Tucker And Dale Vs Evil (Eli Craig, Kanada 2010)

Posted by – 27. Mai 2016

Tucker DaleAuf den ersten Blick sieht Craigs Debüt-Langfilm vielleicht aus, wie ein 08/15-Horrorfilmchen, bei dem es eine Gruppe von College-Kids bei einem Zelturlaub mit den Einheimischen zu tun bekommt. Doch schon der Titel deutet an, dass sich nicht alles ganz so zuträgt, wie der Genrekenner es erwartet: Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine) sind nämlich in diesem Fall nicht die Bösen. Im Gegenteil! Bei den beiden Landeiern handelt es sich um grundsympathische Typen, die in den Wäldern einfach etwas an einer Hütte basteln und sich beim Fischen entspannen wollen. Ein Missverständnis führt dazu, dass die College-Kids Tuckers und Dales Rettungsversuch der hübschen Allison (Katrina Bowden) für eine Entführung halten – und fortan mit allen Mitteln versuchen, gegen die beiden Freunde vorzugehen.

Es gibt sie, die Horrorfilme, die einfach Spaß machen. Sam Raimis „Evil Dead“-Filme fallen mir da spontan ein; oder Peter Jacksons „Bad Taste“ und „Braindead“; oder der wunderbare „Return Of The Living Dead“; oder „Re-Animator“; oder oder. Und auch in jüngster Zeit gab es wohl immer mal wieder Versuche, die man dazu zählen könnte. Leider ist deren Anzahl, denen die Melange aus Gewalt und gute Laune gelingt, meiner Meinung – oder sagen wir lieber meinem Geschmack nach, nicht besonders groß. Auch „Tucker And Dale Vs Evil“ steht ja in dem Ruf, diesen Spagat zu schaffen, und beim ersten Sehen fand ich ihn auch ganz nett. In der Zweisichtung hat er mich allerdings freundlich gesagt weniger überzeugt.

Sicher, das Spiel mit den vertauschten Rollen, bei dem die Collegekids die Psychopathen und die Hinterwäldler die Sympathieträger sind, funktioniert an und für sich ganz gut und macht deutlich, wie vieles, das wir als filmische Wahrheiten unhinterfragt akzeptieren, eigentlich eine Frage der Perspektive ist. Das ist der zentrale Witz von „Tucker And Dale Vs Evil“ und ja, das ist schon irgendwie ganz ok gemacht und zumindest beim ersten Sehen fand ich es ja auch amüsant bis lustig. Wenn der Zuschauer das Prinzip allerdings einmal durchschaut hat (was ziemlich schnell der Fall ist), geht dem Film schnell die Puste aus.

Ich bin nach dem zweiten Sehen der Meinung, dass Craig zum einen zu früh klar macht, wohin der Hase läuft und sich zum anderen quasi schon zu Beginn des Films auf die witzige Seite seiner Horror-Komödie schlägt, sprich, die spannende geschweige denn gruselige dafür leider viel zu kurz kommt. Mir ist bewusst, dass dieses Urteil sehr subjektiv ist und natürlich immer davon abhängt, was man gerne sieht; ich kann mir vorstellen, dass viele den Film gerade für seinen Charme, seinen Witz wie seine sympathisches Protagonisten-Duo mögen. Mir hätte er vermutlich besser gefallen, wenn nicht alles so leicht zu durchschauen wäre, sondern wenn Craig vor allem etwas mehr Ernst bei seinen Figuren und dem Konflikt zwischen den beiden rivalisierenden Parteien an den Tag gelegt hätte. So ist mir das ganze zu sehr Nummernrevue ohne echtes Drama, ohne Fallhöhe.

„Tucker And Dale Vs Evil“ ist guter Stoff für das Fantasy Filmfest, wo jeder Fun-Splatter frenetisch bejubelt wird; oder vielleicht auch für den Fortgeschrittenen Anfänger in diesem Genre, der sich darüber freuen kann, dass er erkennt, was hier witzig sein soll. Aber es ist kein guter Film in dem Sinne, dass hier eine Geschichte dramaturgisch geschickt erzählt wird, dass es einen spannenden Konflikt oder interessante Figuren gibt, dass hier etwas entwickelt wird, dass mehr ist als die Summe seiner mehr oder weniger spaßigen Teile. Nein, „Tucker And Dale Vs Evil“ ist nicht mein Ding. Vielleicht liegt dieses etwas harsche, zweite Urteil aber auch nur daran, dass ich, was Humor in Filmen angeht, eh ein schwieriger Kandidat bin

Bild © Universum Film

4 Comments on Tucker And Dale Vs Evil (Eli Craig, Kanada 2010)

  1. […] weitestgehend frei von ironischen Meta-Beiträgen. Nach der enttäuschenden Zweitsichtung von „Tucker And Dale Vs Evil“ tut es deswegen gut, ein paar Worte zu Jeff Liebermanns „Just Before Dawn“ zu verlieren. […]

  2. Stepnwolf sagt:

    Für mich zählt hier tatsächlich mehr der humoristische Aspekt des Films. Ich sehe ihn auch eher als eine Parodie auf das Genre, denn als Vertreter des Genres. Und in dem Sinne macht “Tucker and Dale vs. Evil” auch richtig Spaß. 🙂

  3. Hey, ich liebe diesen Film 🙁
    Für ne Parodie ist der gut und ich muss sagen, dass er mir sogar beim dritten Mal gut gefallen hat.
    Das Fantasy Filmfest hat ja seine eigene Dynamik und manchmal funktionieren Filme zu Hause oder im “normalen” Kino für mich nicht mehr, aber der hier ist immer lustig.
    Auf dem Fantasy Filmfest treiben sich ja so einige Kandidaten rum, die lustigen Horror nicht mögen. Warum verstehe ich nicht 😉

    • 3jH sagt:

      Ich würde nicht grundsätzlich sagen, dass ich lustigen Horror nicht mag – da gibt es sicher ein paar Beispiele, die diesen schwierigen Spagat hinbekommen – aber sehr oft ist es so, dass ich mich sehr unwohl fühle, wenn ich darüber lachen soll, dass andere leiden. Im Kino auf dem Fantasy Filmfest finde ich es manchmal wirklich befremdlich, wie Gewalt dort abgefeiert wird. Nichts gegen das FFF-Publikum, dazu zähle ich ja auch, aber im falschen Film mit den falschen Leuten, kann sich das schon mal ganz schön falsch anfühlen 😉

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