Tag: Zombies

28 Days Later (Danny Boyle, Großbritannien 2002)

Posted by – 16. Januar 2015

28 days laterDa überlebst du die Zombie-Apokalypse, weil du dich während des Ausbruchs der Epidemie zufällig gerade im Koma befindest; du wachst auf und schlägst dich mit ein paar weiteren Überlebenden zum letzten Militärstützpunkt durch – nur um festzustellen, dass die Soldaten beinahe verroht sind, wie die tollwütigen Infizierten. Doof gelaufen. Aber angesichts der globalen Katastrophe eben auch nur eine kleine Tragödie, die im Meer des Schreckens sicherlich untergegangen wäre – hätten sich Danny Boyle und Alex Garland nicht entschlossen, genau darüber einen Film zu machen. Warum tun sie das? Weil sie zu Recht der Meinung sind, dass man das Kleine sehen muss, um das Große zu verstehen.

Was der Zuschauer zu sehen bekommt, ist nicht nur ein absoluter Zusammenbruch der Zivilisation, sondern auch die Erosion unserer Werte. Richtig ist in der postapokalyptischen Welt von „28 Days Later“ nur, was verhindert, dass du krepierst. Jede Art von Gemeinschaft kann hier nur Zweckbündnis sein. Wer nicht so lebt, lebt bald gar nicht mehr. Denn: „People killing people“, wie eine Figur an einer Stelle ganz richtig bemerkt. Die guten Menschen haben diese Welt bereits freiwillig verlassen. Wer noch lebt, hat entweder den Schuss nicht gehört oder ist bereit, alles zu opfern – auch seine Menschlichkeit. Da braucht es gar keine Zombies respektive mit dem „Wut“-Virus infizierte Maniacs, um deutlich zu machen, dass wir am Arsch sind.

Danny Boyle und sein Kameramann Anthony Dod Mantle schaffen Bilder, die zusammen mit der Musik von John Murphy zu Momenten werden, die sich einbrennen und einem auch noch Jahre später nicht aus dem Kopf gehen. „28 Days Later“ gehört meiner Meinung nach insofern fraglos zu den interessantesten Beiträgen des Epidemie- und Zombie-Genres, eben weil hier anhand einer kleinen Gruppe von Leuten bereits so viel erzählt wird. Tolles Drehbuch von Alex Garland auch! Dass ich diesen Film trotzdem nicht zu meinen ganz persönlichen Lieblingen zähle, hat aber genau diesen Grund: er ist mir ein klein wenig zu sehr auf diese schicken Szenen aus. Wenn der Protagonist Jim (Cillian Murphy) anfangs in seinem Krankenhauskittel durch das verlassene London stromert, dann ist das atmosphärisch, sehr sogar; oder wenn er man Ende – selbst schon beinahe ein lebender Toter – Jagd auf die letzten Un-Menschen macht: très chic! Für einen Film, der den Untergang wirklich fühl- und erfahrbar macht, ist das alles meiner Ansicht nach aber zu ästhetisch. John Rambo sagt: „Um den Krieg zu überleben, muss man selbst zum Krieg werden“. Ich wandle das mal leicht ab und sage: „Um nicht nur einen guten, sondern einen richtig großartigen Zombiefilm zu machen, darf man sich nicht davor fürchten, selbst ein wenig zu stinken“. Etwas mehr Mief hätte „28 Days Later“ bestimmt gut getan. Ansonsten aber starker Film!

Bild © Twentieth Century Fox

Zeder (Pupi Avati, Italien 1983)

Posted by – 4. Oktober 2014

Zeder#Horrorctober 7

Beinahe jede Art von Schrecken hat uns die ohne Unterlass fleißig produzierende Horror-Industrie inzwischen gezeigt. Dass man mal etwas wirklich Neues sieht, kommt ähnlich selten vor, wie dass ein tausendmal durchgekauter Stoff wirklich noch eine Gänsehaut erzeugt. Insofern hatte es Pupi Avatis „Zeder“, der weder das eine, noch das andere tut, nicht leicht. In seinem Film bekommt der Autor Stefano (Gabriele Lavia) von seiner Frau Alessandra (Anna Canovas) eine Schreibmaschine geschenkt, in der er eine Nachricht des vorherigen Besitzers Paolo Zeder entdeckt. Dieser berichtet darauf von sogenannten K-Zonen, die es möglich machen, aus dem Reich der Toten zurückzukehren. Stefano ist fasziniert von seiner Entdeckung und macht sich daran, der Sache nachzugehen.

