Tag: Werwolf

When Animals Dream (Alexander Arnby, Dänemark 2014)

Posted by – 27. Februar 2015

When Animals DreamIch habe den Film zwar schon vor ein paar Monaten im Kino gesehen, hier aber noch nachträglich eine kleine Erinnerungsstütze:

Marie (Sonia Suhl), die mit ihrem Vater (Lars Mikkelsen), ihrer an den Rollstuhl gefesselten, apathischen Mutter (Sonja Richter) in einem kleinen dänischen Dorf wohnt. Seit einiger Zeit schon verändert sich Maries Körper, was von ihrem Vater und dem Dorfarzt (Stig Hoffmeyer) misstrauisch beobachtet wird. Als die Wandlung offenkundig wird, interessieren sich auch die anderen Dorfbewohner für sie. Vornehmlich auf junge Männer hat Marie eine besondere Wirkung, die von Begehren bis zu offen gezeigtem, aggressivem Verhalten reicht. Als die Stimmung umschlägt, ist nur Daniel (Jakob Oftebro) bereit, der verfolgten Frau zu helfen.

Zugegeben, neu ist Arnbys Verknüpfung des „Werwolf“- und „Coming of Age“-Themas nicht. Besser gefällt mir z.B. „Ginger Snaps“, weil ich ihn reichhaltiger fand und spritziger fand. Wenn Jon Fawcetts Film ein kleines, freches Mädchen ist, dann ist Arnbys ein Lethargiker. Tatsächlich geht es dem Regisseur weniger darum, dem Genre-Fan klassische Lykantrophenkost zu servieren als seine Geschichte möglichst behut- und einfühlsam zu erzählen, was ihm ein wenig auf Kosten des Unterhaltungswerts auch recht gut gelingt. Ihm geht es um die Entwicklung der Protagonistin, einer jungen Frau, die anders ist und die davon träumt, ihre Wünsche auch ausleben zu dürfen; und vielleicht geht es sogar ganz allgemein um die Rolle der Frau und den Druck der Gesellschaft, sich möglichst widerstandslos in sie einzufügen. Arnbys Film wirkt wie eine morbide Fabel zu diesem Thema, die sich in verträumter Weise mit dem sexuellen Erwachen einer seiner Protagonistin – und der Reaktion ihrer Umwelt darauf – auseinandersetzt. Träume können schön sein, wie schon der von Weichzeichnern, Überblendungen und Unschärfen gekennzeichnete Anfang des Films suggeriert – aber auch grausam. Während das Tier davon träumt, ein Mensch zu sein, ist der Mensch wach viel zu oft eine Bestie. Das zeigt der Verlauf des Films, wenn die Dorfbewohner zur Hetzjagd auf die haarige Marie ausrufen. Hier zeigt sich: Zum wichtigstem im Leben gehören gute Freunde, solche, die uns beistehen, wenn wir in Not sind. Diesen Aspekt teilt „When Animals Dream“ mit dem Meisterwerk „Let the Right One In“. Wie dieser ist Arnbys Film nämlich nicht nur ein originelles Coming-of-Age, sondern auch ein starkes Plädoyer für Toleranz.

Weitere Vorbilder waren für Arnby nach eigenem Bekunden übrigens so unterschiedliche Filme wie Brian de Palmas „Carrie“ und Debra Graniks „Winter’s Bone“. Die Kraft dieser Vorlagen wird zwar nicht ganz erreicht, sehenswert und wichtig ist der Film über den Wolf im Weibe aber trotzdem.

Bild © Prokino

Howling II: Stirba – Werewolf Bitch (Phillipe Mora, USA 1985)

Posted by – 23. Mai 2014

#MonsterMay 6

„The Howling“ von Joe Dante gilt als Klassiker des modernen Horrorfilms. Der Fortsetzung von Phillipe Mora ist dieses Glück nicht beschieden – und das obwohl sein Film ebenfalls auf der Romanvorlage von Gary Brandner beruht, der die Story aus dem ersten Teil einfallsreich fortführt: Nachdem die Journalistin Karen (im ersten Teil gespielt von Dee Wallace, im zweiten von Hana Ludvikova) zum Werwolf mutiert und daraufhin erschossen wird, machen sich ihr Bruder Ben (Reb Brown) und ihre Freundin Jenny (Annie McEnroe) zusammen mit Werwolfjäger Stefan (Christopher Lee) daran, die Hintergründe von Karens Verwandlung aufzuklären. Als Grund allen Übels wird schnell Werwolfkönigin Stirba ausgemacht. Auf geht’s nach Transsylvanien, um die Königin und ihre haarige Sippe auszumerzen.

