Chernobyl Diaries (Brad Parker, USA 2012)

Posted by 15. Juni 2012

Einen Horrorfilm in der gespenstischen Pripjat anzusiedeln, ist eine prima Idee. Die Stadt, die nach dem Reaktor-Unglück von Tschernobyl geräumt wurde, ist schon ganz ohne fiktive Elemente ein unheimlicher Ort, wie man im oscarprämierten Dokumentarfilm „Chernobyl Heart“ oder in dem Kurzfilm „The Door“ erleben kann. Und vielleicht liegt genau hier auch das Problem. Die Aura dieses Ortes ist so mächtig, dass man sich schon eine besonders gute Geschichte ausdenken muss, um die Erinnerungen an den echten Schrecken zu überlagern. Oren Peli („Paranormal Activitiy“), der sich für Idee und Drehbuch verantwortlich zeigt sowie Regisseur Brad Parker, haben das leider nicht geschafft, ich möchte sogar behaupten – sie haben es gar nicht richtig versucht, so lahm ist das Ergebnis geraten. Dass ein paar Urlauber im Rahmen einer Extremtour die Stadt Pripjat besuchen, dann aber feststellen müssen, dass diese alles andere als verlassen ist, reicht als hier einfach nicht aus. Für den Horror ist dann auch noch die naheliegenste aller Möglichkeiten verantwortlich, nämlich (und ich spoiler jetzt einfach mal ohne ein schlechtes Gewissen zu haben) die mutierte Fauna rund um Pripjat sowie die zurückgebliebenen Arbeiter aus Tschernobyl. Beide Gruppen verhalten sich dabei kaum nachvollziehbar, was zumindest mich im Laufe des Films immer mehr frustriert hat. Nicht so sehr allerdings, wie die konventionellen Schockeffekte, verbunden mit dem übertriebenen, viel zu lauten Sounddesign. Ich kann dieser Überwältigungsstrategie, die auf die Reflexe des Zuschauers zielt, jedenfalls nicht das Geringste abgewinnen.

Ein bisschen freundlicher formuliere ich es auf the Spine.

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