus. Aber schon jetzt kann ich sagen: Es gibt Filme, die ich sehr gerne habe, wie „Bay Of Blood“ beispielsweise oder „Blood And Black Lace“ und solche, mit denen ich nicht so recht warm werde („Hatchet For Honeymon“). „Hercules In The Haunted World“ (OT: Ercole al centro della terra), markiert nun den bisherigen Tiefpunkt meiner Erkundungsreise in die Welt des italienischen Meisterregisseurs.

Es geht um Herakles bzw. Herkules (Reg Park) und seinen Kumpel Theseus (Giorgio Ardisson), die nach etlichen Abenteuern ins Königreich Icalia zurückkehren – nur um dort gleich das nächste zu erleben. Eigentlich wollte Herakles ja die schöne Deianira (Leonora Ruffo) heiraten, doch die ist irgendwie nicht ganz bei Sinnen und so machen sich die beiden Raufbrüder auf den Weg in die Unterwelt, um dort einen Stein zu besorgen, der Deianira wieder gesund und heiratswillig macht.

Warum der Film unter dem deutschen Titel „Vampire gegen Herakles“ bekannt geworden ist, erklärt sich aus dem Ende: Deianiras Onkel Lykus (Christopher Lee) ist nämlich in Wahrheit ein Vampir. Vampire im Plural spielen allerdings nicht mit, nur als kleine Warnung an diejenigen, die sich den Film vielleicht aus diesem Grund anschauen wollten. Aber auch anderen Menschen mit anderen Beweggründen kann ich nicht gerade Mut machen. Wer weiß, in der richtigen Stimmung mag „Hercules In The Center Of The Earth“ eine bewusstseinserweiternde Erfahrung sein. Aber es gibt eben auch eine andere Stimmung und in der habe ich den Film gesehen. „Hercules In The Haunted World“ ist ein meinen Augen mit seiner Farbenpracht ein eher öder Sandalenfilms. Denn trotz der bunten Pappmachee-Kulissen und allerlei fantastischer Wesen schafft es Bava nicht, seine Geschichte spannend zu erzählen, von den einfältigen Figuren ganz zu schweigen („As long as Theseus steals other men’s girls, I have nothing to worry about.“) Herakles löst hier alle Probleme, indem er irgendwas wirft, einen großen Stein zum Beispiel oder wahlweise auch einen Pferdewagen. Am interessantesten ist der Film noch kurz vor Schluss als mal nichts zum Werfen da ist. Hier ist Herakles ziemlich aufgeschmissen und braucht sofort Hilfe, die er in Gestalt der Tochter des Totengottes Persephone (Ida Galli) erhält. Ob das ein ironischer Hinweis auf die eigene, muskelbepackte aber hirnlose Geschichte sein sollte?

Bild © Kinowelt

I Am Legend (Francis Lawrence, USA 2007)

Posted by – 6. Februar 2015

i am legendTeil zwei und drei von „The Hunger Games“ – famos, „Constantin“ – ebenfalls sehr gut. Nachdem ich nun mich schon innerlich darauf eingestellt hatte, mit Neusichtung von „I Am Legend“ ein Loblied auf Francis Lawrence zu verfassen, wurde ich doch schnell auf den Boden zurückgeholt. Nicht, dass der Film auf visueller Ebene nicht überzeugend wäre, aber aus einem schlechten Script (verantwortlich hierfür Mark Protosevich & Akiva Goldsman) kann auch ein guter Regisseur kein Meisterwerk machen.

„I Am Legend“ handelt von dem Virologen Lt. Colonel Dr. Robert Neville (Will Smith). Als einer der letzten Überlebenden einer Seuche, die ihre Opfer in blutrünstige Bestien verwandelt, versucht Neville fieberhaft ein Gegenmittel zu finden. Der Film nach dem gleichnamigen Roman von Richard Matheson wurde z.B. mit „The Last Man on Earth“ (1964) „The Omega Man“ (1971) „I Am Ωmega“ (2007) schon mehrfach für’s Kino adaptiert und wahrscheinlich diente die Geschichte zusätzlich als Blaupause für etliche weitere Filme. Lawrences Version gehört visuell sicherlich zu einer der stärksten. Schon der Beginn, wenn man den Protagonisten mit seinem Hund in einer schicken Karre durch die menschenleeren Häuserschluchten New York Citys fahren sieht, ist hochgradig atmosphärisch. Der Anfang hat mir fast noch besser gefallen als der des kürzlich von mir gesehenen „28 Days Later“, in dem sich die Hauptfigur und mit ihr der Zuschauer zunächst in einem (scheinbar) entvölkerten Szenario zurechtfinden muss. Boyles Film hat mir insgesamt trotzdem wesentlich besser gefallen.