Zombies waren in den 1980er Jahren schon lange keine neue Sache mehr. 1978 erschien George Romeros „Night Of The Living Dead“ und zog eine Welle (mehr oder weniger) ähnlicher Filme nach sich. Doch es gab in dieser Zeit immer schon Autoren und Filmemacher, die sich ein wenig eigenständiger mit dem Thema auseinandersetzen, als die Mehrheit ihrer Kollegen. Im Jahr 1983 erschien z.B. auch Stephen Kings „Pet Sematay“, der sich ähnlich wie Pupi Avati mit der Zombie-Thematik befasst. Was wäre, wenn wir die Toten zurückholen könnten, wenn wir sie an einer ganz bestimmten Stelle begrüben? King macht daraus eine handfeste Horrorgeschichte um einen traumatisierten Vater, der seinen verstorbenen Sohn wiederhaben will, Avati geht eher den Weg des Verschwörungs- und Gruselkrimis, es ist hier bei ihm nicht das Was (die Tatsache, dass an den K-Feldern etwas dran zu sein scheint und dass Stefano schon bald mit einigen Toten zu tun haben wird), sondern das Wie. Pupi Avati erzählt seine Geschichte mit aller Ruhe der Welt, es geht ihm nicht um vordergründige Schockeffekte, er konzentriert sich auf die Schnitzel-Jagd Stefanos und versteht es dabei geschickt, dem Zuschauer ein stetig wachsendes Gefühl der Unruhe zu vermitteln. Was hat es mit der Entdeckung von Paolo Zeder auf sich? Wer weiß davon? Was sind das für Leute, was haben sie vor und was sind sie bereit zu tun, damit das Geheimnis der K-Felder unentdeckt bleibt?

Genaugenommen wird keine der Fragen vollständig beantwortet. Stefanos kleine Tragödie ist wie ein kurzes, trauriges Aufglimmen einer Motte, die im Licht vergeht. Danach ist wieder Nacht, der Zuschauer steht im Dunkeln. Nach dem Film, der so gar nicht wie ein Produkt der Massenwahre herstellenden Horror-Industrie anfühlt, hatte ich das Gefühl, nur den vagen Umriss einer noch viel größeren Geschichte gesehen zu haben. Die verschweigt uns Avati allerdings. Und ich bin ihm nicht böse deswegen. Ich bin kein Freund von prätentiösen Andeutungen, hinter denen nichts steht, aber ich liebe es, wenn ich die Sicht auf einen kleinen Ausschnitt – die Spitze des Eisbergs – erhasche, der aber eine Ahnung des bedrohlichen Ganzen in sich trägt.

Auf der schönen DVD von „Zeder“ aus dem Hause CMV ist übrigens noch ein interessanter Audiokommentar von Christian Keßler. Ich habe da bisher erst reingehört, aber ich freue mich schon auf die nächste Sichtung des Films – dann mit Kommentar! – bei dem es sicherlich noch viel zu entdecken gibt.

Bild © CMV
 

Night Of The Blind Dead (Amando de Ossorio, Spanien / Portugal 1971)

Posted by – 22. Januar 2014

Die Nacht der reitenden LeichenKomisch, schon seit gefühlten Ewigkeiten weiß ich von der Existenz reitender Leichen, aber diesen ersten Teil der vierteiligen Reihe um die Titel gebenden Untoten, habe ich erst heute gesehen. Besonders spannend oder sogar gruselig war er nicht, aber „er hatte was“, wie man so schön sagt.

Darum geht’s: Einst dachten ein paar Templerritter, sie könnten durch Jungfrauen-Opfer Unsterblichkeit erlangen. Zunächst wurden sie dafür allerdings exkommuniziert und hingerichtet. Ganz unrecht hatten sie allerdings nicht – wie die Urlauberin Virginia White (María Elena Arpón) ein paar hundert Jahre später schmerzhaft am eigenen Leib erfahren muss, als sie sich von ihren Freunden Bella (Lone Fleming) und Roger (César Burner) trennt und sich in eine abgelegene Tempelanlage verirrt. Denn die untoten Tempelritter gehen immer noch ihren satanischen Ritualen nach.

