Life Of Pi (Ang Lee, USA 2012)


„Life Of Pi“ habe ich mit großem Vergnügen gelesen. Aber ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass man aus dem Roman einen guten Film machen kann. Jetzt weiß ich: man  kann. Bzw: Ang Lee kann. Und nicht nur einen guten, sondern einen ganz und gar großartigen Film.

Film (und Buch) handeltn von von Piscine Molitor Patel (Suraj Sharma), genannt Pi. Als sein Vater, ein Zoodirektor, beschließt in die USA auszuwandern, wird der ganze Zoo auf ein Schiff verfrachtet und los geht die Reise. Doch das marode Schiff gerät in einen heftigen Sturm – und kentert. Ehe sich Pi versieht befindet er sich auf einem Rettungsboot mit einem Zebra, einem Orang Utan, einer Hyäne und – einem riesigen, bengalischer Tiger namens Richard Parker.

Ich weiß gar nicht so genau, wo ich anfangen soll, „Life Of Pi – Schiffbruch mit Tiger“ zu loben, weil alles an ihm so wahnsinnig gut ist. Ang Lees Entscheidung, voll und ganz auf digitale Effekte zu setzen, hat sich als richtig erwiesen. Die Effekte sind gelungen und stehen im Dienst der Narration. Auch das 3D fügt sich gut in die Geschichte ein. Aber es ist vor allem die inhaltliche Seite des Films, die fasziniert: „Life Of Pi“ ist Abenteuer- und Bildungsgeschichte sowie philosophische Abhandlung in einem. Immanuel Kant hat vor über 200 Jahren die Philosophie in drei Bereiche aufgeteilt und diese nach folgenden Fragen geordnet: „Was können wir wissen?“, „Was sollen wir tun?“ und „Was dürfen wir glauben?“  Im Film laufen die Antworten auf die Fragen auf spielerische Weise zusammen. Ohne Vernunft wäre Pi der Herausforderung des Überlebens auf See nicht gewachsen. Doch seine Reise über den Ozean erweist sich gleichzeitig als moralische Prüfung. Er steht immer wieder vor der Frage, welches Verhalten das Richtige ist. Die moralische Dimension des Films geht nahtlos in den Bereich der Spiritualität über. Religion und Glaube spielen hier eine unaufdringliche, aber zentrale Rolle. Am Ende laufen die drei philosophischen Kategorien, das Wissen, das Sollen und das Glauben zusammen und kulminieren in einer Frage, die der große Philosoph Kant wohl vergessen hat: Was wünschen sich Menschen eigentlich?

Lange Rede. „Life Of Pi“ ist nicht ganz ohne Kitsch und Pathos. Aber er ist auch mitreißend erzählt, magisch fotografiert und grandios gespielt; und vor allem erzählt Ang Lees Film eine unglaublich reichhaltige Geschichte, die einlädt, die Welt und sich selbst neu zu entdecken.

Die gleiche Meinung, aber ausführlicher, kann in der Januarausgabe der AGM nachgelesen werden.

Bild © Twentieth Century Fox
 

4 Comments on Life Of Pi (Ang Lee, USA 2012)

  1. Hmm. Ich verstehe das alles nicht. Der Film war sehr schaubar und ein sehr ordentlicher Abenteuerfilm. Die Bookends waren fürchterlich und das 3D das beste, was ich je sah.

    Der Vorschlaghammer, mit dem die Message in den Kopf des Zuschauers gedonnert wird ist einfach nur lächerlich. Leider für den kleinsten gemeinsamen Nenner verfilmt.

    (Das Buch kenne ich jedoch nicht)

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