Anguish (Bigas Luna, Spanien 1987)

Posted by 12. Januar 2013

Anguish

Die Idee, dass sich im Kinosaal das gleiche abspielt wie auf der Leinwand, hat wahrscheinlich die größte Wirkung, wenn man den entsprechenden Film (über einen Film im Film) selbst im Kino sieht. Aber auch auf DVD ist Bigas Lunas „Anguish“ –übrigens meine erste Begegnung diesem Regisseur, der ansonsten eher für seine seltsamen, gewalttätigen Erotikfilme bekannt ist – ganz große Klasse!

John (Michael Lerner) arbeitet als Assistent beim Augenarzt. Er selbst ist kurz davor, sein Augenlicht zu verlieren, weil er an Diabetes leidet.  Nachdem er Ärger mit einer Patientin bekommt, wird er zu Hause von seiner herrschsüchtigen Mutter (Zelda Rubinstein) hypnotisiert – und stattet der Patientin infolgedessen einen abendlichen Besuch ab. Und schneidet ihr die Augen heraus! Und dann merkt der Zuschauer plötzlich, dass es sich bei den Ereignissen um John und seine Mutter nur um den Film „The Mother“ handelt, der in einem Kino läuft.  Unter den Zuschauern sind auch die Freundinnen Linda (Clara Pastor) und Patty (Talia Paul). Patty erträgt den Film nicht und klagt über Magenschmerzen und Übelkeit. Sie verlässt das Kino und begegnet auf der Toilette einem Mann, den sie für einen Killer hält. Versucht jemand die Ereignisse auf der Leinwand in die Tat umzusetzen?

Nach Luhman ist jedes Beobachten von Texten, Bildern etc. ein „Beobachten zweiter Ordnung“, das Vertrauen in die Beobachtung erster Ordnung voraussetzt. „Anguish“ (OT: Angustia) – der in Deutschland unter dem nichtssagenden Titel „Im Augenblick der Angst“ bekannt ist – unterminiert dieses Vertrauen nachhaltig, weil er den Zuschauer sozusagen in einer Beobachtungsspirale abwärts reißt und Zweifel an der Identität des wahrnehmenden Subjekts aufkommen lässt. „Anguish“ beginnt mit einer Warnung an den Zuschauer, dass der Film sublimale Techniken eingesetzt und er, der Zuschauer, während der Vorstellung in eine leichte Hypnose versetzt wird. Bei Problemen solle man den Film sofort verlassen. Und in der Tat zeigen nicht Patty und die Besucher des Films Anzeichen der Hypnose. Wenn die Killer mit ihren Geiseln vor den Leinwänden stehen und sich zur hypnotischen Stimme von Zelda Rubinstein die verschiedenen Schichten überlagern, dann stürzt auch der Zuschauer, der Beobachter erster Ordnung in einen filmischen Taumel der seines gleichen sucht.

Ich würde nicht ausschließen, dass „Anguish“ auch mich erfolgreich hypnotisiert hat. Jedenfalls kann ich nicht anders als seit gestern die ganze Zeit über diesen Film zu schwärmen.

Bild © Sunfilm
 

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