Ein wenig hat „Night Of The Blind Dead“ – keine Ahnung, ob das wirklich der internationale Titel ist, den ich ja eigentlich immer benutze, OT: La Noche del terror ciego, DT: „Die Nacht der reitenden Leichen – das Problem seiner Bösewichte: Knarzig, träge und unbeholfen wie die skelettierten Tempelritter schleppt sich der Film von einer Szene zur nächsten. Und immer wenn das Gefühl aufkommt, jetzt würde die Sache Fahrt aufnehmen – Zeitlupe! Und alles dauert noch lääääänger. Dass die Leichen, denen Reiten tatsächlich noch am besten steht, wie kostengünstig verkleidete Laiendarsteller aussehen, kommt dem Gesamteindruck ebenfalls nicht zugute. Trotzdem will ich nicht abstreiten, dass es über die Spielzeit von 97 Minuten doch eine ganze Reihe schöner Szenen gibt, wie z.B. eine Rückblende, die das Verhältnis der beiden Freundinnen näher beleuchtet oder solche, die im Morgengrauen spielen und in denen das Licht einfach verdammt schön ist. Oder solche, die zumindest ein wenig komisch sind, wenn auch nicht ganz freiwillig. Ich habe mich beispielsweise sehr gefreut als Virginia, obwohl sie nur ein klein wenig beleidigt war, gleich aus dem Zug springt – und das in einer Gegend, in der nach Aussage des Schaffners keine Menschenseele wohnt. Oder auch als Virginia von den Toten aufersteht und der ganze Film kurzzeitig ein Vampirfilm zu werden scheint.

Was ich an „Night Of The Blind Dead“ am unterhaltsamsten fand, war jedenfalls nicht die Sache mit den Tempelrittern, sondern die Figurenkonstellation: Der Beziehung zwischen Virginia und Bella wird von einigen Andeutungen am Anfang des Films nicht weiter nachgegangen (meiner Meinung nach der größte Fehler des Films!), aber als Bella und Roger sich zusammen mit dem Gauner Petro (José Thelman) und seiner Flamme Maria (María Silva) zum Kloster begeben, wird der Film zum ersten und fast einzigen Mal richtig unheimlich. Und das nicht etwa weil die Zombies los sind, sondern weil Petro sich an der freundlichen Bella vergreift. An dieser Stelle hat es bei mir Klick gemacht und ich habe mich gefragt, ob de Ossorio wohl möglich gar keinen klassischen Horrorfilm drehen wollte. Männliche Gewalt ist in gewisser Weise ja zentrales Thema. Im Mittelalter haben die Templer Jungfrauen gequält und ihr Blut getrunken. Zwar sind sie dafür bestraft und unter die Erde gebracht worden, doch das Problem wurde damit nur vordergründig beseitigt. Die Symptome wurden bekämpft, doch die Krankheit lebt und kann jederzeit wieder ausbrechen: Die Gewalt, die Männer gegen Frauen ausübten und immer noch ausüben, ist unsterblich und sie schlummert bis wir sie wieder wecken. Das geschieht am Anfang, als Virginia indirekt durch die Annäherungsversuche von Roger an ihrer Freundin Bella zu der verwunschenen Ruine getrieben wird, das geschieht – deutlicher – bei der Vergewaltigung durch Petro.

Vielleicht ist das ja die Message, die de Ossorio seinem Film noch zwischen die Zeilen geschrieben hat. So verstanden, wäre er eine Warnung vor einer Krankheit, die man nicht heilen kann, indem man die Infizierten tief verbuddelt. „Night Of The Blind Dead“ schildert, wie sich die Infektion ausbreitet. Insofern alles in allem doch ein interessanter erster Teil, der Lust auf mehr macht. Schön sind dessen letzte Szenen wenn zu sehen ist, wie die Toten mit dem Zug ins Dorf kommen und der ohnehin nicht schnelle Film sich ein letztes Mal verlangsamt, das Bild gefriert und jede Bewegung im Moment erstarrt. Das Bild könnte aus einer Zeitung stammen und zu einer Katastrophenmeldung gehören, die den Anfang vom Ende einläutet.