Es gibt Filme, da zweifelt man schon kurze Zeit später daran, sie wirklich gesehen zu haben. War das vielleicht nur ein Fiebertraum und man hat gar keine Werwölfe beim Kopulieren beobachtet, geschweigedenn explodierende Zwerge gesehen? Von den versöhnlichen Tönen des nächsten Teils ist im hier noch nicht viel zu merken. Mora interessiert sich eher dafür, das Verhältnis von Menschen und Werwölfen auszuloten oder anderes gesagt: den Graben, der sie trennt, noch ein paar Meter und damit scheinbar unüberwindlich zu vertiefen!

„Howling II: Stirba – Werewolf Bitch“ hat auf IMDB derzeit gerade mal 3,2 von 10 Punkten (Tendenz immerhin steigend), was zeigt, dass der reine Massengeschmack ein schlechter Indikator für die Qualität eines Films darstellt. Warum man „The Howling“ feiert, die beiden Fortsetzungen aber als miese B-Movies verurteilt, obwohl sie doch aus der Feder des gleichen Autors stammen, der offenkundig eine große Geschichte zu erzählen hat, die aus dem Werwolf-Mythos etwas Neues, Ungewöhnliches macht, ist mir ein Rätsel. Ich vermute, dass sich viele Zuschauer von Aspekten des Films abschrecken lassen, die dem geringen Budget (Effekte) oder der unbekümmerten Schauspielführung Moras geschuldet sind und deswegen kein Auge mehr für die inhaltliche Entwicklung des Themas haben. Aber wie das in der Kunst so ist – nicht nur das makellose Stillleben oder fotorealistische Bild, auch ein expressionistisches Gemälde oder Werke der naiven Kunst haben ihre Daseinsberechtigung und lassen sich nicht anhand objektiver Merkmale bewerten.

Beim Blogpost zu „Howling III“ habe ich drei Gründe angeführt, warum ich ihn so mag, erstens, weil er Fantasy im allerbesten Sinne ist, die keine Genregrenzen kennt, zweitens weil er die Erwartungen des Zuschauers immer wieder unterläuft und drittens weil er eine so positive, fast schon humanistische Botschaft enthält, die man in dieser Form und Absolutheit in dem Genre selten bekommt. Zumindest die ersten beiden Gründe gelten unumschränkt auch für den Vorgänger. Was die positive Grundhaltung betrifft, muss man allerdings Abstriche machen. „Howling II“ ist roh und blutig, ungestüm, zeigefreudig und voll auf die Zwölf – alles im Namen der Kunst. Der Konflikt zwischen Mensch und Wolf wird nicht hinterfragt, sondern als schrille Performance geradezu zelebriert. Aber gerade aus diesem Grund ist der Sprung von Teil II zu Teil III so interessant. Ich habe das Gefühl, dass die Radikalisierung des Konflikts, der zumindest von Seiten der Menschen mit gnaden- aber auch gedankenloser Härte ausgetragen wird, ein notweniger Schritt für die Ereignisse von „Howling III: The Marsupials“ ist, den ich, wie diesen Teil auch, nicht nur Trashfreuden und Arthäuslern sehr ans Herz legen möchte. Er wirkt bewusstseinserweiternd.

Bild © Studiocanal
 

Ginger Snaps (John Fawcett, Kanada 2000)

Posted by – 25. Juli 2013

Ginger SnapsRationalität, Vernunft, Logik. Der Mensch ist so stolz auf seine Fähigkeit, die Welt zu verstehen und ordentlich in beschriftete Schubladen zu verstauen. Doch was wäre, wenn er aller Selbstwahrnehmung zum Trotz eher ist wie das Blatt im Wind, das Meer im Spiel der Gezeiten, das instinktgesteuerte Tier?

Die beiden Schwestern, die 15-jährige Brigitte (Emily Perkins) und die 16-jährige Ginger Fitzgerald (Katharine Isabelle) sind Außenseiterinnen, für ihre Umwelt haben sie nur Verachtung übrig. Doch untereinander sind die beiden unzertrennlich. Das ändert sich, als Ginger nachts von einem Tier angefallen wird. Sie überlebt den Angriff, ist danach aber verändert. Nicht nur, dass sie anschließend auf einmal Interesse an Jungs zeigt, auch ihrer Schwester gegenüber verhält sie sich feindselig. Ihre Eltern sehen Gingers Verhalten für ein Zeichen der Pubertät an, doch Brigitte weiß es besser: Ihre Schwester wurde von einem Werwolf gebissen.