Drei Gründe sind es, die mich an „I Am Legend“ stören (zwei davon sind sehr subjektiv, einer vielleicht nicht ganz so). Erstens: Ich sehe Will Smith nicht ungern. Dass er den Scientologen nah steht, hat nichts damit zu tun, dass er ein paar verdammt gute Filme gemacht hat. Ganz subjektiv stelle ich aber fest: In die Rolle des Robert Neville passt er (für mich) einfach nicht. Nicht ganz so sehr, aber immer noch subjektiv behaupte ich: Er ist den Anforderungen dieser Rolle nicht gewachsen. Das Leid und die Verzweiflung seiner Figur, wie auch das, was sie antreibt, glaubhaft herüberzubringen, will ihm in meinen Augen nicht so ganz gelingen. Aber es ist für andere wahrscheinlich müßig, Geschmacksurteile darüber zu lesen, ob ich finde, dass jemand gut oder schlecht schauspielert, deswegen gleich zu zweitens, und das ist wohl ebenfalls Geschmackssache: Die vampirartigen Pixel-Wesen aus dem Computer sehen in meinen Augen doof aus. Mich haben diese Animationen jedenfalls immer wieder rausgerissen, ich finde sie schlecht designt, sie bewegen sind unnatürlich und sehen übertrieben aus. Wer das nicht findet, hat definitiv ein erhebliches Problem weniger mit dem Film. Aber nun zu drittens. Von diesem Punkt glaube ich, dass er nicht nur mit meinem Geschmack zu tun hat, sondern dass der Film hier wirklich „kaputt“ ist. Der Roman von Matheson hat eine Pointe, zum Schluss verschieben sich die Perspektiven und der Leser erhält eine ganz neue Sicht auf die Geschichte. Der Film verzichtet auf diese Wendung. Die Story wurde umgeschrieben und so auch ihrer Aussage und Kraft beraubt.

Ich bin niemand der notorisch fehlende Werktreue anmahnt, aber wenn wie in diesem Fall nichts übrig bleibt als ein phasenweise atmosphärischer, aber CGI-überfrachteter und inhaltlich armer Film, der so offensichtlich hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, dann finde ich das sehr sehr schade.

Bild © Warner Bros.

Requiem For A Vampire (Jean Rollin, Frankreich 1971)

Posted by – 23. November 2014

Requiem For A VampireWahrscheinlich habe ich gar nicht das Recht, meine Meinung kund zu tun, schließlich habe ich den Film in schlechter Qualität im Originalton auf Youtube gesehen. Da ich des Französischen auch nach 5 Jahren Schulfranzösisch nicht mächtig bin, mögen mir einige inhaltliche Aspekte entgangen sein. Soviel habe ich verstanden bzw. mir zusammengereimt: Marie (Marie-Pierre Castel) und Michelle (Mireille Dargent) gelangen auf der Flucht nach einem Überfall zunächst auf einen Friedhof und dann zu einem Schloss. Entgegen dem ersten Anschein ist dieses allerdings nicht verlassen, sondern wird von einigen Vampiren und ihren menschlichen Helfern bewohnt. Die beiden Frauen sind dazu auserkoren, die Nachfolge der aussterbenden Rasse anzutreten.

Worum es genau geht ist aber wie so oft bei Rollin eh nicht so wichtig. Auch „Requiem For A Vampire“ (OT: Requiem pour un vampire bzw. Vierges et Vampires) lebt von seiner traumwandlerischen Atmosphäre und dieser typischen Rollin-Stimmung. Wenn man ein paar Filme des Mannes gesehen hat, fühlt man sich immer vertrauter mit seiner Symbolik und wiederkehrenden Mustern – ohne dass sich diese einem freilich komplett erschließen. Trotzdem, auch wenn Rollins Filme keine Rätsel sind, die man vollständig entschlüsseln könnte, so fühle ich mich bei meiner nunmehr vierten Begegnung mit diesem besonderen Regisseur auf seltsame Weise zu Hause in seinen malerischen Tableaus und Bilderwelten.

