Passion (Brian de Palma, Deutschland / Frankreich 2012)


PassionSehr viel Positives wurde über Brian de Palmas neuen Film „Passion“, ein Remake des französischen Thrillers „Love Crime”, noch nicht geschrieben. Als Film auf „B-Movie-Niveau“ (Die Welt) wurde er bezeichnet, als „Lachnummer“ (Berliner Zeitung), „Abschlussprojekt einer Filmhochschule“ (Der Freitag) oder – ganz eloquent auf Spiegel Online – einfach als „Müll“. Bei so viel mieser Presse fällt es natürlich besonders leicht, den sicherlich nicht in jeder Hinsicht perfekten, aber trotzdem meisterlich inszenierten und durch Rachel McAdams, Noomi Rapace und Karoline Herfurth markant gespielten Film ins Herz zu schließen.

Christine (Rachel McAdams) leitet die Berliner Dependance einer internationalen Werbeagentur, Isabelle (Noomi Rapace) ist ihre fähigste Mitarbeiterin. Als Christine Isabelle eines Tages die Idee klaut und Isabelle ihrer Chefin ihren Liebhaber Dirk (Paul Anderson) ausspannt, entspinnt sich zwischen den beiden Frauen ein Machtkampf, der immer erbitterter geführt wird.

Mit „Passion“ kehrt de Palma zu seinen Wurzeln zurück. Man könnte auch sagen, der mittlerweile über 70-jährige Regisseur feiert sich richtig selbst, vielleicht, weil das dieser Tage zu wenig andere tun (vielleicht hat das aber auch einen anderen Grund). De Palma greift Motive auf, variiert sie genüsslich und ordnet sie zu etwas an, das kaum Ähnlichkeit mit Filmen hat, die man heutzutage sonst so im Kino zu sehen bekommt. Eine, bzw. diesmal sogar gleich drei Femme Fatal, Voyeurismus und sexueller Eskapismus, Psycho- und Machtspielchen, Spiegel(ungen), Masken sowie die typischen De Palma’schen Stilmittel wie Splitscreens und längere Kamerafahrten – alles dabei in diesem Film eines Regisseurs, der niemandem mehr etwas beweisen muss und der gar nicht erst versucht, sich selbst neu zu erfinden. Der es aber trotzdem schafft, auch den passionierten Fan  des Regisseurs durch mehre interessante Brüche zu überraschen, ja sogar ein wenig an der Nase herum zu führen. Aber auch der De-Palma-Unkundige kann ich daran erfreuen, wie sich auf einmal die Farben ändern, die Perspektiven wegknicken und er oder sie sich in einer anderen Realität oder besser gesagt: so richtig im Film wieder findet.

In „Passion“ hassen sich zwei Frauen mit Leidenschaft. Oder vielleicht lieben sie auch nur sich selbst so sehr, dass für andere keine Liebe mehr übrig bleibt. Es ist ein Film über das Ego – das der Protagonistinnen, aber auch das, des Regisseurs. Insofern passen hier Form und Inhalt wunderbar zusammen! Ja, „Passion“ ist wahrlich ein Film über die dunklen Seiten der Leidenschaft, aber eben auch über die guten: De Palma braucht nicht viel, um einen Film zu drehen, der so viel besser ist als das meiste, was einen Kinostart bekommt, und er beweist, dass er auch noch nach so vielen Jahren des Filmemachens mit Leid und Seele dabei ist. Das Publikum nölt, die Kritiker lästern – und ich wundere mich. Sind denn heute alle schon so auf die Optik des Mainstream- und nicht weniger überraschungsfreien Independent-Kinos gepolt, dass man einen Film wie „Passion“ allen Ernstes als Lachnummer, Schülertheater oder Müll bezeichnen und so einen Text auch noch in einer seriösen Zeitung veröffentlichen kann? Schön, dass es auch Menschen gibt (hier z.B. oder hierhier und hier), die etwas genauer hinschauen und analysieren, wie ein Film funktioniert und was er mit ihnen macht. Die neugierig und aufgeschlossen bleiben, auch wenn sie ihn vielleicht nicht mögen. Das bewundere ich. Denn auch wenn de Palmas Film bestimmt den einen oder anderen Schwachpunkt hat, eine „B-Kritik“ hat er dennoch nicht verdient.

Bild © Ascot Elite
 

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