Tag: Adam Sandler

50 First Dates (Peter Segal, USA 2004)

Posted by 14. Mai 2016

50 first datesEs hat ein paar Filme gedauert, bis ich herausgefunden habe, was sich krank am besten schauen lässt. Die Antwort lautet ohne Wenn und Aber: Adam-Sandler-Filme. Ich will jetzt nicht zu allen, die ich in den letzten auf dem Sofa verbrachten Tagen gesehen habe, etwas aufschreiben. Aber wenn einer mir sogar das ein oder andere Tränchen abringt, weil er so lustig, romantisch, traurig, weise und zusammengefasst einfach wundervoll ist, dann sollte ich wohl doch ein paar Sätze dazu sagen.

Der Tierarzt Henry Roths (Adam Sandler) kann sich nicht beklagen. Das Leben auf Hawaii ist sonnig und warm, die Touristen liegen ihm zu Füßen. Eine feste Bindung kann er sich nicht vorstellen – bis er Lucy Whitmore (Drew Barrymore) trifft. Es ist Liebe auf den ersten Blick und schöner noch, Lucy scheint das gleiche zu empfinden. Doch als er sie am nächsten Tag wieder trifft, kann sie sich nicht an ihn erinnern. Denn die junge Frau hatte einen Unfall, seitdem kann sie keine neuen Informationen abspeichern. Jeden Morgen wacht sie in der Annahme auf, dass es sich um den Tag vor ihrem Unfall handelt. Während Lucys Vater Marlin (Blake Clark) und ihr Bruder Doug (Sean Astin) versuchen, Lucy ihr Schicksal zu verheimlichen und ihr den gleichen Tag immer und immer wieder vorzuspielen, will Henry sich nicht damit abfinden. Er macht sich daran, Lucys Herz jeden Tag erneut zu erobern, in der Hoffnung, dass sie sich vielleicht irgendwann an ihn erinnert…

Nun denn, warum ist „50 First Dates“ so gut?

Auch wenn die Geschichte natürlich an „Groundhog Day“ erinnert, würde ich sie als hochgradig originell durchgehen lassen. Eine Liebesgeschichte, die auf diese Weise erzählt wird, ist mir von Harold Ramis Film abgesehen nicht bekannt. Auch die Parallelen hierzu relativieren sich, wenn man sich genauer anschaut, was Adam Sandler an diesem Stoff eigentlich interessiert: In „50 First Dates“ geht es ja nicht um den Reifungsprozess des Protagonisten angesichts dessen Situation, sondern darum wie Menschen (wichtig, Mehrzahl!) mit einer schwierigen gesundheitlichen Situation einer weiteren Person umgehen, die wiederum gleichzeitig niemals zum Objekt gemacht, sondern ab einer bestimmten Phase des Film selbstbestimmt ihr Schicksal in die Hand nimmt. George Wing, der neben diesem, glaube ich, nur noch das Drehbuch für „Outsourced“ und ein paar Folgen der daraus entstandenen Serie geschrieben hat, ist hier wirklich ein sensationelles Script gelungen, bei dem zwar nicht jeder Gag zündet, bei dem aber das große Ganze stimmt.

Das ist natürlich nicht alles. Damit ein Film wie „50 First Dates“ funktionieren kann (ok, ok das gilt jetzt wahrscheinlich für die allermeisten Vertreter dieser Spezies), ist es natürlich essentiell, dass die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt. Und man muss schon ein wenig länger überlegen, um ein Film-Paar zu finden, das so gut harmoniert wie Adam Sandler und Drew Barrymore. Harrison Ford und Carrie Fischer vielleicht, oder Patrick Swayze und Demi Moore, oder Leonardo DiCaprio und Kate Winslet und vielleicht noch ein paar. Aber so viele gibt’s da nicht, denn in dieser Liga wird Luft ganz dünn.

Doch so wichtig die Schauspieler sind, kein Film ist allein ihretwegen gut. Und natürlich muss es deswegen auch noch einen wirklich guten Grund abseits der bereits genannten geben, warum 50 First Dates“ mich so umgehauen hat. Der Clou des Films ist ja – für Sandler-Filme typisch, aber oft übersehen – dass er überhaupt einen hat. Er macht ja nicht einfach eine albern-kurzweilige Liebeskomödie, sondern ein Werk, das etwas zu sagen hat. Es hat – wie bisher alles, was ich von Sandler gesehen habe – Sinn, Verstand und ganz viel Herz und diesmal und darüber hinaus auch große aktuelle Brisanz. Mir fällt auf die Schnelle jedenfalls kein anderer Film ein, der das Thema Krankheit innerhalb einer Beziehung warmherziger und liebevoller umgesetzt hat. Denn darum geht es ja eigentlich, um ein Paar, das ob der schweren Erkrankung des einen Partners und aller weiteren Widrigkeiten zum Trotz zusammenfinden und -bleibt. „50 First Dates“, eine Liebeskomödie, die sich subversiv von allen Liebesfilmklischees emanzipiert ohne dabei auf irgendetwas zu verzichten, was die Zuschauer sehen wollen und was dieses Genre ausmacht.

