End Of Animal (Sung-Hee Jo, Korea 2010)

Posted by 14. Mai 2012

Die einzige Zeitangabe, auf die in „End Of Animal“ Verlass ist, ist der Countdown des Fremden (Park Hae-il), den Sun-young (Lee Min-ji) in ihrem Taxi mitnimmt. Danach werden alle Zeitangaben unzuverlässig. 5 Minuten sind 30 Minuten sind eine Ewigkeit. Nach Ablauf des Countdowns ist die Welt eine andere. Sun-young irrt durch ein unwirkliches koreanisches Nirgendwo, trifft einen Jungen, ein reiches Pärchen, einen Mann mit einem Fahrrad bis sie zum Schluss, dem absoluten Ende, auch noch einmal den Fremden aus dem Taxi wieder trifft.

Regisseur Sung-Hee Jo, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist, lässt in seinem Debütfilm keinen Zweifel daran, wie es um die Menschheit steht. Die Personen, die Sun-young trifft, entpuppen sich allesamt als seelenlose Wesen, die den eigenen Vorteil über alles stellen. Der Junge (Park Se-jong) zeigt sich bald sich als aggressiver Egomane, die Frau als diebische Elster, der Mann auf dem Fahrrad (Yoo Sung-mok) als gefährlicher Psychopath. Das alles ist durchaus stimmungsvoll, mitunter aber auch zäh. Aber vielleicht muss der Weltuntergang etwas langweilig sein. Wäre er unterhaltsam, würde der Zuschauer ja gar nicht schnallen, dass die Apokalypse, naja – irgendwie nicht gut ist. Dazu passt, dass die schwangere Sun-young, die für den Zuschauer bei aller Tristesse eine Art Ankerpunkt ist, sich am Ende als ebenso banales Wesen entpuppt wie alle anderen Figuren des Film auch.

„End Of Animal“ scheint so etwas sein zu wollen wie die koreanische Antwort auf Becketts „Warten auf Godot“ und Satres „Geschlossene Gesellschaft“. Am Ende ist jede Hoffnung, der Mensch könne mehr sein als ein Tier, über Bord geworfen. Was mir allerdings als letzte Wahrheit nicht besonders interessant und darüber hinaus einigermaßen widersprüchlich vorkommt. Tiere schauen schließlich keine Filme.

Bild © Rapid Eye Movies
 

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