Zinksärge für die Goldjungen (Jürgen Roland, Deutschland / Italien 1973)

Posted by – 2. März 2014

ZinksärgeEin Jahr nach Francis Ford Coppolas „The Godfather“ erschien dieser wunderbar wilde, deutsche Film. Auch in Jürgen Rolands „Zinksärge für die Goldjungen“ geht es um einen Paten, der herausgefordert wird. Doch damit erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten der beiden Filme auch schon. Obergangster Otto Westermann und der stilvolle Mafiaboss Don Vito Corleone haben nicht viel miteinander gemein.

In Rolands Film plant der italo-amerikanische Gangster Luca Messina (Henry Silva) Hamburgs Unterwelt zu übernehmen, gerät dabei aber mit dem lokalen Gangsterboss Otto Westermann (Herbert Fleischmann) und seine loyalen Truppe aneinander. Während die Anzahl der Opfer auf beiden Seiten immer größer wird, kommen sich Westermanns Sohn Erik (Horst Janson) und Messinas Tochter Sylvia (Patrizia Gori) plötzlich näher.

Ein wenig erinnert „Zinksärge für die Goldjungen“ an Romeo und Julia, nur dass die verliebten Kinder hier nicht den Freitod wählen, sondern im Gegensatz zu ihren Erziehungsberechtigten früh genug die Kurve kriegen. Ihre störrischen, Koteletten-Toupets tragende Eltern ballern sich derweil gegenseitig in die ewigen Jagdgründe. Ich mochte den Film von Roland, weil er einerseits, meist freiwillig, sehr witzig ist und weil er andererseits das seine Geschichte ernst nimmt. Sicherlich, sowohl Luca Messina und seine Spaghetti mampfende Mutter als auch Otto Westermann und seine Spießgesellen inklusive Treffpunkt Kegelbahn schrammen hart an der Karikatur vorbei.  Es fällt jedoch auf, dass sich Roland für die Figuren und die inneren Prozesse ihres Konflikts interessiert und Wert auf plausibles Verhalten legt. Besser noch: Wir verstehen nicht nur die Beweggründe von Otto, Luca, Erik und Sylvia – aus ihrem nachvollziehbaren Verhalten entsteht ein echtes Drama und damit wirklich spannender Film.

Der Vergleich zum anfangs erwähnten „The Godfather“ hinkt nicht nur – er kriecht auf allen Vieren durch eine Bierpfütze in einer versifften Hafenspelunke. Doch ist es gerade dieser Kontrast zu Coppolas perfektem aber auch glatten und deswegen schwer fassbaren Meisterwerk, der die Stärke des manchmal ungelenken gleichwohl immer vor Lebensenergie strotzenden „Zinksärge für die Goldjungen“ deutlich macht. Sich mal wieder richtig beömmeln oder ob der nervenzerfetzenden Spannung ungestüm Nägel kauen – bei Rolands Film geht beides. Und selbst wer für solche Schattierungen der Filmkunst nicht empfänglich ist, bekommt  hier immer noch einen Haufen skurriler Figuren, Hamburger Lokalkolorit und zwei wirklich starke Action-Szenen: Zum einen das tragisch-komische, zum Martial-Arts-Fight ausufernden Scharmützel auf dem Schrottplatz, zum anderen eine der besten deutschen Motorboot-Verfolgungsjagden überhaupt. Darauf ein Astra, prost!

Bild © Media Target Distribution GmbH
 

1 Comment on Zinksärge für die Goldjungen (Jürgen Roland, Deutschland / Italien 1973)

  1. […] Vorbildern verstecken. Schon gar nicht, wenn die Italiener ihre Finger im Spiel hatten – wie bei Jürgen Rolands „Zinksärge für die Goldjungen“, den Björn Helbig auf Yzordderrexxiii […]

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