Also – darum!

Schön, dass dieser Film mal nicht wie so viele andere Sandler-Komödien in Deutschland am Publikum vorbeigerauscht ist, sondern die Anerkennung erhalten hat, die er meiner Meinung nach definitiv verdient. Denn wie gesagt, „50 First Dates“ ist einfach wundervoll!

Bild © Sony Pictures Home Entertainment

Blended (Frank Coraci, USA 2014)

Posted by 14. Mai 2016

BlendedWenn man älter wird, verschieben sich die Prioritäten. Davon wollen Liebesfilme in der Regel nichts wissen. Nur sehr selten bekommen sie es hin, mal etwas anderes als die üblichen Beziehungsanbahnungen und -konstellationen überraschungsfrei rauf und runter zu dudeln. Da überrascht es, dass einer der interessantesten Beiträge ausgerechnet ein Adam Sandler Film ist. Oder eben nicht. Denn nach den wenigen Begegnungen mit seinen Filmen kann ich schon sagen, dass keiner so oberflächlich ist, wie es auf den ersten Blick den Anschein haben mag.

In „Blended“ geht es um die allein erziehenden Eltern Lauren (Drew Barrymore) und Jim (Adam Sandler). Sie treffen sich zu einem Blind Date – und können sich auf den Tod nicht ausstehen! Doch schon wenig später führt sie das Schicksal nicht nur erneut zusammen, sondern ermöglicht den beiden Familien sogar einen gemeinsamen Afrika-Urlaub. Auch wenn am Anfang ordentlich die Funken sprühen, müssen die beiden Streithähne bald feststellen, dass sie doch gar nicht so schlecht zusammenpassen.

Neben diesem ganz individuellen Fall geht es in „Blended“ – und das macht ja schon der Titel deutlich – um eine im Liebesfilm weniger häufig betrachtete Form des Zusammenfindens und –lebens, nämlich um das derjenigen, die die erste Runde schon gespielt haben und nun mit Kindern ein Leben leben, das genauer zu betrachten den meisten romantischen Komödien wohl zu anstrengend wäre. Schließlich brauchen Kinder, wie in „Blended“ mal gesagt wird, 99% deiner Zeit und nur 1% bleibt da für den Partner übrig. 1% – das wäre vielen Filmen wohl zu wenig, um hier romantisch auf Touren zu kommen, deswegen lassen es die meisten lieber gleich sein. Nicht so Sandler, der sich hier mit seinen Autoren Clare Sera und Ivan Menchell wie Regisseur Frank Coraci geradezu mit kindlicher Begeisterung auf das Thema „Patchworkfamilie“ (mit allem was dazu gehört) stürzt und im Ergebnis nicht nur einen der lustigsten und romantischsten Liebesfilme abliefert, die ich seit Jahren gesehen habe, sondern auch einen der endlich mal etwas übers (Zusammen)Leben zu sagen hat.

Denn bei aller Albernheit – und davon gibt es bei „Blended“ natürlich auch genug, man nehme nur diese scheußlich-herrlich afrikanische Musik-Combo, die zu den unpassendsten Momente aus dem Nichts auftaucht und die alle peinlichen Momente noch peinlicher macht – ist es Sandler hoch anzurechnen, dass er sich nicht scheut, auch komplizierte Beziehungen mit allem was dazu gehört auf seine ganz eigene Art unter die Lupe zu nehmen. Neben der Beziehung Lauren und Jim – die Chemie zwischen den Hauptdarstellern ist indes ganz hervorragend! – muss es, dem Thema entsprechend, natürlich auch oder sogar vor allem um das Leben mit den Kindern der beiden gehen. Im Detail sind das Laurens Söhne, der überdreht-aggressive Tyler (Kyle Red Silverstein) und Brendan (Braxton Beckham), der mitten in der Pubertät steckt und seine Sexualität noch nicht ganz unter Kontrolle hat sowie Jims Töchter, die alle sehr unter der abwesenden Mutter leiden, die kleine Lou (Alyvia Alyn Lind), die nach einem Sportsender benannte Espn (Emma Fuhrman), wie die älteste Tochter Hilary (Bella Thorne), der ihr männliches Aussehen sehr zu schaffen macht.

