Tag: Zeitreise

Happy Death Day (Christopher Landon, USA 2017)

Posted by – 17. November 2017

Aus eigener, ja sogar tagesaktueller Erfahrung weiß ich – Geburtstage können eine sehr schöne Sache sein. Wenn man allerdings, wie eine grantige Studentin in „Happy Death Day“ den gleichen Tag immer wieder erlebt und zu allem Überfluss noch jedes Mal wieder vom einem maskierten Killer getötet wird, ist das natürlich unschön. Denke ich zumindest. Da habe ich aber keine Erfahrungswerte. Der Film von Christopher Landon hingegen, den ich gesehen und für Kino-Zeit rezensiert habe, ist, anders als das Thema, das er behandelt, – hier weiß ich wovon ich spreche – eine ganz schöne Sache. Was sich wie eine wenig uninspirierte Version von Harold Ramis famosen „Groundhog Day“ im Horror-Genre liest, entpuppt sich als spannend-rasanter Mystery-Thriller mit viel Freude am Zitat, dem richtigen Quäntchen Humor und sympathischen moralischen Message. Hier geht’s zum Text.

Terminator: Genisys (Alan Taylor, USA 2015)

Posted by – 6. Juli 2015

„Wenn man die Terminator-Filme mag, wird man diesen Film lieben.“ James Cameron soll das gesagt haben. Und „dieser Film“ ist natürlich „Terminator: Genisys“, der wie zuvor „Terminator: Die Erlösung“ als erster Teil einer neuen Trilogie konzipiert ist. Ob das was wird, daran habe ich allerdings meine Zweifel. Auch wenn die Action zumeist kurzweilig ist, ist der Mangel an Ideen doch eklatant. Warum will man diese Geschichte vom Kampf des Menschen gegen die Maschinen weitererzählen, wenn es so offensichtlich nichts zu erzählen gibt? Am lässt sich Teil 5 als eine Sammlung der vermeintlichen Highlights des ersten und zweiten Teils beschreiben. Doch Szenen dieses „Best-of“ verblassen vor denen, auf die sie anspielen. Und das ist nicht das einzige Problem von „Terminator: Genisys“. Auf Kino-Zeit.de gibt es eine längere Kritik von mir.

Prince Of Darkness (John Carpenter, USA 1987)

Posted by – 19. Mai 2015

Prince Of DarknessWenn man sich über Carpenter-Filme unterhält, wundere ich mich regelmäßig, wie viele Filmfans „Prince Of Darkness“ sehr mögen, ohne sich wirklich durchringen zu können, ihn an die Spitze ihrer persönlichen Rangliste des Regisseurs zu stellen. Wobei – irgendwie kann ich es auch gut nachvollziehen. Schließlich geht es mir ähnlich. Bei mir rangiert der Film pi mal Daumen auf Platz 5 meiner Carpenter-Charts. Meine Einstellung zu dem Film ist mir bei der letzten Sichtung etwas klarer geworden und ich will versuchen, das hier mal ganz knapp zu notieren.

In diesem Film erzählt John Carpenter nach eigenem Drehbuch die Geschichte einer im wahrsten Sinne teuflischen Bedrohung: Im Keller einer lange geschlossenen Kirche wird eine seltsame Entdeckung gemacht. Ein Priester (Donald Pleasence) verständigt daraufhin eine Gruppe von Wissenschaftlern unter der Leitung Howard Birack (Victor Wong), die das Phänomen genauer untersuchen wollen. Doch ehe sie sich versehen, sitzen sie in der Falle – sie können die Kirche nicht verlassen. Und im Keller lauert der Prinz der Finsternis und wartet darauf, wiedergeboren zu werden.

Irgendwo zwischen den allseits bejubelten Meisterwerken und den Filmen, bei denen sich die meisten einig sind, dass sie wirklich gar nichts taugen, hat John Carpenter einige Filme gedreht, die sich im Mittelfeld versteckt halten. „Prince Of Darkness“, nach „The Thing“ und vor „Mouth Of Madness“ der zweite Teil von Carpenters sogenannter apokalyptischer Trilogie, ist so ein Film, der nie ganz zu den Klassiker aufgeschlossen hat, der sich angesichts seiner mannigfaltigen Stärken aber ohne Frage irgendwo im oberen Drittel verorten lässt. Schon der Anfang versetzt mich jedes Mal in Hochstimmung. Die zielführende Hinführung zum Plot, die dezente Vorstellung der gleichwohl markanten Figuren und dann die Location, diese wunderbar gruselige Kirche in einem ebenso gruseligen Teil von Los Angeles, die anfangs schwer fassbare Bedrohung, die innerhalb und außerhalb der Gemäuer lauert. Eingesperrt sein ist auch hier wieder ein ganz zentrales Thema. Je mehr Raum das Böse bekommt, desto unfreier werden die Figuren, die im Laufe des Filmes verschiedene Stadien der Gefangenschaft durchlaufen. Ja, „Prince Of Darkness“ hat alles, was Carpenter-Filme auszeichnet – und noch mehr.