Bild ©  Laser Paradise
 

World War Z (Marc Forster, USA 2013)

Posted by – 2. Juli 2013

WWZ

Die Zombiefilm-Welle ebbt nicht ab. Wirkliche Innovationen sind aber leider Mangelware. „World War Z“ macht hier nicht wirklich eine Ausnahme, setzt aber immerhin Akzente indem er das Zombiethema als Katastrophenstoff interpretiert.

Der Inhalt, der sich nur vage an der Romanvorlage von Max Brooks („World War Z: An Oral History of the Zombie War“) orientiert, ist schnell erzählt: Weil eine Zombie-Epidemie die Welt heimsucht und droht, die gesamte Menschheit auszulöschen, macht sich UN-Berater Gerry Lane (Brad Pitt) auf die Suche nach den Ursachen der Katastrophe – und einem Gegenmittel. Spannender als die Story liest sich allerdings die Produktionsgeschichte des Films, die selbst schon wie eine mittelschwere Katastrophe anmutet: Zahlreiche Entlassungen, kreative Differenzen, Streit. Und kurz vor Schluss fällt den Machern auch noch auf, dass das Ende so nicht funktioniert. Explodierende Kosten. Und weil das ganze ausgegebene Geld wieder rein soll, wird der Film so weit weichgespült, dass er in den USA auf PG 13 kommt. Wie unter solchen Umständen ein guter Blockbuster entstehen soll, ist mehr als fraglich.

Dementsprechend offensiv springen die Probleme des Films dem Zuschauer ins Gesicht. Zu den drei offensichtlichsten gehört die schon erwähnte „Entschärfung“ des Stoffs, um auch jüngeren Zuschauern den Gang ins Kino zu ermöglichen. Das ist aus wirtschaftlichen Gründen durchaus nachvollziehbar, aus künstlerischen aber nicht. Schädigender als die Entscheidung, den Weltuntergang in light zu zeigen, erweist sich aber das unentschlossene Drehbuch. Es gibt kein echtes Ziel der Geschichte, keinen wirklich roten Faden, nichts, das den Zuschauer ernsthaft mitfiebern lassen würde. Das Story-Element um Lanes Familie, die sich auf einem Flugzeugträger in vermeintlicher Sicherheit befindet, soll wohl für Dramatik sorgen, wirkt aber letztendlich konstruiert und lenkt von dem ohnehin nicht sehr deutlichen roten Faden um Lane ab. Dieser reist um die Welt und sucht recht planlos nach Patient Zero bzw. einem Gegenmittel, an das der Zuschauer beim Ausmaß der Epidemie nicht mehr so recht zu glauben vermag. Entsprechend verwundert ist man dann am Ende, wenn der Held eins und eins zusammenzählt und sich die Lösung des Zombieproblems als gar nicht so schwierig erweist. So wird wieder einmal das Ausmaß der Katastrophe relativiert. Brad Pitt zeigt sich nebenbei bemerkt nicht unbedingt als der perfekte Kandidat für die Hauptrolle, da er durch seinen Glamour zu viel Aufmerksamkeit auf den eigentlich sehr passiven, beobachtenden Charakter zieht.

Dass „World War Z“ dann aller Kritikpunkte zum Trotz doch ein passabler Film geworden ist, verdankt er der Inszenierung des seit „A Quantum Of Solace“ zu Unrecht bei vielen gering geschätzten Mark Forster. Ich werde ja nicht müde zu betonen, dass es sich bei besagtem Film um einer der besten Bonds überhaupt handelt. Und auch bei „World War Z“ hat Forster wieder großes geleistet. Z.B hat er ein außerordentliches Gespür für die globale Dimension der Geschichte. Besonders in den Massenszenen, wie man besonders bei der genialen Exposition des Films oder auch der Passage in Jerusalem sieht, zeigt Forster was er kann – und eröffnet nebenbei dem Zuschauer einen völlig neuen Blick auf das Genre. Die um sich greifende Ansteckung und die Bewegungsgeschwindigkeit der Infizierten liefern die Grundlage für Szenen, in denen die Zombie-Epidemie einem Tsunami gleich durch die Straßen von New York City bricht und alles Leben mit sich reißt oder die Heilige Stadt im wahrsten Sinne unter sich begräbt. Solchen Szenen und anderen einfallsreichen Momenten ist es zu verdanken, dass dies ein Film geworden ist, der auf der großen Leinwand einige Wirkung entfaltet. So würde ich zumindest denen, die neugierig auf die möglichen Facetten des Genres sind und die mal einen richtig teuren, bildgewaltigen Hybrid aus Katastrophen- und Zombiefilm sehen wollen von „World War Z“ nicht abraten.

