Tag: Zeichentrick

Ernest & Celestine (Stéphane Aubier, Vincent Patar, Benjamin Renner, Frankreich 2012)

Posted by – 30. November 2013

DruckDie Mäuse leben unter, die Bären über der Erde. So war es schon immer, so soll es bleiben. Das ganze Erziehungssystem der Mäuse ist darauf ausgerichtet, die Angst vor den Bären zu kultivieren. Doch die junge Maus Celestine will sich nicht mit den Gruselgeschichten abfinden. Sie liebt es, Bären zu zeichnen und sie würde gerne mal einen kennenlernen. Die Chance erhält sie tatsächlich bald, als sie bei einem Ausflug an die Oberfläche in einer Mülltonne gefangen und am nächsten Morgen von dem Bären Ernest befreit wird. Maus und Bär stellen fest, dass sie sich gut leiden können. Doch die Freundschaft stößt in der Mäuse- sowie Bärenwelt auf wenig Verständnis.

„Ernest & Celestine“ ist ein starkes Plädoyer für einen vorurteilsfreien, verständnisvollen Umgang miteinander – zeigt aber auch wie schwer essein kann, wenn die Gesellschaft nicht mitspielt: So sind Ernest und Celestine zunächst gezwungen, außerhalb der Bären- und Maus-Community in Ernests kleiner Waldhütte zu wohnen. An eine Rückkehr ist nicht zu denken. Erst eine Reihe von Zufällen, die dazu führen, dass Ernest bei den Mäusen und Celestine bei den Bären gefangen gehalten wird, machen es ihnen schließlich möglich, die Vorurteile der Mäuse- bzw. Bärengesellschaft abzubauen. Ach, wenn das Leben nur immer so spielen würde! Was einen für den Film  dann aber doch  einnimmt, sind seine originelle Bilderwelt und viele fantasievolle Details. Die Bären- und Mäusewelt funktioniert nach ganz eigenen Gesetzen und hat eine ausgeklügelte Sozialordnung, welche die Beziehung der beiden Spezies bestimmt. Z.B. dreht es sich alles um Zähne: Die Mäuse brauchen Bärenzähne für ihre Arbeit unter Tage. Und die süßigkeitsverliebten Bären kommen natürlich auch selbst nicht ohne Zahnersatz aus. Es sind weniger die einfache Geschichte mit dem etwas zu süßen Ende, sondern vor allem solche Ideen, die „Ernest & Celestine“ zu einem sehenswerten Film machen. Dass der Film ab 6 Jahren freigegeben ist, halte ich allerdings für etwas irreführend. Da es einige sehr gruselige Szenen gibt (zumindest habe ich mich gegruselt!) würde ich Eltern dringend empfehlen, sich den Film vorher einmal anzusehen und sein Albtraumpotenzial selbst abzuschätzen.

Bild © Ascot Elite
 

The Secret of Kells (Tomm Moore, Frankreich / Belgien / Irland 2009)

Posted by – 1. November 2012

Irland im 9. Jahrhundert. Während sich Abt Cellach nur für den Bau der Klostermauer interessiert, die die Abtei vor den Wikingern  beschützen soll, ist sein 12-jährige Neffe Brendan von Bücher fasziniert. Als eines Tages der legendäre Meister-Buchmaler Aidan die Abtei besucht, beginnt für Brendan ein großes Abenteuer.

Bei den Irish Film and Television Awards wurde er als „Bester Animationsfilm 2010“ ausgezeichnet und bei den Oscars im gleichen Jahr erhielt er immerhin eine Nominierung „Bester Animationsfilm“. Ist „The Secret of Kells“ wirklich so gut? Die Bilder sind in der Tat großartig. Die handgemalten Zeichnungen und die Computeranimationen wirken zwar erst etwas zweidimensional, entfalten im Laufe des Films aber eine immer größere Kraft und haben auf mich fast schon hypnotisch gewirkt. Den Film ist wie ein Drogentrip.