Für manchen mögen hier auch die Probleme anfangen. Hat dieser apokalyptische Sci-Fi-Horror- und Zeitreisefilm von allem etwas zu viel? Zu viel pseudo-wissenschaftliches Gebrabbel enthält er mit Sicherheit, aber vielleicht ist das gar nicht so schlimm, so bluten einem wenigsten ordentlich die Ohren. Mich jedenfalls hat dieses relative Manko eigentlich nicht gestört, zumal der geniale Regisseur Carpenter die Schwächen des Drehbuchautors Carpenter mehr als ausgleicht. Ich empfinde den dadurch entstehenden Trash-Appeal sogar als ganz guten Ausgleich für die Horror-Seite des Films. Ja, ich würde sagen – nach „The Thing“ ist „Prince Of Darkness“ der spannendste Film, den John Carpenter je gemacht hat. Insofern habe ich meine Probleme auch eher mit dem letzten Drittel des Films, denn hier funktioniert er für mich dramaturgisch nicht mehr so gut. Mich würde sehr interessieren – geht es anderen ähnlich? Die Figuren sind zu dem Zeitpunkt eingeschlossen in drei verschiedenen Räumen. Sie können nicht heraus, aber auch nicht bleiben. Bei einer besteht sogar die Notwendigkeit, ihren Aufenthaltsort zu verlassen. Was auf dem Papier ganz reizvoll klingt, erweist sich im Film – möglicherweise noch nicht gleich beim ersten Sehen, aber bei jeder erneuten Sichtung etwas mehr – als zunehmend zäh. Mehr Gefängnisse erhöhen nicht den Grat an Gefangenschaft. Carpenter schneidet von Raum zu Raum und nach einer langen Weile, ohne besondere dramaturgische Notwendigkeit, mündet das Ganze in einem wenig glorreichen Finale. Die Wissenschaftler können den Prinzen der Finsternis recht unspektakulär auf einmal aus der Welt schubsen. Und ab dafür.

Viel gruseliger sind da schon die letzten Sekunden, die für die letzte halbe Stunde mehr als entschädigt. Carpenter verabschiedet sich mit einem eindrucksvollen Bild, wenn nämlich deutlich wird, dass das Böse zwar vertrieben aber niemals völlig aus der Welt ist. Es blickt uns tagtäglich in unserem Ebenbild an. Und weil der Wissenschaftler ein Narzisst ist, wird er die verspiegelte Büchse der Pandora auch immer wieder von neuem öffnen.

Bild © Studiocanal

Midnight In Paris (Woody Allen, USA, Spanien 2011)

Posted by – 25. Januar 2013

Midnight in ParisIch bin kein großer Woody Allen Fan. Aber einige seiner Filme mag ich trotzdem sehr gerne. „Bullets Over Broadway“ z.B. oder neue Sachen wie „Match Point“ oder „Cassandras Dream“. Seit gestern gibt es einen weiteren  Allen, der mir richtig gut gefällt: „Midnight In Paris“.

Gil Pender (Owen Wilson) ist Drehbuchautor in Hollywood und derzeit mit seiner Verlobten Inez (Rachel McAdams) und deren Eltern in Paris.  Zufällig treffen sie Inez’ früheren Studienkollegen Paul (Michael Sheen) und seine Frau. Während Inez gerne mit den beiden Zeit verbringt, spaziert Gil lieber alleine durch die Stadt und lässt sich für seinen ersten Roman inspirieren. Eines Abends passiert etwas Seltsames. Nachdem eine Kirchturmglocke Mitternacht schlägt, hält plötzlich ein Auto aus den 1920er Jahren neben Gil. Darin: F. Scott Fitzgerald und seine Frau Zelda. Aber das ist erst der Anfang von Gils unglaublicher Zeitreise…

