The Ward (John Carpenter, USA 2010)

Posted by 15. April 2012

John Carpenter hab ich gern. Und deswegen habe ich auch ein wenig gezögert, mir „The Ward“ anzusehen. Er wäre nicht der erste Regisseur, der sein Bild mit seinem Spätwerk selber demontiert. Jetzt habe ich mich doch getraut und bin froh.

Der Film handelt von Kristen (Amber Heard), die, kurz nachdem sie ein altes Farmhaus in Brand gesetzt hat, in eine psychiatrische Klinik eingeliefert wird. Die junge Frau kann sich an nichts erinnern. Dr. Stringer (Jared Harris) versucht mit „modernen“ Methoden (der Film spielt 1966), Kristen zu helfen. Erfolglos. Stattdessen verschlimmert sich ihr Zustand. Sie beginnt, den Geist einer entstellten Frau zu sehen, der sich als alles andere als harmlos erweist: Nach und nach fallen Kristens Mitpatientinnen dem Spuk zum Opfer. Was ist da los in der Anstalt?

Ich würde nach „The Ward“ nicht überschwänglich verkünden, dass John Carpenter wieder da sei. An viele, vor allem ältere Filme des Regisseurs, reicht er nicht heran. Schon allein deswegen, weil Carpenter damals einen bestimmten Stil geprägt hat, den er später lediglich zu kultivierten schien. Auf der anderen Seite gehöre ich zu denen, die auch seinen neueren Filmen wie „Vampires“ und sogar „Ghosts Of Mars“ etwas abgewinnen können und somit der Meinung sind, dass Carpenter nie richtig weg war. „The Ward“, der wie die Carpenter-Version einer Kreuzung von „One Flew Over The Cuckoo’s Nest“ und „Suspiria“ wirkt, illustriert dies meiner Meinung nach eindrucksvoll.

Gemeinsam mit älteren Filmen hat „The Ward“, dass Carpenter sich wieder einmal einen begrenzten Raum, dieses mal die geschlossene Anstalt, gewählt hat, indem er seine Geschichte spielen lässt. So klaustrophobisch wie in „The Thing“ oder „Prince Of Darkness“ geht es zwar nicht zu, dennoch ist das Eingesperrtsein auch hier wieder Movens der Geschichte. Anders als in seinen älteren Filmen wagt sich Carpenter aber diesmal an die Inszenierung von inneren Prozessen für die die geschlossene Anstalt hier eher Metapher als tatsächlicher Raum ist. Das gibt Carpenter Gelegenheit für visuelle und akustische Experimente. Eine wunderbare Szene ist, als die Mädchen anscheinend die einzigen in der Anstalt sind, helles Licht das Behandlungszimmer durchflutet und sie eine Platte auflegen und dazu tanzen. All das zusammen, das fiebrige Spiel mit Hell und Dunkel, Geräuschen und Melodien, mit klaren Bildern und Unschärfen ist auf den ersten Blick vielleicht nicht besonders subtil, aber auch unprätentiös sauberes Horror-Handwerk.  In seiner Expressivität, vor allem in Bezug auf die andern Filme Carpenters, ist es eine wunderbare Erweiterung.

Trotz des modernen Looks strahlt der Film eine altmodische Gelassenheit aus, die aber nicht auf Kosten der Spannung geht. Und sogar ein Quäntchen carpentertypischen Humors lässt sich finden, z.B. als ein Mädchen von dem Geist geholt wird und dieser ihr vor der tödlichen Attacke, beinahe fürsorglich, die Brille abnimmt. „The Ward“ ist, genau wie der Regisseur sagt, ein „old school horror movie by an old school director“. Und das finde ich gut.

 Bild © Concorde 
 

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