Was mir an „Requiem For A Vampire“ am besten gefallen hat, ist die Zeit, die sich Rollin für seine Geschichte nimmt. Wer einen Abgesang auf den Vampir dreht, der darf es nicht eilig haben. Bis die beiden freizügigen Freundinnen im Schloss ankommen, vergeht schon eine von seltsamer Stummfilmmusik umspielte Weile; bis dahin müssen sie sich erst einmal ihrer Clownskostüme entledigen, einen Kioskbesitzer verführen und ausrauben; und auf dem Friedhof, auf den es sie vor ihrer Ankunft im Schloss noch verschlägt, wird eine der beiden Frauen sogar lebendig begraben. Dort angekommen, fließt die Zeit wie ein Rinnsal Nektar durch Rollins Traumlandschaft. Wobei – das klingt jetzt süßer, als es gemeint ist. Denn der Film-Titel kommt nicht von ungefähr. „Requiem For A Vampire“ ist tatsächlich ein melancholisches „Adieu“ auf die Gattung der Blutsauger. Das Vampirdasein hat seinen Reiz verloren, die schief angeklebten Zähne, das karge, lediglich mit einigen billigen Requisiten bestückte Schloss, die tumben Gefolgsleute, die wahrscheinlich nur folgen, weil ihnen ab und an eine blanke Brust in die Hände hüpft – wer will da schon Vampir sein? Eben.

So ganz hat es „Requiem For A Vampire“ nicht geschafft, sich an die Spitze der mir bisher bekannten Rollin-Filme zu setzen – da thront immer noch unangefochten „The Night Of Hunted“ –, aber ich gebe zu, er hatte es auch schwer. Rollins Filme sind nicht dafür gemacht, sie auf einem kleinen Computerbildschirm zu sehen. Sie gehören ins Kino. Trotzdem hat mir auch diese Begegnung Lust gemacht, die Entdeckungsreise im Werk dieses wunderbaren Regisseurs fortzusetzen.

Bild © Redemption
 

Fright Night (Tom Holland, USA 1985)

Posted by – 24. August 2014

fright nightCharley (William Ragsdale) ist überzeugt, dass sein neuer Nachbar ein Vampir ist. Das will ihm jedoch niemand glauben. Seine Freundin Amy (Amanda Bearse) ist sogar hochgradig von der Besessenheit genervt, mit der er seinen Nachbarn Jerry Dandridge (Chris Sarandon) observiert. Der ist übrigens in der Tat ein Vampir und hat es schon auf Charley abgesehen. Hilfe erhofft sich der Junge von Peter Vincent (Roddy McDowell), der im TV die Horrorreihe „Fright Night“ moderiert.

Nachdem ich mich vor etwas über einem Jahr über meine erste Begegnung mit Tom Hollands „Child’s Play“ gefreut hatte, war ich sehr gespannt auf ein Wiedersehen mit seinem Debütfilm, der Vampirkomödie „Fright Night“. Damals war ich sehr angetan davon, wie sehr der Film nach dem komödiantischen Beginn, besonders im Finale, wenn die Trickspezialisten nochmal alle Register ziehen, in die Vollen geht. Die markante, selbstbewusste Inszenierung war auch diesmal das größte Pfund des Films, Beste Szene – nicht nur, weil hier die Effekte stimmen, sondern weil sie auch der emotionalste Moment der gesamten Laufzeit war –: der Vampir-Tod von Charleys Freund Ed (Stephen Geoffreys), der sich windet und seinem Mörder immer wieder hilfesuchend die Hand entgegen streckt. In diesem Zusammenhang ist vielleicht auch die homoerotische Komponente erwähnenswert, die „Fright Night“ nachgesagt wird und sie sich vor allen in der Beziehung zwischen Obervampir Jerry und seinem (nicht-so-ganz-)menschlichen Gefährten Billy (Jonathan Stark), aber auch in der Verwandlung von Ed durch Jerry zeigt („Hello, Edward. You don’t have to be afraid of me. I know what it’s like being different…“). Vielleicht aber auch nicht. Schließlich ist Anziehung, die von Vampiren zu Mitgliedern jedes Geschlechts ausgeht, fast schon ein fester Bestandteil des Genres, so dass man auf diesem Punkt nicht übermäßig herumreiten muss.

