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Livid (Alexandre Bustillo, Julien Maury, Frankreich 2011)

Posted by 17. April 2012

Mit „Livid“ – nach „Inside“ dem erst zweiten Film des Regieduos Alexandre Bustillo und Julien Maury – hatte ich eben die Gelegenheit, mein Spektrum, was seltsame Vampirfilme angeht, zu erweitern. „Livid“ (OT: Livide) handelt von Lucy (Chloé Coulloud), einer angehenden Krankenpflegerin, die zusammen mit ihren Freunden William (Félix Moati) und Ben (Jérémy Kapone) in das Anwesen von Mrs. Jessel (Marie-Claude Pietragalla) einbricht. Dort soll nämlich ein Schatz versteckt sein. Doch statt das Haus reich wieder zu verlassen, müssen die jungen Leute feststellen, dass zum einen auf einmal alle Ausgänge versperrt und sie zum anderen nicht die Einzigen in dem alten Gemäuer sind.

Der Anfang von „Livid“ ist unspektakulär, aber aufgrund von Chloé Coulloud, die den Charakter von Lucy gleich von Beginn mit genügend Ecken und Kanten ausstattet, nicht uninteressant. Im Mittelteil, als Lucy mit ihren Freunden auf der Suche nach dem Schatz durch das Gemäuer irrt, nimmt „Livid“ hingegen fast schon ärgerliche Ausmaße an. Das liegt unter anderem daran, dass Alexandre Bustillo und Julien Maury ein Klischee ans nächste reihen. Dem netten Gothic-Look zum Trotz hat für mich in diesem Stadium nur wenig darauf hingedeutet, dass ich es hier mit zwei sehr hoch gehandelten Filmemachern zu tun habe. Im letzten Drittel nimmt das Gruselfilmchen von Mauray/Bustillo jedoch noch einmal eine unerwartete Richtung und wächst über sich hinaus: „Livid“ wird durch neue Informationen, die dem Zuschauer vor allem durch Rückblenden näher gebracht werden, sowie durch neue Entwicklungen auf der Jetzt-Ebene zu einem Hybrid aus Vampir-, Hexen- und Fantasyfilm; und auch visuell legen sich Mauray/Bustillo auf den letzten Meter noch einmal richtig ins Zeug. Nicht jeden wird das  mit einigen Längen, dem einfallslosen Mittelteil und manchem logischen Aussetzer versöhnen. Ich werde „Livid“, der hier und da einige Neuerungen einbringt und zudem noch eine hintergründig traurige Geschichte erzählt, nichts desto trotz als interessante Variation des Vampir-Themas und damit sicherlich insgesamt positiv in Erinnerung behalten.

Bild © Sunfilm