Die Story, im Kern eine Coming-of-Age-Geschichte, hat mich allerdings nicht vollständig überzeugt. Die Figuren sind holzschnittartig, aber im Gegensatz zu den Bilder, gewinnen sie nicht im Laufe des Films. Brendans Freundschaft zu dem Waldmädchen Aisling z.B. Da treffen zwei ganz unterschiedliche Kulturen aufeinander, aber Moore macht gar nichts daraus. Ähnlich oberflächlich bleibt „The Secret Of Kells“ auch bei Brendans Beziehung zu  seinem Onkel. Dabei ist der Konflikt zwischen den beiden elementar: Cellach steht für konservatives Denken,  Autorität und Sicherheitsorientierung, Brendan für Neugier und Forschungsdrang. Aber auch hier weiß Moore leider nicht mehr zu erzählen. Alles bleibt an der Oberfläche. Was mich besonders gestört hat: Die Wikingersind grunzende Unmenschen – das personifizierte Böse. Ein wirklich fantasievoller Film hätte so etwas nicht nötig gehabt.

Dass es auch anders geht, kann man in den Filmen von Hayao Miyazaki wunderbar sehen. Ja, Moores Film hat durchaus einige Stärken. Aber trotzdem möchte ich lieber fünfmal „My Neighbor Totoro“ nacheinander sehen als noch einmal „The Secret of Kells“.

Bild © Ascot Elite
 

My Neighbor Totoro (Hayao Miyazaki, Japan 1988)

Posted by – 14. Mai 2012

Satsuki und die kleine Schwester Mei ziehen mit ihrem Vater in ein Haus auf dem Land. Sie wollen näher bei ihrer Mutter sein, die sich in einer nahen Klinik von einer schweren Krankheit erholt. In das Haus, das von vielen geheimnisvollen Wesen bewohnt scheint, verlieben sich die beiden Schwestern sofort. Als Mei eines Tages eine kleine, seltsame Kreatur entdeckt und ihr in den Wald folgt, lernt sie im Inneren eines riesigen Baumes den flauschigen Riesen Totoro kennen. Es dauert nicht lange und Mei, Satsuki und Totoro sind gute Freunde.

Durch Kinderaugen gesehen ist die Welt eine andere. Für Mei und Satsuki ist sie voller Geister und wunderbarer Geschöpfe. Ihr Vater, Professor Tsakabe, tut allerdings nicht, was Erwachsene in ähnlichen Filmen (und im echten Leben?) gerne tun: ihre Kinder belehren, was es gibt und was nicht. Eltern wünschen sich fantasievolle Kinder, aber diese seltsamen Gedanken haben bitteschön der Realität nicht in die Quere zu kommen und hinter hohen Mauern im Reich der Fantasy zu bleiben. Bei Hayao Miyazaki gibt es diese Trennung nicht. Es gibt keine Mauern, keine Ausgrenzung und ebenso wenig eine zwanghafte Einteilung in Gut und Böse. Auch wenn Tsakabe Totoro nicht sehen kann, nimmt er die Realität seiner Töchter als gleichberechtigt an. Er versucht nicht, ihnen ihre guten Geister auszureden, sondern akzeptiert ihre Welt voll und ganz. Dass so eine Einstellung ihr Gutes hat, auch wenn sie mit „normalen“ Realitätskonzepten kollidiert, wird in „My Neighbor Totoro“ (OT: Tonari no Totoro) offensichtlich. Immerhin findet Satsuki mit Hilfe Totoros und des tollen Katzenbusses ihre kleine Schwester wieder. Und auch die Mutter der beiden wird bestimmt ganz schnell wieder gesund. Mei, Satsuki und Totoro haben ihr schließlich einen super gesunden Maiskolben vorbei gebracht.

Ich bin immer noch ganz beschwingt von diesem Film, den ich gestern, mit Werbeunterbrechung und seltsamer deutscher Synchro im TV gesehen habe (eine Buddha-Statue wurde, wenn ich mich nicht verhört habe, mit lieber Herr Jesu angesprochen, die Bento-Box mit Butterbrot übersetzt). „My Neighbor Totoro“ ist ein Film voller Wunder und dadurch ein ganz wunderbarer Film. Also keine Angst, liebe Eltern. Wenn ihr euren Kindern oder auch euch selbst einmal etwas Gutes tun wollt, lasst die Finger von dem honigsüßen, aber ungesunden Disneyzeug und legt Totoro oder einen anderen Film von Hayao Miyazaki ein.

Bild © Universum