Die ganz große Begeisterung ist diesmal irgendwie ausgeblieben. Das lag vermutlich an den Figuren, die ich oft nicht nachvollziehbar, mitunter sogar nervig fand. Bezogen auf Charley und seine Freundin Amy kam mir ein erheblicher Teil des Films vor, wie ein Witz über fehlgeschlagene Kommunikation in Dauerschleife. Weiterhin schade fand ich, dass Charleys Beobachtungsfetisch (eine nette Anspielung auf „Rear Window“), nicht wirklich ausgespielt wurde. Und auch aus dem Misstrauen gegenüber seinem Nachbarn hätte Holland meiner Meinung nach mehr machen können. Gerne gesehen habe ich „Fright Night“ diesmal, ich würde ihn auch immer noch zu den Eckpfeilern des Genres zählen, nur hatte ich ihn einfach mit dem gewissen Etwas in Erinnerung, das mir bei dieser Sichtung irgendwie gefehlt hat. Ganz schön finde ich noch die implizite Aussage, dass alles was wir im TV sehen, doch einen wahren Kern hat oder anderes gesagt: dass den Artefakten unserer Kultur ein eigenständiger, nicht immer gutmütiger Geist innewohnt. Vielleicht überinterpretiere ich gerade ein wenig, aber so gesehen lassen sich in „Fright Night“ schon Spuren der subversiven Kraft von „Child’s Play“ erkennen.

Bild © Sony

Dracula 3D (Dario Argento, Frankreich, Italien, Spanien 2012)

Posted by – 15. August 2014

Dracula ArgentoDer Roman „Dracula“ des irischen Schriftstellers Bram Stoker, gehört sicherlich zu den bekanntesten Werken der phantastischen Literatur. Ich habe meine erste Bekanntschaft mit dem Grafen durch ein Hörspiel aus dem Hause Europa gemacht. Ein paar Jahre später war Stokers Roman der erste, den ich auf Englisch gelesen habe. Und auch heute noch ist mir das Vampir-Sujet eines der liebsten innerhalb der Phantastik.

Wenn sich ein Meisterregisseur wie Dario Argento des Stoffes annimmt, hätten die Herzen der Cineasten noch vor einer Dekade vor Freude höher geschlagen. Doch die Zeiten, in denen der 1940 in Rom geborene Filmemacher herausragende oder, wie manche sagen, auch nur sehenswerte Filme gemacht hat, sind wohl vorüber. So ist auch seine Version des „Dracula“-Stoffs – die entgegen anderslautendem Marketing-Geschwurbel nur sehr rudimentär Stokers Geschichte erzählt – völlig ohne inszenatorische Raffinesse und erinnert bisweilen an minderbemitteltes, mit lustlosen Laien besetztes Bauerntheater.

„Eine berauschende Hyper-Trash-Erfahrung“ steht auf dem zugegeben ganz hübschen Blu-Ray-Cover. Da will ich gar nicht widersprechen. Das erlebt sich leider weniger schön, als es klingt. Wenn Otto-Normal-Zuschauer schon enttäuscht ist wird der eingeschworene Argento-Fan ist über alle Maßen entsetzt sein! WAS SOLL DAS? Erst liefert er, statt des von Fans ersehnten Abschlusses der Mütter-Trilogie, einen Haufen Schund ab („Mother Of Tears“, 2007), dann benennt er einen filmischen Totalausfall nach dem Genre, das er mitbegründet hat („Giallo“, 2009) – und jetzt demoliert er,„Meisterregisseur“Argento, auch noch die bedeutendste aller Horrorgeschichten. Deutlicher als hier konnte er wohl den Forderungen, die seit Jahren an ihn gestellt werden, nun wirklich keine Abfuhr erteilen. „Vai a farti fottere“ scheint er in Richtung seiner Fans zu rufen. Aus dem Meister der „tödlichen Kunst“ ist ein Virtuose der Zerstörung des eigenen Werks geworden. Früher ist er den schönen Körpern mit Messer zu Leibe gerückt, heute richtet sich sein destruktives Genie gegen die Prinzipien der Ästhetik als solche, ja die Kunst an sich.

Nur mit an Selbstaufgabe grenzender Anstrengung lässt sich hierin das Aufblitzen einstiger Fähigkeiten des Regisseurs erkennen. War es da nicht gerade, ein zartes Funkeln, am Grunde dieses trostlosen Meeres aus digitaler Asche? Da war doch etwas, irgendetwas, oder?