„Ginger Snaps“ ist fast so etwas wie das weibliche, reifere Pendant zu „Teenwolf“ – und einer der schönsten Werwolf-Filme, die ich kenne. Diese Stimmung, dieser Himmel! Die Geschichte thematisiert ganz wunderbar das Erwachsenwerden, die Pubertät, den jugendliche Impuls, sich abgrenzen und gleichzeitig dazuzugehören, ohne dem Zuschauer aber jemals das Gefühl zu geben, es ginge um die Vermittlung pädagogischer Botschaften. Nein, hier geht es wirklich um zwei Mädchen und ihre Situation (ihre Freundschaft und Einstellung zum Leben, mit seltsamen Eltern „gesegnet“ und in der Schule verhasst zu sein etc.). Ich habe Emily Perkins und Katharine Isabelle sehr gerne dabei zugesehen, wie sie ihre vom Tod faszinierten Figuren in bester „Harold And Maude“-Manier spielen.

Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir, wie John Fawcett und Co-Autorin Karen Walton es schaffen, ihren sehr eigenen Humor in den Stoff weben (beispielsweise liegen überall tote Hunde herum), ohne dabei ins Alberne abzugleiten und die Spannung des Films zu untergraben. Sie liefern damit sogar noch ein interessantes Statement und bereichern das Werwolf-Genre um eine Facette. Es ist bestimmt kein Zufall, dass hier der weibliche und der Zyklus eines Werwolfes in solche Nähe gerückt werden. Ehe sich jemand aufregt: Ich denke nicht, dass dies ein einfacher PMS-Scherz ist, sondern, dass Fawcett und Walton hier augenzwinkernd einen Frontalangriff auf die Selbstwahrnehmung des Menschen startet. Nicht mehr die Vernunft ist die treibende Kraft hinter unseren Handlungen. Die Gefühle sind es. Und die werden eben nicht durch unseren Kopf gesteuert, sondern durch den Mond oder eben auch ein saftiges Kotelett.

Auf Twitter haben wir gestern darüber gesprochen, wie Filmkritik sein sollte. Sebastian drüben vom Hirnrekorder vertrat die Ansicht, dass eine Kritik möglichst umfassend sein und sich nicht nur auf Details konzentrieren sollte, dass in sie alles gehört, nicht nur die guten Aspekte eines Films. Ich möchte die Notizen dieses Blogs zwar nicht als Filmkritiken verstanden wissen, das Gespräch aber zum Anlass nehmen, auch mal wieder einen negativen Punkt nennen: Der Werwolf in „Ginger Snaps“ teilt das Schicksal der meisten Filmwerwölfe – er sieht nämlich ziemlich bescheiden aus. Doch dieser scheinbar zentrale Aspekt erweist sich (wie neulich schon bei „Howling III“) angesichts des Gesamtwerks als vernachlässigbare Kleinigkeit, ja, er ist fast schon wie ein kleiner Schönheitsfleck.

Bild © Concorde
 

Fantasy Filmfest 2012

Posted by – 8. September 2012

Seitdem ich in Berlin wohne, gehört das Fantasy Filmfest (neben Weihnachten, Geburtstag und Urlaub) zu den Höhepunkten meines Jahres. Umso bedauerlicher, dass mir eigentlich fast immer etwas dazwischen kommt. Nicht so in diesem Jahr. Ich habe mir zwar nicht besonders viel angesehen, hatte aber mit den Filmen fast durchweg Glück.

In Anfang in diesem Jahr machte „Game Of Werewolves“ (mehr dazu hier).  Nachdem ich kürzlich soviel Freude an „Howling III: The Marsupials“ und auch „The Undying Monster“ mir Spaß gemacht hat, dachte ich, ich müsste mal mehr Werwolf-Filme guten. Der spanische „Game Of Werewolves“ hat mich ebenfalls nicht enttäuscht. Für mich war der Film sogar nach Neil Marshalls „Dog Soldier“ einer der originellsten und charmantesten Werwolf-Filme der letzten 20 Jahre.

Etwas weniger Freude hatte ich mit dem „Thale“. Wie auch schon im grandiosen „Trollhunter“ steht hier auch ein Stück norwegische Folklore im Zentrum, aber anders als André Øvredal schafft es Aleksander Nordaas meines Erachtens selten, den Zuschauer auch nur ansatzweise ähnlich zu verzaubern.  Eine ausführliche Review von mir findet ihr hier.

„Girls Agains Boys“ habe ich mir ehrlich gesagt nur wegen des Titels angeschaut. Ein Glücksgriff. Vordergründig mag es sich um ein normales „Rape And Revenge“-Movie handeln. Unter der Oberfläche steckt in ihm aber soviel mehr! Ich weiß, das ist schnell behauptet und müsste weiter ausgeführt werden, damit deutlich wird, was ich damit meine und bei Gelegenheit werde ich das vielleicht auch mal tun, z.B. anlässlich des DVD-Starts des Films, der hoffentlich kommen wird.