Bild © Paramount Pictures Germany
 

Dead Snow (Tommy Wirkola, Norwegen 2009)

Posted by – 7. März 2013

Dead SnowJuhu, Semesterferien. Was gibt es Schöneres als die freie Zeit mit seinen Freunden in einer abgelegenen Hütte irgendwo im norwegischen Nirgendwo zu verbringen? Das denken sich auch Vegard (Lasse Valdal), Chris (Jenny Skavlan), Erlend (Jeppe Laursen), Hanna (Charlotte Frogner), Martin (Vegar Hoel), Liv (Evy Kasseth Røsten) und Roy (Stig Frode Henriksen). Doch die sieben Freunde müssen feststellen, dass so ein Urlaub nur richtig Spaß macht, wenn man nicht plötzlich von einer Horde Nazi-Zombies angegriffen wird.

Weil mir Tommy Wirkolas US-Debüt „Hansel & Gretel: Witch Hunters“ ganz gut gefallen hat, hat mich wirklich interessiert, was der Mann in heimischen Gefilden so hinbekommt. Durch Zufall flatterte gestern „Dead Snow“ (OT: Død snø) bei mir in die Wohnung und ich konnte meine Neugier umgehend befriedigen. Und ich war überrascht, allerdings im negativen Sinne. Vom Einfallsreichtum seines US-Debüts war in „Dead Snow bestenfalls in der letzten halben Stunde etwas zu bemerken. Die komplette erste Stunde unterscheidet sich nur im Detail von jedem x-beliebigen „Junge Leute irgendwo im der Pampa und dann auf einmal..“-Film. Ok, der eine trägt ein Braindead-T-Shirt, der andere erstickt beinahe (aus Versehen?) seine Freundin mit einem Kissen, aber vielmehr spring hier nicht ins Auge. Warum hat Wirkola seine Idee & das Splatterfeuerwerk nicht früher gestartet, sondern langweilt den Zuschauer eine Stunde mit Versatzstücken bis dann irgendwann – endlich – die Nazi-Zombies zum Einsatz kommen? Das stand wohl so im von Wirkola selbst verfassten Drehbuch.

Warum sollte man sich „Dead Snow“ überhaupt ansehen? Vielleicht, weil er inszenatorisch schon irgendwie in Ordnung geht. Ich verstehe jedenfalls, wie sich Wirkola durch diesen Film – besonders durch das letzte Drittel – für „Hansel & Gretel: Witch Hunters“ empfohlen hat. Außerdem könnten zumindest diejenigen, die noch nicht viel aus dem Genre kennen, Fans von SS-Wiedergängern und Zitatjäger (der Film quillt fast schon über vor Bezügen) auf ihre Kosten kommen. Allerdings: Gerade wenn jemand in diesem Bereich noch unbeleckt ist, sollte er vielleicht lieber zu Peter Jacksons „Braindead“ oder Sam Raimis „Evil Dead“-Trilogie greifen. Etwas besseres gibt es in diesem Genre nicht. Und auch für die, die gerne komische Figuren in Nazi-Uniformen sehen, gibt es interessantere Filme. Und zwar „Der Goldene Nazivampir von Absam 2 – Das Geheimnis von Schloß Kottlitz“ von Lasse Nolte. Der ist spannender, lustiger und hat mit 46 Minuten die richtige Länge.

Was mir an „Dead Snow“ am besten gefallen hat? Dass die Zombies in ihren Uniformen irgendwann ordentlicher aussahen als die blutverschmierten Helden. Ich bin mir sicher: das bedeutet irgendwas.