Bild © Koch Media

Night Of The Blind Dead (Amando de Ossorio, Spanien / Portugal 1971)

Posted by – 22. Januar 2014

Die Nacht der reitenden LeichenKomisch, schon seit gefühlten Ewigkeiten weiß ich von der Existenz reitender Leichen, aber diesen ersten Teil der vierteiligen Reihe um die Titel gebenden Untoten, habe ich erst heute gesehen. Besonders spannend oder sogar gruselig war er nicht, aber „er hatte was“, wie man so schön sagt.

Darum geht’s: Einst dachten ein paar Templerritter, sie könnten durch Jungfrauen-Opfer Unsterblichkeit erlangen. Zunächst wurden sie dafür allerdings exkommuniziert und hingerichtet. Ganz unrecht hatten sie allerdings nicht – wie die Urlauberin Virginia White (María Elena Arpón) ein paar hundert Jahre später schmerzhaft am eigenen Leib erfahren muss, als sie sich von ihren Freunden Bella (Lone Fleming) und Roger (César Burner) trennt und sich in eine abgelegene Tempelanlage verirrt. Denn die untoten Tempelritter gehen immer noch ihren satanischen Ritualen nach.

Ein wenig hat „Night Of The Blind Dead“ – keine Ahnung, ob das wirklich der internationale Titel ist, den ich ja eigentlich immer benutze, OT: La Noche del terror ciego, DT: „Die Nacht der reitenden Leichen – das Problem seiner Bösewichte: Knarzig, träge und unbeholfen wie die skelettierten Tempelritter schleppt sich der Film von einer Szene zur nächsten. Und immer wenn das Gefühl aufkommt, jetzt würde die Sache Fahrt aufnehmen – Zeitlupe! Und alles dauert noch lääääänger. Dass die Leichen, denen Reiten tatsächlich noch am besten steht, wie kostengünstig verkleidete Laiendarsteller aussehen, kommt dem Gesamteindruck ebenfalls nicht zugute. Trotzdem will ich nicht abstreiten, dass es über die Spielzeit von 97 Minuten doch eine ganze Reihe schöner Szenen gibt, wie z.B. eine Rückblende, die das Verhältnis der beiden Freundinnen näher beleuchtet oder solche, die im Morgengrauen spielen und in denen das Licht einfach verdammt schön ist. Oder solche, die zumindest ein wenig komisch sind, wenn auch nicht ganz freiwillig. Ich habe mich beispielsweise sehr gefreut als Virginia, obwohl sie nur ein klein wenig beleidigt war, gleich aus dem Zug springt – und das in einer Gegend, in der nach Aussage des Schaffners keine Menschenseele wohnt. Oder auch als Virginia von den Toten aufersteht und der ganze Film kurzzeitig ein Vampirfilm zu werden scheint.

Was ich an „Night Of The Blind Dead“ am unterhaltsamsten fand, war jedenfalls nicht die Sache mit den Tempelrittern, sondern die Figurenkonstellation: Der Beziehung zwischen Virginia und Bella wird von einigen Andeutungen am Anfang des Films nicht weiter nachgegangen (meiner Meinung nach der größte Fehler des Films!), aber als Bella und Roger sich zusammen mit dem Gauner Petro (José Thelman) und seiner Flamme Maria (María Silva) zum Kloster begeben, wird der Film zum ersten und fast einzigen Mal richtig unheimlich. Und das nicht etwa weil die Zombies los sind, sondern weil Petro sich an der freundlichen Bella vergreift. An dieser Stelle hat es bei mir Klick gemacht und ich habe mich gefragt, ob de Ossorio wohl möglich gar keinen klassischen Horrorfilm drehen wollte. Männliche Gewalt ist in gewisser Weise ja zentrales Thema. Im Mittelalter haben die Templer Jungfrauen gequält und ihr Blut getrunken. Zwar sind sie dafür bestraft und unter die Erde gebracht worden, doch das Problem wurde damit nur vordergründig beseitigt. Die Symptome wurden bekämpft, doch die Krankheit lebt und kann jederzeit wieder ausbrechen: Die Gewalt, die Männer gegen Frauen ausübten und immer noch ausüben, ist unsterblich und sie schlummert bis wir sie wieder wecken. Das geschieht am Anfang, als Virginia indirekt durch die Annäherungsversuche von Roger an ihrer Freundin Bella zu der verwunschenen Ruine getrieben wird, das geschieht – deutlicher – bei der Vergewaltigung durch Petro.

