Amer (Hélène Cattet, Bruno Forzani, Frankreich / Belgien 2010)


amer_Schon den Inhalt von Hélène Cattet und Bruno Forzani fiebriger Giallo-Fantasie so wiederzugeben, dass der Zuschauer eine Ahnung davon erhält, was ihn mit „Amer“ erwartet, ist nicht leicht. Das liegt auch daran, dass sich die beiden Filmemacher nicht die geringste Mühe geben, eine kohärente Geschichte zu erzählen. Zunächst erhält der Zuschauer Einblick in die Kindheit der Protagonistin Ana (Cassandra Forêt). Dort macht sie das erste Mal Bekanntschaft mit dem Tod als sie sich ins Sterbestimmer ihres Großvaters schleicht. In scheinbar keinem Zusammenhang dazu zeigt die zweite Episode des Film Erlebnisse aus Anas (diesmal gespielt von Charlotte Eugène Guibeaud) Jugend: Während eines Urlaubs am Meer trifft die junge Frau Männer in Lederkluft, muss aber feststellen, dass ihre Mutter ihre aufkeimenden Gefühle ganz und gar nicht gutheißt. Die letzte Episode führt Ana (Marie Bos), nunmehr eine erwachsene Frau, zurück in das Haus ihrer Kindheit…

Bei „Amer“, das merkt man sofort, waren absolute Filmfans am Werk, solche, die das italienische Horrorkino der späten 1960er und 1970er Jahre sehr gut kennen und dem Genre des Giallos ihre Referenz erweisen. Doch ist ihr assoziativer, bild- und soundgewaltiger Film kein reines Fan-Kino, sondern durchaus ein sehr eigenes Werk geworden, das zwar viele Strukturmerkmale des Giallo als besonderer Spielart des italienischen Krimis aufweist, sich aber gleichzeitig davon löst und durch die Aneinanderreihung von Stilmittel so etwas wie einen Meta-Giallo schafft. Ob das nötig gewesen wäre, sei dahingestellt. Schließlich  lässt sich dieses Genre selbst schon als eine Form des Meta-Kommentars auf Krimis und Thriller sehen. Gleichwohl ist „Amer“  aufgrund seiner Kompromisslosigkeit spannendes cineastisches Experiment; allerdings mit Sicherheit auch eines, welches das Publikum spalten wird. Mir war er zu vollgestopft und stilistisch überfrachtet. Ich würde ihn fast schon als auf eine unangenehme Art selbstverliebt bezeichnen. Muss ihn aber unbedingt noch ein zweites Mal sehen, um mir ein abschließendes Urteil zu bilden.

Bild © Koch Media
 

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