The Hitcher (Robert Harmon, USA 1986)

Posted by 18. Juli 2015

HitcherIch komme bedauerlicher Weise gerade nicht besonders oft dazu, mir einen Film anzugucken. Und selbst zu den wenigen, die ich sehe, schaffe ich es leider nicht immer, etwas aufzuschreiben. Für Robert Harmons „The Hitcher“ muss ich dem zeitintensiven Alltag jetzt aber noch eine Stunde abringen, denn zu diesem Film nichts zu sagen – das geht einfach nicht. Robert Harmons Wahnsinnswerk aus Feuer und Wasser, Staub, Blut und Zelluloid gehört zu der Handvoll Filme, die eine besonders wichtige Rolle bei meiner cineastischen Sozialisation gespielt haben.

Schon der Anfang: Da fährt der junge und zu Beginn noch reichlich naive Jim Halsey (C. Thomas Howell) einsam über den Highway. Er hat den Auftrag, einen Wagen von Chicago nach San Diego zu überführen. Er kämpft mit aller Kraft gegen die Müdigkeit an und denkt im ersten Augenblick, dieser Anhalter (Rutger Hauer), der am Straßenrad im Regen steht, wäre seine Rettung. Doch der Mann, der sich als John Ryder vorstellt, entpuppt sich nicht als die erwünschte Abwechslung von der monotonen Autofahrt – zumindest nicht so, wie Jim es sich vorgestellt hat. Ryder ist ein Psychopath, das wird schon in den ersten Minuten dieses Films klar. „Say ‚I want to die’“ fordert er den junge Mann auf. (Ich. Gänsehaut. Jedes Mal.) Doch dieser entscheidet sich für das Leben und schafft es sogar, Ryder aus dem Auto zu schmeißen. Was folgt ist ein spannendes, von einer seltsam ambivalenten Atmosphäre getragenes Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem Kurier und dem Anhalter. Die endlose Straße bietet keine Zuflucht. Wo immer der eine auftaucht, ist der andere schon gewesen und hat sein blutiges Werk verrichtet.

Die Motive des geheimnisvollen Killers bleiben im Verborgenen. Es ist fast so, als hätte sich Jim durch seinen ersten kleinen Etappensieg als würdiger Mitspieler erwiesen, vielleicht sieht Ryder auch etwas in dem jungen Fahrer, das er zum Vorschein bringen will. „Stop me“ fordert er ihn an einer Stelle auf, aber man weiß nicht, ob es sein Ernst ist oder ob es zu seinem sadistischen Spiel gehört. Hier verhält es sich mit Ryder ein wenig wie mit dem ganzen Film, dessen vielleicht größte Stärke es ist, dass man bei ihm nicht weiß, woran man ist und dass man ihn auf viele Arten deuten kann: als apokalyptischen Highway-Western, als brutale Coming-of-Age-Parabel (vielleicht sogar mit homoerotischem Subtext?) oder auch als den ultimativen Kampf des Guten gegen das Böse. Gerade einige weniger unlogische Momente heben die surrealen Aspekte des Films hervor und manchmal wähnt man sich beinahe in der Halluzination eines schizophrenen Killers. Die Bilder des Films leben, sie flirren in der Hitze über dem Asphalt, verschwimmen beim Blick durch die schmierige Windschutzscheibe und verlieren sich im explodierenden Licht des nächtlichen Regens. Jedenfalls scheinen sie bei jeder Sichtung ihr Erscheinungsbild geringfügig zu ändern. Doch ob hier zwei gegeneinander oder einer gegen sich selbst kämpft – sicher scheint nur: hier findet eine Auseinandersetzung statt, die so kraftvoll und elementar wohl nur selten ins Bild gesetzt worden ist.

Mit dem Gewehr streicht Jim zum Schluss dem vor ihm auf der Straße liegenden Anhalter eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Seine Geste hat beinahe etwas Zärtliches, Intimes. Vielleicht, weil er neben aller Qual Ryder auch etwas zu verdanken hat? Durch ihn ist er in eine Welt eingeführt worden, in der Mann-Sein vor allem bedeutet, zu töten. Diese Botschaft macht den ohnehin nicht gerade heiteren Film gleich noch etwas trostloser.

Bild © Momentum

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