Mein Highlight des Fantasy Filmfests 2012 war aber „Excision (meine Lobdudelei gibt’s hier). Direkt nach dem Screening dachte ich noch, „Excsion“ wäre gut, aber nicht wirklich toll. Doch je mehr ich über den Film nachgedacht habe, desto mehr ist mir über ihn ein- und an ihm aufgefallen. Der Film tut erst, als wäre er dein Freund. Aber dann! „Excision“ ist eine einzige, blutige Erziehungsmetapher, die sich lange geschickt als schwarze Komödie tarnt, obwohl er doch ein galliges Drama ist.  Und tut richtig weh. In a good way.

Zum Abschluss gab es noch „Cockneys vs. Zombies (meine Rezension auf Kino-Zeit). Falls ich es in diesem Blog noch nicht erwähnt habe: Ich kann lustigen Zombiefilmen nichts abgewinnen. Das liegt schon daran, dass ich sie in der Regel nicht lustig finde. Insofern hatte es der Film Matthias Hoene bei natürlich auch schwer, auch wenn ich zugegeben muss, dass sein Film bestimmt nicht die schlechteste ZomCom ist. Meiner Meinung nach ist das Comedy-Virus ansteckender und ungleich gefährlicher als jede Zombie-Epidemie, es wird irgendwann jedes Genre infizieren und einen qualvollen Tod sterben lassen. Der Zombie-Film ist auf dem besten Weg dahin.

Bild © Rosebud Entertainment
 

Howling III: The Marsupials (Philippe Mora, Australien 1987)

Posted by – 12. Mai 2012

Ich mag zwar Monster aller Art, habe aber kein besonderes Faible für Werwolffilme. Bisher dachte ich, dass das vielleicht auch an den oft wenig ansprechenden Werwolfkostümen liegen könnte. Seit „Howling III“ von Philippe Mora weißt ich aber sicher, dass es damit nichts zu tun hat, denn: schlechtere Kostüme als hier sind kaum möglich. Und trotzdem fand ich den Film einfach nur geil.

Der Anthropologe Professor Harry Beckmeyer (Barry Otto) ist sich sicher: Es gibt Werwölfe. Vom Präsidenten persönlich bekommt er den Auftrag, entsprechenden Berichten nachzugehen. Seine Spur führt ihn in ein australisches Dorf. Währenddessen in Sydney: Als Donny (Leigh Biolos) die wunderschöne Jerboa (Imogen Annesley) sieht, weiß er sofort – die Frau ist wie geschaffen für den Film. Er überredet die Schönheit, am Werwolffilm des Horrorregisseurs Jack Citron (Frank Thring) mitzuwirken. Was Donny nicht ahnt: Jerboa ist wirklich ein Werwolf.

Drei Gründe, warum „Howling III“ ein toller Film ist. Erstens: Er ist Fantasy im allerbesten Sinne. Genregrenzen existieren hier nicht. Man kann sogar behaupten, dass Mora das Lykanthrop-Genre neu erfindet. Seine Ideen bestimmen die Struktur des Films und nicht umgekehrt. Zweitens (hängt mit erstens zusammen): Um einen Film zu entdecken, der dermaßen mit den Erwartungen spielt (oder vielmehr: sich um diese gar nicht kümmert), findet man selten. „Howling III“ ist wirklich nie vorhersehbar und auch aus diesem Grund äußerst unterhaltsam. Drittens: Ich habe schon lange keinen „Horror“film mehr gesehen, der eine so schöne, im positiven Sinne gutgemeinte Geschichte der Toleranz und  interkulturellen Verständigung erzählte. Ich bin fast versucht, ihn aus diesem Grund mal in meinem Seminar zu zeigen. Und als vierten Grund, der sehr für „Howling III“ spricht, also Bonus-Grund quasi, möchte ich gerne noch den Papst anführen. Er hat wahrscheinlich selten eine bessere Tat getan, als in diesem Film.

Natürlich muss man, was die Kostüme und Special-Effects angeht, Abstriche machen. Wenn sich die drei Nonnen, die Jerboa zurückholen wollen, in Werwölfe verwandeln, sehen sie eher wie Wersäue aus; und auch die diversen Verwandlungsszenen sind alles andere als perfekt. Und trotzdem hat es Philippe Mora irgendwie geschafft, dass diese Mankos allesamt nicht weiter ins Gewicht fallen. Und jetzt bin ich schon sehr gespannt auf „Howling II: Stirba – Werewolf Bitch“, der auf der IMDB mit einer Wertung von 2,9/10 abgestraft wurde. Das sind immerhin 0,2 Prozentpunkte mehr als bei „Howling III: The Marsupials“. Es wird also voraussichtlich noch besser werden.

Bild © Best Entertainment