Ich habe mich gestern kurz mit Sebastian vom Hirnrekorder über den Film unterhalten. Er mochte ihn nicht, weil er in ihm eine  Vorschlaghammermoralpredigt („Finde gut, was du gerade machst, was du hast und wo du bist.“) sah. Mir ist bei dem Gespräch klar geworden, was mir an „Midnight In Paris“ so gut gefallen hat: Ich sehe in ihm wie Sebastian auch eine Moral, die meiner Meinung nach aber leichtfüßig, offen und charmant formuliert ist. Sie lautet nicht, dass man sich mit den Gegebenheiten abfinden soll, sondern – im Gegenteil – ist eine irgendwie reife, erwachsene Einladung zum Träumen. Zum Träumen, weil Gil große Kraft aus seinen nächtlichen Fantasien zieht, die ihm helfen, seinen Roman zu vollenden und seinen Wunsch zu verwirklichen, nicht nur Drehbuchautor, sondern ein richtiger Schriftsteller zu werden. Erwachsen, weil Gil schlussendlich eben doch nicht der naive Nostalgiker bleibt, sondern ein Mann, der es schafft, sein reales Leben entsprechend seiner Sehnsüchte zu ändern.

Wenn mich etwas an „Midnight In Paris“ stört, sind es höchstens die wenig ausgearbeiteten, etwas stereotypen Nebenfiguren. Noch schöner vom Paris der 1920er Jahre ließe sich träumen, wenn Allen sich hier ein wenig mehr ins Zeug gelegt hätte. Trotzdem. Ein guter Allen. Sogar einer seiner besten.

Bild © Concorde
 

Back To The Future (Robert Zemeckis, USA 1985)

Posted by – 9. Dezember 2012

Die letzte Reise zurück in die Zukunft ist schon etwas länger her. Aber vorgestern war es endlich mal wieder soweit. Ich will gar nicht viele Worte zu diesem sehr schönen Film machen. Hier nur ein paar Gedanken, was mir bei dieser Sichtung durch den Kopf gegangen ist.

Marty McFly (Michael J. Fox) reist mit Hilfe einer von Dr. Emmett L. Brown (Christopher Lloyd) entworfenen Zeitmaschine in das Hill Valley des Jahres 1955, wo er aus Versehen verhindert, dass seine Eltern, Lorraine (Lea Thompson) und George (Crispin Glove), ein Liebespaar werden. Zusammen mit dem Doc Brown der Zeit versucht er die Dinge wieder in Ordung zu bringen.

„Back To The Future“ ist ein wichtiger Film meiner Jugend, den ich zigmal gesehen habe. Trotzdem konnte er schon früher irgendwie nicht ganz mit meinen Lieblingsfilmen mithalten. Etwas hat mich an dem Film gestört. Vielleicht waren es diese Masken, mit denen Lea Thompson, Crispin Glove und Thomas F. Wilson, der den Arsch Biff Tannen spielt, auf Alt getrimmt wurden. Heute, mit etwas Abstand, ist das mulmige Gefühl immer noch da und ich kann auch etwas differenzierter sagen, was mich stört. Zum einen hat das was mit der Moral Geschichte zu tun, nämlich dass man mit einem ordentlichen Kinnhaken alle Probleme lösen kann und, dass sich ein gutes Leben vor allem dadurch auszeichnet, dass man einen fetten Wagen in der Garage hat. Auch die Frauenrollen sind wenig gelungen: Claudia Wells darf ein paar Szenen Martys Freundin Jennifer Parker spielen, und Lea Thompson muss das einfach gestrickte Mädchen der 1950er Jahre spielen, die jedem hinterher steigt, der die richtigen Unterhosen anhat.

Nicht falsch verstehen: „Back To The Future“ ist ein wirklich unterhaltsamer Film, den ich sehr mag und immer wieder gerne sehe. Michael J. Fox und Christopher Lloyd sind einfach ein tolles Team, die Ausstattung des Films stimmt ebenfalls. Außerdem macht der Film neugierig: Wer würde nicht gerne mal in die Zeit der Eltern zurückreisen und sehen, wie es in der Zeit vor seiner Geburt war? Ich würde sofort in den DeLorean steigen und die Reise in die Zeit vor 1975 antreten. (Wobei ich eine Reise mit H.G. Wells Zeitmaschine in die Zukunft sogar noch vorziehen würde…) Aber „Back The The Future“ ist nicht nur ein kurzweiliger Unterhaltungsfilm, sondern er hat eine Botschaft: Die Vergangenheit bestimmt die Zukunft. Das mag trivial klingen, aber ich glaube, dass das von meiner geschichtsvergessenen Generation gerne mal verdrängt wird. Eine Dosis „Back To The Future“ könnte helfen, sich wieder zu vergegenwärtigen, dass sich die Gegenwart durch unsere in der Vergangenheit getroffenen Entscheidungen konstituiert und – wichtiger – dass wir die Zukunft durch das, was wir heute tun, gestalten. (/ökomode)

Bild © Universal