Tag: 2012

Kino 2012: Meine Top 10


2012 war ein guter Jahrgang. Etwas über 100 Filme habe ich im Kino sehen können (ca. 70 Filme waren reguläre Kinostarts, der Rest lief auf Festivals). Die 10 Filme, die mir davon am besten gefallen haben, sind folgende:

Life Of Pi (Ang Lee, USA 2012)

Eigentlich soll die Liste gar keine Reihenfolge angeben, dennoch steht dieser hier nicht zu unrecht ganz oben. Toller Roman, großartige Umsetzung. Einen so reichhaltigen Film wie Ang Lees „Life Of Pi“ habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Zwar ist er nicht ganz kitschfrei, aber er ist dennoch mitreißend erzählt, magisch fotografiert und grandios gespielt. Ein Film der zum Philosophieren einlädt. (–> Zur Kritik; wer es etwas ausführlicher will, kaufe sich die Januarausgabe der AGM.)

Sister (Ursula Meier, Frankreich / Schweiz 2012)

Der beste Film auf der Berlinale 2012 und aus dem diesjährigen Kinoprogramm. Von dem dümmlichen deutschen Titel „Winterdieb“ (was ist ein Winterdieb??) sollte sich niemand abschrecken lassen. Ursula Meiers „Sister“ (OT L’enfant d’en haut) ist ein grandioses Beziehungsdrama – und bestimmt ist er noch viel mehr als das. Mir fehlen die Worte.

The Hunger Games (Gary Ross, USA 2012)

Kinder, die sich in einer riesigen Arena gegenseitig umbringen müssen. Schon die Prämisse ist über alle Maßen deprimierend. Ich war zweimal im Kino und hatte jedes Mal feuchte Augen und einen Kloß im Hals. Wie es manche Leute schaffen, diesen Film mit einem Schulterzucken abzutun, ist mir ein Rätsel. Zumindest für mich war „The Hunger Games“ ein äußerst verstörender Film  und eines der intensivsten Filmerlebnisse dieses Jahres. (–> Zur Kritik)

The Turin Horse (Béla Tarr, Ágnes Hranitzky, Ungarn / Frankreich / Schweiz / Deutschland / USA 2011)

Die Apokalypse – bei Béla Tarr ist das die rückwärtslaufende Genesis. Am Anfang bockt ein Pferd. Am Ende ist da nur noch Dunkelheit. Dazwischen liegen sechs lange Tage, in denen der Zuschauer einen Bauern und seine Tochter dabei beobachten kann wie sie aufstehen, sich anziehen, essen, trinken, Wasser holen und wieder zu Bett gehen. „The Turin Horse“ (OT A torinói ló) ist ein verstörend toller Film, aber auch ein unglaublich deprimierender, weil er dem Zuschauer jede Hoffnung verweigert.

Cosmopolis (David Cronenberg, Kanada / Frankreich / Portogal / Italien 2011)

Limousinen spielten in diesem Kinojahr eine große Rolle. Die längste Zeit des Films sitzt der Protagonist in seinem Wagen. Er befindet sich auf dem Weg zum Friseur. Was einfach klingt, ist  eine verdammt komplexe Angelegenheit. „Was ist der Mensch?“, „Was kann aus ihm werden?“ fragt Cronenberg in seinem Film „Cosmopolis, der fast noch eigenwilliger ist als man es von ihm gewohnt ist. Der Film gleicht einer wissenschaftlichen Studie: nicht immer vergnüglich, aber bewusstseinserweiternd. (–> Zur Kritik)

Moonrise Kingdom (Wes Anderson, USA 2012)

Ich mag Filme von Wes Anderson eigentlich immer gerne,  diesen sogar ganz besonders. Mit „Moonrise Kingdom“ bleibt Anderson seinem Stil treu, erweitert aber gleichzeitig sein Œuvre um eine Geschichte, die es wirklich einmal wert ist, erzählt zu werden: Es geht um zwei Kinder und eine bedingungslose Liebe. Unter der sterilen Oberfläche der Bilder brodelt ein Vulkan. So deutlich habe ich das bei einem Anderson-Film noch nie empfunden.

The Raid (Gareth Evens, Indonesien / USA 2011)

Eine Gruppe unerfahrener Polizisten, ein Hochhaus und eine Horde blutgieriger Gangster. Mehr braucht es manchmal nicht. Offene Brüche, aufgeschlitzte Hälse, eingeschlagene Schädel, zerfetzte Leiber – Gareth Evens bietet in „The Raid: Redemtion“ Action Non-Stop. So was hat man noch nicht gesehen. Ich zumindest nicht. (–> Zur Kritik)

Holy Motors (Leos Carax, Frankreich / Deutschland 2012)

Der Preis für den ungewöhnlichsten Film müsste eigentlich an „Holy Motors“ gehen. Wer versucht, ihn zu verstehen, der hat ihn nicht verstanden. Ein Film, der auch noch weiter läuft, wenn sich der Vorhang schon geschlossen hat. Ein Film über Inspiration, über Kreativität und über das Kino. Wunderbar!

Tinker Taylor Soldier Spy (Tomas Alfredson, Frankreich / UK / Deutschland 2011)

Die John le Carré-Verfilmung von Tomas Alfredson („Låt den rätte komma in“) ist nur auf den ersten Blick dem Genre des Agentenfilms zuzuordnen. In Wirklichkeit interessiert sich Alfredson aber für ganz andere Dinge. Mit seinem Film fängt er das Echo einer vergangenen Zeit ein, einer Zeit, die es wahrscheinlich niemals gab und zeigt dem Zuschauer, wie es sich anfühlt, als Gespenst durch einen Carré-Roman zu wandeln. Die Agenten von damals sind wie die erstarrten Insekten in einem glitzernden Bernstein.

Anna Karenia (Joe Wright, USA 2012)

Kurz vor Jahresende erobert sich Joe Wrights Literaturverfilmung noch einen Platz in meinen Top 10. „Anna Karenina“ ist einziger  Rausch – opulent, intelligent, intensiv. Ich gebe zu: Filme, in denen das Spiel mit den Realitäten so kunstvoll betrieben wird, wie in diesem, haben es bei mir auch nicht schwer. Da kann auch Keira Knightley nichts dran ändern. Schon der Beginn, wenn die Schauspieler ihre Kostüme anziehen und auf die Bühne treten, die plötzlich zur filmischen Wirklichkeit wird, bringt mich zum Schwärmen. Und von solchen Momente wimmelt es. Trotzdem ist dieses Spiel mit dem Realitätsebenen kein Selbstzweck, sondern immer auch schlauer Kommentar zur Geschichte um Anna Karenina und ihrem (hoffnungslosen) Versuch, auszubrechen.

The Avengers (Joss Whedon, USA 2012)

„The Avengers“ ist lange nicht meine liebste Superhelden-Verfilmung, aber die mit Abstand beste in diesem Jahr. Leider wurde sie gestern von „Anna Karenina“ auf den 11. Platz verdrängt. Trotzdem. Joss Whedon ist und bleibt ein Zauberer. Egal, mit wie vielen Figuren er in einem Film jongliert – die Chemie stimmt immer.  Außerdem ist er in der Lage, tolle Geschichten und Dialoge zu schreiben. Etwas besseres als er konnte einem Film über die „Avengers“ gar nicht passieren. Nur das mit der Action, das sollte Whedon noch mal üben. (–> Zur Kritik)