Bild © E1 Entertainment
 

Warm Bodies (Jonathan Levine, USA 2013)

Posted by – 5. Februar 2013

Fast hätte ich es vor lauter Berlinale-Gedanken vergessen. Ich habe ja Jonathan Levines „Warm Bodies“ gesehen, vor dem ich, wie neulich geschrieben, etwas Angst hatte – nicht, weil ich Zombiefilme so gruselig, sondern weil ich es so erschreckend finde, was in letzter Zeit vermehrt aus ihnen gemacht wird. Die meisten Versuche, die Grenzen des Zombiefilms zu erweitern, gefallen mir nicht. Das liegt oft daran, dass diese Filme oft genau das vermissen lassen, was das Genre im Kern ausmacht aber nichts Gleichwertiges an diese Stelle gesetzt wird. Anders Levines „Warm Bodies“. Dort, wo sonst Traurigkeit, Leere und Hoffnungslosigkeit herrschen (bzw. bei vielen Zomcoms fehlen), befindet sich nun ein zartes Liebesgeschichtchen, das das „Romeo und Julia“-Thema frech umdeutet und sowohl im romanischen als auch im Zombiegenre das Zeug zum Klassiker hat.

Ausführlicher schreibe ich über den Film auf Kinozeit. Und hier unterhalte ich mich mit Patrick und Michael darüber.

Return Of The Living Dead 3 (Brian Yuzna, USA 1993)

Posted by – 16. Dezember 2012

Return_of_the_living_dead_3Liebe ist Stärker als der Hunger auf Gehirne. Zumindest eine Zeitlang.

Unter der Aufsicht von Offizier Colonel John Reynolds (Kent McCord) experimentiert das Militär weiterhin am hochgiftigen Trioxin 245, das Tote wieder zum Leben erweckt. Zu doof, dass Reynolds Sohn Curt (J. Trevor Edmond) mit seiner Freundin Julie (Melinda Clarke) die Versuche beobachten und Curt, nachdem Julie bei einem Motorradunfall ums Leben kommt, der Idee verfällt, seine Freundin mit Hilfe von Toxin 245 zurückzuholen. Zwar gelingt die „Wiederbelebung“, doch entwickelt Julie danach einen eigenartigen Hunger auf Menschenfleisch.

Eigentlich bin ich ja kein großer Freund von Experimenten mit dem Zombiefilm, aber diese Zombie-Variation von Brian Yuzna gefällt mir ausnahmsweise sehr. Nach einem Drehbuch von John Penney lotet Yuzna hier die Idee aus, dass der Zombie doch keine willenlose Fressmaschine ist, sondern im Prinzip der Mensch bleibt, der er vorher war – nur halt mit gnadenlosem Hunger auf Gehirne. Die Zombies sind auf einmal Individuen, die über Selbstbewusstsein und –kontrolle verfügen, was mit der deprimierenden Grundprämisse des klassischen Zombiefilms nicht mehr allzu viel zu tun hat und „Return Of The Living Dead 3“– aller körperlicher Schmerzen zum Trotz – sich fast schon als Feelgood-Movie unter den Zombiefilmen macht.

Yuznas ist ein launiger, fantasievoller Genremix aus Zombiefilm, Body Horror, Sozialkritik und Coming-of-Age gelungen. Coming-of-Age? Ja, ich finde schon. Yuzna geht hier mit Themen wie der Loslösung vom Elternhaus, dem Konflikt mit Autoritäten, den bizarren Versuchen, die flügge werdenden Jugendlichen zu zähmen, der ersten Liebe u.ä. deutlich auf die Probleme Heranwachsender ein. Auch Julies auto-aggressives Verhalten kann in diesem Zusammenhang als Symbol der gesellschaftlichen Kälte und der jugendlichen Rebellion gedeutet werden. Insofern ist „Return Of The Living Dead 3“ fast schon ein bisschen Rock’n Roll.

Bild © Lions Gate
 

Resident Evil: Retribution (Paul W. S. Anderson, USA 2012)

Posted by – 29. September 2012

„Resident Evil: Retribution“ ist eindeutig die Kinosplitterbombe des Sommers. Da kann sich die deutsche Filmkritik noch so abmühen und behaupten, der sei Film sinnlos, dumm, zusammengeklaubt, inhaltlich schwach […]. Das geht völlig am Thema vorbei. Denn es geht Paul W.S. Anderson schon lange nicht mehr um Inhalte, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne.

