Fantasy Filmfest 2013 (3)


Byzantium (Neil Jordan, 2012)

Vampire sind Wesen, die sich durch das Blut anderer eigene Lebenszeit gewinnen können. Diese Fähigkeit ist gleichzeitig ihr Verderben. Je länger sie auf der Welt sind, desto weiter entfernen sie sich von den Menschen und von allem davon, was ein Leben lebenswert machen kann. Es gibt nicht viele Regisseure, die es verstehen, die dem Vampir-Stoff innewohnende Tragik in einen Film zu überführen. Neil Jordan gehört zu den wenigen. Das hat er mit „Interview With The Vampire“ gezeigt. Und das zeigt er nun mit „Byzantium“ erneut. Clara Webb (Gemma Arterton) und ihre Tochter Eleanor (Saoirse Ronan) sind Vampire die versuchen, so gut es geht über die Runden zu kommen. Dabei laufen sie ständig Gefahr, von der Bruderschaft der Vampire aufgespürt zu werden. Diese Bruderschaft achtet streng darauf, dass ihre Regeln eingehalten werden – Regeln, die Clara und Eleanor seit 200 Jahren fortwährend brechen. „Byzantium“ erinnert gleich in mehrerer Hinsicht an die „Anne Rice“-Verfilmung aus dem Jahr 1994 – nicht nur, was die Themen Einsamkeit, Liebe und Sinnsuche, sondern auch, was die etwas umständliche Erzählweise mittels Rückblenden betrifft. Trotzdem ist der Film mehr als eine Variante seines Vorgängers und eine durchaus eigene Auseinandersetzung mit dem Stoff, in der Jordan und die Autorin Moira Buffini Mut haben, neue Wege zu gehen. Am Schluss ist „Byzantium“ vielleicht sogar der erste feministische Film aus diesem Genre. Hiermit nehme ich ihn deswegen feierlich in die (leider nicht besonders umfangreiche) Gruppe der sehenswerten Vampirfilme auf. Herzlich Willkommen! (Hier entlang zu einer ausführlichen Rezension.)

Big Bad Wolves (Aharon Keshales, Navot Papushado, Israel 2013)

Der Trailer eines Films gibt in den allerseltensten Fällen Aufschluss über seine Qualität. Aber zusammen mit Kenntnis des ersten Films des Regisseur-Duos Aharon Keshales und  Navot Papushado („Rabies“) und einem interessant aussehender Trailer, dachte ich, mit einiger Sicherheit daraus schließen zu können, dass „Big Bad Wolves“nicht so verkehrt sein kann. Es geht um den Polizisten Miki (Lior Ashkenazi), der den unauffälligen Lehrer Dror (Rotem Keinan) für einen gefährlichen Pädophilen hält, der schon mehrere Mädchen auf dem Gewissen hat. Diese Einschätzung teilt auch Gidi (Tzahi Grad), der Vater des letzten Opfers. Ehe die beiden wütenden Männer sich versehen, befinden sie sich in einem einsamen Haus, vor ihnen der gefesselte Dror. Das Verhör kann beginnen. – Handwerklich ist „Big Bad Wolves“ auffällig gut. Dieser leicht irreale Ton, der schon „Rabies“ aus der Masse hervorgehoben hat, findet sich hier wieder. Gefallen hat mir der Film trotzdem nicht. Ich habe wieder gemerkt, dass ich mit Torture-Comedy nichts anfangen kann. Vor allem dann nicht, wenn der Film mit einer abstoßenden Schluss-Pointe aufwartet: Denn wer weiß – hätten sich Miki und Gidi noch ein bisschen mehr ins Zeug gelegt, vielleicht hätten sie von Dror doch ein paar nützliche Informationen erhalten.

Love Eternal (Brendan Muldowney, Irland 2013)

Als Kind hat Ian (Robert de Hoog) seinen Vater verloren, als junger Mann eine Mitschülerin, später seine Mutter. Vom Vater hat er ein Funkgerät bekommen, mit dem er jede Nacht versucht, mit diesem Kontakt aufzunehmen, von seiner Mutter ein selbstgeschriebenes Buch mit Ratschlägen fürs Leben. Erst wenn Menschen tot sind – so möglicherweise die Botschaft, die der scheue Ian aus den Ereignissen gezogen hat – kann ich in Kontakt mit ihnen treten und mich ihnen ohne Angst nähern. Ian beginnt die Nähe von Frauen zu suchen, die sterben wollen, ihre Leichen nimmt er mit in seine Wohnung. Doch dann lernt er die todessehnsüchtige Naomi Clarke (Pollyanna McIntosh) kennen… „Love Eternal“ beruht auf dem Roman „Loving The Dead“ von Kei Oishi. Ich habe weder das Buch gelesen noch Brendan Muldowneys Debütfilm „Savage“ gesehen, deswegen fehlt mir der Kontext, um „Love Eternal“ als Romanverfilmung vernünftig einzuorden. Für sich genommen ist Muldowneys zweiter FIlm vor allem inhaltlich interessant, da hier gewisse Aspekte einer nekrophilen Neigung in eine sehr spezielle, aber dennoch nachvollziehbare Coming-of-Age-Story einbettet werden. Was mir allerdings nicht gefällt, ist dieser verklärte Erzählton, der durch die aufdringliche Filmmusik noch verstärkt wird. Fazit: Gute Geschichte, gute Darsteller, aber leider nicht so gut umgesetzt. Hab auf Kino-Zeit noch etwas mehr dazu geschrieben.

Tulpa (Federico Zampaglione, Italien 2012)

Tagsüber die erfolgreiche Geschäftsfrau, zieht es Lisa (Claudia Gerini) nachts immer wieder in den exklusiven Club Tulpa, um dort ihre sexuellen Wünsche auszuleben. Doch als eine schreckliche Mordserie beginnt, deren Opfer allesamt die Spielgefährten ihrer nächtlichen Abenteuer sind, muss auch Lisa bald um ihr Leben fürchten. Wer ist der Mörder? Jemand aus dem Club, z.B. der Besitzer Kiran (Nuot Arquint)? Einer ihrer Liebhaber? Oder vielleicht doch jemand aus ihrem ersten Leben als Businessfrau? – Oder ist das vielleicht alles egal und es gilt, sich an den Bildern des Films zu berauschen, sich seiner Stimmung hinzugeben und sich während der spannenden und oft sehr blutrünstigen Momente tief in den Kino-Sessel zu drücken. Ich glaube, näher als mit „Tulpa“, kommt man heute an das alte „Giallo-Feeling“ nicht mehr ran. Federico Zampagliones Film ist brutal, wirr, sexuell aufgeladen und im besten Sinne aus der Zeit gefallen. Und zum Schluss war’s wieder mal der Gärtner. Toll!

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