Ich kann verstehen, wenn man Sandler vorwirft, er würde oberflächlich sein und nicht davor zurückscheuen, seine Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben. Ich sehe das bzw. empfinde das allerdings nicht so. Sicherlich mögen manche „interkulturellen“ Gags grenzwertig und diskutabel sein, was die grundsätzlich positive Einstellung Sandlers zu den Charakteren seiner Filme angeht, darauf lasse ich nichts kommen. Ich finde es im Gegenteil sogar höchst erstaunlich, wie es Sandler immer wieder gelingt, mir auch bei jedem noch so grenzdebilen Scherz trotzdem wie ein großer Humanist vorzukommen. In seinem Film lachen wir nicht über die Figuren – wir lachen mit ihnen, weil wir spüren, dass auch wir hätten diejenigen sein können, die sich aufs Pupskissen setzen. In seinen Filmen sind wir alle eine große Familie.

Bild © Warner Home Video

Grown Ups (Dennis Dugan, USA 2010)

Posted by 5. Juli 2014

KindskpfeDie Freunde Lenny, Eric, Kurt, Marcus und Rob treffen sich nach dem Tod ihres Coachs, mit dessen Hilfe sie vor 30 Jahren die Basketball-Meisterschaft gewonnen haben, wieder. Sie beschließen, dem letzten Wunsch des Verstorbenen folgend, gemeinsam mit ihren Familien ein Wochenende auf dem Land zu verbringen und die Asche ihres Coachs auf einer Insel zu verstreuen. Das Wochenende wird turbulent – und das nicht nur, weil ihre damaligen Finalgegner der Meisterschaft sie zu einer Revanche herausfordern.

Über „Grown Ups“ hatte ich vor allem Negatives gelesen. Und da Komödien eh nicht meine Welt sind, ist es mir bisher nicht besonders schwer gefallen, die Finger von ihm zu lassen. Seit kurzem – wahrscheinlich sind es die Hormone – habe ich aber doch Lust auf leichte, gerne auch etwas alberne Filmkost. Tja, und so bin ich diesen Adam-Sandler-Film, den er zusammen mit seinem Stammregisseur Dennis Dugan und einem Haufen Kumpels (Kevin James, Chris Rock, David Spade, Rob Schneider, Salma Hayek, Maria Bello, Maya Rudolph) gedreht hat, geraten. Und, was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht, meine Erwartungen wurden sogar um einiges übertroffen. Ich fand den Film unglaublich entspannt – eine Handlung im klassischen Sinne gibt es nicht – und bemerkenswert warmherzig, was man von so vielen Komödien ganz und gar nicht sagen kann. Auch in „Grown Ups“ soll man darüber lachen, dass jemandem ein Missgeschick passiert. Aber im Gegensatz zu widerwärtigen Filmen wie „Hangover“ (den ich hier als Beispiel wähle, weil er bei genauerer Betrachtung ein ähnliches Thema hat wie „Grown Ups“), verstehen es Sandler und Dugan ihre Figuren nicht auszustellen und zu Erfüllungsgehilfen eines billigen Gags zu reduzieren.

Was mir an „Grown Ups“ ebenfalls gut gefallen hat: Der Film schafft es tatsächlich ein Stück Jugend zurückzuholen, ja, er hat mich sogar ein bisschen an Peter Pan erinnert. Eine einzelne Figur, die der Hauptfigur von James Matthew Barrie Jugendroman nahe kommt, gibt es zwar nicht, aber ihr Urlaubsdomizil, das Haus im Wald, ist doch so eine Art Nimmerland. Und vielleicht sind Lenny, Eric, Kurt, Marcus und Rob ja alle ein wenig Peter Pan – die „verlorenen Jungs“, die sich an diesem Wochenende neu (er)finden müssen, sind sie auf jeden Fall! „Grown Ups“ ist ein Film, der, wenn man es zulässt, zum schwärmen bringt, zum nostalgisch werden einlädt: Damals, als man noch nicht den ganzen Tag am Computer saß, als ein gutes Zeitmanagement noch nicht oberstes Gebot war und das Spielen mit Freunden an der frischen Luft noch einen ganz anderen Stellenwert hatte… „Stellenwert“ – das klingt schon wieder so nach einer Vokabel aus einem Lebensbereich, der zu dem Film überhaupt nicht passt. Kindheit ist Neugier, ist Spiel, ist Bewegung, ist Albernheit. Und irgendwie schafft es „Grown Ups“ dies dem Zuschauer vielleicht ein wenig zu rosarot, aber trotzm auf eine ehrliche, authentische Art in Erinnerung zu rufen.

Bild ©  Sony