Worum geht’s denn dann? Die Story-Fragmente, die Anderson dem Zuschauer um die Ohren ballert, handeln von Alice (Milla Jovovich), die nach den Ereignissen des vierten Teils im einem Stützpunkt der Umbrella Coporation aufwacht. Als Gefangene! Doch ausgerechnet ihr Erzfeind Albert Wesker (Shawn Robert) verhilft ihr zur Flucht. Unterstützt von Ada Wong (Bingbing Li), einem Klon von Rain Ocampo (Michelle Rodriguez) und den Söldnern Leon S. Kennedy (Johann Urb), Barry Burton (Kevin Durand) Luther West (Boris Kodjoe), versucht Alice sich ihren Weg aus dem Umbrella-Komplex freizukämpfen. Keine leichte Aufgabe, denn ihre ehemalige Partnerin, die zur Killermaschine gewordene Jill Valentine (Sienna Guillory), diverse Monster und ein Haufen Zombies haben die Verfolgung aufgenommen…

Was bei anderen die Geschichte oder zumindest zusammenhängende Handlungselemente sind, das ist bei Anderson eine Tischbombe, gefüllt mit allerlei buntem Zeug: kleine Mosaikteilchen, Ideensplittern und Mikromomente, die wie zufällig in den Film gesprengt werden. Mit anderen Worten: Ja, der Film ist absolut STUPID! Aber trotzdem. Oder deswegen ist er etwas Besonderes. Mich jedenfalls hat er fasziniert! Die Bilder haben sich völlig von der Geschichte gelöst, die naive Tonspur scheint  unverbunden neben dem Film herzutreiben. Es gibt nicht einmal mehr längere Sequenzen, die in einem logischen Zusammenhang stehen – dafür aber wahnsinnig viele wunderschöne, schwerelose Action-Momente. Ach ja, viel Ironie und Zitate, massig Zitate. (Sogar „Star Wars IV“ ist dabei.) Ich merke gerade – ich mutiere zum Anderson-Fan

Ich hatte vermutlich etwas Glück, dass ich den vierten Teil, „Resident Evil: After Life“ zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte. So kamen mir viele Passagen originell vor, die aber eigentlich nur Diebesgut waren. Aber wer so schön klaut, dem sei vergeben. Man nehme nur den Anfang, der das Ende des letzten Teils noch einmal in Zeitlupe – und rückwärts! – zeigt. Anfänge konnte Anderson schon immer, aber dieses aus der Zeitgefallene, sich den Gesetzen der Physik entgegen stellende Todesballett sucht wahrhaftig seines Gleichen. Ganz groß!

Bild © Constantin Film
 

Resident Evil (Paul W. S. Anderson, USA / UK / Deutschland 2002)

Posted by – 16. September 2012

Alle schimpfen über Paul W. S. Anderson. Ich frage mich warum. Ist doch spannend, was der Mann macht. Oder habe ich seine schlechten Filme einfach noch nicht gesehen? Wie auch immer. Um mich auf „Resident Evil: Retribution“ vorzubereiten, den ich nächste Woche sehen werde, hatte ich mir vorgenommen, die ersten vier Teile vorher noch einmal durchzuschauen. Schaffe ich aber nicht. Hier aber zumindest schon einmal einige Sätze zum ersten Teil, „Resident Evil“.

In einem geheimen Forschungslabor der Umbrella Corporation setzt ein Unbekannter das gefährliche T-Virus frei. Selbiges kann tote Zellen wiederbeleben. Damit das Virus nicht entkommt, beschließt die Red Queen, der Zentralcomputer des Labors, alle Mitarbeiter zu töten. Eine Spezialeinheit der Umbrella Corporation wird geschickt, um den Computer abzuschalten. Doch das Team sieht sich nicht nur mit der wehrhaften Red Queen konfrontiert, sondern auch mit dem Personal, das mittlerweile durch das Virus verändert wurde.