Vielleicht ist das ja die Message, die de Ossorio seinem Film noch zwischen die Zeilen geschrieben hat. So verstanden, wäre er eine Warnung vor einer Krankheit, die man nicht heilen kann, indem man die Infizierten tief verbuddelt. „Night Of The Blind Dead“ schildert, wie sich die Infektion ausbreitet. Insofern alles in allem doch ein interessanter erster Teil, der Lust auf mehr macht. Schön sind dessen letzte Szenen wenn zu sehen ist, wie die Toten mit dem Zug ins Dorf kommen und der ohnehin nicht schnelle Film sich ein letztes Mal verlangsamt, das Bild gefriert und jede Bewegung im Moment erstarrt. Das Bild könnte aus einer Zeitung stammen und zu einer Katastrophenmeldung gehören, die den Anfang vom Ende einläutet.

Bild ©  Laser Paradise
 

Daughter Of Darkness (Harry Kümel, Belgien, Frankreich, Deutschland 1973)

Posted by – 4. November 2013

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Stefan (John Karlen) und Valerie (Danielle Ouimet) sind frisch vermählt und auf dem Weg zu Stefans Familie nach England. Weil sie jedoch die Fähre verpassen,  müssen sie eine Nacht in einem menschenleeren Hotel im belgischen Ostende verbringen. Dort treffen sie auf Gräfin Elisabeth Bathory (Delphine Seyrig) und ihre Begleiterin Ilona (Andrea Rau). Die beiden Frauen zeigen ein großes Interesse an dem jungen Ehepaar.

„Daughter Of Darkness“ (OT: Les lèvres rouges) von Harry Kümel ist eine sehr interessante Variation des Vampirthemas, schon allein weil hier keine Vampire  vorkommen. Kümel beschränkt sich auf Andeutungen, wie die einer Mordserie im nahen Brügge, der schon mehrere Frauen zum Opfer gefallen sein sollen oder auch den Namen der Gräfin (Bathory war eine ungarische Adlige, die dem Volksmund zufolge für zahlreiche Morde an ihren weiblichen Bediensteten und Frauen aus der Umgebung verantwortlich gewesen sein soll). Doch spannend ist der Film nicht in erster Linie wegen dieser Andeutungen, sondern wegen der Beziehungen der Personen. Jede Szene – sei es zwischen Stefan und Valerie, Elisabeth und Ilona oder allen vieren zusammen – saugt den Zuschauer förmlich hinein, weil zwischen den Figuren etwas passiert. Mal unterschwellig, mal ganz offensichtlich verhandeln sie ihre Beziehung(en). Stefan und Elisabeth scheinen während dieser Machtspiele, in denen sich der Mann zusehends als der Unterlegene erweist, um die Gunst von Valerie zu buhlen. Zumindest insofern verstehe ich schon, warum, wie ich irgendwo gelesen habe, Kümels Film von Kritikern heteronormativer Beziehungskonzepte so gefeiert wird. Als Plädoyer für bestimmte Lebensstile oder sogar politischen Film will ich „Daughter Of Darkness“ trotzdem nicht sehen, denn ein Opfer der Besitzansprüche anderer ist Valerie in beiden Fällen – sowohl als Stefans Frau als auch als Elisabeths Konkubine.

Möglicherweise muss man Kümels Film auch gar nicht unter der Fahne des Kriegs der Geschlechter stellen, sondern hat mehr von ihm, wenn man ihn einfach als unglaublich atmosphärische, optisch brillante und stark gespielte Variation des Vampirthemas sieht, die ihm durch Fokus auf Themen wie Macht und Begierde neue Facetten abringt. Mir gefällt „Daughter Of Darkness“ derzeit vor allem in seiner unmittelbaren Wirkung, beim Wahrnehmen seiner Stimmungen, die von Eiseskälte bis hin zu Leidenschaft  und im Untergrund brodelnden Emotionen reichen. Er gefällt mir weniger, wenn ich anfange, ihn zu rationalisieren. Aber ich will ihn unbedingt bald noch einmal sehen und mir auch Kümels Audiokommentar anhören, der sich noch auf der mir vorliegenden DVD von Bildstörung befindet. Vielleicht sehe ich die Sache dann anders.

Bild © Bildstörung