The Psychic (Lucio Fulci, Italien 1977)

Posted by – 20. März 2016

The PsychicUnter einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung versteht man eine Vorhersage, die nur deswegen eintritt, weil sie ausgesprochen wurde. So ergeht es auch Virginia (Jennifer O’Neill) in Lucio Fulcis „The Psychic“ (OT: Sette note in nero), die eines Tages die Vision eines Mordes an einer Frau hat. In der Villa ihres Mannes Francesco (Gianni Garko) erkennt sie Fragmente daraus wieder – und ruft die Polizei. Diese findet eine eingemauerte Leiche. Allerdings ist das nicht die Frau aus Virginias Vision. Zusammen mit dem Parapsychologen Luca Fattori (Marc Porel) stellt sie Nachforschungen an, bis sie der Wahrheit gefährlich nahe kommt…

Seit zwei Jahren lag eine DVD von Luci Fulcis „The Psychic“ bei mir ungesehen im Regal. Dabei gab es in letzter Zeit kaum einen Film, auf den ich mich mehr gefreut habe. Warum das lange Warten? Ich hatte mir den Film dooferweise in der RC1-Version gekauft, die meine Playstation leider nicht abspielen kann. Auf der letzten Filmbörse habe ich mir dann das Mediabook aus dem Hause „84 Entertainment“ von „The Psychic“ bzw. „Die sieben schwarzen Noten“, wie er hierzulande heißt, gegönnt. Das hat sich als ausgezeichnete Entscheidung herausgestellt, denn es ist bestimmt auch der an Extras reichen Veröffentlichung (vor allem dem Audiokommentar von Marcus Stiglegger) zu verdanken, dass ich den Film nicht nur nett, sondern schlussendlich sogar ziemlich gut, wenn nicht sogar toll fand.

Von Beginn an hat „The Psychic“ einen ganz eigenartigen Sog. Eigenartig deswegen, weil ich ihn zuerst gar nicht richtig wahrgenommen habe, sondern erst am Ende – vielleicht sogar erst richtig, als der Film schon vorbei war. Man kann den Zuschauer in gewisser Hinsicht mit der Protagonistin vergleichen, der, wie Virginia in ihrer Vision, irgendwie in diesem Film gefangen, ihm sozusagen ausgeliefert ist. „The Psychic“ hat in mehrfacher Hinsicht etwas Geschlossenes. Die Protagonistin ist ganz mit ihren Nachforschungen befasst, diese „Welt“ verlässt sie nie. Doch jedes Puzzleteil des Verstehens, ist gleichzeitig ein Stein, aus dem sie ihr Schicksalsgefängnis baut. Das ist inszenatorisch von Fulci sehr geschickt umgesetzt, so dass sich das Gefühl der Unausweichlichkeit subtil ins Hirn des Zuschauers fräst. Wie die Protagonistin wird auch er wie auf Autopilot durch die Geschichte gezogen, wie sie ahnt auch er zumindest eine Zeitlang nicht, welches Ende die Autoren Dardano Sacchetti und Roberto Gianviti unter der Mithilfe des Regisseurs vorgesehen haben.

Überhaupt ist auch dieser Film Fulcis wieder sehr schön. Durch Gegenlicht-Aufnahmen von Kameramann Sergio Salvati erhalten viele Momente etwas träumerisches, eine ganz eigene Aura und Schönheit, die im Kontrast zu der düsteren Geschichte steht. Gleiches gilt für den stimmungsvollen Score und die einprägsame, Titelmelodie von Franco Bixio, Fabio Frizzi und Vince Tempera. Wie schon in „A Lizard In A Womans Skin“ geht es in „The Psychic“ – das hat er mit mehreren Filmen von Dario Argento gemeinsam – um die Rekonstruktion und anfänglichen Fehlinterpretationen einer Wahrnehmung; und wie auch in Fulcis anderen Gialli ist auch „The Psychic“ wieder ein untypischer Vertreter des Genres, dessen Standards ihm in mehrfacher Hinsicht abgehen, ohne dass dieses Fehlen in irgendeiner Hinsicht ein Mangel wäre. Im Gegenteil, der freie Umgang mit dem Netzwerk an Giallo-Stilismen, macht diesen Film so reich und reizvoll. Und dass er mit der tückischen, sich selbst erfüllenden Prophezeiung bzw. Vision ein – wieder nicht ganz genretypisch – ein echtes Thema hat, das er spannend, originell und formal stimmig umsetzt. Ich sage jetzt auch mal etwas voraus: Wenn das so weiter geht, werde ich noch zum Fulci-Fan..

Bild © 84 Entertainment

1 Comment on The Psychic (Lucio Fulci, Italien 1977)

  1. […] Zweimal Italien. Yzordderrexxiii stellt nach einer verzückten Sichtung von „The Psychic“ fest, dass er bald noch zum Fulci-Fan wird und bedauert, dass der feine Frühgiallo „Libido“ […]

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