Besonders der Anfang oder besser: die beiden Anfänge des Films (eigentlich sind es drei Anfänge, denn ganz zum Schluss, da fängt alles noch einmal an…), haben es in sich: Die Szenen, in denen das Virus freigesetzt wird und der Zentralcomputer vom Hive (so heißt das supergeheime Forschungslabor) die Beschäftigen niedermetzelt, sind unglaublich stimmungsvoll. Man merkt sofort: Der Regisseur hat was auf dem Kasten! Aber auch die Momente nach dem Anfang – der zweite Anfang –, in dem eine offensichtlich desorientierte Frau (Milla Jovovich) im Badezimmers eines großen, verlassenen Anwesens aufwacht, habe eine sehr spezielle, luzide Atmosphäre. Hier wirkt „Resident Evil“ fast wie ein Traum. Und im weiteren Verlauf des Films fragt man sich immer wieder, wann man eigentlich aufgewacht ist – oder ob man vielleicht immer noch träumt? Interessant sind diese beiden Praeludien des Films vor allem deswegen, weil so unterschiedlich sind, so als wären sie von zwei unterschiedlichen Personen inszeniert. Oder sogar von dreien: Denn im Mittelteil des Films ist wieder alles anderes, aber diesmal ziemlich konventionell. Da ähnelt „Resident Evil“ plötzlich zwar einem solidem inszenierten, irgendwie einen x-beliebigen Zombie-Shooter. Langeweile. Dann auch mal Ärger. Und wieder Augenblicke des Staunens. Magie. Licht und Dunkelheit. Bewunderung. Entsetzen,…

Paul W. S. Anderson ist ein Chamäleon. Seine filmische Handschrift ist in „Resident Evil“ die einer multiplen Persönlichkeit. Und dieses zusammengewürfelte Hin- und Her, dieses „Mal so, Mal so“, Hott & Hüh ist wohl auch das, was meine übersättigte, multitaskinggeschädigte, zitatgeile Generation verdient hat. Mit dem nötigen Maß an Ambiguitätstoleranz kann man diesen eklektizistischen Scheiß dennoch ganz gut aushalten, ja – sogar genießen.

Bild © Constantin Film
 

Cabin In The Woods (Drew Goddard, USA 2011)

Posted by – 20. Juli 2012

Wenn jemand ein Garant für gute Ideen ist – dann Joss Whedon („Firefly“, „Dollhouse“, „The Avengers„). Aber auch Drew Goddard hat als Drehbuchautor bei „Lost“ (und manche finden auch bei „Cloverfield“) gezeigt, dass er einen kreativen Kopf hat. Aber eine tolle Idee macht noch keinen tollen Film. Das kann man jetzt bei „Cabin In The Woods“ sehr schön sehen.

Darum geht’s: Dana (Kristen Connolly), Curt (Chris Hemsworth), Jules (Anna Hutchison), Holden (Jesse Williams) und Marty (Fran Kranz) wollen ein entspanntes Wochenende in einer Waldhütte verbringen. Was sie nicht wissen: Schon vor ihrem Wochenend-Trip stehen sie unter ständiger Beobachtung. Sie sind scheinbar in einer Art Experiment die Versuchskaninchen.

Anders als die ahnungslosen Figuren erfährt der Zuschauer gleich von Anfang an, dass der Urlaub, die Hütte und alle weiteren Geschehnisse Teil eines Plans sind. Den beiden Versuchsleiter Sitterson (Richard Jenkins) und Hadley (Bradley Whitford) dabei zu zuzusehen, wie sie die fünf Freunde beobachten, mit ihren Kollegen Wetten auf den weiteren Verlauf der Ereignisse und das Ableben der Protagonisten abschließen, ist mitunter wirklich sehr komisch. Verglichen damit schlafft die Handlung in der Hütte gehörig ab. Mehr zu wissen als die Figuren ist selten eine gute Sache, und auch bei „Cabin In The Woods“ stiehlt dies Spannung. Sprich: Auch wenn die Grundprämisse von des Films interessant ist – im Detail hebt er sich dann eben doch nicht von anderen Horrorfilmen, sondern stellt sich sogar als recht durchschnittlicher Vertreter heraus. Man merkt Goddard an, dass er sich auf dem Regiestuhl noch nicht richtig eingerichtet hat. Nicht jeder Gag zündet und ebenso wenig wird jede Szene, die spannend sein müsste, zum Nagelbeißer. Zum Glück gibt es aber noch das Ende: Hier schaffen es Goddard und Whedon doch noch einmal zu verblüffen und entschädigen damit für manche Länge.

Insgesamt bietet „Cabin In The Woods“ eine nette Abwechslung zum Mainstream-Horror. Meiner Meinung nach braucht das Genre aber weniger Abwechslung als Qualität. Man muss nicht immer alles anders machen. Es einfach gut zu machen, reicht manchmal völlig.

Bild © Universum